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"Früher hatte ich ein Leben, heute habe ich die CinemaxX-Card...."


551 Antworten in diesem Thema

#61 Hagen

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Geschrieben 06. August 2005, 12:40

Spiel mir das Lied vom Tod im Frischluftkino gesehen. Gut, es hat geregnet. Ja, der begeisterte Ausruf einer Sitznachbarin zu ihrem Freund ("Guck mal - ein Glühwürmchen!") war schon etwas doof - schließlich handelte sich nur um einen Fusel, der in den Lichtstrahl des Projektors geraten war, aber Frauen sind ja leicht zu begeistern. Ändert aber nichts daran: Wahnsinnsfilm.
Einmal mehr ist mir wieder aufgefallen, wie sehr mich die Figur des Eisenbahnbarons Morton berührt, den ich für die vielleicht verletzlichste Figur des Films halte. (Abgsehen von den McBain-Kindern, aber mit denen darf man ja nicht zu viel Zeit verbringen...)
Der im Audiokommentar zur DVD zu findende Hinweis eines der Sprecher (Brian Cox?), dass eine bestimmte Szenefolge sehr schwer zu erklären ist, stimmt natürlich (Frank bei Witwe McBain; Frank in Bergfeste (angeblich mit der Witwe); Cheyenne und Mundharmonika auf McBain-Land; Frank und Wittwe im Bett in ihrem Haus) - andererseits, wie auch schon der Sprecher anmerkt, kümmert einen das nicht wirklich (wenn man es überhaupt bemerkt).
Ganz böse: Alte deutsche Kinofassung, wo nach dem Bahnhofduell am Anfang der Teil rausgekürzt wurde, in dem Mundharmonika wieder aufsteht. Bah. Als ob die paar herausgeschnippselten Sekunden den Film merklich beschleunigt hätten...
Demnächst sollte ich vielleicht wirklich mal mitstoppen, wie der Film sich gegen Ende beschleunigt. Die Bahnhofsszene nimmt sich ca. 12 Minuten Zeit um uns Mundharmonika vorzustellen (oder zumindest die Männer, die er über den Haufen schießen wird...), die Vorstellung von Frank (wieder über den Umweg der Opfer, also der McBain-Familie), war ähnlich lang. Gegen Ende wird aber scheinbar alles flotter bis dann schließlich die drei wichtigen Todesfälle innerhalb relativ kurzer Zeit auftreten.
Schön auch, dass eben diese drei Todesfälle mit einer gewissen, nennen wir es mal "Gnade" vor sich gehen. Morton findet im Tod noch zum Ozean (was diese schmerzliche Szene natürlich nicht viel erträglicher macht), Frank darf sterbend die Antwort erfahren, die er so dringend wissen wollte (man muss sich nur mal vorstellen, wie grausam es gewesen wäre, wenn Mundharmonika es ihm nicht gesagt hätte!) und Cheyenne darf immerhin in Würde/unbeobachtet nach vorne kippen. Viel ist das nicht, aber mehr kann man von der Welt auch nicht erwarten. Nicht bei Leone.

Fazit: Toll, toll, toll.

Und bevor ich's vergesse: Als Vorfilm gab's Tim Burtons Vincent! Im Original! Ich habe nicht laut aufgejuchzt, aber ich war soooo kurz davor.

#62 Hagen

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Geschrieben 07. August 2005, 18:51

Amazon.de:

Zitat

Gelungene Auseinandersetzung mit einem ernsten Thema

Der Film "Zatoichi" handelt von einem blinden Samurai. Teils humorvoll, teils mit angemessener Ernsthaftigkeit wird dabei das Thema der Behinderung im Samuraiberuf beleuchtet.
Natürlich behindert den Helden Zatoichi seine Behinderung, aber der Film zeigt eindrucksvoll, dass man es im Leben auch dann zu etwas bringen kann, wenn man nicht so ist, wie die Werbung einem vormacht, nämlich perfekt.
Mir hat dieser japanische Streifen wirklich Mut gemacht und das sogar, obwohl ich selbst keine Behinderung habe. Allerdings bin ich durch meine Zivildienstzeit mit der Problematik vertraut und freue mich deshalb, dass sich einmal ein Filmemacher des heißen Eisens "Behinderung" angenommen hat. Dafür: 5 Sterne!
Zur DVD kann ich jetzt natürlich noch nichts sagen, da sie noch nicht erschienen ist, aber DVDs sind ja meistens ziemlich gut, was die Bildqualität angeht und so.

Muhaha.

#63 Hagen

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Geschrieben 09. August 2005, 13:12

Unbreakable - hatte nach dem exzellenten "The Village" schon lange Lust den mal wieder zu sehen, weil ich den schon damals im kino sehr mochte, aber jeder andere Bekannte ihn ganz furchtbar fand. Was soll ich sagen: Die haben sich geirrt und ich hatte Recht! "Unbreakable" ist ein wunderbarer Film, der so ausgeruht unspektakulär daherkommt, dass es für viele Zuschauer wohl schon wieder zu ansterengend wird. Aber wenn man sich auf diese Langsamkeit einlässt und auch die deprimierende Grundstimmung, dann entwickelt "Unbreakable" eine ganz spezielle Stimmung, die ich immer mit Halbschlaf verbinde: solche Filme wirken einlullend, machen den Zuschauer auf eine schöne Art matt - so als ob man an einem warmen Sommernachmittag auf einem Klappstuhl auf dem Balkon einschlummert.
Abgesehen von dieser Stimmung (ich finde übrigens, dass die von mir vergötterten "Aguirre" oder "The Man who wasn't there" auch solche Kandidaten sind, "Mulholland Drive" auch, schon alleine wegen der Musik), überzeugt mich "Unbreakable" aber auch durch die originelle Herangehensweise an das Thema "Helden" und auch mit tollen Ideen: Das erste Mal, dass der junge "Mr. Glas" ein Comicheft in der Hand hält, sehen wir es verkehrt herum (oben ist unten), weil er die Verpackung in der es lag, falsch herum auf seinem Schoß liegen hat -- das erste was von dem Zugunglück sehen, an dem Bruce Willis beteiligt ist, ist genauso verkehrt herum, weil es sich um TV-Aufnahmen handelt, die sich Willis Sohn anschaut, während er Kopf über auf dem Sofa lümmelt -- schon rein visuell werden hier also der Zugunfall (und das was wir dadurch letztlich erfahren werden) und das Helden-Motiv miteinander verknüpft.
Andere tolle Szene: Bruce Willis steht im Bahnhof und streckt die Hände aus, lässt sich von Leuten im Vorbeigehen berühren um seine "Visionen" herauszufordern. Alle Passanten sind, wie Bruce und eigentlich der ganze Film, monochrom dunkelblau-grau gekleidet, aber diejenigen, die etwas auf dem Kerbholz haben, diejenigen, die Bruce eine Vision über ihr böses Handeln verschaffen, tragen bunte Kleider, fallen mit ihren Signalfarben auf (der schlimmste von allen trägt Orange).
Und dann, am Ende: Bruce Willis als Held - der mit seinem Regenmantel eher wie der personifizerte Tod aussieht. Eine realistische und doch düster-stilisierte Vision, großartig.
Und dann noch: Pfeiffen wir auf die Überraschung. Die ist gut und passt zum Film und ich habe an ihr nichts auszusetzen, aber Shyamalans Filme (besonders die letzten drei) finde ich immer wieder anziehend, weil mir die Charaktere gefallen - in "The Village" ist es gleich ein ganzes Arsenal interessanter und sympathischer Figuren, aber auch die unendliche Traurigkeit von Bruce Willis in "Unbreakable" oder der Humor in "Signs", das alles ist auch beim wiederholten Sehen wunderschön anzusehen.
Kurz noch zur ersten Szene in "Unbreakable" -- ewig langer Take, der Bruce Willis dabei zeigt, wie er erfolglos im Zug mit einer Frau flirtet und sich vorher den Ehering abgenommen hat. "Schlimmer Finger!" denkt man sich, nur um dann ein paar Minuten später zu merken, dass Shyamaln einen reingelegt hat, weil Bruce zwar noch verheiratet ist, die Ehe aber nur noch formal besteht (was wir nur durch eine kleine Geste sehen, die uns viel über die kleine Familie verrät).

#64 Hagen

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Geschrieben 09. August 2005, 13:24

Teufelskreis Alpha
Hmm. Nicht schlecht. Aber... Die Vollbild-TV-Austrahlung ist ohnehin nicht die richtige Art einen Film zu entdecken oder wiederzuentdecken, gerade nicht bei DePalma. Aber "Teufelskreis" macht davon abgesehen auch keinen großen Eindruck. Flott erzählt, interessante Story, die sogar ein bisschen "Scanners" vorwegnimmt (auch wenn Cronenberg natürlich schon in früheren Kurzfilmen mit dem Thema Telepathie gearbeitet hatte), aber insgesamt will der Funke nicht überspringen.
Sind lange Takes bei Gesprächen (Vater - Sohn am Anfang, Freundinnen am Strand danach) mit hin-und-her pendelnder Kamera eigentlich schon genuine DePalma-Angeberei oder noch Low-Budget-Stil (weil: je länger die Takes, desto weniger aufwendig und desto schneller kann man den ganzen Film abdrehen)?
Wirklich erwähnenswert ist der Film wohl tatsächlich nur für sein Ende. Ist das in der inoffiziellen Geschichte des Splatter-Films eigentlich genug beachtet worden? Seine Radikalität ist schon beeindruckend: 1) Das letzte was man von dem Film sieht ist ein platzender Körper. 2) In Zeitlupe. 3) Mit zusammenmontiertem Material aus 5 oder 6 (gefühlte Anzahl: 50) gleichzeitig laufenden Kameras.
Satt sehen kann man sich daran nicht und dank DVD und VHS kann man so was heute in Dauerschleife genießen, bis einem die Nase blutet oder man eingewiesen wird...

#65 Hagen

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Geschrieben 09. August 2005, 13:33

Ich hasse mich dafür, aber: Point Blank gefällt mir weniger gut als Payback, sein Remake. Ja doch, Lee Marvin ist immer großartig, man könnte ihm ewig zusehen. Solche Männer wurden geboren für solche Filme. Mein Problem mit "Point Blank" war, dass ich fand, der Film verliert nach seinem furiosen Einstieg an deutlich Tempo, will heißen, dass gute, aber zu wenige Ideen und Ereignisse auf zu viel Zeit verteilt übrig blieben.
Auf der Habenseite (außer Lee Marvin): Tolle Widescreen-Optik, radikale Härte für seine Zeit (d.h. natürlich Story, nicht Spezialeffekte) und grimme Humorlosigkeit.
Ich war müde, aber kann es sein, dass wir am Ende nicht mal mehr den Helden sehen? Wenn ja: Auch so ein versteckt-radikales Element.

#66 Hagen

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Geschrieben 10. August 2005, 09:54

Spoilerwarnung.

Sierra Charriba

Mittelmäßiges Meisterwerk

Mittelmaß, weil: Die Dramaturgie und der rote Faden der Geschichte gehen irgendwann in der Mitte völlig verloren. David Weddle macht in "Sam Peckinpah - 'If they move... Kill'Em!' " die ankunft im spanischen Dorf als diesen Punkt aus und man ist geneigt ihm zuzustimmen: Bis dahin ein Film über die Verfolgung des Mordbrenners Sierra Charriba verliert der Film ab das seine Geschichte aus den Augen, weil sich a) eine Frau zwischen die beiden Protagonisten stellt (die sich eh schon nicht mögen) und weil B) mit den Franzosen ein neuer Feind auftaucht, der von der Hauptstory ablenkt.
Mittelmaß, weil: Alle Konflikte dieses Film (Nord-Süd-Konflikt in der Truppe; Rivalität um Fräulein Senta Berger; Jagd auf Sierra Charriba; Flucht vor französischen Truppen) irgendwie seltsam zu Ende geführt werden: Das Fräulein verschwindet, Charriba wird "unspektakulär" ausgemerzt, der Nord-Süd-Konflikt wird mit einem Bild des Zusammenwachsens beendet (Südstaatler rettet die Unionsflagge) aber auch mit einer düsteren Note (er stirbt mit dieser Fahne in der Hand [was man sowohl als realistische Note sehen kann, als auch als poetic justice für den Geläuterten, dessen Verbrechen es war, für den Süden zu kämpfen]) und die Schlacht gegen die storymäßig eigentlich kaum wichtigen Franzosen nimmt sehr viel Raum ein.
Mittelmaß, weil die Story sich nach der oben erwähnten Einnahme des mexikanischen Dorfes wirklich verliert, eine lange Freudenfeier zeigt, Hestons Verletzung und Genesung sehr viel Raum zugesteht (in Killer Elite wurde das später die bessere Hälfte des Films) und andere Ereignisse (Rache der Franzosen am Dorf) aufs seltsamste ausgeblendet werden, während die character-development-Komplikationen, die dieses und andere finstere Ereignisse nach sich ziehen sollten fehlen.
Mittelmaß, weil für einige dieser Missstände wahrscheinlich die Kürzungen des Produzenten verantwortlich sind. Das Drehbuch hatte ohnehin Schwächen, die Peckinaph am Set bereinigen wollte, wovon er aber durch größere Aufgaben abgehalten wurde (wenn man überhaupt glauben will, dass bei einem so umfangreichen und bei einer so schwächelnden Struktur viel einfach so nebenbei zu retten wäre) -- diese große Aufgabe war: Seinen Produzenten und das Studio gehörig fertig zu machen, für den Betrug, den er ertragen musste: Zwei Tage vor Drehbeginn wurde im Zuge eines Führungswechsels beim Studio sein Drehplan um 15 Tage und sein Budget um 1.5 Mio $ zusammengekürzt, was auch heißt, dass die angepeilte Epos-Laufzeit des Endprodukts von vielleicht drei, möglicherweise vier möglichen Stunden auch heruntergekürzt werden musste. Über Nacht war Sam Peckinaphs dritter Film nicht mehr Prestigeobjekt und potenzielle Kinogeschichte, sondern nur ein Western von Dutzenden. Sam fühlte sich verarscht, rächte sich und überzog Budget und Drehplan: Um 15 Tage und 1.5 Mio $. Dummerweise war es danach am Studio sich zu rechen. Sams Hoffnung Columbia im Schneideraum das Meisterwerk hinzuzaubern, dass sie ursprünglich geordert hatten und sie so zu überzeugen, missglückte. Er überwachte einen Teil des Schnitts, wurde später aber nicht mehr auf das Studiogelände gelassen. Man behandelte Sierra Charriba schlecht: Massive Kürzungen (Peckinaphs Material hätte tatsächlich locker für einen 4 stündigen Film gereicht, wenn er diesen wahrscheinlich auch selbst noch gekürzt hätte) denen Charakterzeichnung und -entwicklung, Logik und Fluss der Geschichte zum Opfer fielen. Und: Gewalt. Peckinpahs "Wild Bunch" kam nicht aus dem Nichts: Schon Sierra hatte er die Schlacht gegen die Franzosen mit Zeitlupe gedreht (wenn auch ohne klare Vision, wie das zu schneiden sei - er selbst überwachte noch diverse Schnittfassungen der Sequenz, aber keine davon gefiel im selbst) und mit Einsatz diverser Effekte: Blutige Einschüsse, Hieb- und Schnittverletzungen etc. Dem Produzenten war das zu rüde, alles flog raus. Was davon im Flim zu sehen ist: Nichts. Keine einzige Zeitlupe. Zwei oder drei blutige Einschüsse. Blut im Fluss. Das wars.
Meisterwerk, weil der Film den Kürzungen zum Trotz recht gelungen ist, wenn man über gewisse hektische Ortswechsel hinwegsieht und wenn man die zweite Hälfte mehr als Ansammlung von Szenen sieht. Das, was übrig geblieben ist, ist ein niemals langweiliger Film mit einer grandiosen Optik, tollen Schauspielern (auch wenn ich persönlich Richard Harris nicht mag) und einer Story, die eigentlich reinster Peckinpah ist: Sams Liebe zu Mexiko (wo er während der Dreharbeiten ja auch eine spätere Misses Peckinpah kennenlernte) ist allgegenwärtig und er Film hat eine realistische Atmosphäre wie nur wenige aus der Zeit: Das fängt bei der völlig zerfieselten Kostümierung der Darsteller an und endet bei der Story: Wenn Peckinaph anfänglich als Nachfolger John Fords gehadelt wurde, dann hatte das zwei Gründe, die hier offensichtlich werden. Erstens kannte Sam hatte Sam ein unglaubliches Wissen über diese Zeit und ihre Menschen und konnte das glaubhaft auf die Leinwand transportieren und zweitens war er 'Nachfolger', weil er moderner war als Ford, was heißen soll: Grimmiger, düsterer, realistischer. (Vielleicht war er auch nur weniger den Konventionen verpflichtet die John Ford noch verinnerlicht hatte.) Bei Ford wäre der Trupp der Jäger im Lauf der Geschichte zusammengewachsen - bei Peckinpah tun sie dies auch, aber nur aus Not. Nach Erreichen ihres Zieles sind Heston und Harris drauf und dran sich zu duellieren, wie sie es den ganzen Film über schon angedroht haben. Dieses Duell wird nur durch den Angriff der Franzosen verhindert, in dessen Verlauf Harris dann die US-Flagge rettet (obwohl er Südstaatler ist) und mit ihr den Franzosen in einem einsamen Todesritt entgegenprescht.

Man kann nur bewerten, was man sieht. Lorbeeren für virtuelles Material kann man nicht verteilen. Den einzigen Kredit, den man dem Film geben kann und muss ist, dass man den abrupten Einstieg und das abrupte Ende in ihrer Form als vom Produzenten verzappft entschuldigt: Ganz egal wie Peckinpahs fehlender Prolog (ca. 10 Minuten) aussah, er fehlt hier einfach und dass er den Film dort hätte enden lassen, wo er jetzt endet (und vor allem mit so banalem Voice-Over) steht auch zu bezweifeln.
Sierra Charriba ist trotz seiner Mängel aber ein guter Film geworden. Charlton Heston macht als Titelheld (natürlich nur im Originaltitel, auf Deutsch wurde seltsamerweise sein Widersacher zum Titelgeber) eine gute Figur und die Konflikte innerhalb der Gruppe sind, wenn auch rudimentär, so dennoch interessant. Ein paar amüsante Nebenfiguren gibt es auch (der Mann von der Artillerie macht Spaß) und wie bereits erwähnt, wird der Film nie langweilig.
Man muss ihn, um ihn wirklich zu genießen, vielleicht nur mit dem Peckinpah-Auge sehen: "Fuck the second act!", wie er am Set von Getaway´mal knurrte. Man möchte ergänzen: And everything beyond it. Aber Peckinpahs Episoden-Patchwork und zerrissene Filme sind ja auch nicht ohne Interesse, gerade die sich da hervortuenden Pat Garrett and Billy the Kid und Cross of Iron sind späte Meisterwerke, bei denen Sams Verfall durch Suff und Sucht ähnliche Schwächen produzierte wie bei Sierra das überambitionierte Skript und die Kürzungen der Produzenten. In allen Fällen sorgte Sams Genius aber immer für Ausgleich. Der einzige Unterschied liegt vielleicht wirklich im Tonfall: Als Sam The Wild Bunch drehte, waren die Zeiten anders und man hatte sich völlig von den Konventionen des alten Hollywood gelöst. So etwas darf man von Sierra noch nicht erwarten. Aber vieles, vieles deutet schon in diese Richtung.


Nachtrag zum Soundtrack: Der gehört natürlich auch zu den Verbrechen des Produzenten und es ist schön, dass ein alternativer Filmscore extra für die Rekonstruktion auf DVD hergestellt worden ist. Wenige toll ist, dass dieser nur auf Englisch zur Auswahl steht, was heißt, dass alle die dem Englischen nicht mächtig sind, den vermurksten Soundtrack von Produzent Bressler ertragen müssen. Allein in der Eröffnungsszene tun sich Abgründe auf: Bressler hat Aufnahmen einer niedergemezelten Siedlung voller blutiger Körper und brennender Häuser mit einem flott gesungenen Marschlied unterlegt, wie es vielleicht in einem John Ford-Film vorgekommen wäre, aber sicher niemals zu solchen Szenen. Bressler hatte also weder Verständnis für den alten, noch für den neuen Meister des Genres.

#67 Hagen

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Geschrieben 11. August 2005, 15:02

L'Humanite

Abends im Halbschlaf gesehen. Warum sollte man auch ausgeschlafen an solche Werke heran gehen, wenn die einen sowieso müde machen? L'Humanite macht es dem Zuschauer mit seinen 140 Minuten auch nicht wirklich leicht der Story zu folgen, die eigentlich keine ist. In einer Kleinstadt wird ein Mord einem Mädchen begangen und wir folgen dem Polizisten Pharaon durch die Ermittlungen (die eigentlich nicht im Mittelpunkt stehen) und sein Leben (das auch nicht gerade als spektakuläre Anreihung von Schauwerten bezeichnet werden kann).
Soweit, so gut, so französisch möchte ich meinen: Irgendwie scheinen unsere Nachbarn seit einiger Zeit (der Film stammt aus dem Jahr 99) eine ganze Latte von desillusionierten Deprifilmen zu produzieren, an denen ich langsam doch wirklich Geschmack finde. Was, wenn Menschenfeind zwar ein spektakulärer Höhepunkt, aber sonst auch Teil einer Welle ist? Und wie stehen diese Filme in Relation zu Michel Houllebecq, an den ich im Zusammenhang mit Noes Filmen immer denken muss. (Dieser Gedankengang liegt vielleicht daran, dass Houellebecqs Romane ja auch immer introvertierte Gedankenströme seiner Protagonisten sind, sich einen Scheiß um öffentliche Reaktionen kümmern und, wenn sie jemals verfilmt würden, eigentlich nur als Filme mit massivem Voice-Over-Einsatz vorstellbar sind. Menschenfeind wirkt quasi wie der Film zu einem nie geschriebenen Roman von H.)
Was mich an L'Humanite gestört hat, waren zwei Dinge: 1) Die Laufzeit. Ich mag nach einen ansehen keine Kürzungshinweise geben, aber so sehr ich Filme, die sich permanent im Stillstand befinden, auch mag, so wenig attraktiv finde ich sie, wenn sie sich auch noch in Überlänge üben. 2) Warum inmitten des Films noch mal eine Szene nachlegen, in der das Geschlechtsteil einer Schauspielerin (oder deren Stand-In) fokussiert wird? Ich gebe es zu: Auch ich sehe mir gerne Vaginas an -- aber warum an dieser Stelle? Es passte weder stilistisch noch handlungsmäßig in den Film, während alle anderen Sex-Szenen und sogar der Close-Up auf das blutige Geschlecht der Mädchenleiche zu rechtfertigen waren. Warum noch mal so ein Ding nachlegen? Skandalwille kann es ja nicht unbedingt sein (wir wissen: Skandal kann nur der Film werden, der bei allem Schockwert auch ein großes Publikum interessieren kann, was man von einem Film wie diesem weder mit noch ohne Presseaufschrei erwarten kann.) Seltsam.
Auf jeden Fall: Interessanter, wenn auch etwas überlanger Vertreter der französischen Welle des menschenfeindlichen Philosophen-Kinos.

#68 Hagen

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Geschrieben 12. August 2005, 09:05

Sin City

Michaels Urteil nach Erstsichtung: "Ein schlechter Film mit guten Szenen." Schreit nach einem "Ja, aber..." aus meiner Sicht, wobei ich andererseits nicht weiß, ob sich der Aufwand für den Film lohnt. Ich würde ihn aber als mittelmäßigen Film mit Ausschlägen in beide Richtungen sehen, wobei die richtig guten Sachen eigentlich immer mit der direkt aus dem Comic importierten Optik zu tun haben (feine Einzelbilder oder Ideen, wie Killer-Frodos Brille) und die schlechten damit, dass eben diese sklavische Übersetzung der Vorlage die Action-Sequenzen zerstört. Immer wenn in Sin City gerannt, schnell gefahren wird oder man sich eine größere Schierei liefert, wirken die Bilder statisch (Comic), schlecht animiert (Spar-Budget) und/oder andersweitig lasch (blöder Regisseur, der davon nichts versteht).
Man denke sich folgendes Comic-Bild: Die Seitenansicht eines Autos auf einer Straße. Über dem Auto in der Luft: Ein Mann in seltsamer Körperhaltung. Der Betrachter weiß: Aha, Auto fährt Mann an, weswegen der in die Luft gewirbelt wird. Nicht lustig. Was Rodriguez in der Marv-Episode draus gemacht hat sieht eher aus wie in einem Road-Runner-Cartoon.
Die Episoden selbst sind nette Über-hard-boiled Stories, die Härte und Verkommenheit auf die Spitze treiben, aber auf der Leinwand (auch wegen der Detailtreue der Maske und Ausstattung) ironischer und distanzierter wirken als im Comic. Will heißen: Marvs hässliche Fresse ist im Comic auch nicht realistisch, aber gehört dort einfach zum Stil des Zeichners, wohingegen es einfach grundsätzlich anders wirkt, wenn man Mickey Rourke ein schuhabsatz-großes Kinn anschminkt.
Zur Gewalt: Kleinkram. Sicher nichts für Kinder, aber ernst nehmen kann man das alles zu keiner Zeit. Sei es wegen der lausigen Animationen oder wegen anderer Umstände (Die Enthüllung von Marvs Bewährungshelferin über den Verbleib ihrer Hand, wirkte absichtlich wie auf billigen Trash-Film gemacht.)
In diesem Punkt frage ich mich dann doch ab Frank Miller damit wirklich zufrieden sein kann. Hat er diesen Tonfall schon immer im Hinterkopf gehabt, als er die Comics geschrieben hat? Auf mich haben die, die ich kenne, immer anders gewirkt, eben härter, ernster gemeint. Aber schon alleine mit dem Tonfall der Sprecher der voice overs kann man die ganze Atmosphäre eines Filmes verändern.
Toll, aber endlich mal wieder Brüste in einem Genrefilm zu sehen. Wann war das denn das letzte Mal der Fall, zumindest bei einer Frauenrolle, die mehr als einen Satz zu sprechen hatte?

Fazit: Mir missfällt der humorige Grundton der Verfilmung, weil ich in Millers Comics immer etwas anderes gesehen habe. Der film noir und die hard boiled-Tradition alter Krimis und Filme sind schon immer an sich überzeichnet gewesen, weswegen ich Millers Vision nie als Parodie empfunden habe, sondern nur als eine neue ultrabrutale und extranihilistische Interpretation der Originale aus den 30er, 40er und 50er Jahre gesehen habe, die sich (gerade im Film) damals noch nicht in graphischen Gewalttätigkeiten suhlen konnten. Quasi: Der Geist des film noir mit der offenen Gewalttätigkeit gekreuzt, die erst in der Post-Code-Ära möglich war.
Auch die Zerrissenheit der Figuren geht im hastigen Tempo (Marvs Selbstzweifel, ob er nicht etwa verrückt werde) oder im Humor unter (gerade das Zwiegespräch zwischen Clive Owens Figur und seinem toten Beifahrer; Alfredo Garcia with a vengeance :D ), was ich für bedauerlich halte.
Optisch macht Sin City natürlich was her, aber das überrascht kaum. Die schönsten Bilder sind die reduziertesten, die abstraktesten, seien es eben die weißen Brillengläser einer finsteren Figur oder in Bruce Willis Episode das auf Dunkelheit und eine Türöffnung reduzierte Krankenhauszimmer.
Auf der kino.de-Skala gibt das vielleicht 50-60%, an schlechten Tagen weniger, aber sicher niemals mehr.


P.S. # 1: Warum entlässt man Bruce Willis aus dem Gefängnis, nachdem er das falsche Geständnis unterschrieben hat? Ich habe schon verstanden, dass es einen praktischen Grund dafür gibt, aber Willis scheint ja damit gerechnet zu haben, auf freien Fuss gesetzt zu werden, wenn er denn erstmal die Verbrechen gesteht, die er nicht begangen hat. Lässt man in Sin City Leute aus dem Knast, wenn sie zugeben Mörder und Kinderschänder zu sein?
P.S. # 2: Das traurige an dem Film ist ja, dass die Hoffnung auf einen wirklich stimmungsvollen, neueren film noir (mit der passenden Traumbesetzung Bruce Willis) damit sinkt. Nicht, dass ich bis jetzt Anlass gehabt hätte, zu glauben, dass Hollywood mir je diesen Traum erfüllen wollte, aber jetzt wird sich wohl niemand finden, der sich dem Vorwurf des Sin City-Nachahmers aussetzen wollte. Das ist halt das Problem, wenn Genres oder Stile aussterben: Jede einzeln auftretende neue Inkarnation wird vom Publikum eben nicht mehr als Teil einer Tradition wahrgenommen. Mach einen Western nach Erbarmungslos und jeder zweite Kritiker wird eben diesen Film in deiner Kritik erwähnen, auch wenn du die ganze Zeit eher an John Ford gedacht haben magst. (Um diese eklige Tendenz aufzugreifen: Mein Traumfilm wäre das Chinatown unseres Jahrzehnts, nur eben mit Bruce Willis, in S/W, mit tonnenweise düsterem Voice-Over, außer bösen One-Linern humorlos und mit viel expliziter Gewalt und Nackheit angereichert. Regie: Entweder Paul Verhoeven für die krasse Pulp-Version oder Scorsese für die Ewigkeit.)
P.S. # 3: Taratinos Szene war die letzte (im Krankenhaus), oder? (Wenn nein, warum die dann plötzlich in echten Kulissen gedreht und nicht in digitalen?)

#69 Hagen

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Geschrieben 14. August 2005, 19:49

Jetzt habe ich seit Monaten geplant, folgende Kostbarkeit cineastischen Halbwissens im Zusammenhang mit Sin City zu erwähnen, und nu habe ich es doch verschlafen und muss es nachreichen: Ob Robert Rodriguez sich für die Farbkleckser in "Sin City" wohl von Lars von Triers "Europa" hat inspirieren lassen, welcher sich auch besagter Technik bediente, lange bevor dies mittels digitaler Technik verhältnismäßig einfach zu bewerkstelligen war?

#70 Hagen

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Geschrieben 24. August 2005, 12:16

Gestern noch Carpenters The Fog gesehen und voller Tatendrang um hier ein wenig Lobpreis darüber zu verbreiten gewesen und dann heute im Netz einen Trailer für ein weiteres Hollywood-Remake namens "The Fog" gefunden. Um es mit den Worten von Joe Sixpack zu sagen: Who the fuck needs crap like that shit? Ich will mich mal nicht so dumm stellen und tun als ob ich nicht wüsste, warum dieses Remake gemacht wurde ($), aber wirklich einleuchten will mir das nicht. Denn Carpenters Film ist perfekt, so wie er ist: Wunderschöne fotografiert, mit einer exzellenten Ausnutzung der Leinwand (die in schön distanzierten Aufnahmen eben nicht zugemüllt wird, sondern viel Raum lässt), über den Score (simpel, halloweenesk) bis hin zur Story passt alles. Kein Fünkchen Humor und gerade deswegen ist der Film, der eigentlich nichts weiter als eine simple Geistergeschichte ist (siehe erste Szene, camp fire tale) so effektiv. Dass man aus "Assault" noch viel Action rausholen kann, ist klar, weswegen ich diesem Carpenter-Remake zumindest als Blutbad-Fan noch frohgemut entgegen warte, aber "The Fog"? Wenn man ihn gruseliger machen will, kann es sehr leicht albern werden, wenn man ihn humoresk aufbrezeln will, wird die Atmosphäre baden gehen und so schön und einzigartig wie Carpenters drei frühe Kinder (Assault, Halloween, Fog) sind und aussehen, kann ohnehin kein Remake werden, weil Filme heute nicht mehr auf diese Art gefilmt werden. Nicht mal mehr Carpenters eigene Filme sehen heute noch so aus. (By the way: Letztens paar Minuten seines Village of the damned-Remakes im TV gesehen und fast geheult. Gott, war das schlecht.)

Fazit: Hollywood, wie wäre es mal, wenn wir Remakes von schlechten-aber-im-Ansatz-vielversprechenden Filmen kriegen? Macht mal Shivers neu, am besten von einem entspannten, stilsicheren Franzosen mit Zugang zu Cronenbergs Philosophie. Oder Argentos Phenomena, diese Gurke, die theoretisch eine wunderschöne Bilderorgie hätte werden können. Oder einen der anderen zehn Millionen Filme, die nichts geworden sind, aber groß sein hätten können, wenn man ein bisschen mehr Geld oder Sorgfalt in sie gesteckt hätte. Aber verschont die Guten.

#71 Hagen

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Geschrieben 28. August 2005, 20:48

Gestern in vom Grillen müder Männerrunde nochmal den Punisher angeschaut und für zu zahm befunden. Weil: Keine Slo-Mo beim finalen Rumgeballer + kaum sichtbare squibs. Trotzdem natürlich ein feiner, brutaler Film, aber der Regisseur müsste a) am Härtegrad und B) mehr am Timing und Feinschliff arbeiten.
Dann heute, Das wandelnde Schloss gesehen und mich besonders über die vielen alten Leute gefreut, die das machten was alte Leute halt so machen: ächzen, stöhnen, rumkommandieren, klugscheißern und vorm Ofen sitzen. Feuerchen und der Hund waren definitiv Lieblinge. Einziges Problem des Films: Gegen Ende verliert der Film, für meinen Geschmack, seine Ausgangssituation zu weit aus den Augen. Und die Rückverwandlung vom Vogelscheuchenmann wirkte irgendwie überhastet und brachte dem Film seinen einzigen unbeabsichtigten Lacher. Sonst natürlich genauso überbordend wie man eigentlich hätte erwarten können.
Freitags im Halbschlaf gesehen: Die sechs Verdächtigen [The power] Seltsamer, wirrer Film, der in seinen Versatzstücken aber Spaß macht. Die Auflösung ist dabei nicht gerade die Stärke des Films (das sind eher die alptraumhaften Sequenzen wenn der Protagonist haluziniert oder der seltsam-bedrohliche Besuch bei den Eltern eines Kollegen auf dem Land), hatte aber so ein bisschen was vom Scanners-Finale. Eigentlich wäre dies einer der Filme, die nach einem Remake schreien, aber andererseits müsste man wahscheinlich viel zu viel über den Haufen werfen, denn auch wenn der Film einiges falsch macht (in Punkto zusammenhängende Story) sind andere Schwächen eigentlich recht liebenswert, aber kaum in die heutige Zeit übertragbar (die ältere-Herren-und-Minimädchen-Party beispielsweise...).

#72 Hagen

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Geschrieben 01. September 2005, 13:32

Zitat

“Remaining Men Together” – Identity Crisis and Terror in “Fight Club”

North America’s getting soft, patron…
Videodrome (1983)

Worker bees can leave
Even drones can fly
The queen is their slave

Fight Club (1999)

In the aftermath of the events of September 11th many people noted how much the pictures of the attacks looked liked something from a movie*. One of the many movies that were subject to re-evaluation under the influence of the omnipresent pictures of that day was and still is Fight Club. Made in 1999 by director David Fincher Fight Club managed to both gain notoriety and become a cult movie on its own. Famous and influential critic Roger Ebert gave the movie a zero star review, the lowest possible rating his system allows, and called it – among other things – “the most frankly and cheerfully fascist big-star movie since "Death Wish", a celebration of violence in which the heroes write themselves a license to drink, smoke, screw and beat one another up”, “macho porn (…) in which eroticism between the sexes is replaced by all-guy locker-room fights”, “some of the most brutal, unremitting, non-stop violence ever filmed” and “a thrill ride masquerading as philosophy--the kind of ride where some people puke and others can't wait to get on again.”  Although that is not necessarily the consensus among critics many shared Ebert’s evaluation. Controversy of another kind was added to the movie’s perception after September 11th : a movie including a final scene in which high rise buildings, used by credit card companies, collapse after bomb attacks of a terrorist organization could impossibly avoid causing uneasiness in viewers after the attacks on the World Trade Centre towers – especially since within the movies context the destruction of the towers is a rather positive act for its protagonist and thus presented in a dreamlike, fairy tale style happy ending.
Although the combination of its last scene and the fact that the movie deals with the topic of terrorism undeniably evokes memories of the first bombing of the World Trade Centre in 1993 and seems to foreshadow the attacks of September 11th, the movie actually links terrorism (as well as fascism and sectarianism) to identity crisis of especially urban males. In this paper I therefore will try to point up the connection between Terrorism and this identity crisis (and its various elements) that is made in Fight Club.
The movie’s protagonist Jack** and the group of men he gathers around him during the course of the movie obviously are driven by two issues. One is a deep insecurity concerning their masculinity, the other a feeling of fatigue concerning society and its expectations towards the individuum. Both have something to do with a identity crisis, for one has to do with the individual’s identity within modern society and the other with the male individual's identity. Fight Club centres around these two issues, which are already established during the first five minutes of the movie. Within this relatively short time span the audience gets to see Jack at his workplace and at his home: he stares apathetically into the office while using the copier, seeing nothing but colleagues dressed the same way he is, doing what he does, and drinking the same “Starbucks”-coffee he drinks. All sense of individuality seems to be gone from these people, who, while they passionlessly use their copiers, look like modern-day office incarnations of factory workers of the age of Industrialisation***. When Tyler Durden appears in this scene of dull routine – for probably not more than two frames [0:03:57] – this could be seen as a link to the topic of masculinity, since, as it later turns out, Tyler Durden is Jack’s imagined alter ego, the man he wishes to be. Another link between the two topics and the scenes at the office and at Jack’s home is the “Starbucks”-cup, whose colours (green and white) are also the colours of the office Jack is working in. Moreover Jack uses the company name “Starbucks” to describe the world he is living in – “planet Starbucks” [0:04:12] – as he will shortly thereafter use another company’s name to further comment on his state of mind: “Like so many others I had become a slave to the IKEA nesting instinct” [0:04:38]. This is followed by a composite shot that shows Jack wandering through his apartment skipping through a furniture catalogue as the room slowly turns into a complete page from said catalogue, price tags included. This scene again emphasis a certain degree of alienation because Jack defines himself not through something from his innermost but through things from the outside, things that he buys (“What kind of dining set defines me as a person?” [0:05:10]); the fact that this revelation about Jack is connected to the IKEA-universe is also part of the issue of masculinity because decorating one’s home is, speaking in gender stereotypes, a rather female occupation. “We used to read pornography. Now it was the Horchow collection,” Jack says [0:06:59], referring to another furniture company whose main costumers are women, “who make 90% of Horchow purchases” (http://www.usatoday....ney/bcovmon.htm). This quote from the end of the scene relates to what is shown at the beginning of the scene, when Jack is sitting in his rest room, holding a furniture catalogue and looking at it in the distinct way that is usually reserved for the centrefolds of men’s magazines [0:04:35].
There are many scenes and elements in the movie that emphasize the theme of not being a real man or of losing one’s masculinity. The figure Tyler Durden, Jack’s alter ego, is a prime example for this. Jack is and looks like an ordinary man, which is one of the many things he dislikes about his life. Tyler is the man Jack would like to be and among all the other differences it is striking that Tyler has – contrary to Jack – the looks of a male super-model: the square face of American comic superheroes, the muscular six-pack body, an aura of coolness. Tyler is what Jack thinks a man should be – and what he himself is not. The movie reinforces this, when Tyler says, that “[w]e've all been raised on television to believe that one day we'd all be millionaires, and movie gods, and rock stars. But we won't.” [1:08:10]. The irony of him, Tyler, saying this, is of course that he already is an average man’s projection of what he would rather be: Tyler Durden is what Jack would like to look like if he were a famed superstar. (The element of irony is of course reinforced by the fact that that the said truism of Everyman never raising to superstardom is articulated by a famed, wealthy and much admired actor.)
Furthermore Tyler’s obsession with the male sex organ also adds to this theme. Tyler, in his function as movie projectionist, edits subliminal pictures of penises or sex scenes from porno movies into normal movies, causing irritation among the viewers. Smuggling “adult” material into “regular” films seems to be a rather childish act of rebellion, yet it emphasises the protagonists uncertainty about his masculinity: Porno movies in their vast majority are male fantasies and celebrations of masculinity.
And there is of course the fear of being emasculated, while castration serves as the heaviest punishment imaginable for the members of “Fight Club”. It is a punishment that a high police officer is threatened with and which exists in the group as Jack finds out, when he is nearly being castrated by his own men. This fear surfaces early in the movie when Tyler and Jack meet in a bar. Tyler’s reaction to Jack worrying about his burned out condo is: “You know, man, it could be worse. A woman could cut off your penis while you sleep and toss it out the window of a moving car.” [0:28:05]
In this context the character Bob should also be considered. When Bob is shot in the head during one mission of “Project Mayhem”, Jack seems to be utterly shaken and shocked. This of course has to do with the fact that he never expected a “Fight Club”-member’s death as the consequence of one of the group’s actions, but might as well be triggered by the fact that Bob in deed is the softest, the most female member of the group. Due to his cancer and the following hormone therapy he is the most visual incarnation of the “Fight Club’s” underlying issues: a man deprived of his male identity. Castrated by his disease he even starts to physically resemble a woman in response to hormone therapy. Therefore Jack might not only be shocked by Bob’s death because he was not prepared for the death of any member of the “Fight Club”, but because Bob was the one group member that had already suffered more than anyone else. Bob’s problems were not psychological but physical.
Talking about marriage Jack admits his version of his problem: “I’m a thirty years old boy.” Tyler replies: “We’re a generation of men raised by women. I’m wondering if another woman is really the answer we need“ [0:38:38]. Their problems with their own male identity are thus directly linked to their mothers but also to society as a whole. At one point Tyler asks: “Why do guys like you and I know what a duvet is? Is this essential to our survival in the hunter-gatherer sense?” [0:28:39-0:28:55] He blames it on the consumer ideology with which they grew up and which dominates society but lurking behind his words is again a fear about one’s masculinity: Why do guys know what a duvet is? Tyler implies that a duvet is not only a bad thing that only manipulated consumers buy, but also a thing that men should not even know about, because it is unmanly. Consequently resulting from this attitude is that the “Fight Club” is not a place for women: women are not members of “Fight Club” and women do not apply as members; there is no women denied the entrance to “Fight Club”. The reason is very simple: The “Fight Club” is devoted to a purely male identity problem caused by mothers and a soft, civilised society which has no place for hunter-gatherers but demands “female virtues”. The men are so absorbed with their problems that they do not even bother to think about what they expect of women. One might say that the “Fight Club” for the men is a place of finding one’s gender-identity through seclusion from the other sex. The whole idea is, so to speak, “a male thing” of no importance or interest to women.
The identification of society with female treats leads to the other element of the club’s members’ identity crisis. What fuels the men is, as I said before, not only the question of their male identity but also a general feeling of fatigue for society and its demands and confusion about one’s role and importance in this world. To be more precise: The “Fight Club” members are alienated from their lives, because they can not find meaning in them and because of the pressure society puts on them. This pressure could also be called a certain kind of terror: a terror that forces people to fulfil expectations which are not their own to keep society going****, a regime that tells them what to buy (IKEA), what to do (remain calm even in case of plane crash, “calm as Hindu cows” [0:21:55]) and what not to do (beat up each other). It is not surprising that Jack begins to suffer from these regulations, since his job as a recall coordinator for a company is a prime example of a kind of order and normality that in fact is only a façade: Jack is supposed to investigate accidents involving his clients cars not to make the cars safer or objectively better, but to enable his company to calculate and compare whether a settlement in court or a change in production would cost them more. Not only is Jack’s job in fact a cover up for his employer’s antisocial, cynical and materialist behaviour but it also could be seen as a foreshadow to the movie’s final revelation that Jack (among other things) has a split personality, that he is two persons.
The “Fight Club’s” answer to this kind of terror is counter-terror. “Fight Club” generally and the Tyler-Durden-side of Jack specifically seem to be a rebellion against the common laws of society which are a source for the men’s problems. Jack lives in a homely condo like he is supposed to. In contrast Jack’s alter ego Tyler Durden lives in the most anti-IKEA home imaginable: The house is run down and falling apart. It is a most uncomfortable and repulsive place. When Tyler starts recruiting his army for “Project Mayhem” all his soldiers end up living in that house, they voluntarily give up their homes.
Beauty and hygiene are also two ideals the “Fight Club” redefines. The men do not care about scars, bruises and black eyes, they are proud of them. Their bodies become hard and manly not because they are working out but because they are fighting. Jack says: “I feel sorry for the guys packed into gyms, trying to look like how Calvin Klein or Tommy Hilfiger said they should. [Looking at an underwear ad:] Is that what a man looks like?” [0:43:15] They make soap, “the yardstick of civilisation” as Tyler calls it [0:22:30], out of a liposuction clinic’s disposed human body fat and sell their exclusive brand for high prices, targeting the wealthy clientele that probably also visits liposuction clinics in the first place. The irony of this trade reveals much about Tyler’s attitude towards society: “the yardstick of civilisation” is rich people’s (most likely women’s) fat and the advantage of civilisation is that the same people are willing and able to spend money on buying their fat back.
“We've all been raised on television to believe that one day we'd all be millionaires, and movie gods, and rock stars. But we won't.” – Even this truism prompts a reaction from the group. Instead of what they were promised to become they turn themselves into the kind of celebrities they like to be: Terrorists. Since they do not need money anymore opposed to the millionaires they did not become, they only look for the advantage of movie or rock stardom, namely fame. It is again a complete distortion of what society expects of them, but it works for them. They appear on television and a movie is made about them – and the fact that “Fight Club” tries hard to prevent the “willing suspension of disbelief“ can only be a hint that we are seeing exactly that movie. (Jack’s three attempts to start telling the story (first starting in the high rise building, then at the group for men with testicular cancer and finally with his insomnia) are a very obvious stylistic device the viewer can not simply ignore or oversee, but they could be considered as playful narration, not necessarily typical of movies. But there are other moments that emphasize that Fight Club is a movie, such as the “cigarette burns” Tyler and Jack draw attention to, the subliminally short sight of a penis at the end of the movie (smuggled into the movie by the same technique Tyler uses as projectionist) or the computer generated IKEA-catalogue scene.)
It is obvious that Fight Club has a basic two-part structure, one part devoted to the organisation of the underground boxing club, the other one dealing with “Project Mayhem”. Both parts and both organisation are part of Jack’s/Tyler’s solution to Jack’s and the other “Fight Club” members problems. The actual “Fight Club” helps them to redefine their masculinity. The men seek refuge in the most anti-modern, archaic stereotype, a stone age definition of man: Office clerks turn into hunter-gatherers . “Project Mayhem” is the next step. After the men have found a cure for themselves and have changed themselves they start to attack the phenomenona in society that they hold responsible for softening them. Their terrorist acts are acts of vandalism directed at corporations and consumer ideology. One could consider these acts as large scale versions of Tyler’s early activities, when he – among other things – was “the guerrilla terrorist of the food service industry” [0:32:31] or “splicing a frame of pornography into family films” [0:31:44]. The latter example is not so much an attack on one or another special movie but rather a symbolic action against a whole society that tries to turn itself into a family film, ignoring the dark sides of life or pretending to be able to solve them by consume.
The nature of terrorism in Fight Club is rather childish. Although the group blows up a whole row of credit card institutes there is no hint that somebody gets killed – at least not intentionally – by those acts. All of their terrorist acts seem to have the aura of a fun-event for the group’s members, who enjoy playing tricks – the most obvious example being the giant smiley they let appear on a high rise building. “Project Mayhem” is not so much a terrorist group but an organisation of man-childs trying to have the childhood they never had. The generation raised by women, the thirty year old boys can change some things about themselves but they can not change themselves into men: Their terrorism makes them look like pranksters and their political agenda is a crude infantile communism, topped by the fairy-tale mis-en-scene of the movie’s last images*****.
A total identity crisis causes a split personality , fear of being emasculated causes overcompensation, and social terror  causes real terror – except that the “real” terror is executed by terrorists constantly winking at people.
Although Fight Club’s look is modern and unusual, its topic of alienation is not. Many movies from western industrialised nations have dealt with it, including American movies like Taxi Driver (1975), Urban Cowboy (1969) or even Dirty Harry (1971), but also Japanese movies like Shohei Imamura’s Vengeance is mine [Fukushu suru wa ware ni ari] (1979) or more recently the French Seul contre tous (1998). Like all of these movies whose protagonists are in one way or another discontented with society and the lives they live Fight Club ends in a negative note. The ironic mis-en-scene betrays the exhausted happiness of Jack and Marla, the subliminal insertion of “a frame of pornography” emphasizes firstly that we are watching only a movie (and by pointing that out at exactly that point the movie’s denouement is placed within the realm of fiction) and secondly that the collapsing towers are of no greater importance or revolutionary impact then Tyler’s earlier pranks to which they are linked by that single frame, and even the possibility that the end is but a dream of Jack while he is dying from the gun shot wound he inflicted on himself can not be entirely rejected. Beyond those complications the question whether any of the problems dealt with in the movie are actually solved at its end remains unclear. “Fight Club” offers no solution, only a vision that it does not even believe in.



Endnotes
* Two days after the attacks Georg Seesslen wrote: „Merkwürdigerweise allerdings kommen die Bilder dieses so radikal neuen Ereignisses in Form eines bizarren Déjà-vu über uns. Eine Katastrophe, die schon längst in unseren Bildwelten spukte, im Kino sowieso. Wir kennen die Bilder des brennenden Hochhauses aus "Towering Inferno" (Flammendes Inferno), wir kennen die terroristischen Aktionen, die Flugzeugentführungen und -Abstürze wie in "Airport", die Attentate, die sich gegen Herzstücke der amerikanischen Kultur (also gegen Herzstücke der Ökonomie) richten, aus den "Die Hard"-(Stirb langsam)-Filmen mit Bruce Willis, wir kennen die panische Flucht durch die Straßen der Metropole aus "Independence Day" und so weiter.“ (Seesslen, Georg. „Die visuelle Kriegserklärung“ taz 13.09.2001: p. 7)
** Although his name is never mentioned in the movie and for example imdb.com lists the character’s name as “The Narrator“ he seems to refer to himself when during his recurring inner monologues he says “I am Jack's wasted life”,  “I am Jack's inflamed sense of rejection” or “I am Jack's broken heart”. Within the movie it seems to be an important point that Jack himself does not know who he is. When Marla asks him: “Who are you? Cornelius? Rupert? Travis? Any of the stupid names you give each night?,” [0:18:18] we do not hear his answer. It is only later in the movie, that we learn that he told Marla his name is Tyler Durden.
*** Especially in this scene and context the term “alienation” – used in a more general sense in this paper – of course evokes Marx’ theories and predictions about the alienation of the industry workers from the products of their own work, which they can not grasp anymore.
**** “[We are] working jobs we hate, so we can buy things we don’t need,” says Tyler. [1:07:41]
***** Even the name of their “Project Mayhem” sounds borderline foolish and could as well serve as the name for a teenage heavy metal band.


#73 Hagen

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Geschrieben 02. September 2005, 08:09

Land of the dead


Question: Why choose horror as the vehicle for morality tales?
George Romero: I think it's a form, and since I'm stuck in the genre I try to find ways to use it. To at least express some opinions or satirize things and have some fun.


Feiner Film, der vor plumper Symbolik natürlich nur so strotz - aber anders könnte man einen ernsthaften Zombiefilm wohl gar nicht drehen. Romero setzt jedenfalls den Trend, dass er seine Zombies mehr mag, als den Großteil der menschlichen Überlebenden, fort, weckt mit der einleitenden Sequenz gar vage Erinnerungen an alte Western, bei denen arme Mexikanerdörfer von Banden geplündert werden - nur sind es hier eben Menschen, die die idyllische Untotengemeinde überfallen und um sich schießend ausrauben.
Was den Subtext des Films angeht, wird wie gesagt nicht gekleckert: Die reiche Elite der Überlebenden wohnt in einem riesigen Appartmentkomplex, während der Pöbel in Schmutz und Armut sein Leben fristet. Die Untoten hält man sich dadurch fern, dass man auf einer Insel lebt. Die Metaphern von westlichen Welt als "Insel des Friedens/Wohlstands", die von der Armut und Unmündigkeit der Restwelt profitiert wird hier genauso in Szene gesetzt, wie auch die Kritik an der Gesellschaftsordnung des Westens selbst. Wie Dennis Hoppers Figur, die nicht "mit Terroristen verhandeln wird", mal so schön sagt: Die Führer, das sind die, deren Überleben man sichern muss -- die Anderen können später immer durch Andere ersetzt werden.
Sonst gibt es vielleicht noch festzuhalten, dass Romeros Film erstaunlich kurz und kurzweilig ausgefallen ist, wahrscheinlich weil er sich mehr als seine Vorläufer als Actionfilm präsentiert. Demzufolge sind die Figuren lange nicht mehr so wichtig, wie in den anderen Filmen, aber darüber kann man hinweg sehen.
Fazit: Nette Story, netter Subtext*, nette Effekte. Netter Film. (Klingt das zu reserviert? Einen Kinobesuch lohnt der Film auf jeden Fall, nur in punkto Langzeitwirkung sieht er für mich ein wenig lauwarm aus. Um die volle Wirkung der Story zu erfahren, müssen wir natürlich erst die Unrated-Version mit noch mehr Blutbad abwarten. Hüstel.)

Lustigste Szene: Dennis Hopper kommt aus dem Fahrstuhl und muss irgendwie einen aufdringlichen Frager loswerden.
Fast vergessen: Der Samoaner ist geil. Mit seinem Auftauchen hat man tatsächlich das Gefühl einem 80er-Jahre-Actiongefährt beizuwohnen. Sehr witzig der Mann.

---
(Kleine Spoilerfußnote)
* Zombies lassen sich am Ende nicht mehr von den Leuchtgranaten ablenken, was ihre Identifikation mit den Armen und Zerlumpten dieser Welt nur betont und klar macht, was sie nicht erreichen könnten, wenn sie nur nicht mehr auf das Blendwerk (!) der Industrienationen hereinfielen.

#74 Hagen

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Geschrieben 02. September 2005, 08:44

Transporter - The Mission

Jippie - Häuslebauerkarate! Jason Statham verknotet seine Gegner mit Wasserschläuchen oder gar mit den Extremitäten anderer Bösewichte und die Regie erlaubt uns dabei auch noch zu sehen was in den ultraschnellen, extrem einfallsreichen und auch sonst absolut gigantischen Kämpfen vor sich geht. Ja, das editing ist pfeilschnell, aber die Bildgestaltung ist so übersichtlich gehalten, dass man stets weiß, was wo passiert.
Weiterer Vorteil des Films: Jason Statham. Sehr cooler Bursche, dessen Darstellung des unzerstörbaren Actionhelden im feinen Anzug einfach rockt. Dann noch Amber Valetta als sommersproßiges love interest am Rande (wir wollen ja die Action nicht aus den Augen verlieren) & Kate Nauta als kokain-dünnes Killer-Biest, die eigentlich auch in Sin City gut aufgehoben wäre (weil sie doch a) so schön schießen kann, b) so vollkommen verkommen ist und c) de facto nackert durch den Film läuft.). Und der französische Bulle aus Teil 1 taucht hier als comic relief auf.
Fazit: Um mehrere Stücke besser als der erste Teil - hier werden alle Versprechen, die das noch ein wenig unrunde Original gab, eingelöst. Wer Martial-Arts-Action mag und vor dem Besuch dieses Hochglanz-Knallbonbon 100-mal die Beschwörungsformel "Dies ist nicht 'Citizen Kane'" aufagt, der wird hier einen der unterhaltsamsten Filme seit langem Treffen. Das heißt nicht, dass man bei ein, zwei Szenen nicht trotzdem von der unrealistischen Unverfrorenheit des Gezeigten überrascht werden dürfte, aber that's part of the ride.

#75 Hagen

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Geschrieben 03. September 2005, 18:15

Erste Simpsons-Folge der neuen Staffel.
Gut: Nicht schlechter geworden als in den letzten Jahren.
Schlecht: Ging ja auch nicht mehr.
Und The Critic wurde nach zwei Staffeln mit insgesamt nur 22 Folgen eingestampft. Und Futurama musst auch vor seiner Zeit dran glauben. Seufz.

#76 Hagen

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Geschrieben 05. September 2005, 12:05

11:14

Sehr schwarzhumorig, wunderschön verschachtelt, gut gespielt. Nachdem der Film ja nun schon etwas älter ist, warum hat er es jetzt dann doch noch ins Kino geschafft? Ein bisschen Hillary-Swank-Bonus, wg. Clints Boxerfilm? Egal. Empfehlung.

#77 Hagen

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Geschrieben 08. September 2005, 18:16

Mentale Notiz, bevor ich es vergesse: Kurze Überfahrt von Catherine Breillat war gut. An ein, zwei Stellen etwas aufgesetzt, aber gut. Lange Monologe scheinen mir langsam immer mehr Spaß zu machen, obwohl sie filmtechnisch eigentlich doch eher suspekt sind. Egal.

#78 Hagen

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Geschrieben 14. September 2005, 11:51

Schwarzer Engel

Da denkt man sich so nach einer Stunde, dass DePalmas wunderschön elegischem Film ein bisschen die Puste ausgeht (vielleicht weil man kurzzeitig gar nicht mehr so recht weiß, welches Genre gerade bedient wird), wird dann aber auf der Schlussgeraden derartig mitgerissen, dass notorische Fingernagelkauer Gefahr laufen den Teppich vollzubluten. Wie DePalma (und Schrader [der Teufelskerl hat ja auch noch Yakuza geschrieben]) den stilsicher inszenierten Film (der die Hitchcock-Hommage sogar in die Bürokratie fortsetzt und quasi selbst Production-Code-konfrom ist) mit einem Finale krönt, in dem man zwischen Wusst-ich's-doch- und Mir-schwant-Übles!-Momenten aufgerieben wird (so man sich denn ein wenig mit der Story und dem Hauptcharakter angefreundet hat), dass ist schon meisterlich. Großes, großes Kino, von einer Brise griechischer Tragödie durchweht. Bernard Hermann soll nach einer Vorführung des Roh-Films geheult haben, weil er ihm so gefallen hat und hat dann auch noch einen Score hingeknallt, der sich nicht versteckt, sondern sich offensiv - und wunderschön - in den Film einmischt.

#79 Hagen

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Geschrieben 14. September 2005, 12:06

The Crazies

Ganz politisch unkorrekt und geschmacklos habe ich mich unter dem Eindruck gewisser Vorgänge in New Orleans entschieden The Crazies doch meiner Sammlung hinzuzufügen. Was negativ auffällt, sind vor allem die Beschränkungen des Budgets und die Tatsache, dass im Cast wirkliche Sympathiefiguren (oder sympathische Schauspieler) fehlen. Interessant hingegen ist, dass der Film natürlich eine Spielvariante von Romeros Zombiefilmen ist, bei dem die Opfer/Täter-Fronten durcheinander gewirbelt werden. Gnadenlos schlägt das Schicksal auch hier am Ende zu, wobei Romero die komplette Palette des Scheiterns und Fehlschläge auf allen Seiten auffährt.
Toll: Die simplen, aber effektiven Anzüge der Belagerungssoldaten, die natürlich in ihrem gesichtslosen Weiß auch wunderbar dazu animieren als SFX-Spielwiese missbraucht zu werden (was sich aber in engen Grenzen hält; gesplattert wird nicht und selbst die normalen Action-Szenen sind recht schwerfällig inszeniert und geschnitten).
Im Endeffekt bleibt The Crazies ein guter Romerofilm, in dem vieles wieder unterschwellig mitschwingt (68er-Unruhen/ Angst vor Belagerungszustand, Misstrauen der eigenen Regierung gegenüber/ ABC-Angst), der einige sehr gute Szenen zu bieten hat (u.a. nach Night noch eine schöne Variante des Psycho-Duschmordes), der aber weniger berührt als Romeros große Filme. Die interessanteste Figur (aber da bin ich vielleicht Cronenberg-geschädigt) war eigentlich der Proffesor, der leider nur am Rande vorkam: Die Hauptfiguren beiderseits (wieder ein Schwarzer in führender Rolle [Militär] in einem Romero-Film!) bleiben blass, bzw. es bleibt zumindest das schwer begründbare Sympathie-Bauchgefühl aus.
Lohnt, aber man sollte nicht zuviel erwarten.

#80 Hagen

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Geschrieben 16. September 2005, 08:05

Forty year old virgin in der Snikpriwju gesehen. Lustig, gelegentlich etwas zu flach, aber wir haben ja keine Charakterstudie erwartet. Größtenteils sich in massiver Übertreibung übend macht der Film solange eine gute Figur bis er am Ende nicht nur das ohnehin erwartbare Happy-Ending auffährt, sondern dieses auch noch um mehrere Spuren übertreibt. Dem Unberührten sein Glück zu gönnen ist Ehrensache, es in Anfällen von Kitsch auch noch wertkonservativ auszudeuten (so a la true love can wait, was nun aber definitiv nicht die Absicht des Helden war, sondern ihm vom Leben aufgedrängt wurde) und den Film mindestens 5 Minuten zu lang weiterlaufen zu lassen, dass sind Untugenden, die der Film hätte vermeiden können. Sonst: Nett.

#81 Hagen

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Geschrieben 21. September 2005, 06:23

Vorurteilsbelastet wie ich bin, wurde ich letztens schon von schrecklichen Schauerwellen durchlaufen, als ich in Critics FTB las, es würde einen Film namens "Everything is illuminated" geben, der sich bei genauer Betrachtung tatasächlich als die Verfilmung des gleichnamigen, wundervollen und in Worten nicht genug zu preisenden Romans von Jonathan Safran Foer entpuppte. Abturner: a) Dass dieses Buch überhaupt verfilmt wird, aber bei schweren Fällen (bei denen man auch als Leser schon dachte: Dies müsste ein Film werden, aber, verdammt noch mal, das wird kaum gehen, wenn man nicht alles wegdampfen müsste, was die Story ausmacht!) kann man ja nur aus Interesse hingehen um zu sehen, ob Hollywoodautoren tatsächlich den einfachsten Weg gehen und bis auf die Gags (unheimlich viele) und die traurigen Momente (immer noch genug) einfach alles rausschmeißen und hoffen der Zuschauer goutiere es. b) Dass Liev Schreiber Regie führt. Jaja, er hat einen Tony gewonnen, was britisch und nach Theater klingt, ist mir aber egal. c) Frodo spielt die Hauptrolle, trägt dabei (konnte es gestern in einem bei Conan gezeigten Ausschnitt sehen) eine dickglasige Hornbrille (lustig!) und sieht irgendwie aus, wie ein schlechter Komiker (die, die sich immer auf ihre lustigen Ausstattungen verlassen, ohne selbst lustig zu sein), gepaart mit seiner "Sin City"-Rolle. Bah.
Vorurteilsfazit: Kann nur scheiße werden. Lieber für den Preis der Kinokarte das Buch kaufen, wer es kann natürlich auf Englisch.

#82 Hagen

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Geschrieben 30. September 2005, 07:22

Howard Hughes "The Outlaw", legales Public-Domain-Angebot: http://www.archive.o...ails/the_outlaw

#83 Hagen

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Geschrieben 30. September 2005, 18:14

"Wächter der Nacht" gesehen. Knallbonbon. Fantasy ist ja eigentlich nicht mein Ding, hier war es aber so schön verpackt, dass ich ein Auge zudrücke. Emotional berührt hat aber auch dieser Film nicht - obwohl: den fertigen Helden ("fertig" im Sinn von: "Mann, siehst du heute wieder fertig aus!") empfand ich als angenehme Abwechslung. Schaue ich mir gerne wieder an, nur zum Lieblingsfilm - oder auch nur zum für mich "wichtigen Film" - schafft er's nicht.
Sonst: Vorfreude auf "History of Violence".

#84 Hagen

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Geschrieben 01. Oktober 2005, 11:15

Vielleicht hat Dirk nicht Unrecht wenn er singt:

Zitat

Im Leben geht's oft her wie in einem Film von Rohmer. Und um das alles zu begreifen, wird man was man furchtbar hasst, nämlich Cineast, zum Kenner dieser fürchterlichen Streifen.
Wie aber, fragt man sich dann, steht es um das Verhältnis von Realität, Fiktion und Verständnis wenn beispielsweise zu David Cronenbergs "Shivers" Ideen wie diese in die Welt gesetzt werden:

Zitat

Im Zuge einer Erhöhung des Parasiten zum Normalitätsdispositiv entstehe eine trianguläre Konfigurationsdimension, welche Ambivalenzen, Oppositionen und Dualismen desavouiere.

Quelle: http://www.ikonen-ma...attermovies.htm


(Ganz zu schweigen von der Interpretation von Hoopers "Texas Chainsaw Massacre" mittels der "präödipalen Mutter-Kind-Dyade" oder folgender Weisheit: "BRIDE OF CUCKY verzichte auf die einst als Symbol für weibliche Virilität genutzte Figur des Final Girl, stattdessen drücke der Film seine Kritik am heterosexuellen System aus, indem er für neue Organisationsformen der Familie einträte. Durch sein Verständnis von körperlicher Verwandlung als transsexueller Fleischwerdung artikuliere BRIDE OF CHUCKY konträr zu seinen konventionellen drei Vorgängerfilmen eine Gegenöffentlichkeit, um letztlich sich wieder heterosexueller Normativität zu beugen.")

#85 Hagen

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Geschrieben 03. Oktober 2005, 13:10

Perfect love – keine Wechselbäder, keine Zurückweisungen, keine Tränen und kein gebrochenes Herzlein: City Hai [Raw Deal] und Ich – das hält für die Ewigkeit. Nie würde der Film mich enttäuschen, nie würde ich ihn verschmähen. Alles an ihm, alles ist perfekt: Die Darsteller; die exzellente Mischung aus Ernst und Heiterkeit, die schon in den ersten Minuten mit Naturgewalt über den Zuschauer hereinbricht: Auf die blutige Tötungsaktion folgt eine mit Countrymusic unterlegte Verfolgungsjagd mit breitem Grinsen, woraufhin eine Szene heimischer Ehekrise folgt, die Trauer und Lachen perfekt kombiniert; die simple, aber nicht zu simple oder eintönige Rachestory (Idee: SERGIO DONATI!); das tolle, ansatzweise Peckinpah-Cross-Cutting in den Schießereien – nur eben ohne Zeitlupe; die One-Liner (Sie: „Losing improves your character.“ – Arnold: „Yeah, but winning improves your wardrobe!“); der Blick auf dem Gesicht von Arnolds Freundin, als sie im Bett sein Hemd aufknöpft: Der einzige mir bekannte Film in dem in dieser Situation nicht der Mann ehrfürchtig den weiblichen Busen bewundert, sondern die Frau in stummer Begeisterung den muskelschwellenden man boobs entgegenlächelt; die schöne, durchdachte Kameraführung und das mis-en-scene; die Yuppie-Ideologie des Bösewicht-Bosses („Wenn wir denken wir könnten etwas nicht tun...“), der nebenbei bemerkt immer irgendwelche Pillen in sich reinstopft oder um sich herum stehen hat; das dampfhammerharte Doppelfinale in Kiesgrube und Partylounge (neben dem Thema Männerfreundschaft die zweite Ähnlichkeit zu John Woos „The Killer“); Arnolds geile Vorbereitungssequenz für eben jenes Doppelfinale: prototypischer und perfekter kann man diese I-am-going-to-war!-Szenen nicht filmen und montieren; und letztlich (bevor ich hier den ganzen Film aufliste): die Idee den Soundtrack für die Kiesgruben-Schießerei (Satisfaction von den Stones) diegetisch aus Arnies Autoradio klingen (und auch an passender Stelle enden) zu lassen.
Wie gesagt: Der Film ist perfekt, es gibt nichts, was ich an ihm ändern würde oder wollte, wenn ich denn die Macht dazu besäße. Gehört unzweifelhaft zu Arnolds ganz großen Filmen, ungeachtet dessen was andere Quellen („Auch du, TV Spielfilm, auch du!?“) dazu sagen*. Raw Deal ist für mich vielleicht am deutlichsten mit dem Götterwerk Commando verwandt – nur ist er dabei der kompetentere, gezügeltere, nicht unfreiwillig komische und überhaupt weitaus weniger debile von beiden. Während man bei Commando nie so recht weiß, ob die Macher von der Muse auf die Stirn geküsst oder von einem Pferd gegen den Kopf getreten wurden, weil die One-Man-Show so unglaublich überzeichnet mit dem Charme einer Dampfwalze daherwalzt, so ist Raw Deal makelloses Musterbeispiel modernen Mainstreamkinos einer leider vergangenen Dekade – kein guilty pleasure wie Commando, sondern reinstes Vergnügen.








* Das kann ich schon deswegen so sagen, weil der Film meinem Vater gestern Abend als wir ihn beim Zapping zufällig entdeckt haben, richtig gut gefallen hat. Und mein alter Herr mag ja manchmal etwas komisch sein (über all die Hawks’schen Frauen in „El Dorado“: „Mein Gott, das ist ja wie im Porno!“), aber völlig falsch liegt er dann doch nur äußerst selten.

#86 Hagen

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Geschrieben 07. Oktober 2005, 11:44

Dressed to kill - Brian DePalmas wunderbarer American giallo. Wie auch schon der erst spät von mir entdeckte Obsession kommt DePalma in einigen der wunderbarsten Passagen fast völlig ohne Dialoge aus, sondern lässt seinen Film mustergültig von Bildern und Musik nach vorne tragen: Die Sequenz in der Gallerie am Anfang oder die Taxi-U-Bahnsequenz sind absolut meisterlich.
Auf den giallo-Vergleich komme ich hier - sicher nicht als erster - fast naturgemäß: Allein die erste Szene (unter der Dusche), eine Alptraumsequenz, weckt automatisch diese Assoziation: Eine Frau unter der Dusche, die sich lasziv einseift, dazu Musik mit entrücktem Gesang - das ganze ist so betont traumhaft und sexuell provozierend für einen US-Film, dass man gar nicht anders kann als daran zu denken, dass DePalma (Drehbuch und Regie) hier vielleicht eine kleine Verbeugung nach Italien getan hat -- von den zwei oben erwähnten Szenen und den prototypischen schwarzen Handschuhen und dem notwendigen Rasiermesser ganz zu schweigen.
Auffällig ist dabei, dass DePalma mit unglaublichem Gespür vorgeht, einen visuell schlichtweg phantastischen Film hinklotzt. Manchmal, dies als einziges Manko, wünschte man sich zwar die Kamera etwas beschleunigt und nicht nur im elegischer Quasi-Zeitlupe umhergleitend, aber diese Langsamkeit gehört wie schon bei Obsession wohl einfach dazu.
Sehr, sehr feiner Film, der, wenn wir schon nach Italien schauen, übrigens zumindest in der Quantität erstaunlich unblutig und auch sonst zurückhaltend bleibt: Wäre nicht der heftige Einstieg (arme puritanische Amerikaner, die sich 1980 durch Darstellungen von Nacktheit, Masturbation, Nymphomanie und ehelich-routinierter Beischlafödnis quälen mussten und dann nach kurzer Verschnaufpause dann noch eine brutalen Mord serviert bekamen), würde man heute (jaja, anachronistisch) gar nicht mehr verstehen, warum der Film damals heiß diskutiert wurde. (Nur mal so: Zöge man Argentos relativ zeitnah entstandenen Tenebrae als Vergleich heran, wäre ganz offensichtlich wieviel wilder A. zu Werke gegangen ist. DePalma behielt im Gegensatz tatsächlich eine viel dezentere Gangart bei. Großartig, auf ihre Art, sind beide Filme.)

#87 Hagen

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Geschrieben 07. Oktober 2005, 23:05

Broken Flowers: special thanks an Paul Auster und seine Frau Siri Hustvedt, und dann auch noch Sun Green aus Neil Youngs Konzeptalbum Greendale die Referenz erweisen: Hach, dieser Jim Jarmusch ist schon einer...
Wilde Begeisterungsstürme hervorzurufen ist dieses Films Sache nicht, aber für einen gemütlichen, melancholischen Trip ins Nichts ist er doch ganz prächtig geeignet. Getragen von Jarmuschs mal wieder so überraschenden wie auch gelungenen Musikauswahl begeben wir uns auf einen Trip, der mit dem Weg eines Briefes beginnt (in einer Anfangssequenz die irgendwie auch aus einer typischen "Galileo"-Reportage hätte stammen können) und bei dem wir am Ende so klug sind als wie zuvor. Im Gegensatz zum festen Glauben von Dons Nachbarn Winston gibt es eben keine Rätsel mehr zu entschlüsseln und alle Versuche müssen scheitern. Man findet beim Rückblick nur Menschen, die man vielleicht noch weniger versteht als in den Ewigkeiten zuvor: "Was weiß ich! Wir wissen wenig voneinandern. Wir sind Dickhäuter, wir strecken die Hände nach einander aus, aber es ist vergebliche Mühe, wir reiben nur das grobe Leder aneinander -- wir sind sehr einsam." (Dantons Tod, Büchner) Ein Gefühlsfilm, weil man ihn wohl nicht anders erschließen kann - zu wenig lustig, zu wenig unterhaltsam ist er, wenn man sich dem Gefühl, der Stimmung dieses Films nicht hingeben kann oder will. Im Kino wurde zwar viel gelacht -- zuviel, denn es gibt nichts schlimmeres, als ein Arthouse-Publikum, dass seinen bewusst unkonventionellen Filmgemschack nur dann genießen kann, wenn es sich Pointen einredet, wo keine sind -- aber die Essenz von Broken Flowers scheint mir eher Verlust und unartikulierte, unendliche Trauer zu sein - garniert mit einem trüben Lächeln, das einem die Nebenfiguren, jene Menschen am Wegesrand dann doch entlocken.

#88 Hagen

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Geschrieben 09. Oktober 2005, 18:51

Wie war das nochmal? Die letzten Minuten eines Films sind die wichtigsten, weil sich der Zuschauer sich in seinem Urteil am deutlichsten an ihnen orientiert? Stimmte das, dann wäre Das dreckige Dutzend eine Arschbombe. Ist er aber nicht. Lee Marvin, oder viel eher: LEE MARVIN, allein macht den Film zum Männerpflichtfilm. Und die ganz große erste Teil um Ausbildung und Zusammenschweißen der Truppe ist klasse, unterhaltsam, wunderbar - gekrönt von einer Szene, bei der Marvin und seine zwölf Untergebenen ein letztes Mal gemeinsam Essen (ich habe mich anstrengen müssen, die Worte "Jünger" und "letztes Abendmahl" zu vermeiden, aber genau darum geht es doch, sogar inklusive des Judas der Truppe [Maggot]).
Aber das Action-Finale, das worum es dann eigentlich hätte gehen sollen, ist genau das uninteressanteste überhaupt. Der unspektakuläre Fallschirmspringetod von Trini Lopez (ja, Trini "If I had a hammer" Lopez!) ist noch große Klasse, erdet den Zuschauer. Anfänglich macht die Ausführung des Plans ja noch Spaß, aber das Timing leidet zusehens, und spätestens als es an allen Ecken und Enden kracht, machte es mir keinen Spaß mehr. Die Action sah mir zu sehr nach dem aus, was sie früher gerne mal war: Arbeit der B-Crew, auf die der Regisseur selbst keine Lust hatte. Stimmt hier wahrscheinlich nicht, sieht aber so aus. Hätte, wäre, wenn: Wenn der Film nur 2 bis maximal 4 Jahre später gefilmt worden wäre, hätte er anders ausgesehen, weil er anders hätte aussehen dürfen (dank Gewaltrevolution im Kino, Peckinpah und Penn sei's gedankt) und müssen (Zuschauererwartung).
Dann stört gewaltig die fehlende Reflexion über das, was da geschieht. Nein, ich heule nicht rum, weil deutsche Soldaten sterben, oder weil die sich zu wenig wehren: Dies ist kein realistischer Film und ich bin für jede cineastischen Sieg der US-Armee über Hitler's boys immer dankbar (für die realen Siege natürlich auch). Aber: Der Film präsentiert im Zielgebiet den eigentlich leichten Auftrag (Nazis killen) plötzlich als Dilemma, geht aber nicht darauf ein: Nicht nur sind die meisten Zielpersonen unbewaffnet, sondern sie sind in Begleitung von Frauen dort. In einen Keller eingesperrt werden sie von unseren Helden mit Benzin überschüttet, mit Granaten eingedeckt und dann gesprengt. Nochmal: Wehrlose Menschen, Keller, Benzin, Granaten - Heldentat? Hätte man die Frauen weggelassen oder hätte man jeden Offizier zur MP greifen lassen oder hätte man wenigstens die Helden den Hauch eines Skrupels entwickeln lassen und diesem ein wenig Raum im (viel, viel zu kurzen Epilog) gegeben, dann wäre das alles okay gewesen, aber so ist es moralisch schlichtweg eklig die Helden mit Nazimethoden vorgehen zu lassen und das in keiner Weise und in irgendeine Richtung zu kritisieren.
Und dann: Im Abspann die Gefallenen als Helden hochleben lassen -- inklusive des Irren Maggot, der seine eigenen Leute in den Tod gehetzt hat.
Und dann: Der schon erwähnte viel zu kurze Epilog. Da sterben die Leutchen schon dramaturgisch ungeschickt und inszenatorisch schwach wie Fliegen in diesen letzten paar Minuten und dann endet die Aktion mit einem blöden Höhepunkt (als ob die Überquerung der kleinen Brücke schon bedeutete die wenigen und allesamt verwundeten Überlebenden wäre jetzt schon locker durech ganz Frankreich ihren Kollegen von der frisch gelandeten Invasionsarmee entgegengefahren). Und dann, um das alles zu toppen, eben der Epilog: Gefühlte 30 Sekunden. Für einen Film von 2einhalb Stunden Länge. Könnte ich jetzt das Major Dundee-Syndrom nennen, ändert aber nix daran, dass es hochgradig nervig ist.
Fazit: Sehr feiner Film, weil größtenteils hervorragend inszenierter Männer/Kumpel/Soldatenfilm. Aber das Finale im Feindesland hätte man getrost in der Pfeife rauchen können. Damit hängt der Film zwischen 80% Größe und 20 % Grütze, und das noch nicht mal gemischt oder durchsetzt, sondern am Stück, hintereinander.

#89 Hagen

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Geschrieben 11. Oktober 2005, 18:38

Hilfe!

Denke zwecks Komplettierung einer Bestellung bei Amazon darüber nach mir einen der 4,99€-Roger-Corman-Filme zu holen. Also: Die Folterkammer des Hexenjägers oder Lebendig begraben? Könnte mir da jemand einen hilfreichen Tipp geben, vielleicht mit einer kurzen, subjektiven Begründung?

#90 Hagen

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Geschrieben 14. Oktober 2005, 07:32

Mein erstes Privat-Axiom der Filmkritik: Über Komödien kann ich nur im aller seltensten Fall erhellendes schreiben. Egal: Der Kinofilm der knuddeligen Knetfiguren Wallace und Gromit ist ein äußerst amüsanter Spaß geworden, der der Qualität der Vorgängerkurzfilme in Nichts nachsteht. Interessant dabei: Wallace Frauengeschmack wird immer zweifelhafter (aber der grundgute Mann achtet wohl auf die inneren Werte...), Gromit bleibt der eigentliche Star und seltsamerweise auch die Identifikationsfigur der Filme, die eingestreuten Film- oder viel mehr Filmklischee-Zitate passen wunderbar in den Film und sind an keiner Stelle selbstzweckhaft oder aufdringlich -- und die stets debil dreinblickenden Häschen dürften (zusammen mit Shawn) zu den herzigsten Nebefiguren der Trickfilmgeschichte gehören.
Herr Park: Wir spenden Applaus und harren der Oscars.

Ach: Die Musik wurde vom Hans gezimmert... Passt auch wunderbar zu dem spaßigen Leinwandabenteuer, wirft aber die kluge Frage auf, die ich letztens irgendwo im Netz gelesen habe (ich weiß partout nicht mehr wo), ob den eigentlich die Musik eines jeden Filmes gleich klingen müsste. Kann es denn sein, dass abgesehen von gewissen Variationen, ein spezieller Zimmer-Soundtrack schlimmstenfalls genauso gut oder genauso schlecht auf einen beliebigen Western, Action- oder Kinderfilm passt? Hmm.





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