Ein Mann sieht grau.
Alain Delon wollte es 1985 noch einmal wissen und produzierte diesen hübschen Krimi, in dem er den ehemaligen Polizisten Daniel Pratt spielt. Da ihm böse Menschen seine Frau nahmen, zog er sich aus dem aktiven Dienst zurück auf eine Südseeinsel (nennen wir sie Bimbo-Bimbo), auf der er sein eigenes postkolonialistisches Ideal verwirklichen konnte. Schon in der Anfangsszene ist er dabei zu bewundern, wie er einen stattlichen Eingeborenen mit gekonnten Catchergriffen ins gesellschaftliche Abseits befördert. Die anderen Schwarzen (nennen wir sie Neger) sind natürlich für den Weißen und freuen sich einen Ast. Die Eingeborenenkinder klatschen fröhlich in die Hände, wie nur Eingeborenenkinder fröhlich in die Hände klatschen können. Die jungen Frauen finden den grauen Wolf ganz toll und geraten in ein Handgemenge über die Gunst des flotten Fuffzigers, der sich abwendet und lässig in die Kamera grient – so sind sie halt, die Weiber. Ein guter Beginn.
In Frankreich derweil ist nun auch seine Tochter umgebracht worden, was Pratt den Fehdehandschuh wieder aufnehmen läßt. Wie Pritt klebt sich Pratt an die Fersen der Bösewichte, die sich offenbar zum Ziel gesetzt haben, ihr Heimatland von schädlichen Elementen zu reinigen. Sie sehen aus wie rechtsextreme Tuaregs und ballern sehr posig aus allen Rohren. Pratt übertritt so etwa 1000 Gesetze und begeht auch einige Morde. Wird es ihm gelingen, Gerechtigkeit zu schaffen?
DER PANTHER wäre nur halb so gut, hätte Delon in dem damals noch sehr jungen José Pinheiro nicht einen Regisseur gehabt, der sich offenkundig nicht getraut hat, dem Titan Regieanweisungen zu geben. Das Drehbuch von Philippe Setbon (der auch ein bekanntes Buch über Klaus Kinski geschrieben hat) spielt lustvoll mit Harter-Mann-Klischees, aber man gewinnt den Eindruck, als habe Delon den Inhalt für bare Münze genommen. Er spielt sich einen ziemlichen Stiefel zusammen und gerät mit seinem kecken Gefeixe zwischen den Mordaktionen gelegentlich in gefährliche Nähe zum Schmierenchargentum. Auch toll, wie junge Frauen vor seinen prolligen Anmachtouren (unterstützt von der Berliner Plappersynchro, z.B. „Da wir ja ein bißchen Niveau haben, reden wir über uns...“) sämig zerfließen. Fiona Gélin (Tochter von Daniel Gélin) etwa hat mit ihm eine ziemlich peinliche Verführungsszene. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie der Regisseur zu ihr gemeint hat: „Jau, Fienchen, die Motivation in dieser Szene ist ganz einfach die, daß du von Delon um jeden Preis gepimpert werden möchtest, und am Schluß hebst du die Decke hoch, daß alle deine Mumu sehen können.“ Großes Tennis, und ziemlich schmierig. Pinheiro hat sich später als Spezialist für gutaussehende, wenngleich werbefernsehglatte Hochglanzästhetik erwiesen und z.B. den „Skandalfilm“ TÖTE WAS DU LIEBST gedreht, der in fast allen Fassungen (auch ausländischen!) geschnitten ist, bei uns im TV aber ungeschnitten lief. Da sieht man auch Stephane Ferraras Gummipimmel. Ferrara (der ein wenig aussieht, als könne er bei Ralf König in den „Manslip“-Werbungen mitmachen) spielt auch in DER PANTHER mit, und zwar den ersten Unterganoven. Meine Lieblingsszene ist vermutlich jene, in der Delon einen Ladenbesitzer sattmacht, ihm lässig eine fettige Scheibe Mortadella ins Gesicht pappt und dann suggestiv zwei dicke Walnüsse in seinen Fäusten zerbröselt, um sexuelle Folterung anzudeuten. Insgesamt ist Jean-Pierre Melville nicht in Gefahr, aber als angenehm trashiger 80er-Thriller mit ausgedehnten Actionelementen überzeugt der Film, nicht zuletzt aufgrund seines ordentlichen Tempos. Die Härten sind in der deutschen Fassung (wie einst auf Video) leider etwas zurückgenommen worden, aber auch so kommt man auf seine Kosten. Rache, eine einsame Insel und viel Musik – der Mann hat alles, was ich jemals wollte!
P.S.: Merci, Monsieur Aussie!
Bearbeitet von Cjamango, 05. August 2007, 00:20.
















