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Restekiste

Mediale Prokrastination




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The Thin Red Line (Terrence Malick, 1998)



Endlich mal gesehen. Bin weitestgehend weggeblasen und mir fällt dennoch (oder dementsprechend?) kaum etwas ein zu THE THIN RED LINE zu schreiben. Festhalten will ich aber in jedem Falle die Unaufdringlichkeit, mit der der Film zu Werke geht und das obwohl er auf ein gängiges Stilmittel setzt, das dieser Unaufdringlichkeit für gewöhnlich doch zuwider läuft, nämlich den Voice-Over-Kommentar, der die Gedanken der Soldaten immer wieder artikuliert und sich dabei in ein paar Fällen mit visuellen Erinnerungen, Vermutungen, Visionen der Heimat abwechselt. Ganz stark die kurze Sequenz, in der Jack den umkämpften Hügel hinaufkrabbelt, um herauszufinden, ob dort noch Gegner warten und schließlich einen gut gefüllten Bunker vorfindet: Auf dem Weg dorthin Erinnerung, Hoffnung und Nahtodvision in einem. Großartig! Dass eben dieser Jack später noch einen unheilvollen Brief erhalten soll, sitzt natürlich zusätzlich. Als nächstes die Natur. Ja, die Natur scheint das eigentliche Thema des Films zu sein oder vielmehr die Frage danach, wo Krieg, Böses und sonstiges Unheil seinen Platz in einer naürlichen Ordnung finden könnten. Wenn überhaupt, versteht sich. In diesem Zusammenhang ist mir einiges unklar geblieben, aber das macht nichts. Wie sollte dies einer solchen Urgewalt von Film etwas anhaben können?




Ich glaube, Malick ist Materialist durch und durch: Der Mensch kann sein Natur-Sein nicht überkommen und seine Rationalität macht ihn auch nicht zu etwas Besonderem. Ich denke nicht, dass der Film zeigt, wie der Mensch die Natur zerstört. Er zeigt vielmehr die Unzerstörbarkeit der Natur und ihre vollkommene Indifferenz gegen unsere lächerlich rationalen und aufwändigen Kriege - so wird ein Schuh draus. Und seine Lieblingsfiguren sind die, die das begriffen haben: z.B. Private Witt. THE TREE OF LIFE wird da wahrscheinlich noch eindeutiger...
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Lese ich da ausgerechnet beim bekay einen Hauch Intentionalismus? B)
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"Glauben" ist nicht "wissen". :D Bei einigen Regisseuren ist es auch schlicht unmöglich bei solch geballter Motiv-Wiederholung und durchgängigem ästhetischem Stil nicht davon auszugehen, dass genau jene Person für die festgestellten Idiosynkratien verantwortlich ist. Auf der anderen Seite: Gerade bei Malick wird sich niemals zeigen, ob dahingehend geäußerte Vermutungen über die Zwecke der festgestellten Gemeinsamkeiten zwischen den Filmen auch wirklich den Tatsachen entsprechen. Es gibt nur zwei offizielle Interviews mit Malick und die auch nur zu seinem Erstlingswerk. Ansonsten schweigt er eisern über seine Filme. Was ihn sehr sympathisch macht. An ihm können sich radikale Intentionalisten die Zähne ausbeißen.
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