Der Dracula-Film startete in eine neue Ära. Auf der Schwelle zu den 80ern wurde das Kapitel der alten Blutsauger endgültig geschlossen und sich ehrgeizig darangemacht, das unsterbliche Thema den Klauen des B-Films zu entreißen, der es lange Zeit so fürsorglich am Leben erhalten hatte, mit unzähligen Variationen und “Exploitationen“. Eine ordentliche Produktion sollte her, aufwändiger und eben wieder tauglicher für die Massen. John Badham, der zuvor erst mit „Saturday Night Fever“ einen Klassiker geschaffen hatte, war bestimmt ein zugkräftiger Name, der damaligen Kinogängern noch ein Begriff gewesen sein dürfte, notfalls half eben ein Vermerk in Klammern (Regisseur von „Blabla…“) oder so auf die Sprünge, was weiß ich. Und so sieht der Film dann auch aus. Sehr ordentlich eben, was nicht heißen soll, dass es ihm an rotem Lebenssaft fehlt. Mit Frank Langella hatte man einen Dracula verpflichtet, der aus dem “Christopher Lee-Diktat“ der vergangenen Jahre ausbrach und sich den Befindlichkeiten eines neuen Publikums anpasste, das nun wahrscheinlich eher auf Schmalzlocken stand. Mir gefällt die Idee ganz gut, den Blutsauger mal weitestgehend als sanften Verführer dargestellt zu sehen, da dessen Dämonie am Ende, wenn es ihm schließlich an den Kragen geht, dann nur um so wirkungsvoller und überraschender hervor bricht. Die Sets sind erwartungsgemäß hübsch anzusehen und auch visuell wird man mit einigen sehr gelungenen Sequenzen konfrontiert, etwa wenn Dracula kopfüber die Hauswand herunterkrabbelt (Hammer lässt grüßen) oder der kitschig schöne Liebesakt mit Mina, der im Gegensatz zur eher s/w gehaltenen “Farbgebung“ des restlichen Filmes mit einem kräftigen Rot aufwartet. Ein netter kleiner Trick, der beim damaligen Kinopublikum (vor großer Leinwand) bestimmt nicht ohne Wirkung blieb. Van Helsings schauriges Rendezvous mit seiner toten Tochter bleibt einem ebenfalls im Gedächtnis haften. Dem Anspruch einer werkgetreuen Verfilmung allerdings ist man auch mit diesem „Dracula“ nicht nachgekommen. Die Handlung wurde stark gestrafft und auch ein wenig verändert. Aber das hat längst Tradition, es geht auch gar nicht anders (ich warte ja noch immer auf eine 14-teilige TV-Adaption). Aber wenn ich mich an die Lektüre des Buches erinnere, ist wohl diese Verfilmung diejenige, welche noch mit am ehesten an das “Lese-Feeling“ heranreicht, was viel natürlich nicht zu heißen hat. Ich will nicht sagen, dass er dem Buch wirklich nahe kommt, doch sämtliche anderen Verfilmungen tun dies ja eigentlich noch weniger. Mir ist jedenfalls dieser düstere, nüchterne „Dracula“ lieber, als Coppolas Bildersturm. Und besser als alles, was in letzter Zeit so zum Thema „Dracula“ (nicht Vampire) abgeliefert wurde, ist Badhams Variante allemal. Auf der Leinwand/Mattscheibe aber machen sich die klassischen alten “Schinken“ um Lugosi und Lee noch immer am besten!
Dracula (Badham) USA/England 1979 Langella Badham Stoker
Dracula (Badham) USA/England 1979 Langella Badham Stoker













