In Dead River, einer kleinen Ortschaft in Maine, ging vor Jahren bereits das Grauen um: Eine Familie von degenerierten Kannibalen – Abkömmlinge von Verschwundenen, die sich auf einer einsamen Insel über Generationen hinweg auf ausgesprochen unansehnliche Weise verändert haben – hatten einige Touristen verschaschlikt. Nun scheint es so, als wäre eine neue Generation herangewachsen. Und auf deren Speisekarte steht nach wie vor der Mitmensch ganz oben...
Warum man sich für eine Verfilmung ausgerechnet die Fortsetzung zu Jack Ketchums Roman OFF SEASON ausgesucht hat, verstehe, wer will. Vielleicht war der erste Teil zu unkonventionell und zu vollgestopft mit grausamen Einzelheiten, keine Ahnung. Nach den Zensurschwierigkeiten, die ihm sein Erstling einbrachte, schien Ketchum seine Lektion gelernt zu haben und fuhr die Drastik etwas zurück. Für die Verfilmung wurden die magenbedrohenden Akzente noch ein wenig herabgetönt, zumal Buch und Film zwei sehr verschiedene Medien sind und diverse Elemente einfach nicht funktioniert hätten. Man wäre dann eher angewidert gewesen vom Film als von den handelnden Figuren. Das Aussteigenkönnen ist im Kino immer wesentlich leichter. Der junge Regisseur Andrew van den Houten macht einige Sachen richtig. So setzt er auf eine sehr ruhige, wenig aufgemotzte Präsentation, die den Zuschauer auf durchaus unangenehme Weise in die Vorgänge hineinzieht. Statt albernen Nu-Metal-Gewumperes gibt es auf dem Soundtrack nur sparsame, akzentuierende Klänge, die zudem in TCM-Manier entschieden unangenehmen Charakter besitzen. Wer das Buch gelesen hat, kann sich auf eine 1:1-Umsetzung vieler Passagen einstellen, wobei Drehbuchautor Ketchum klugerweise einige Subplots hat fallen lassen. THE OFFSPRING bekommt es schon hin, dreckig und gemein zu wirken. Wo das Buch allerdings bedeutend besser ist – und wo es auch vermutlich unverfilmbar sein sollte –, ist die Charakterisierung der Kannibalen. Im Roman wird die Motivation der Primitiven deutlicher, da man ihre – sehr beschränkte und auf Stammesritualen basierende – Innensicht teilt. Der Film bemüht sich redlich, das zu transponieren, aber auf den Betrachter, der mit der Vorlage nicht vertraut ist, werden viele Aktionen der Monster eher verstörend wirken. Unterm Strich nimmt man bei diesem eindeutig nicht als Spaßpackung daherkommenden Werk mit, daß Ketchum ein bedeutend besserer Drehbuchautor ist als Stephen King, doch wie man den Film als kompletter Handlungsneuling aufnimmt, ist für mich schwer nachzuvollziehen. Angemerkt sei noch, daß der alte Polizist gespielt wird von Art Hindle, einem kantengesichtigen Charakterschauspieler, der schon den Helden in Cronenbergs THE BROOD gespielt hatte. Er gehört zu den Mitproduzenten von THE OFFSPRING. Mir persönlich gefiel das Werk besser als Alexandre Ajas Remake von THE HILLS HAVE EYES, aber es ist auch bedeutend unspektakulärer als Ajas Haudraufnummer. In jedem Fall empfehle ich nachdrücklich die Lektüre von OFF SEASON und THE OFFSPRING. Ersterer war für mich eine Premiere, denn er war der erste Roman, der mir eine Nacht lang den Schlaf versaute! (Wie stark gekürzt die Dinger in den deutschen Fassungen waren, ist mir nicht bekannt, aber Ketchums sehr kraftvolle, sehr präzise, sehr unfirlefanzige Prosa sollte gerade den Pragmatikern unter den Horrorfans gut gefallen...)
Bearbeitet von Cjamango, 08. Dezember 2009, 09:16.
















