

The retina of the mind's eye
#63
Geschrieben 21. September 2003, 12:51
Als ich 1992 in New York war, habe ich mir unter anderem (Salzstreuer mit dem WTC drauf - auch dort gekauft) für 4,99 US$ eine Original-kassette von Phantasm gekauft. Jetzt, 11 Jahre später, habe ich endlich mal die Gelegenheit gefunden, mir das Tape anzuschauen.
Ich kannte den Film natürlich schon vorher in der deutschen Fassung, die ja - soweit ich weiß - nicht weniger "integral" (ungekürzt) ist als die OF.
Phantasm ist ein Film, der mich recht ratlos zurück gelassen hat: Das Werk steckt voller Ambition und man merkt geradezu an jeder Einstellung, dass Don Coscarelli unzählig viele Ideen für die Story und ihre Umsetzung parat hatte. Angefangen bei den sehr impressionistischen Farben des Films über die Projektionsspielchen der Bild-im-Bild-Inszenierung bis hin zu den surrealen Traumszenen, die verschiedene Figuren haben: Phantasm will Kunst sein.
Bei all diesem Manierismus lässt der Film seine Story jedoch eigenartiger Weise außer acht. Von inkonsequenten Handlungsentwicklungen (warum sperrt Jody Michael zum Schluss im Zimmer ein und fährt noch mal zurück zum Friedhof?) bis hin zu achtlos entwickelten Nebenfiguren (Was hat es mit der alten Hexe vom Anfang des Films auf sich?) ist Phantasm geradezu schlampig erzählt.
Werner Faulstich hat mit seiner Dawn of the Dead-Interpretation* einmal einen sehr fruchtbaren Anstatz zum Verständnis solcher Inkonsequenzen gegeben: Der Spielfilm als Traum. Faulstich schlägt vor, die Inkonsequenzen von Dawn als verschobene, verdichtete Traumbilder zu lesen und den gesamten Spielfilm damit einem anderen narratologischen Diskurs zu unterstellen. So gesehen könnte Phantasm, der sich zum Ende hin ja selbst als Traum-Narration ausgibt, schon ironische Intelligenz unterstellt werden. Nur müsste sich die Rahmenhandlung ja dann ebenfalls in das Traumkonzept einflechten lassen. Da muss ich mir noch mal meine Gedanken zu machen ... ansonsten hat es mich gestern Abend mal wieder gefreut, mal in New York gewesen zu sein.
maX
* Faulstich, Werner. "Der Spielfilm als Traum. Interpretationsbeispiel: George A. Romeros ZOMBIE." medien + erziehung, 29. Jg., H. 4, 195-209.
#64
Geschrieben 27. September 2003, 21:52
Ein bemerkenswert schlechtes Timing zeichnet GONY zu allererst aus. Während der Film die erste Stunde versucht, eine Erzählung um Rache und Schuld aufzubauen, verliert er jedes Gefühl für den Rhythmus. Nach etwa 100 Minuten, als die "historische Realität" das Gangster-Drama einzuholen beginnt, erkennt man erstmals die Handschrift Scorseses. Ohne Rücksicht auf seine Figuren lässt er die Realität über das Geschehen hinwegwalzen. Zwar erstaunen einige wirklich hölzerne Paralelmontagen (3 Gebete, 3 Armeen, ...), doch entlarven sowohl Kamera als auch Drehbuch den zuvor abgelaufenen schnöden Kostümschinken als Relikt eines Kinos von Gestern. Die Nierderschlagung des Aufstandes ist daher nicht nur dramaturgisch der Höhepunkt des Films.
DiCaprio schaut derweil 160 Minuten lang grimmig bis verbittert aus der Wäsche, schafft es aber trotzdem nicht, sich gegen sein Image zu emanzipieren. Cameron Diaz hat sich durch ihre Darbietung einen festen Platz in meinem "Herzen" (zwischen Julia Roberts und Kelly LeBrook) als nervigstes Breitmaul der Filmgeschichte eingespielt. Beeindruckend war hingegen Daniel-Day Lewis, bei dem man regelrecht spüren konnte, wie er in der Rolle des Butchers auf-, und mit ihm das alte System der Gangs untergegangen ist.
Detaillierte Kritik
maX
#65
Geschrieben 27. September 2003, 22:04
Wie kann eine Kultur nur so derartig verklemmt sein? Einfach nicht zu fassen, wie sich dieser Möchtegern-Haiku-Kalkmann über die Frau hermacht, holzklotzartig versucht, seine sexuellen Begierden an ihr zu zügeln, nur um sie dann (aus sexueller Frustration?) in Stücke zu schneiden. Vorher gibt er ihr noch ne Droge, die IHN glauben lässt, Gewalt mache geil. Na, und dass der Film sich zwar traut, Hände im close-up abzuschneiden, aber sittsam Brüste aus der Kadrage fernhält und jede Ahnung von Muschi mit Dünndarmschlaufen abhängt ... hätte ich gar nicht anders erwartet. Muss man eigentlich Angst vor einer Kultur haben, die solche Nazi-Streifen macht? Na, zum Glück gibt's auch bessere und unverklemmtere Filme aus Japan. Hätte ich eine Woche zuvor nicht Oshimas Im Reich der Sinne gesehen, müsste ich mich jetzt glatt mit nem neuen Vorurteil rumschlagen.

maX
#66
Geschrieben 04. Oktober 2003, 10:13
So hoch die Wellen, so mutig die Fischer, so unrasiert die Gesichter, so traurig-ängstlich die Weiber, so langweilig-spanned der Film - die ganze Zeit. "Die jungen Männer und das Meer", der teure, teure Schwertfisch, die Hybris gegen die Natur, die Hilflosigkeit der Helfer, alles schon gesehen, armer, armer Petersen, verdummst uns dort in Hollywood bei deinen unendlich-dummen Geschichten.
maX
#67
Geschrieben 07. Oktober 2003, 06:47
Jürgen Vogel, Nicolette Krebitz, André Eisermann ... Die Besetzungsliste von Durst liest sich wie die einer zeitgenössischen Großproduktion aus deutschen Landen. Und würde das Produktionsjahr 1993 nicht verraten, dass Durst lange vor dem unsäglichen Aufbäumen des deutschen Anal-Humors Ende der 90er Jahre gedreht wurde, hätte ich mir den Film auch bestimmt nicht angesehen.
Vor 10 Jahren, als ich Durst das erste sah und aufgenommen habe, ist er mir wie ein sehr starkes und intensives Todeszucken des Neuen Deutschen Films vorgekommen. Dieser Eindruck hat sich jetzt etwas - aber nur etwas - abgeschwächt. Deutlich merkt man die Ambitionen Martin Weinhards, etwas über den Konflikt der Generationen zu erzählen. Die Darsteller verfügen über eine Energie, die ihnen (bis auf Eisermann) in späteren Filmen völlig abgeheht. Vor allem Jürgen Vogel wird man wohl nach Durst nie wieder so authentisch und dramatisch spielen sehen.
Erzählt wird die Geschichte Arthurs, der die Schnauze voll von seiner Kleinstadt mit ihrer verlogenen Bürgerlichkeit hat. So reißt der 17-jährige immer wieder aus und kehrt doch immer wieder heim, wo den über-intelligenten Abiturienten nur Spott und Unverständnis erwarten. Einzig sein Freund Ernst (Eisermann) scheint ihn zu verstehen, wir jedoch von einer nur wenig kaschierten homosexuellen Liebe zu Arthur hingezogen. Als ein neuer Pfarrer - der in Aussehen und Gebaren nicht wenig an Bergmans XXX aus Fanny und Alexander erinnert - in den Ort kommt, beginnt eine verhängnisvolle Dreiecksbeziehung zwischen dessen jahrelang unterdrückter Tochter Sabine (Krebitz), Arthur und Ernst. Auch das Umfeld der Jugendliche bleibt von den Erschütterungen nicht unbeeinflusst bzw. verstärkt diese noch: Arthurs Mutter sorgt für Spott unter den Klassenkameraden, weil sie über Zeitungskleinanzeigen einen neuen Mann sucht, Ernsts Vater beginnt eine Liaison mit Sabine und der neue strafversetzte Deutschlehrer wird - weil er das literrische Potenzial in Arthur erkennt und stützt mit Unzuchtsvorwürfen konfrontiert. Uns so kollabiert die Situation im Städtchen schließlich, um sich zum Ende in eine Harmonie einzupendeln, mit der niemand gerechnet hat.
Durst hat beeindruckt. Vor allem, weil er es geschafft hat wirklich starke Figuren zu etablieren und seine sozialen Konflikte jenseits aller Stereotype ("typisch Kleinstadt", "typisch Jungedliche", "typisch Film", ...) zu inszenieren. Wer den Film mal irgendwo in die Finger bekommt, sollte ihn sich auf jeden Fall ansehen.
maX
#68
Geschrieben 07. Oktober 2003, 06:58
Ein absolutes Meisterwerk. Die "Komposition" von Bild und Musik, die Ausstattung der stilllebenhaften Bilder könnten brillianter nicht sein. Greenaway hat Gespür für's Oppulente ohne es übertreiben zu müssen. Und die Erzählung? Ein böses Märchen, dass für den Bösewicht leider viel zu früh und zu human endet.
Greenaway und sein Filmmusikkomponist sind hier auf ihrem absoluten Höhepunkt ihrer Zusammenarbeit angelangt. Der Regissseur gibt nicht einfach "einen Soundtrack in Auftrag", den er über seine Bilder legt, sondern holt sich eine Komposition Nymans, nach deren Rhythmus er seinen Film schneidet. Damit wird "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" ein tänzerisch-leichtes und trotzdem nicht zu unterschätzendes Kunstwerk. Die Kameraarbeit unterstützt diesen Rhythmus, indem sie ihre sehr häufigen Paralelfahrten schreitend neben den Protagonisten zelebriert und jede Schwarzblende (häufig die Zwischenwand zwischen der Küche und dem Restaurant) nutzt, um die musikalischen Stimmungs- und Tempowechsel optisch zu unterstreichen.
maX
#69
Geschrieben 07. Oktober 2003, 18:49
#70
Geschrieben 14. Oktober 2003, 11:13
Benigni als Regisseur und Schauspieler. Unglaublich belangloser und eindimensionaler Film, der ausschließlich von Benigni lebt ... das aber nicht schlecht.
maX
#71
Geschrieben 14. Oktober 2003, 11:14
Na ja, Post-Adoleszenz-Drama mit Musik, die ich größtenteils nicht kenne. Konnte ich nicht viel mit anfangen (in jeder Hinsicht).
maX
#72
Geschrieben 14. Oktober 2003, 11:18
Es ist wirklich unglaublich. Ich weiß nicht, wie oft ich den Film nun schon gesehen habe, aber immer wieder entdecke ich was Neues. Details, die miteinander in Verbindung stehen und neue Deutungsoptionen öffnen. Heute habe ich den Film mal - anlässlich eines anstehenden Vortrags - auf seine "Snuff-Philosophie" abgeklopft. Sehr interessante Hypothesen, die Cronenberg da in Wort und Bild umsetzt.
Mir scheint es fast so, dass Videodrome (fast so vie Shining) für mich das literarische Pendant zu Goethes Faust ist: Ein echter "intellektueller Baumkuchen", der einem irgendwie genau die Fragen zu beantworten scheint, unter deren Vorwand man ihn angeschaut hat.
Nach wie vor: Cronenbergs Meisterwerk!
maX
#73
Geschrieben 17. Oktober 2003, 08:08
Diesen Tagebucheintrag nehme ich nur vor, damit ich - wegen meiner Vergesselichkeit - den Film nicht auf Versehen noch ein zweites Mal schaue. Das wäre nämlich ziemlich Scheiße.
maX
#74
Geschrieben 18. Oktober 2003, 08:48
Tja, es ist halt nicht alles Gold, was glänzt. Sehr bemühter Amateurfilm, der sich streckenweise selbst karrikiert ("Auf Video drehen nur Stümper!"), jedoch an seiner naiven Story scheitert. Kommt einem alles ein bisschen wie bei Uwe Bolls "House of the Dead" vor. Was mich überrascht hat, dass einige Schauspieler tatsächlich was auf dem Kasten hatten. Vielleicht hat genau das die Diskrepanz zwischen "wollen" und "können" so schmerzlich vorgeführt?
maX
#75
Geschrieben 18. Oktober 2003, 08:50
Klasse. Genauso witzig wie der erste. Richtige Genre-Kino mit hanebüchener Story und echten Western-Helden

maX
#76
Geschrieben 18. Oktober 2003, 16:41
Dahmer fällt aus der Reihe der aktuellen True-Criminal-Filmbiografien. Entgegen dem ästhetischen Programm der Filme Ed Gein oder Ted Bundy legt es dieser Film nicht vorrangig auf die Darstellung der Verbrechen bis hin zur Verhaftung und Verurteilung Jeffrey Dahmers an. Vielmehr versucht der Film eine psychologische Studie am Täter durchzuführen. Der Film gebiert sich daher zunächst sehr ruhig und düster (letzteres nicht im Sinne von "unheimlich" sondern eher von "beklemmend"). Jeffrey Dahmer wird als Person geschildert, deren Kontaktversuche zu Menschen (die später Opfer werden) beständig an der Kommunikation scheitert. Morde gibt es so gut wie gar nicht zu sehen und die berüchtigte Leichenteil-Sammlung des "Cannibal of Milwaukee" reduziert sich auf einen diskret verpackten Kopf in einer Holzkiste. Stattdessen zentriert der Film die Konflikte Jeffreys mit seinem Vater, seiner Großmutter und vor allem drei seiner Opfer, die durch lange Dialog-Sequenzen wiedergegeben werden.
Dahmer muss sich wohl den Vergleich zum 1993 entstandenen "The secret Life: Jeffrey Dahmer" gefallen lassen. Auch damals schien der Akzent bereits mehr auf die Ambivalenz des Serienmörders gelegen zu haben, wenn auch "Secret Life" nicht umhin kam, die Morde en detail darzustellen. Doch seit dem ist eine Menge passiert im Sub-Sub-Genre "True Crime Serial Killer-Film". Und es ist davon auszugehen, dass die allgemein zu beobachtende Tendenz des "Filme erklären die Wirklichkeit" auch bei Dahmer eine größere Rolle spielt (als noch bei Secret Life). Das Argument findet sich ja mittlerweile in vielen Publikaitonen und Filmen wieder, dass man durch die Auseinandersetzung auf zweiter Ebene etwas über die Motiv und Psychologie des Täters erfahren kann.
Was ich noch mal nachprüfen muss: Woher der Film seine "Kenntnisse" über die Biografie Jeffrey Dahmers nimmt. Hier wäre dann entweder eine Hyperrealisierung oder eine Mythologisierung (wie sie auch in den "Jack the Ripper"-Filmen stattgefunden hat) auszumachen.
maX
#77
Geschrieben 19. Oktober 2003, 08:09
Lockerer und leichter Beitrag über das Leben mit Behinderung. Zum Ende hin verfällt der Film, der ganz von seinen starken Schauspielern lebt, leider völlig einer Sat1-TV-Film-Ästhethik.
maX
#78
Geschrieben 27. Oktober 2003, 08:55
Superwitziger Zeichentrickfilm mit unzählbaren Referenzen an die Kollegen und Konkurrenten. Schon der Soundtrack ist ein Genuss für sich: Kollagen von Dvorac bis Grieg ... Und dann die arme kleine grüne Ente Plucky auf ihrem Schweine-Trip ins Lach-und-Spaß-Land.




maX
#79
Geschrieben 27. Oktober 2003, 08:59
Also ich bin ja nun wirklich ein Fan der 80er Jahre, aber was Carl Schenkel da nach Abwäts verbrochen hat, kann selbst nicht mehr durch die Fönfrisur von Pamela Sue Martin gerettet werden. Unglaublich fades Rosemary's Baby-Ripoff mit schlechter Montage und - zumindest auf dem PAL-TV fürchterlicher Video-Ästhetik (sah strecknweise wie ne schlecht VCD aus).
maX
#80
Geschrieben 28. Oktober 2003, 08:55
Was hatte ich eigentlich erwartet? Dass sich die beiden 90 Minuten lang prügeln? Das kann ja nur - ob der Unsterblichkeit beider - sehr langweilig werden: Arm abgehackt - Arm wieder da; Körper zerquetscht - Körper wieder heil; ...
Anstelle dessen versucht der Film tatsächlich die Narrationen beider Serien zusammenzuführen: Die ersten zwei drittel spielen in der Elm Street, das letzte Drittel am Camp Crystal Lake. Und jeder der beiden hat einmal einen Heimvorteil. Dann gibt es die üblichen, jugendlichen Schießbudenfiguren, die heute wie damals genauso bemüht und genauso obsolet sind. Einziger Unterschied: Die Bauchfreiheit der Mädels.

Und sonst? Recht viel Splatter (würde mich wundern, wenn der in der dt. Fassung noch komplett drin ist). Dazu zählt eine neue Lieblingsszene im Kino des kreativen Tötens (ich verrate nichts, nur, dass ich heute das erste Mal froh war, "nur" mit Rückenschmerzen im Bett aufgewacht zu sein.

Für Outsider dürfte Freddy vs. Jason wenig Interessant sein, für "Insider" dafür umso mehr.
maX
#81
Geschrieben 29. Oktober 2003, 07:27
Belangloser, langweiliger Streifen, der zwar hier und da ein paar optische Besonderheiten aufweist, die wirken jedoch wie zufällig eingestreut. Die Story ist ziemlich banal und das Ende versucht vergeblich so etwas wie "Rätselhaftigkeit" zu behaupten.
maX
#82
Geschrieben 01. November 2003, 09:39
Leidlich interessanter Dokumentarfilm über die ihrer Zeit voraus gewesene Avantgarde-Filmerin. Nicht nur interessiere ich mich keinen Deut für Tanz (und deshalb ist mir schon der Großteil von Derens' Werk zuwider), auch insistiert mir der Film zu sehr auf die angeblich spirituelle Grundlage Derens im Voodoo-Kult. Na ja, wenigstens mal die Kinemathek von innen gesehen (wo ich doch jetzt schon ein halbes Jahr in Bonn wohne).
maX
#83
Geschrieben 02. November 2003, 07:52
Angekündigt als "Aus dem Märchen wird Wriklichkeit". Da hat der Redakteur wohl offenbar die letzte Lymphdrainage nicht richtig vertragen. Diese Grim-Adaption ist leidlich gut geraten. Der Horror, den die Vorschau und das Cover verheißen, entpuppt sich als Grusel zweiter Klasse, bei dem das Böse der Stiefmutter selbst dann noch ambivalent wirkt, wenn sie sich in eine Hexe verwandelt. (Einzig wirklich schlimmer Moment: Als sich das Händchen ihres totgeborenen Babies aus den Laken streckt

Zwar nicht unbedingt zeitverschwendung, aber leicht zu vergessen (fiel mir gegen Ende auf, dass ich den Film doch schon mal gesehen hatte).
maX
#84
Geschrieben 02. November 2003, 07:58
Herrlicher Kontrast zum Schneewittchen-Kram. Bud Spencer und Terence Hill geraten wie durch Zufall in die Polizeischule und werden Polizisten und können - bei aller hintergründigen Ganovenart - Gutmenschentum beweisen ... und as acht Jahre vor Police Academy! Dem Film sieht man die Langweiligkeit der Story regelrecht an: Ständig stehen die beiden rum und machen blöde Sprüche und auch die Schlägereien brlllieren durch running Gags (drei Mal wird den Widersachern das Auto kaputtgemacht, etc.) Kino für die ganze Familie ... sogar Miriam hat's dieses Mal gefallen (obwohl sie für meinen Bud&Spence-Tick genauso wenig Verständnis wie für meine Begeisterung gegenüber Porky's-artigen Filmen hat).
maX
#85
Geschrieben 14. November 2003, 17:54
#86
Geschrieben 16. November 2003, 07:59
Bis auf die Tatsache, dass Kinder eher selten direkter Angriffspunkt von Gewalt sind, ist der Film stinklangweilig und Fulcis Zoomania nervt ziemlich schnell.
maX
#87
Geschrieben 16. November 2003, 08:09
Beschlagnahmter Titel, der sich von Dramatik und Inszenierung nur wenig vom Sat1-Krimi um 20:15 Uhr unterscheidet. Hanebüchne Geschichte um ein Zwillingsbruderpärchen, von dem der eine Bruder träumt, dass er Frauen tötet und der andere (körperlich behinderte) es tut. Irgendwie wollte der Regisseur wohl nen Basket-Case-Film drehen, hatte ber keinen Korb zu hand.
Wir raten ab.

maX
#88
Geschrieben 16. November 2003, 08:12
Walter Hill-Film mit guter Besetzung aber schlechtem Skript. Irgendwie hatte ich das ganze unangenehmer in Erinnerung. Kann aber auch daran liegen, dass ich gestern House of 1000 Corpses und vorgestern TCM gesehen habe und nun unbedingt noch ein paar arrogante Großstädte von Hinterwäldlern gejagt sehen wollte.
maX
#89
Geschrieben 22. November 2003, 08:58
Sehr witzig. Anke Engelke hat jetzt wieder ein paar Pluspunkte bei mir. Darüber, dass die Pixar-Animationen dem Schnulzen-Zeichentrick aus dem Hause Disney endlich den Garaus zu machen scheinen, freue ich mich fast mit am meisten

maX
#90
Geschrieben 28. November 2003, 21:26
Gestern habe ich den Film in einem philosophischen Kolloquium vorgeführt, weil ich nächste Woche dort einen Vortrag über "Philosophie-Vermittlung durch Medien" halte. Und gestern ist mir etwas passiert, vor dem ich mich lange gefürchtet habe: Ich habe den Film verstanden.


Mehr dazu auf meiner Homepage.
maX
#91
Geschrieben 01. Dezember 2003, 09:21
"Der radikalste Heimatfilm" wird "Abrahams Gold" im Verleihprogramm des Filmverlag der Autoren genannt. Und in der Tat ist es ein intensives Filmerlebnis gewesen:
In einem kleinen bayrischen Dorf lebt die 14-jährige Annamirl bei ihrem Großvater und hilft diesem in seiner Gaststube. Eines Abends kommt später Besuch in die Gaststube: Annamirls Mutter Bärbel, die sich wegen ihres recht lockeren Lebenswandels mit dem Vater überworfen hat und nach der Geburt ihre Tochter und die Heimat verlassen hat. Nun braucht sie Zuflucht und erpresst den Vater, dass sie ihm als wahre Sorgeberechtigte das Mädchen jederzeit wegnehmen könnte. Sie quartiert sich ein und baut eine Beziehung zu ihrer Tochter auf, die so ganz anders ist als ihre Mutter: Fast schon mit frühvergreister Spießigkeit begegnet das Mädchen dem Verhalten der "schlamperten" Mutter, die keinen Hehl aus ihrer Hippie-Anhängerschaft, der freien Liebe und Unsesshaftigkeit macht. Nach und nach erfährt Annamirl, dass dieso so "aus der Art geschlagene" Mutter wohl aus Protest gegenüber dem Vater so geworden ist: Dieser war nämlich SS-Aufseher im Vernichtungslager Birkenau. Und während sich Mutter und Tochter aneinander annähern, entfernt sich der Großvater zusammen mit einem Freund in Richtung Polen, um einen in Auschwitz versteckten Goldschatz zu bergen. Während seine damaligen SS-Kollegen nämlich "zu viel Arbeit mit den Juden" hatten, hatte er es geschafft, mehrere hundert Goldzähne aus dem Krematorium zu schmuggeln. Die sollen ihm jetzt den Lebensabend vergolden. Was der Großvater nicht weiß: Sein Begleiter ist als Kind der Gestapo entkommen und bei einer Deutschen Familie versteckt worden. Das weiß dieser selbst nicht; erst als er nach der Heimkehr seiner vermeintlichen Mutter aus seinem Anteil der Goldzähnen eine Halskette schmieden lassen will, öffnet sie ihm die Augen. Es komtm wie es kommen muss: Der Großvater Annamirls wird öffentlich als Nazi denunziert, worüber man lieber Stillschweigen hätte bewahren wollen. Als Annamirl davon erfährt, erhängt sie sich ...
Wie sich aus der Zusammenfassung entnehmen lässt, ist die Erzählung von "Abrahams Gold" dicht gewoben. Alles steuert schon fast zwangsläufig auf die Katastrophe zu. Der Film, der Ende der 80er Jahre entstand, schlägt dabei in die selbe Kerbe wie Michael Verhoevens "Das schreckliche Mädchen": Im tiefsten Bayern, in dem lt. Autor(en) der Patriotismus noch groß geschrieben wird (das Wort "Nestbeschmutzer" fällt in beiden Filmen mehr als einmal), entwickelt sich aus der NS-Vergangenheit einiger Bewohner ein handfestes Drama. Abrahams Gold übertreibt jedoch bei allem politischen Anspruch etwas, wenn der Film den Großvater als paranoiden Judenhasser schildert, der seine Großtochter gegen den "Jud" (seinen ehemaligen Freund, der sich nach der Selbsterkenntnis angewidert von ihm abwendet) aufwiegelt und sie zur Polizei schickt, damit sie ihn wegen Missbrauchs anzeigt. Sicherlich: Dieser dramaturgische Umschlag schien notwendig zu sein, um das Kind in den Suizid zu treiben; doch bedurfte es seiner kaum, um latente faschistische Strukturen offen zu legen.
Allerdings verhilft dieser Plottwist zum Ende des Films zu einer unglaublichen Szene: Der alte Nazi sucht seine Großtochter Annamirl und findet sie schließlich erhängt auf dem Dachboden. In seiner kompletten paranoiden Verblendung stellt er sich vor das tote Kind, spuckt es an und sagt: "Damals hätte man so einer Verräterin wie dir ein Schild um den Hals gehangen: Judenfotze!". Das geht dem Zuschauer in die Knochen ...
maX
#92
Geschrieben 01. Dezember 2003, 10:43
»denn alles was entsteht,
ist wert,
daß es zugrunde geht.«
(Goethe, Faust)
Rivers and Tides
In dem Moment, in dem sich ein Kunstwerk vom Raum in die Zeit ausdehnt und sich damit eine Dauer gibt, wird seine mediale Fixierung zum Problem. Kunst, verstanden als Kommunikation zwischen Autor und Rezipient, bedarf aber der Speicherung (in Museen, Galerien, ...) Wenn ihr Charakter jedoch nicht nur thematisch, sondern auch substanziell mit der Vergänglichkeit operiert, steht ihm diese mediale Konservierung meist entgegen. Andy Goldsworthy macht „Land Art“. Bei dieser Form der Kunst geht es darum, in der Natur mit gefundenen, natürlichen Gegenständen artifizielle Strukturen zu erzeugen und sie wieder zerfallen zu lassen. Er formt Kreise und Spiralen aus bunten Blättern, Mäander aus Steinen und Eiszapfen, Mauerkronen aus Schafswolle, rote Pfützen innerhalb von Flüssen und Bächen, Steinhaufen an Stränden unterhalb der Flutgrenze, ... Goldsworthy interpretiert die Natur und ihre geheimen Strukturen, indem er sie für den Betrachter sichtbar macht.
Das „Problem” seiner Kunst ist ihre Vergänglichkeit. Zwar schichtet er auch schlangenlinige Mauern quer durch einen kleinen Wald, die sicherlich nach Monaten und Jahren noch vorhanden sein werden; die meisten seiner Werke zerfallen allerdings bereits kurz nach und manchmal sogar (gewollt oder ungewollt) durch ihren Schaffensprozess: So hat ein filigranes Windspiel aus Strohhalmen, das Goldsworthy zwischen die Astgabeln eines Baumes drapiert und das nur durch Holzdornen befestigt ist, keine Chance gegen den Wind. Seine Werke stürzen nicht selten in sich ein, bevor sie ganz „fertig” sind; bei einigen sind jedoch der Einsturz und die Vervollkommnung ein und der selben Moment – etwa wenn der Künstler eine Hand voll Schnee in den Wind wirft, um die sich in die Luft zeichnenden Schleier mit dem Auge zu verfolgen.
Auf welche andere Weise könnte der Betrachter in den Genuss von Goldsworthys Kunst gelangen, wenn nicht durch den Film. Denn in der Möglichkeit der Laufbilder spiegelt sich die vergängliche „Land Art“ auf perfekte Weise. Und so hat Thomas Riedelsheimer den Künstler eine Zeit lang bei seinen Arbeiten in der Natur begleitet und diese „festgehalten". Eine narrative Struktur gibt es in dem so entstandenen Dokumentarfilm „Rivers and Tides” kaum. Immer wieder geht es um einzelne Projekte, die in Goldsworthy wie Ideen aufkeimen und die er zu realisieren versucht. Die Kamera hält dabei seinen Arbeitsprozess genauso minutiös fest, wie seine Erfolge und sein mehrmaliges Scheitern. Zunächst mag man den Eindruck bekommen, dass diese Art der filmischen „Konservierung” im krassen Widerspruch zum Charakter der Kunst Goldworthys steht, ist doch das Vergehen der einzelnen Werke ein zentrales Moment. Doch einerseits ist es nun einmal die Crux der „Einmaligkeit“, dass ihr nicht jeder beiwohnen kann (und es aber trotzdem aufhebenswerte Momente zu geben scheint). Andererseits liegt gerade in der Technik des Filmbildes eine tief verwurzelte Ähnlichkeit zu der Kunst Goldworthys: Denn auch im Film „vergeht” jedes Einzelbild vierundzwanzig Mal pro Sekunde.
Und damit ist Thomas Riedelsheimers Film weit emanzipierter über seinen Gegenstand, als es auf den ersten Blick scheint. Denn er filmt nicht allein die Arbeit Goldsworthys ab und dokumentiert Kunst, sondern schafft selbst Kunstwerke. Riedelsheimer wählt den Ausschnitt, zoomt hinein und heraus, nähert sich durch Fahrten an, kommentiert und interpretiert auf diese Weise die Kunstwerke. Darüber hinaus unterbreitet der Film sein eigenes Verständnis von „Land Art“, indem die Kamera auch immer wieder Strukturen auffängt, die gar nicht aus Goldsworthys Arbeit entspringen, sondern sich vielmehr als natürlich-zufällige Ordnungen erweisen; Kadrage und Montage sind deren Schöpfer.
„Rivers and Tides” verschafft auf intelligente Weise Zugang zum Konzept der Land Art und fast scheint es so, als wolle der Film sich gegen die oftmals esoterischen Ausführungen Goldsworthys sträuben, der sich immer wieder von einer Art „je ne sais quoi” der Naturmystik überwältigen lässt und daraus seine Inspiration schöpft. Im Kontrast dazu weist Riedelsheimer vor allem durch seine Kameraarbeit immer wieder auf die phallischen und vaginalen Formen der so entstandenen Kunstwerke hin: Die runden, nach oben sich verjüngenden Steinhaufen oder die zirkulären sich zur Mitte hin verdunkelnden Kreise (nicht selten mit schwarzen Löchern in der Mitte). Und selbst in der häufigsten Goldsworthy'schen Figur, dem Mäander, scheint sich eine dialogisch geschlechtliche Struktur von „Innen und Außen” durch die Bilder entbergen zu wollen.
So ist „Rivers and Tides” mehr als eine Dokumentation: ein eigenständiges Kunstwerk und ein Essay im Sinne Alexandre Astrucs, das Position bezieht. Damit ließe sich auch die unangenehme Passivität Riedelsheimers erklären, der, als er von Goldsworthy bei einer seiner Arbeiten gegen die Zeit um tatkräftige Mithilfe gebeten wird, passiv bleibt und das Scheitern dokumentiert und damit konsequent an seinem eigenen Kunstwerk weiterarbeitet.
maX
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