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Camelback Cinema

Tommy The Cats filmische Sternstunden

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THE DANCER UPSTAIRS (John Malkovich, 2002)


Nach den durchweg guten Kritiken hatte ich mehr erwartet. Zudem hatte ich eine völlig falsche Vorstellung von der Handlung, denn ich hatte erwartet, dass sich Malkovich auf die Beziehung zwischen der Balletlehrerin und dem Terroristen konzentriert. Dies suggerieren sowohl der Originaltitel als auch die deutsche Übersetzung desselben. Stattdessen erzählt er die Story recht unspektakulär aus Sicht der ermittelnden Polizeibeamten. Das Besondere des Films liegt somit einzig in der Ansiedlung der Handlung in einem (namenlosen) mittelamerikanischen Staat. Ansonsten bleibt ein solide inszenierter Polizei-jagt-wahnsinnigen-Terroristen-Thriller, der zwar nicht schlecht ist, aber weit hinter dem zurückbleibt, was ich mit dem Titel assoziiert hatte. Dafür kann der Film zwar nix, aber enttäuscht bin ich trotzdem.


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FRENCH CONNECTION II (John Frankenheimer, 1975)


Nach dem hervorragenden ersten Teil ist das Sequel eine einzige Enttäuschung. Die einfallslose Story konnte mich nicht fesseln und Doyles Entführung mit anschließendem Drogenentzug dient letztlich nur dazu, das Ganze auf Kinolänge zu strecken. Die Entzugsszenen sind zwar überzeugend gespielt, langweilen aber letztlich nur. An den hervorragenden ersten Teil kommt French Connection II zu keiner Zeit heran. Zumindest die Schießerei am Ende kann etwas versöhnen, retten kann sie den Film auch nicht mehr. So bleibt unter dem Strich nur eine weitere Fortsetzung, die die Welt nicht braucht.

John Frankenheimer


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HOUSE OF FLYING DAGGERS (Zhang Yimou, 2004)


Bereits in den ersten Minuten entfacht Zhang eine Bilderpracht, die ihresgleichen sucht. Es gibt derzeit nicht viele Regisseure, die es verstehen, derart beeindruckende Bilder zu kreieren. Wie schon bei Hero tritt die eigentliche Handlung schnell in den Hintergrund, und man wird regelrecht überrollt von der unglaublichen Schönheit der Bilder. Deren Wirkung wird von dem stimmigen Score noch verstärkt. Die Kämpfe sind nicht ganz so spektakulär wie beim Vorgänger, dafür punktet House of Flying Daggers mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen der chinesischen Wälder und Steppen. Insbesondere das Aufeinandertreffen der drei Hauptfiguren gegen Ende im einsetzenden Schneefall ist derart imposant gefilmt, dass es mir fast die Sprache verschlagen hat. Bild und Ton gehen eine symbiotische Verbindung ein und ergänzen sich auf ideale Weise. Die Klasse des meisterhaften Hero wird hier zwar nicht ganz erreicht, aber auch so ist House Of Flying Daggers eine der herausragenden Filmproduktionen des Jahres 2004.

Zhang Yimou


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THE FRENCH CONNECTION (William Friedkin, 1971)


Spannender Cop-Thriller mit einer einzigartigen Atmosphäre, bedingt durch die halbdokumentarische und äußerst realistische Inszenierung, die dem Zuschauer das Gefühl gibt, immer ganz nah dran zu sein am Geschehen. Hackmans Rolle des beinahe asozialen Cops, der die Befehle seiner Vorgesetzten ignoriert und ohne Rücksicht auf Verluste sein Ding durchzieht, wurde später oft kopiert und war stilbildend. Ein Klassiker, der auch heute noch uneingeschränkt sehenswert ist.


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ROSEMARY'S BABY (Roman Polanski, 1968)


Ähnlich wie bei The Tenant schafft es Polanski ohne jede Gewaltdarstellung (abgesehen von der Begattungsszene), eine unheimliche und angsteinflößende Atmosphäre zu schaffen, die ihresgleichen sucht. Durch die fast ausschließliche Erzählung der Geschichte aus Rosemarys Sicht versetzt er den Zuschauer in den gleichen Wissensstand wie sie und lässt ihn die gleichen Ängste erleiden. Lediglich mit der Besetzung der zwar glaubhaft agierenden, aber irgendwie unsympathischen Mia Farrow als Rosemary kann ich mich nicht so recht anfreunden. Dessen ungeachtet ein brillanter Horrorfilm, der bis heute nichts von seiner Wirkung eingebüßt hat. Klassiker!

Roman Polanski


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FANTASTIC VOYAGE (Richard Fleischer, 1966)


Über die Geschichte darf man natürlich nicht weiter nachdenken. Nimmt man die Umstände einfach als gegeben hin, erweist sich Fantastic Voyage als durchaus unterhaltsames Filmchen, das mitunter sogar recht spannend ist.Die guten Darsteller, die aufwendigen Sets und die für die damalige Zeit recht eindrucksvollen Aufnahmen tun ihr Übriges. Ein typischer Sonntag-Nachmittags-Film.


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THE LAST SEDUCTION (John Dahl, 1994)


I can be very nice when I try.

Linda Fiorentino gibt die ebenso skrupellose wie laszive Femme Fatale, die skrupellose ihre weiblichen Reize nutzt, um ihren lästigen Ehemann von ihrem Liebhaber beseitigen zu lassen. Dahls Interpretation des Film noir bietet eine ungewöhnliche Story, witzige Einfälle und gute Dialoge. Natürlich ist das Verhalten von Wendys Liebhaber alles andere als plausibel, natürlich stellen sich alle Beteiligten außer Wendy ungewöhnlich dämlich an. Sieht man darüber großzügig hinweg, bereitet einem The Last Seduction zwei äußerst unterhaltsame Stunden. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass Linda Fiorentino einen nicht unerheblichen Teil der Spieldauer in kurzem Rock und schwarzen Nylons herumläuft und auch ansonsten ihre Reize äußerst effektvoll zur Schau stellt.


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CASABLANCA (Michael Curtiz, 1942)


Here's looking at you, kid!

Meine erste Begegnung mit einem der größten Klassiker der Filmgeschichte. Punkten kann Curtiz' Werk vor allem mit seinen cleveren Dialogen, seinen vielschichtigen und ambivalenten Charakteren sowie einem glänzend aufspielenden Humphrey Bogart. Die einzigartige, beinahe magische Atmosphäre in Ricks Cafe nahm mich vom ersten Augenblick an gefangen. Eine Oase des Friedens in einer vom zweiten Weltkrieg zerrütteten Welt. Großartiger Film.


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THE SAND PEBBLES (Robert Wise, 1966)


Nach dem vielversprechenden Beginn verflacht der Film mit zunehmender Spieldauer. Der Kampf auf dem Patrouillenboot gegen Ende wirkt aufgrund der billigen Inszenierung eher wie eine Rauferei unter Schülern. Auch der finale Showdown in der Mission ist schwach inszeniert und gibt dem Zuschauer das Gefühl, Zeuge einer Freilichtveranstaltung zu sein. Richard Krenna als Kapitän bleibt merkwürdig blass und versteht es nicht, Akzente zu setzen. So wird der Film fast ausschließlich von Steve McQueen und dem wie immer hervorragend agierenden Richard Attenborough getragen. Unter dem Strich leider nur durchschnittlich.


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Quickies die Zweite...


Wieder mal ein paar Kurzeinträge...

FRAILTY (Bill Paxton, 2001)
Meine Erwartungen an Frailty waren so gering, dass eine Enttäuschung gar nicht möglich war. Umso größer die Überraschung, denn erstaunlicherweise liefert Paxton einen respektablen kleinen Thriller ab, der zwar inhaltlich nichts Neues bietet, aber mit einem guten Drehbuch und überzeugenden Darstellern punkten kann. Ordentlich.

THE THIRD MAN (Carol Reed, 1949)
Der Film wird im Allgemeinen als Meisterwerk gehandelt, konnte mich aber nur eingeschränkt begeistern. Die Inszenierung erinnert an ein Bühnenstück. Die Story ist flach, die berühmte Zither-Musik nervt und verpasst einigen Szenen eine (sicher nicht beabsichtigte) belustigende Wirkung. Nur die hervorragenden Darsteller und die dichte Atmosphäre retten den Film.

KHARTOUM (Basil Dearden und Eliot Elisofon, 1966)
Epischer Abenteuerfilm, der auf den Spuren des großen Lawrence of Arabia wandelt, dessen Klasse aber niemals erreicht. Dennoch sehr unterhaltsam und bis zum Ende spannend. Charlton Heston überzeugt.

IN THE HEAT OF THE NIGHT (Norman Jewison, 1967)
Warum In The Heat Of The Night so viele Oscars bekam und eine derart hohe imdb-Note hat, will sich mir nicht erschließen. Vielleicht weil er als einer der ersten Filme das Thema Rassismus aufgriff (das allerdings mit dem Holzhammer) und einen Schwarzen zum Helden werden ließ? Nüchtern betrachtet ist der Film nicht mehr als ein solider, mäßig spannender Thriller mit enttäuschendem Ende. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch.

WAR OF THE WORLDS (Byron Haskin, 1953)
Oh je! Bei seiner Erstveröffentlichung mag der Film Angst und Schrecken hervorgerufen haben, heute wirkt er nur noch lächerlich. Völlig alberne Effekte. Ich bemühe mich ja immer, solche Filme im Kontext der Entstehungszeit zu sehen, doch war mein Bemühen hier nicht von Erfolg gekrönt.

lNTIMACY (Patrice Chéreau 2001)
08/15-Beziehungsdrama aus Frankreich mit durchschnittlichen Darstellern und einer dünnen Story. Aufsehen erregte der Film wohl hauptsächlich wegen der Blowjob-Szene, womit das Highlight auch schon beschrieben wäre. Platt und unglaubwürdig.

L'ENFANT SAUVAGE / DER WOLFSJUNGE (Francois Truffaut, 1970)
Sicherlich eine der wichtigsten Quellen der Inspiration für David Lynchs Elephant Man. Gute Story, glänzend gespielt.

INFERNAL AFFAIRS (Andrew Lau und Alan Mak, 2002)
Sehr guter Cop-Thriller, rasant inszeniert und vor allem mit seinen hervorragenden Darstellern punktend. Spannend bis zum (etwas unerwarteten) Ende.

LAST ACTION HERO (John McTiernan, 1993)
Recht kurzweilige Action-Komödie, in der Arnie nicht nur Humor sondern auch Mut zur Selbstironie beweist. Gefällt mir besser als der blöde True Lies und ist vor allem um Einiges witziger.

THE BONFIRE OF VANITIES (Brian de Palma, 1990)
Nur aus Gründen der Vollständigkeit habe ich mir dieses Machwerk angetan, und meine schlimmsten Befürchtungen wurden bestätigt. Der mit Abstand schlechteste Film von de Palma, den ich bisher gesehen habe. Unsäglich.

DRACULA (Terence Fisher, 1958)
Ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Auch heute noch begeistern die unheimliche Atmosphäre und Peter Cushings Verkörperung des van Helsing. Christopher Lee bleibt - quasi rollenkonform - eher blass.

THE ABOMINABLE Dr. Phibes (Robert Fuest, 1971)
Jahre nicht mehr gesehen, und jetzt zum ersten Mal im O-Ton. Zweifellos einer der besten Filme mit Vincent Price, der bis heute nicht von seiner Wirkung eingebüßt hat. Schaurig schön.

HOUSE OF WAX (André de Toth, 1953)
Ein schwacher Film, der mich zu keiner Sekunde richtig zu fesseln wusste. Da kann auch Vincent Price nichts mehr retten.

OLDBOY (Park Chan-wook, 2003)
Extrem abgefahrener Stoff. Gute Story und gute Darsteller, aber wirklich krank. Vor allem das Abschneiden der Zunge am Ende ist harter Tobak. Vor einer endgültigen Bewertung erscheint eine zweite Sichtung angebracht.

SOLOMON AND SHEBA (King Vidor, 1959)
Nach dem interessanten Beginn dominiert schnell die Langeweile. Yul Brynner spielt gut, aber die furchtbar schwülstigen Dialoge (zumindest in der deutschen Synchro - der O-Ton stand mir leider nicht zur Verfügung), machen es ihm nicht leicht. Über Gina Lollobrigidas Leistung decken wir besser das Mäntelchen des Schweigens.

Arnold Schwarzenegger Terence Fisher


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PAYCHECK (John Woo, 2004)


Eine hanebüchene Story und die hölzern agierenden Darsteller (hier fällt vor allem Ben Affleck negativ auf) machen es dem Zuschauer nicht leicht, den Film zu mögen. Allerdings lässt sich nicht leugnen, dass Woo das Ganze durchaus spannend in Szene gesetzt hat, wobei die Action-Sequenzen selbst teils ins Lächerliche driften. Und die obligatorische weiße Taube nervt einfach nur noch. Dennoch recht unterhaltsam.


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I, ROBOT (Alex Proyas, 2004)


Meine Erwartungen waren angesichts der im Prinzip interessanten Thematik sehr hoch und wurden bitter enttäuscht. Der dümmliche Plot, die abgrundtief schlechten Special Effects und vor allem die völlig abstruse Erklärung für das Verhalten der Maschinen verdarb mir jeden Spaß an dem Film. Dazu noch die penetranten Product Placements, die die Grenze des Zumutbaren überschreiten. Lediglich Will Smiths lockere Sprüche sorgten für etwas Erheiterung. Unter dem Strich viel zu wenig.


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ULTIMO TANGO A PARIGI (Bernardo Bertolucci, 1972)


Was in den 70ern einen handfesten Skandal auslöste, erregt heute nur noch wenig Aufsehen. Marlon Brando gibt den innerlich zerrissenen Witwer, der Ablenkung und sexuelle Befriedigung in anonymen Treffen mit der jungen Jeanne in einer leerstehenden Wohnung sucht. Beide Darsteller agieren sehr überzeugend, machen es dem Zuschauer aber trotzdem schwer, sich mit ihnen zu identifizieren. Nicht schlüssig fand ich die Wendung zum Schluss, als Paul plötzlich versucht, Jeanne für eine „normale“ Beziehung zu gewinnen. Sie passt nach meinem Verständnis nicht zu Pauls Charakter und wirkte auf mich unglaubwürdig.


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THE DAY AFTER TOMORROW (Roland Emmerich, 2003)


lm Gegensatz zu Independence Day verzichtet Emmerich komplett auf jedes Pathos. lm Gegenteil: die Mexikaner schließen angesichts des Ansturms der US-Bürger die Grenzen und öffnen sie erst wieder, nachdem der Präsident den Erlass sämtlicher Schulden zugesagt hat. Damit dreht er den Spieß einfach um und lässt die Einwanderungswelle in die andere Richtung rollen. Die Stärke des Films sind natürlich seine beeindruckenden Special Effects. Nimmt man diese weg, bleibt allerdings nicht mehr viel übrig. Positiv ist zu vermerken, dass Emmerich. auf ein typisches Hollywood-Happy-End verzichtete und den Zuschauer stattdessen im Unklaren über die weitere Entwicklung lässt. Alles in allem ein guter Popcorn-Film, der bestens unterhält. Mehr kann man von dem schwäbischen Fimemacher ohnehin nicht erwarten.


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LE LOCATAIRE (Roman Polanski, 1976)


Meinen hohen Erwartungen wurde der Film vollauf gerecht. Polanski schafft es mit einfachen Mitteln und einen sichtbar niedrigen Budget, eine unheimlich dichte Atmosphäre zu kreieren, die den Zuschauer sofort in ihren Bann zieht. Insbesondere bei Horrorfilmen ist es wichtig, dass man sich mit der Hauptfigur identifizieren kann, dass man eine Beziehung zu ihr aufbaut. Damit steht und fällt jeder Horrorfilm, und glücklicherweise schafft es Polanski bereits nach wenigen Minuten, beim Zuschauer starke Sympathien für den von ihm selbst gespielten Mieter zu wecken. Gebannt verfolgt man mit, wie der zunächst völlig normale junge Mann im Verlauf des Films immer tiefer im Wahnsinn versinkt bis zum vollständigen Verlust der Identität. Das Ganze gipfelt in eine Schlussszene, die mir trotz des wohltemperierten Zimmers einen eisigen Schauer den Rücken hinunterjagte. Toller Film.

Roman Polanski


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THE THIN RED LINE (Terrence Malick, 1998)


Bereits in den ersten Minuten wird Malicks Intention deutlich, dem Film durch verschiedene Hilfsmittel auf Teufel komm raus Tiefe zu verleihen. Dazu streut er immer wieder aus dem Off gesprochene Monologe ein, die platt und klischeehaft allgemeine Sinnfragen behandeln. Hinzu kommen die mehrfach eingebauten Dialoge über den Sinn des Krieges und speziell dieses Einsatzes sowie die Gegenüberstellung wunderschöner Südseelandschaften inklusive Close-Ups auf bunte Papageien mit harten, schonungslosen Kriegsbildern. Das alles wirkt aufgesetzt. Statt auf die Wirkung der schockierenden Bilder während der Kampfhandlungen zu vertrauen, hielt Malick es offenbar für notwendig, auch dem minderbemittelten Zuschauer anhand furchtbar intelligenter Fragen wie „Wie kam das Böse in die Welt“ klarzumachen, dass Kriege schlecht sind. Die Szene, in der sich der Soldat selbst in die Luft sprengt, weil er nur die Sicherung der Handgranate zieht, während diese im Gürtel steckenbleibt, wirkte auf mich zehnmal intensiver als das ganze elende Gequassel aus dem Off - zu allem Überfluss auch noch im breitesten Südstaatendialekt vorgetragen.

Dennoch ist The Thin Red Line kein schlechter Film. Die Kampfhandlungen sind hervorragend in Szene gesetzt, die Charaktere mit Ausnahme des Colonels, der durch den schwach agierenden Nick Nolte verkörpert wird, durchaus glaubwürdig, und auch die tollen Landschaftsaufnahmen wissen zu begeistern. Hätte man etwas mehr Mühe auf das Schreiben der stellenweise recht platten Dialoge verwandt, auf die unsäglichen Monologe verzichtet und stattdessen mehr auf die eigentliche Stärke des Films, nämlich die drastischen Bilder der verwundeten bzw. getöteten Soldaten gesetzt, hätte The Thin Red Line ein ansprechender Kriegsfilm werden können.


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STATE OF GRACE (Phil Joanou, 1990)


Was für eine Überraschung! lch muss gestehen, dass ich noch nie etwas von dem Film gehört und ihn nur angeschaut habe, weil Sean Penn die Hauptrolle spielt. Auch der Regisseur war mir bisher völlig unbekannt. Entsprechend gering waren meine Erwartungen. Dabei wäre eine solch bescheidene Erwartungshaltung gar nicht notwendig gewesen angesichts der Qualitäten, die der Film zu bieten hat. Ein cleverer, durchdachter Plot, überzeugende Darsteller (ok, Gary Oldman überzieht etwas), eine dichte Atmosphäre und mitreißende Schießereien sorgen für zwei Stunden Hochspannung. Der finale Showdown ist fast de-Palma-mäßig inszeniert (The Untouchables lässt grüßen) und rundet den durch und durch positiven Gesamteindruck ab. Sehr gut.


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DR. PHIBES RISES AGAIN (Robert Fuest, 1972)


Nicht ganz so gelungen wie der Vorgänger, aber immer noch äußerst unterhaltsam. Dr. Phibes gibt sich wesentlich geschwätziger als im ersten Teil, und bei genauem Hinsehen bleiben einige dicke Löcher in der Story nicht verborgen. Dafür stimmt die Atmosphäre, und wenn Vincent Price mit mechanischer Stimme und unbewegtem Antlitz seiner Angebeteten Lagebericht erstattet, erzeugt dies weitaus mehr Grusel als so manche aktuelle Produktion aus dem Bereich Horror während der gesamten Spielzeit. Und die Morde sind auch nicht weniger kreativ als im ersten Teil.


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FAHRENHEIT 451 (Francois Truffaut, 1966)


Die Grundidee ist eigentlich ganz witzig, doch die zahlreichen Logikfehler haben mir das Filmvergnügen etwas vermiest. Wer löscht in dieser Gesellschaft Brände? Nur weil die Häuser aus feuerfestem Material gebaut sind, heißt das nicht, dass es keine Brände mehr gibt. Warum kennen sich Montag und sein Captain so gut mit Literatur aus, wenn sie nie Bücher gelesen und dafür nur Verachtung übrig haben? Warum verbrennen die Buchmenschen die auswendig gelernten Bücher statt sie zu verstecken? Warum sollte es jemanden glücklich machen, jeden Tag seines Lebens mit dem Zitieren eines auswendig gelernten Buches zu verbringen? Fragen über Fragen, auf die der FIlm keine Antwort gibt. Und leider gelang es mir auch nicht, diese Ungereimtheiten einfach auszublenden. Unter dem Strich daher nur ein durchschnittlicher Film - trotz der guten Ansätze.


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GALLIPOLI (Peter Weir, 1981)


Mit Gallipoli greift Weir einen wunden Punkt in der australischen Geschichte auf. 8.000 australische Soldaten verloren 1915 in der Schlacht um die Halbinsel Gallipoli ihr Leben, geopfert von überforderten, unfähigen Offizieren, so zumindest Weirs Interpretation. Dabei nimmt er sich viel Zeit, um die Hauptcharaktere einzuführen und ihr Leben in Australien zu zeigen, bevor sie schließlich in den Krieg ziehen und fast ausnahmslos getötet werden. Ein sehr bedrückender Film, der einem mit einem flauen Gefühl in der Magengegend zurücklässt.

Peter Weir


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MASTER AND COMMANDER: THE FAR SIDE OF THE WORLD (Peter Weir, 2003)


You want your children to sing the "La Marseillaise?

Bei der Umsetzung dieses Seefahrerabenteuers nach den Motiven der Jack-Aubrey-Erzählungen stand für Weir die detaillierte und authentische Schilderung des Lebens an Bord eines Kriegsschiffes im 19. Jahrhundert im Vordergrund. Diese ist ihm dann auch ganz hervorragend gelungen. Man kann förmlich die Seeluft riechen und das Salz auf der Zunge schmecken. Bei den Gefechten wähnt man sich "mitten drin statt nur dabei." Die eigentliche Handlung verkommt dabei fast zur Nebensache. Dankbar war ich in jedem Fall für die angebotenen Untertitel. Damals im Kino hatte ich stellenweise Probleme, den starken Cockney-Dialekt der Seeleute zu verstehen.

Peter Weir


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DAWN OF THE DEAD (Zack Snyder, 2004)


Bin kein Freund von Remakes und eines von Romeros Zombie-Klassiker hätte ich an allerwenigsten gebraucht. Das Ergebnis ist jedoch bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet. Snyders Film kommt zwar zu keiner Zeit an das Original heran, bietet aber nach einem etwas zähen Einstieg einige wirklich gute Szenen und ist insgesamt recht spannend. Richtig gelungen fand ich die Szene mit dem Zombie auf dem gegenüberliegenden Dach, der das blutverschmierte Schild hochhält. Erfreulich auch das überraschend gute, geradezu nihilistische Ende. Doch, kann man so lassen.


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KELLY'S HEROES (Brian G. Hutton, 1970)


Das größte Plus des Films ist ohne Zweifel seine originelle Story. Leider lässt die etwas Iangatmige Inszenierung immer wieder den Wunsch aufkommen, die Vorspultaste zu drücken. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Ansonsten gibt es wenig zu bemängeln. Die Inszenierung ist solide, die Darsteller überzeugen, und die immer wieder eingestreuten Gags wie z. B. das von einem Baum auf der einen und einer Mauer auf der anderen Seite eingeklemmte Panzergeschütz sorgen für Erheiterung. Nett.


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Ein paar Quickies...


Kurz und knapp meine Eindrücke zu weiteren Filmsichtungen der letzten Wochen:

JING KE CI WANG / DER KAISER UND SEIN ATTENTÄTER (Chen Kaige, 1998)
Thematisch ähnlich gelagert wie Zhang Yimous Hero, unterscheidet sich Der Kaiser und sein Attentäter in seiner Machart doch deutlich von jenem. Wo Hero den Zuschauer mit seiner gigantischen Bilderflut überwältigt, setzt Chens Film auf groß angelegte Schlachtszenen, eine epische Story und ausschweifende Dialoge, die theatralisch überspitzt vorgetragen werden und so Parallelen zu einem Bühnenstück anklingen lassen. Trotz der stattlichen Spielzeit von 3 Stunden wird der Film niemals langweilig und bleibt fesselnd bis zum Schluss.

SECONDHAND LIONS (Tim McCanlies, 2003)
Ein wunderbarer Film, der im Kino völlig zu Unrecht untergegangen ist. Mitreißende Story, tolle Darsteller, schöne Landschaftsaufnahmen und ein Flair, das mich an die alte US-Serie The Waltons erinnerte. Sehr gut.

RIDE THE HIGH COUNTRY (Sam Peckinpah, 1962)
Peckinpah und ich werden keine Freunde mehr. Langweilig und ermüdend.

SHE WORE A YELLOW RIBBON (John Ford, 1949)
Belangloser Wayne-Western. Nach dem Abspann bleibt nix hängen.

THE ITALIAN JOB (F. Gary Gray, 2003)
Anspruchsloses Popcorn-Kino, das aufgrund seiner rasanten Inszenierung und der hervorragenden Darsteller durchaus Spaß macht. Auch wenn das Niveau während der letzten halben Stunde nachlässt und das extreme Product Placement nervt, bleibt unter dem Strich ein recht unterhaltsames Actionfilmchen. Nett.

ÖGAT / DAS AUGE (Richard Hobert, 1998)
Obwohl ich normalerweise ein Faible für skandinavische Filme habe, konnte ich mit diesem Thriller nicht viel anfangen. Zu unsinnig ist die Story, zu vorhersehbar der Plot. Dazu der merkwürdige Mord an der Mutter, der überhaupt nicht zum Rest des Films passt, keinerlei Sinn ergibt und wie ein billiger Taschenspielertrick wirkt, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Auch die Darsteller können in keiner Weise überzeugen.

DEATH WISH (Michael Winner, 1974)
Ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Kein Film, um den man viele Worte machen muss. Bronson als eiskalter Rächer ist immer wieder sehenswert. Anspruchslose Unterhaltung auf gehobenem Niveau.

DEATH WISH II (Michael Winner, 1982)
Deutlich härter als Teil 1 (insbesondere die Vergewaltigungsszene zu Beginn ist starker Tobak) konnte mich die Fortsetzung nur mäßig begeistern. Dieses Mal ballert sich Bronson durch die Unterwelt von L.A. Ansonsten bleibt alles beim Alten. Sehr spannend ist das nicht, zudem trotz der zahlreichen Morde recht zähflüssig inszeniert.

MR. MAJESTYK (Richard Fleischer, 1974)
Und noch einmal Ballern mit Bronson. Der Plot ist an Schwachsinn kaum zu überbieten, aber eine gewisse Spannung kann man dem Streifen nicht absprechen. Optische Reize bietet zudem Linda Cristal. Ganz ansehnlich.

STREETS OF FIRE (Walter Hill, 1984)
Was für ein Schund! Bisher hatte ich von Walter Hill einen positiven Eindruck, aber dieser unsägliche Versuch, billige 80er-Jahre-Action mit Gesangs- und Tanzeinlagen zu mischen, ging so gründlich in die Hose, dass jedes weitere Wort Zeitverschwendung wäre.

SEA OF LOVE (Harold Becker, 1989)
Trotz guter Besetzung der Hauptrollen nur ein durchschnittlicher Thriller mit vorhersehbarem Plot. Paul Verhoeven zeigte 3 Jahre später mit Basic Instinct, wo der Hammer hängt.

Walter Hill


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THE MISSING (Ron Howard, 2003)


Western scheinen zur Zeit wieder groß angesagt zu sein in Hollywood. Nach Open Range nun ein weiterer Genre-Vertreter. Die Story weist starke Parallelen zu Howard Hawks The Searches auf. Trotz guter Ansätze fallen bei The Missing die langatmige Erzählweise und die durchweg unsympathischen Charaktere störend ins Gewicht. Auch die Einbindung von Elementen indianischer Mythologie empfand ich als unpassend. Darstellerisch hingegen ist das Gebotene durchaus ansprechend, vor allem Tommy Lee Jones und Cate Blanchett überzeugen. Die Schießereien am Ende versöhnen etwas, können den Film aber nicht aus der Zweitklassigkeit heben.


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THE VIRGIN SUICIDES (Sophia Coppola, 1999)


Sophia Coppolas hochgelobtes Regiedebut berührt, ist aber insgesamt zu oberflächlich. Letzten Endes erfährt man kaum etwas über die Mädchen, lediglich Kirsten Dunsts Charakter lässt ein paar Konturen erkennen. Als absolut störend empfand ich die deutlich wahrnehmbaren Elemente typischer amerikanischer Teenager-Filme, die Coppolas Versuche zunichtemachen, eine düstere Atmosphäre zu schaffen wie dies beispielsweise Peter Weir in Picnic at Hanging Rock vorbildlich gelungen ist. Letztlich ein doch eher belangloser Film.


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THE SHIPPING NEWS (Lasse Hallström, 2001)


Lasse Hallströms Umsetzung von E. Annie Proulx' Bestseller gefällt vor allem durch die wunderschönen Landschaftsaufnahmen der Küste Neufundlands und eine Atmosphäre, die man sonst vorwiegend aus skandinavischen Produktionen kennt - was nicht verwunderlich ist angesichts der Nationalität des Regisseurs. Kevin Spacey überzeugt in der Rolle des Versagers Quoyle, der ins Land seiner Väter zieht und dort das private Glück in Person der von ihrem Mann verlassenen Wavey findet – ebenfalls überzeugend dargestellt von Julianne Moore. Ein sehr leiser und einfühlsamer Film, der ungeachtet seiner traurigen Momente den Zuschauer mit einer positiven Botschaft entlässt.


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MYSTIC RIVER (Clint Eastwood, 2003)


Ein sehr beklemmender. Film, den Eastwood da abgeliefert hat. Den Schwerpunkt legt er nicht auf die Aufklärung des Mordes – diese ist unspektakulär und im Grunde genommen auch nicht wichtig – sondern auf die detaillierte Ausarbeitung der Charaktere und das Schaffen einer ebenso düsteren wie dichten Atmosphäre. Hier liegen eindeutig die Stärken des Films, der fast ausschließlich von den hervorragenden Darstellern getragen wird. Insbesondere Tim Robbins liefert eine herausragende Vorstellung, die ihm zu Recht den Oscar bescherte. Mystic River lässt den Zuschauer ähnlich hilflos zurück wie seinerzeit Finchers Se7en. Ein großartiger Film.

Clint Eastwood


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ABRE LOS OJOS (Alejandro Amenábar, 1997)


Nach dem schwachen Vanilla Sky hatte ich schon keine richtige Lust mehr, das Original zu schauen. Letztlich landete das Teil dann doch in meinem Player und welche Überraschung! Der Film besitzt Qualitäten, die Vanilla Sky nicht einmal im Ansatz bietet. Wobei - tatsächlich überraschend ist das eigentlich nicht, kommen Remakes doch selten an ihr Original heran, zumal wenn es sich um US-Remakes europäischer Filme handelt. Positiv zu erwähnen sind die erfrischenden, unverbrauchten Darsteller, die in Verbindung mit den europäischen Kulissen eine viel dichtere Atmosphäre schaffen als die glattgebügelte Hollywood-Variante. Die Erklärung am Ende ist zwar genau unsinnig wie beim Remake, im Gegensatz zu diesem wird hier aber nicht endlos darauf herumgeritten. Die zügige Abhandlung macht den Wermutstropfen leichter verdaulich, wobei ich mich immer noch frage, warum Amenábar nicht komplett auf eine Erklärung verzichtete und das Ende einfach offen gestaltete. Dennoch ein guter Film.


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INTOLERABLE CRUELTY (Joel Coen, 2003)


Für einen Coen-Film außerordentlich zahm. Die Gags bleiben überwiegend flach, Zeta-Jones und Clooney retten den Film jedoch vor dem Abdriften in die Belanglosigkeit. Und in der Szene, wo der asthma-kranke Killer den Revolver mit dem Pump-Spray verwechselt und sich das Hirn wegpustet, musste ich sogar herzhaft lachen. Ansonsten hält sich der Unterhaltungswert in Grenzen. Da ist man von den Brüdern aus Minneapolis weitaus Besseres gewohnt.

Coen Brothers





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Tommy The Cat
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