Michael Bay – ein Mann und seine Vision.
Komisch, bei solchen Filmen komme ich mir immer vor wie ein Taxameter, nur daß statt der Fahrkosten IQ-Punkte runterklackern. Worum geht's? Da ist so ein Würfel, der sich Allspark nennt und der Welten erschaffen kann. Vor langer Zeit ist det Dingen auf der Erde verschütt gegangen, weshalb auf einmal lauter Roboter vom Mars aufkreuzen, um das Teil aufzuspüren. Bei der Gelegenheit hauen sie alles zu Klump, was ihren Weg kreuzt. Es gibt gute Roboter und böse Roboter, aber das ist egal, denn sie sind alle ziemlich unsympathisch. Auch ein junger Bursche spielt mit, Sam Nitwitty, aber der ist auch unsympathisch. Kann die Menschheit überleben? Ist das überhaupt wünschenswert?
TRANSFORMERS ist repräsentativ für die neue Art des Hollywood-Kinos: am Reißbrett entworfener Krach, der mit dem Gehirn des Publikums das anstellt, was ein von Kopf bis Fuß tätowierter Gewaltverbrecher namens Klaus-Jürgen im Knast mit meinem Po anstellen würde. Vielleicht ist dieser Krach tatsächlich repräsentativ für die heutige Zeit. Die Informationsdichte, die Bild- und Tonspur übermitteln, suggeriert Vielfalt und koksgeschwängerte Allmachtsfantasien, aber in Wirklichkeit geht es nur um das komplette Zukleistern der Gehirnwindungen des Betrachters, auf daß man seine Ware möglichst geschickt in der Bedürfnisstruktur des Zuschauers plazieren kann. TRANSFORMERS kann man ausdeuten als Warnung vor den Gefahren einer aus den Fugen geratenen Technisierung des Planeten oder derlei Kohl, aber die Professionalität, mit der Hollywood Subtexte vortäuscht, erinnert ein klein wenig an die Orgasmen altgedienter Pornodarstellerinnen nach dem hundertsten Lifting. Der Film wirkt frisch, ist aber mausetot und ohne jeden Charme. Schade eigentlich, denn jeder dieser sehr kostenaufwendigen Filmkolosse beschäftigt unzählige von wirklich exzellenten Künstlern und Technikern, die alle zusammenlegen, damit solch ein Mist dabei herauskommt.
Was steckt alles drin? Wir haben einen eBay-Jungkapitalisten mit Entjungferungsproblem, der im Laufe des Filmes zum Mann wird, weil er die Menschheit retten muß, und mit den Herausforderungen wächst bekanntlich der Mensch. Dumm nur, daß er zu einem Drescher pathetischer Phrasen wird. Klunkern wie „Ohne Opfer gibt es keinen Sieg!“ kommen ihm leicht über die Lippen, und das entspricht in etwa dem Mulch, der den Techno-Lippen der „guten“ Roboter entfleucht. Analog zu dem Kriegsspielzeug, das dem Film zum Vorbild gereicht hat, hält sich der unangenehm altklug plappernde Jungmann ein schickes Auto als Sexersatz, und auch wenn ihm vom Drehbuch eine Werbefilmschönheit ohne Bauch und Po beschert wird als Lohn für mutiges Tun, ist doch klar, daß er von seinem eigenen Technik-www-Fetisch nicht wird lassen können. Und warum auch? Die Zielgruppe von TRANSFORMERS ist nicht einmal halb so alt wie ich, besitzt im Gegensatz zu mir mp3-Player, iPods und Hochleistungsrechner und hält den Schlüssel zur Welt in den Händen. Daß man mit dem Schlüssel allein nicht viel anfangen kann, demonstriert der Film nachdrücklich, denn bei all dem kriegsverniedlichenden Rabatz (Golfkrieg, anyone?) hält er nichts, aber auch rein gar nichts in seiner hanebüchenen Story parat, was man seinen Kindern mit auf den Lebensweg geben möchte. Die einzige Lektion, die Bay und seine Spießgesellen vermitteln, ist, daß man sich aus dem Wissen der Jahrhunderte ein kleidsames Outfit schneidern kann, mit dem man all jene zu beeindrucken vermag, die leicht zu beeindrucken sind. Warum zuhören, wenn man sich genausogut einen Walkman aufs Ohr klemmen kann? Warum nachdenken, wenn man sein Gehirn an der Eingangstür abgeben kann? Echte Gefühle schaffen Risiko, ihre Simulation hingegen Behaglichkeit. Krach allenthalben, bei dem einem Hören und Sehen vergeht.
Schrott mit Soße.
Bearbeitet von Cjamango, 01. Januar 2008, 14:20.
















