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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen - Filmforen.de - Seite 2

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Ich habe dir niemals einen Hasenbraten versprochen


776 Antworten in diesem Thema

#31 Cjamango

    Pauschalterrorist

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Geschrieben 09. März 2004, 00:51

So, und ab jetzt gibt's nur Neuware! :band:
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#32 Cjamango

    Pauschalterrorist

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Geschrieben 09. März 2004, 18:05

Beyond Re-Animator (DVD)

Wahrer Forschergeist kennt keine Fesseln! Dr. Herbert West - trotz seiner Gefangenschaft in einem Hochsicherheitsgefängnis - fährt fort mit seinen unheiligen Experimenten. Zur Hand geht ihm diesmal ein junger Gefängnisarzt, den eine Kindheitserinnerung mit dem devianten Mediziner verknüpft.

Als der zweite Teil einst herauskam, war ich ziemlich enttäuscht, ließ Yuznas Regie doch die Raffinesse vermissen, die seinen Vorgänger Stuart Gordon auszeichnete. Der erste Teil funktionierte für mich gerade wegen des kalkulierten Aufeinanderpralls gegensätzlicher Elemente - auf der einen Seite das gewitzte, mit eleganten Dialogen versehene Drehbuch; auf der anderen extrem subversiver Splatter-Zirkus. Der ewige wissenschaftliche Disput zwischen Körper und Geist wurde da sozusagen auch formal vollzogen. Teil 2 splatterte wild drauflos, verlor den Geist dabei aber irgendwie aus den Augen. Auch fiel mir damals unangenehm auf, daß Yuzna beileibe kein so guter Schauspielerregisseur wie Gordon war, denn es wurde teilweise geschmiert zum Gottserbarmen. Rückblickend fand ich die Fortsetzung recht unterhaltsam, aber mehr auch nicht. No match for Number One!

Beim lange erwarteten dritten Teil nun fällt das Manko der Tendenz zum gruseligen Überchargieren nicht mehr so ins Gewicht. Ob das nun am hinzugewonnenen Erfahrungsreichtum des Regisseurs oder an besseren Schauspielern liegt, kann man unterschiedlich beurteilen. Die meisten Darsteller sind eh Spanier, die man teilweise aus anderen Filmen kennen mag. Simon Andreú etwa, der den sadistischen Gefängnisleiter spielt, war Stammgast in unzähligen Europloitation-Filmen der 70er, z.B. Luciano Ercolis FRAUEN BIS ZUM WAHNSINN GEQUÄLT (was für ein Titel!) oder Amando de Ossorios LA NOCHE DE LOS BRUJOS. (In BEYOND RE-ANIMATOR zeigt sich, daß er in Ehren gealtert ist und Vittorio Gassman beachtlich ähnlich sieht.) Auch ist Santiago Segura mit dabei, den man aus Filmen von Alex de la Iglesia oder Jess Franco ("Vagina total, ey, vagina, vagina total...") kennen mag. (Segura hat in der Zwischenzeit mit seinen Filmen um den schlampigen Superbullen Torrente auch Regie-Lorbeeren eingeheimst.)

Da ich diesmal eingestandenermaßen sehr wenig erwartet habe, bin ich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden. Nach einer dröhnenden Eingangsszene mit lasziven Zungenspielen kommt ein langer Anfangsteil, der sich am besten als Gefängnisfilm mit bizarren Beigaben charakterisieren läßt. Der Mittelteil zieht sich dann etwas, kommt aber rechtzeitig wieder auf die Siegerstraße, wenn der Aufstand im Gefängnis beginnt. Ab da herrscht einfach nur noch komplettes Delirium - an allen Fronten wird der gute Geschmack erbittert bekämpft. Dabei scheut Yuzna keine Tabus, wie der fliegende Dödel von Simon nachdrücklich beweist. In punkto Handlungsführung hat man es hier mit einem absichtlichen Frontalzusammenstoß mit Fahrerflucht zu tun.

Ob man den Film mögen wird, hängt einmal mehr von der Erwartungshaltung ab. Wer einen gutgemachten Horrorfilm sehen will, dem Intelligenz und Innovation keine Fremdworte sind, darf getrost weitersuchen. Wen es hingegen nach fröhlichem, technisch ordentlich realisiertem Splatter-Entertainment gelüstet, hat hier wohl sein Auskommen, denn Yuzna und Screaming Mad George klotzen besonders im Schlußteil ziemlich ran. Sehr nett, daß der Film wohl ungeschnitten freigegeben wurde - es geschehen noch Leichen und Wunder...

Ich persönlich kann mit solchen gewaltsam auf Fun-Splatter gebürsteten Fan-Filmen aber inzwischen nicht mehr viel anfangen. Die Innovationen beschränken sich auf einige gute Effekte und sehr wechselhafte Jokes. Ein guter Regisseur ist Yuzna darum noch lange nicht. BRAIN DEAD etwa zeigt, wie man trotz exzessivem Gore-Gemansches guten Geschmack walten lassen kann. Von diesem ist Yuzna meilenweit entfernt. Trotzdem, der Film hat durchaus seine Reize und mit Sicherheit seinen Unterhaltungswert. Hätte echt schlimmer kommen können...

Nachbemerkung 17.03.06: Bin damals eindeutig zu wohlwollend an den Film herangegangen. Halte ihn mittlerweile für Murks.
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#33 Cjamango

    Pauschalterrorist

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Geschrieben 10. März 2004, 01:35

Boiling Point (HK-DVD)

Da ich mir gerade einen ganzen Schwung HK-Silberlinge gekauft habe, habe ich im Moment "Asiatische Woche"! Den Anfang machte ich mit einer Wiederbegegnung mit Takeshi Kitanos SONATINE, den ich unvermindert großartig finde. Heute erwischte es Kitanos zweite Regiearbeit, BOILING POINT. Es geht um einen jungen Mann, dessen apathische Alltagsbewältigung ihn in die Arme der Yakuza führt...

...doch Kitano macht keine Yakuza-Filme wie Hinz-san und Kunz-san! Tatsächlich dürfte der Film für Freunde der etwas konventionelleren Gangsterfilme Japans schweren Seegang bedeuten. Der "Held" ist nicht wirklich ein harter Mann. Der Junge (dessen Rollennamen ich nicht mitbekommen habe) stellt in seiner vollkommen teilnahmslosen Art in etwa das dar, was Morgan Freeman in SEVEN mit seinem Satz meinte: "Apathie kann eine Lösung sein!" Er stellt sich während des ellenlangen Baseball-Anfangs einfach neben den Werfer und glotzt tumb. Er glotzt weder freundlich noch unfreundlich - die Augen kucken schlierig aus einem völlig emotionslosen Gesicht. Im weiteren Verlauf der Handlung bleibt er zum größten Teil ein willenloser Spielball der Ereignisse. Eigentlich qualifiziert er sich fast für das Puppentheater - er dackelt den meisten einfach hinterher. Die Agierenden - Baseballspieler und Yakuza-Leute - bleiben dabei meist ebenso emotionslos, doch ebenso wie das Kampfspiel herrschen auch im Gangster-Miteinander eherne Regeln, die die Handlungen der Figuren vorgeben. Ein Ausbrechen aus dem Regelwerk hat kaum Aussicht auf Erfolg, und sein möglicher Nutzen ist ohnehin fraglich.

Kitano hat einen ausgesprochen kruden Sinn für Humor. Ich würde den Film auch eher als schwarze Komödie interpretieren, versehen mit der für diesen Regisseur üblichen trockenen Poesie. Die meisten Filme von Kitano sind im Grunde genommen fast schon Anti-Hollywood-Filme: Wo in den USA eine klare Narrative den Gang der Ereignisse diktiert und alles hübsch funktionell arrangiert ist, setzt Kitano an allen Ecken und Enden kleine Irritationen ein, die den Zuschauer eher verwirren und "auf dem falschen Fuß erwischen". Auch liegt Kitanos Filmen das Beharren der französischen Gangsterfilme auf "wichtige" und symbolträchtige Dialoge völlig fern. Stattdessen handeln die spärlichen Dialogzeilen eher von komplett nebensächlichen Sachen. Die Handlung wird durch die Bilder transportiert, die die Reaktionen der Figuren minutiös aufzeigen.

Ich kann es komplett nachvollziehen, wenn manche Zuschauer die Kitano-Filme einfach nur bodenlos langweilig finden. Ich habe meinen Spaß, und trotz ihrer berüchtigten Langsamkeit finde ich sie obendrein richtig spannend, da man niemals so genau weiß, woran man mit den dargestellten Situationen ist. Takeshi Kitano hat sich hier eine ausgedehnte Gastrolle zugedacht, als psychopathischer bisexueller Gangster, von dem der "Held" und sein bester Freund eine Wumme kaufen wollen. Es gibt eine sehr bizarre Szene, in der alle schwer angesäuselt in einer Karaoke-Bar sitzen. Irgendwann steht Kitano auf und drischt einem Kneipengast ohne jeden Anlaß eine Buddel über den Schädel. Der Kumpel des Verdroschenen will intervenieren, kriegt aber auch die Schnauze dick. Kitano setzt sich wieder. Etwas später steht er auf und zieht demselben Gast NOCH EINE Buddel über den Kopf, worauf dessen Kumpel erneut aufspringt und die Fresse poliert bekommt... Alles funktioniert nach strammen Regeln, denen sich die Emotionen der Figuren unterzuordnen haben.

P.S.: Irgendjemand sollte mal den Soundtrack des Filmes auf CD herausbringen... :muhaha:
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#34 Cjamango

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Geschrieben 10. März 2004, 15:03

Final Destination 2 (DVD)

Hmm, also, mich hat der erste Teil ja nicht wirklich vom Sockel gehauen. Das war das typische "Neuer-US-Horror-zum-Feierabend"-Feeling. Hat man schon schlechter gesehen, aber nicht wirklich der wahre Jakob. Auch fand ich die Fan-Schlaumeiereien mit den Charakternamen etwas albern (vgl. Valerie Lewton etc.) - das hat THE HOWLING wirklich besser gestanden...

Der zwote Teil beeindruckt in erster Linie durch seine eindrucksvolle Blutrunst, die hierzulande mit einem lustigen "Ab 16" abgesegnet worden ist! ("Igore" veröffentlichte auf DVD-Inside dazu einen vortrefflichen Link, der auf der SPIO-Webpage eine Stellungnahme zur Freigabe enthält. Da ist u.a. vom "tödlichen Unfall eines jungen Mannes" die Rede, der "unwiderstehlich komisch wirkt"...)

Im Rahmen des tatsächlichen Kuckvergnügens sieht das dann so aus: Eine Figur wird von herumfliegendem Stacheldraht in mehrere Teile zerfetzt (feat. lustig herumschlackernde Gedärme); ein Kind wird von einer heruntersausenden Glasscheibe komplett zerquetscht; eine Person wird von einem Fahrstuhl geköpft; eine Person bekommt einen Metallpfahl ins Auge gerammt; eine Person bekommt einen Holzpfahl von hinten durch den Schädel usw. Ergänzt wird der Frohsinn von einer (allerdings recht ordentlichen) Doku über Splatterfilme, die u.a. die wichtigsten Gore-Szenen des jüngst bei uns beschlagnahmten BLOOD FEAST enthält - für "Ab 16" nicht schlecht...

Freilich wirkt das alles im Film nicht so drastisch, wie es bei der bloßen Aufzählung hier erscheint. Der Film rollt ab wie der typische Teenie-Slasher und belastet eher den Kopf als Herz und Magen. Dabei ist er durchaus unterhaltsam, wenngleich das Schema des ersten Teils nur durchgehechelt wird ad nauseam - Innovation: Null. Regisseur David R. Ellis ist ein alter Veteran des Stunt-Gewerbes und baut deshalb auch mehr auf Tempo und körperliche Aktion, was in Filmen dieser Art nicht der schlechteste Einfall ist.

Im Gedächtnis haften bleiben wird mir allerdings nur die Massenkarambolage ganz zu Anfang, die ich in der Tat "unwiderstehlich komisch" fand: Der Zuschauer weiß genau, was jetzt gleich passieren wird. Es werden einem zahlreiche Einzelfiguren vorgeführt, die sich alle benehmen wie die Narren. Das schaut fast aus wie ein Fahrschulvideo, in dem vorgeführt wird, wie man es garantiert nicht machen sollte. Die Häufung aller potentiellen Unfallverursacher ist einfach der Brüller - ich habe nur noch einen Trottel vermißt, der am Steuer Geige spielt! (Das gab es im Fernsehen mal tatsächlich zu sehen, in einem Überwachungsvideo der Polizei - der spielte bei Tempo 100 Geige...)

Insgesamt nette Feierabendversüßung im Rahmen der oben geschilderten Maßgaben.

P.S.: Zum Thema "FSK ab 16" muß man natürlich auch noch auf WRONG TURN hinweisen - hjach... TCM - kaum explizite Gewalt und beschlagnahmt. WRONG TURN - Geschmatter hoch zehn und ab 16. Nicht, daß ich das verurteilen würde, im Gegenteil. Find's aber lustig!
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#35 Cjamango

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Geschrieben 11. März 2004, 20:34

Witchcraft (VHS)

Lange Jahre nach dem "Wilden Auge" habe ich mir mal wieder das Vergnügen gegönnt und "Martin Newlins" WITCHCRAFT (LA CASA 4) angeschaut... Keine Ahnung, ob mein Auge in der Zwischenzeit an Wildheit eingebüßt hat, aber ich hatte den Film ein klein wenig erträglicher in Erinnerung.

Immerhin wird man sich auch in 100 Jahren noch an den Film erinnern, denn er besitzt die zweifellos peinlichste Rolle, die Hildegard Knef jemals ausgefüllt hat. Sie spielt eine überschminkte alte Schnalle, die immer irgendwo im Wege steht - keiner weiß, was sie dort soll! Ich war gelegentlich etwas abgenkt, da ich den Film nicht allein betrachtete, aber ich meine mich zu erinnern, daß sie eine ehemalige Schauspielerin ("so wie Gloria Swanson in SUNSET BOULEVARD") darstellen soll, die im Spukhaus des Filmes gewohnt hat. Ganz sicher bin ich mir aber nicht. Vielleicht ist sie nur gerade beim Casting zu GOLDEN GIRLS rausgeflogen und auf dem Nachhauseweg von einem Cracksüchtigen vergewaltigt worden. Das Hildchen schaut ganz verheerend aus in diesem Film. (Leider habe ich nicht die Originalfassung gesehen, in der sie ja - nach Christoph Dompke - einen ihrer Chansons zum Besten gibt, während sie die Wiege anschubst. Toll wäre es auch gewesen, hätte David Hasselhoff sein grauenerregendes "Looking For Freedom" geträllert - dann hätte WITCHCRAFT vermutlich doch noch eine Eignung zum Horrorfilm besessen...

Hasselhoff spielt einen Fotografen, der mit seiner Freundin auf der Spukhausinsel ist, die irgendwelche hanebüchenen "Geisterfeuer" dokumentieren will. Außerdem liest sie ihm andauernd völligen Tinnef aus einem mysteriösen Buch vor, was nicht nur David alsbald sichtlich anödet.

Überhaupt sind die ganzen Dialoge vom Feinsten: "F für Furcht", murmelt die Knef völlig sinnentleert, während sie eine Nadel in eine Voodoopuppe hineinschiebt. Als Hasshoffels Freundin ein Tape mit Geleier von der Knef abhört, übersetzt sie: "`Der Zorn von den Gierigen'.. Das ist alles, was ich verstehe, das ist lateinisch! `Die Frucht von der Frau in Wehen'.. (Klingt aber wie: Die Frucht von der Frau in Wien! A.d.A.) `Das Blut einer Jungfrau'.. Das alles scheint Hexerei zu sein!" Ja, genau. Wenn man bedenkt, daß fast alle anderen Darsteller so schlecht aussehen, daß sie nicht einmal eine Rolle im "California-Clan" bekommen hätten, ist es fast eine Erleichterung, daß es noch Prollmops Linda Blair zu sehen gibt, die sich gottseidank einmal nicht auszieht. Das ist als erleichtertes Aufseuzen auf der mageren Haben-Seite des Filmes zu verbuchen.

Für all die Zuschauer, die noch nicht von den komplett langweiligen Dialogszenen und der flieselnden Synthiemucke (die ich mit meinem Yamaha auch hinbekommen würde) eingeschläfert worden sind, setzt es einige saublutige Ekeleffekte, die erneut keinen Sinn ergeben. (Eine Darstellerin etwa wird mit einem Strick gefoltert, hängt dann aber auf einmal von einem Schwertfisch aufgespießt an der Wand!) Es gibt eine Szene, in der einem Charakter an Fischlippen gemahnende Gummilippen zusammengenäht werden, was wohl sadistisch aussehen soll, aber nur lächerlich rüberkommt. Für die Grausamkeiten sind übrigens einige Pennbrüder und -schwestern zuständig, die sich Hildchen im Keller hält. (Es kann auch eine Parallelwelt - täterätä! - sein, da die Charaktere immer durch so eine Art karmesinrote Klospülung hindurchmüssen, bevor sie im Keller landen...) Die alte Videofassung (lief der nicht sogar im Kino?) war obendrein extrem geschnitten, so daß man sich dort nur noch mit Hasselhoff und der Knef'schen Demütigung begnügen mußte.

Regisseur Fabrizio Laurenti hat später mit LA STANZA ACCANTO einen sogar recht passablen Giallo abgeliefert - man möchte es kaum für möglich halten. WITCHCRAFT ist richtiger, richtiger Schmodder, dem der synchrontechnische Schnalzspaß von Lenzis GATES OF HELL komplett abgeht. Wie es ein Charakter gegen Ende des Filmes ausdrückt: "Jetzt können wir nur hoffen, daß das zufällig irgendjemand sieht!" Wie ich es ausdrücke: F für Flop...
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#36 Cjamango

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Geschrieben 12. März 2004, 04:23

Das Ich im Inneren des Mondes

Diesen ausgesprochen wagemutigen Film der Gosejohann-Brothers habe ich mit einer Rezension veredelt, die mit zahlreichen Bildern ausgestattet ist. Mir saß da der Schalk etwas im Nacken. Bitte nicht allzu ernst nehmen...

HIER
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#37 Cjamango

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Geschrieben 15. März 2004, 02:16

Gothika (Schauburg, Gelsenkirchen-Buer)

Gestern habe ich mit meinem Herzblatt den Wunsch verspürt, den tristen Alltagstrott durch einen Kinogang aufzuwerten. Unsere Wahl fiel auf GOTHIKA, den neuen Film von Matthieu Kassovitz. Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob das eine gute Wahl war. Zum einen muß ich anmerken, daß ich nie-fucking-wieder in die Samstagabendvorstellung eines Filmes, der unter 18 freigegeben ist, gehen werde. Was da an Samstagabendpöbel zusammenläuft (vorm rituellen Disco-Event), ist kaum tragbar. Ich war auch mal jung, aber da hatte man noch einen gewissen Respekt vor Kultur. Wenn da jemand rumblubberte, gab's Geranze und anschließend Maulschelle, falls erbeten. Heute raschelt alles mit den mitgebrachten Tüten oder schnattert im trauten "Is´ ja eh nur Film"-Jargon. Es tut mir leid, solche Un-Worte auszusprechen, aber das ist für mich Gesoxxe! Die werden irgendwann 20, dann 30, und dann terrorisieren sie unschuldige Nachbarländer - nicht gut sei, das!

Von derlei Dummbatzigkeit kompromittiert, begann der Hauptfilm. Ich wußte jetzt gar nicht, von wem der Film ist. Matthieu Kassovitz mag ich als Schauspieler sehr gerne. Seinen Film LA HAINE (HASS) fand ich klasse, und ASSASSIN(S) kam an Radikalität an MAN BITES DOG heran, war nur besser gemacht und hatte den großartigen Michel Serrault. DIE PURPURNEN FLÜSSE hat manche mit seinem bizarren Ende vergrellt, aber ich fand den Film spannend wie Sau, und Vincent Cassel und Jean Reno waren einfach eine gute Wahl.

In GOTHIKA geht es um eine Psychologin, die sich um straffällig gewordene Mitmenschen kümmert. Das ist manchmal schmerzhaft und geht unter die Haut. Sie hat aber ihren netten paternalistischen Vorgesetzen-Freund Charles Dutton, und Robert Downey jr. bemüht sich auch um sie. Dann landet sie - unter Umständen, die ich hier mal verschweigen möchte - selber in der Klapse, denn sie wird dringend verdächtigt, Dutton brutal zerschnetzelt zu haben. Das wäre nun an Tragik noch zu verknusen, aber schon bald offenbart sich ein Geist, der entweder ihrer Psyche entsprungen ist oder einem veritablen Ektoplasma-Treiben. Schon bald findet sie heraus, wer dieser Geist ist, und damit beginnt ihre private Aufklärungstätigkeit, denn sie bricht natürlich aus...

Technisch ist der Film wirklich gut gemacht. Zu Anfang hatte ich noch etwas den Eindruck, daß hier das berühmte Team Schnick & Schnack das Zepter schwingen, aber schon bald war ich zumindest angemessen unter Strom gesetzt von den Vorgängen. Der Film hält zwei oder drei sehr massive Schocks parat - bei einem habe ich sogar laut aufgeschrien, da ich zum Gaudium meines Mit-Publikums immer zirkusreif bei solchen Szenen mitgehe. Zum Drehbuch muß ich aber leider anmerken, daß es dumm wie Scheiße ist. Sorry, aber überrascht hat der Film an keiner Stelle. Den Täter hatte ich schon lange vorher im Auge, das war jetzt nicht wirklich eine Überraschung. Die Aktionen der Figuren werden häufig gesteuert vom kompletten Narrentum. Vieles ist zufälliger und konstruierter als in so manchem US-Neo-Slasher. Das ist wirklich etwas mager.

Halle Berry halte ich - obzwar schön - für eine komplette Fehlbesetzung. Wenn die - oder Robert Downey jr., was das angeht - eine Psychologin ist, dann bin ich ein Mainzelmännchen. Die ist schön wie die Sünde, und sie kann auch schauspielen, aber hier ist sie einfach nicht überzeugend. Dutton ist als, ahem, ihr Vorgesetzter wesentlich glaubhafter besetzt, und auch sein Freund, der Sheriff, paßt ganz gut. Aber davon abgesehen bleibt in dem Film alles im Schema, nichts ist überraschend. Wenn man die vorherigen Arbeiten von Kassovitz kennt, ist das nicht nur zu wenig, sondern nachgerade ärgerlich. Vielleicht hat mich auch einfach nur ein Link sauer gemacht, den Forenmitglied Oskar heute gepostet hat. In diesem setzt sich Regisseur Kassovitz mit einem SPIEGEL-Redakteur über den Film auseinander und schildert ihn als eine Methode, in seinem ersten amerikanischen Film das System von innen zu ficken. Das ist zwar an sich eine sehr wohllöbliche Grundidee, aber die so barsch im Interview zu äußern, halte ich für eine Frechheit gegenüber den Zuschauern, die Eintritt bezahlt haben, um seine Arbeit zu sehen. Möglich ist, daß der Regisseur hier etwas fehlrepräsentiert wurde, aber bildet Euch Euer eigenes Urteil:

Interview

Ich halte Sätze wie "Filme wie GOTHIKA können streng genommen auch ohne Regisseur inszeniert werden" für eine ziemliche Bodenlosigkeit. Vielleicht ist Kassovitz ja einfach vergrämt gewesen, weil ihn die Hollywood-Heinis mies behandelt haben, aber ich finde wirklich, daß das einfach nicht rechtfertigt, einen Film auf die Bevölkerung loszulassen. Da kommt man sich etwas verarscht vor. Schade.

Also, wenn Kassovitz wieder Filme macht, für die er auch einsteht, schaue ich mir die gerne an. GOTHIKA ist ein brauchbarer Unterhaltungsfilm mit einigen guten Schocks und ordentlichem Unterhaltungswert. Ich komme mir jetzt nur halt etwas verarscht vom Regisseur vor. Ist das zynisch? Ist das eine Notsituation? Finde das in keinem Fall akzeptabel.

Ich schreib´ demnächst für die BILD, ey...

Systemfickende Grüße vom

Christian
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#38 Cjamango

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Geschrieben 16. März 2004, 13:29

Indiana Jones und der Tempel des Todes (DVD)

Nach über 15 Jahren also das Wiedersehen mit diesem fröhlichen Abenteuer-Spektakel aus der Manufaktur des späteren Regisseurs von SCHINDLERS LISTE und SAVING PRIVATE RYAN...

Tja, was soll ich sagen? Selten wurden Rassismus und Sexismus so anmutig miteinander verschmolzen. Die Rosinenmenschen in der dritten Welt schauen alle so lieb und hilfsbedürftig zum weißen Massa auf, daß man sie einfach liebhaben muß. Die einzigen Eingeborenen mit Power sind die Schurken, und die zeichnen sich natürlich durch besonders schurkenhafte Schurkenhaftigkeit aus. (Einer hat ja sogar in Harvard studiert, aber er mißbraucht sein erlerntes Wissen zur Versklavung der Mit-Eingeborenen.)

Kate Capshaws Rolle wirft im Alleingang die Frauenbewegung um mindestens 100 Jahre zurück! Ob sie rücklings auf dem Elefanten reitet, quietschend vor den Urwaldtieren davonläuft oder sich um ihre Abendgarderobe Sorgen macht, während Jones und sein unerträglich altkluger Knabe Shorty mit dem Tode ringen - immer verdreht man die Augen und stöhnt: "Oh Gott - Frauen!" Natürlich hat Spielberg die Capshaw schließlich geheiratet, und sie hat ihm auch schon 5 Kinderlein geworfen.

Alter Schwede bzw. Inder - natürlich liebe ich diese spätkolonialistische Geisterbahnfahrt nach wie vor. Das Drehbuch ist sehr viel alberner und tumber als jenes zu RAIDERS OF THE LOST ARK, aber inszeniert ist das alles sehr fein und macht richtig Laune. Was aber das Gesicht des sogenannten liberalen Flügels von Hollywood angeht (zu dem Spielberg ja auch gehört - der wollte sogar mal Barbara Streusand heiraten!), so sagt uns der Film viel aus über dessen Verläßlichkeit. Ehrlich - das ist alles so von oben herab und so bar jeden Verständnisses für das "Andere", das man schreiend die Flucht ergreifen möchte. Aber na ja, ist ja alles nur Spiel...

Um einen berühmten Ausspruch Bela Lugosis aus THE RAVEN zu variieren: "Fu Manchu - du bist gerächt!"

Schöne Grüße,

Christian
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#39 Cjamango

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Geschrieben 19. März 2004, 04:10

A Scene At The Sea (DVD)

Kitanos dritter Film ist so ein Ei. Es passiert rein gar nichts. Fast rein gar nichts, um genau zu sein. Trotzdem habe ich mich keinen Moment gelangweilt.

Statt Baseball (wie im Vorläufer BOILING POINT) haben wir hier das Wellenreiten. Statt des apathischen Protagonisten haben wir hier ein taubstummes Pärchen. Man weiß auch gar nicht genau, ob sie "zusammen" sind - sie laufen einfach ab einem gewissen Punkt im Film miteinander herum!

Viel erzählen kann ich zu dem Film nicht wirklich, denn die Narrative beschränkt sich auf einige eher nebensächliche Ereignisse. Da sind diverse Wellenreit-Wettbewerbe. Immer wieder gibt es fast identische Szenen, wo sich junge Leute zueinander an den Strand setzen und den Surfern zusehen oder einfach nur aufs Meer schauen. Betrachtet wird eine ganze Menge. In einem Hollywood-Film hätte das Pärchen wahrscheinlich die ganze Zeit über alienmäßig mit Gebärdensprache herumhantiert. Auch die sprechenden Außenstehenden hätten wahrscheinlich die Barriere ("Es geht in diesem Film über Kommunikation!") durch hektisches Gefuchtel zu überbrücken gesucht. Die beiden jungen Menschen dieses Filmes sehen sich aber nur an und wissen Bescheid. Da bedarf es einfach keiner Worte. Das ist kein Anti-Intellektualismus - es zeigt einfach nur die Grenzen der großen grauen Wonnebatzen in unseren Schädeln auf.

Man kann niemandem böse sein, wenn er diesen Film herzhaft langweilig findet. Wünscht man sich einen Sportlerfilm über das Surferhandwerk, dann gibt es keinen Blumentopf zu gewinnen. Wünscht man sich einen gemütsvollen Liebesfilm mit Charakteren, die den ach so gewichtigen Schicksalssträngen ein wenig Glück abtrotzen wollen, dann gibt es hier auch recht wenig. Wer sich in einer Mußestunde aber schon einmal an einen Fluß gesetzt hat und seine Alltagsnichtigkeiten in einem gleichmäßig scheinenden, aber niemals gleichen Strom dahinschwinden sah, der wird möglicherweise den Film ähnlich mögen wie ich.

Die Musik von Joe Hisaishi orientiert sich teilweise deutlich an Erik Satie, was auch keine schlechte Wahl ist. Kitano selber spielt hier mal nicht mit. Erschossen wird auch niemand.
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#40 Cjamango

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Geschrieben 19. März 2004, 04:56

Darkness (DVD)

Geisterfilme mag ich ja meistens. Die sind nur nicht ganz so einfach zum Funktionieren zu bringen. Gerade in der heutigen Zeit, wo die Hardware ja doch häufig die Oberhand gewinnt über die subtilen Erzählkünste, von denen ein Geisterfilm lebt, gibt es da wenig Lobenswertes zu berichten.

DARKNESS ist immerhin ein ganz netter Versuch und mit Sicherheit das Entgelt am Tresen der Videothek wert. Als ich sah, daß Brian Yuzna einer der Produzenten war, meinte ich nur: "Oh-oh!" - Unheil schwante mir.

Das aber zu Unrecht, denn der Film läßt sich erzähltechnisch ungewöhnlich viel Zeit und verwendet auch einige Sorgfalt darauf, jenseits der Spukgestalten noch zusätzliche Attraktionen einzuflechten.

Es geht um eine Familie, die von den USA nach Spanien (Mexiko?) gezogen ist, wo Papa einst seine Kindertage verbrachte. Neben der berufstätigen Mama gibt es noch eine fruchtig vor sich hin pubertierende Tochter und einen kleinen Sohn. Zu Anfang des Filmes mochten sich meine dunklen Vorahnungen gar nicht verflüchtigen, denn übermäßig sensibel geht der Regisseur nicht zu Werk: Die gewohnten merkwürdigen Dinge passieren im neuen Zuhause, u.a. computergenerierte Schatten unter dem Bett, ein auf unerklärliche Weise aktiviertes Spielzeugkarussell und vorbeihuschende Schatten im Halbdunkel. Aber man kriegt schon bald spitz, daß es in dieser Familie auch ohne Gruselgeister schon mächtig knispelt: Papa litt nämlich einst an einer furchtbaren Nervenkrankheit, die ihn zum aggressiven Butzemann werden ließ. Sehr zum Ungemach der Familie passieren jetzt neue Attacken...

Was dieser Film richtig gut macht: Er liefert an vielen Stellen unzureichende Informationen, so daß man sich als Zuschauer immer fragt, was denn eigentlich mit dieser Familie nicht stimmt. Man wird beständig desorientiert. So reagiert auch die Mama bemerkenswert unaufgeregt, als der kleine Bubi auf einmal mit deutlichen Prellwunden und Abschürfungen auftaucht. Ob das die Kinder sind, die er angeblich immer sieht? Hat das etwas mit den Gören zu tun, die vor 40 Jahren (=Vorspann) im Umkreis verschwunden sind? Oder hat der Papi nur einen beziehungsschädigenden Haschmich?

Das werde ich jetzt natürlich nicht verraten! Der Film zehrt ebenfalls von den im Vergleich zu den gewohnten Hollywood-B-Film-Klonen hervorragenden Schauspielern, darunter die immerhin oscar-prämierte Kanadierin Anna Paquin (DAS PIANO), die bergman-gestählte Lena Olin als Mama und den schottischen Theatermimen Iain Glen als Papa. Als kostenlose Dreingabe gibt es noch den Italo-Export Giancarlo Giannini, der den Vater von Glen spielt und der Familie auch als Quasi-Hausarzt zur Verfügung steht. Das ist schon was, womit man wuchern kann, und verglichen mit dem Überchargieren, das ich aus den Yuzna-Regiearbeiten gewohnt bin, ist das eine wahre Wohltat!

Insgesamt gelingt dem Film eine beachtliche Spannung, besonders im Mittelteil. Allzu derbe Schocks (die in GOTHIKA durchaus ihren Platz hatten) gibt es nicht zu bewundern, aber man schaut die ganze Zeit über involviert zu. Einige Staubecken des Hauses haben es sogar richtig in sich. Im letzten Drittel zaubert der Film dann einigen astrologischen Schnickschnack aus dem Zylinder und wird etwas zu hektisch, aber das ist nicht zu vergleichen mit dem JEEPERS CREEPERS-Finale aus DARKNESS FALLS, der nach seinem starken Anfang doch ziemlich abfällt. DARKNESS rasselt am Schluß etwas überreichlich mit den Ketten (setzt auch diesen Kamera-Wackel-Effekt aus THE CONVENT ein), überreizt die Attraktionen aber durchaus nicht auf unziemliche Weise und hat eine sehr hübsche Wendung direkt am Schluß...

Insgesamt ein sehr ordentlicher Film, der mich zwar nicht richtig begeistert hat (wie etwa THE DEVIL'S BACKBONE), aber eine Menge Mut macht für die weiteren spanisch-amerikanischen Koproduktionen von den Produzenten Fernández und Yuzna, solange Yuzna nicht selber Regie führt. (DARKNESS gefällt mir z.B. bedeutend besser als BEYOND RE-ANIMATOR!) Regisseur Jaume Balagueró hat vor diesem Film noch einen weiteren Horrorfilm gemacht, der auf einer Story des guten britischen Horrorautors Ramsey Campbell beruht - LOS SIN NOMBRE (THE NAMELESS), den ich jetzt auch gerne mal kucken möchte.

Bueno!
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#41 Cjamango

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Geschrieben 19. März 2004, 19:23

Die Stunde des Jägers (DVD)

Der Beginn von William Friedkins neuem Thriller THE HUNTED erweckt große Erwartungen: "God said to Abraham: `Kill me a son!´" wird Bob Dylans "Highway 69 Revisited" zitiert, und zwar von niemand Geringerem als Johnny Cash...

Tommy Lee Jones ist ein ehemaliger Ausbilder der amerikanischen Streitkräfte. Er hat unzählige junge Männer das Töten gelehrt, ist selber aber niemals in die Verlegenheit gekommen, jemanden umbringen zu müssen. Jetzt hat er sich in die verschneiten Wälder Kanadas zurückgezogen und paßt darauf auf, daß niemand das Moos von den Bäumen klaut.

Als mehrere Wochenendjäger bestialisch verstümmelt aufgefunden werden, wird er hinzugezogen. Wie sich herausstellt, ist der Täter ein ehemaliger Schützling von ihm, Benicio del Toro, dessen besondere Fähigkeiten im Killergewerbe von der C.I.A. genutzt worden sind. Nun ist er endgültig außer Kontrolle geraten und mordet kreuz & quer. Zwar gelingt es der Polizei, ihn festzusetzen, aber durch bürokratische Dummheit gelangt er wieder auf freien Fuß. Die Menschenhatz beginnt...

Um es vorwegzunehmen: Der Wohlklang des von prominenter Stimme gesprochenen Eingangszitats wird nicht wirklich erreicht und bleibt im wesentlichen Wortgeklingel. Zwar geht es irgendwo auch um den Ödipus-Komplex, der letztlich den meisten amerikanischen Actionfilmen unterliegt (Jones und del Toro sind so eine Art Vater/Sohn-Gespann), aber das Drehbuch läßt schon bald jegliche Prätention fahren und erschöpft sich in einer Nonstop-Jagd quer durch die Pampa. Das mag manchem zu wenig sein, aber wer lediglich 90 Minuten spannende Unterhaltung haben will, wird mit Sicherheit sein Auskommen haben. Das Drehbuch geht eher auf Nummer Sicher, meidet aber dadurch auch die Peinlichkeiten, die ich mittlerweile mit diesen Filmen verbinde. Das Bruderpaar, das für das Skript verantwortlich zeichnet, hatte vorher nur den ziemlich bodenlosen COLLATERAL DAMAGE verbrochen, und der mied Peinlichkeiten nicht gerade. Vielleicht ist das aber auch einfach der Unterschied zwischen dem Gouvernator und Mimen wie Tommy Lee Jones und Benicio del Toro. Beide sind in THE HUNTED absolut hervorragend. Wie das in der deutschen Synchro klingt, weiß ich nicht. Hier kommt man aber fraglos auch als deutscher Zuschauer mit der englischen Tonspur zurecht, denn der intellektuelle Feinschliff der Dialoge hält sich in Grenzen. Stattdessen erleben wir, wie sich Killermaschine Benicio del Toro in der Großstadt der Mimikry-Künste seines Mentors Jones bedient, um diesem zu entwischen, und es gibt auch eine lustige Bahnfahrt, die wir ja noch aus THE FRENCH CONNECTION kennen...

Wenn man ohne große Erwartungen herangeht (wie das bei mir der Fall war), bekommt man immerhin den besten Friedkin mindestens seit RAMPAGE serviert. Die Zweikämpfe sind sehr physisch und knochenhart, was in diesem "Survivalist"-Umfeld aber auch durchaus Sinn macht. Kritisch hinterfragt wird das nicht wirklich, aber zumindest läßt Friedkin durchscheinen, daß er vom Jagdsport nicht allzuviel hält. Sehr reduziertes Actionkino, bei dem man sauber mitfiebert. Der Abspann-Song von Mr. Cash - "The Man Comes Around" - spielt natürlich in einer anderen Liga...
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#42 Cjamango

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Geschrieben 23. März 2004, 01:03

The Isle (HK-DVD)

Dies ist wohl der erste südkoreanische Film, den ich jemals gesehen habe! Ich weiß nicht viel über das Land, abgesehen davon, daß man dort recht fußballbegeistert ist. THE ISLE ist wohl so etwas wie ein koreanisches "Amour Fou"-Drama.

Es geht um eine stumme (oder sehr maulfaule?) Frau, die eine Reihe von schwimmenden Angel-Inseln unterhält, auf denen Städter ihre diversen Sprotten und Elritzen fangen können. Gelegentlich kümmern sich auch gutaussehende Prostituierte um den Lachs. Genaugenommen wird da häufiger gebohnert als geangelt. Alle Angler sind sehr unsympathisch. Die Protagonistin verliebt sich in einen Selbstmordkandidaten, der sie nicht ganz so schlecht behandelt wie die anderen Angler. Das kommt gut bei ihr an. Leider dauert es eine ganze Weile, bis ihre Gefühle erhört werden, und bis dahin geht es noch einigen Fischen und Mitmenschen an den Kragen...

Die rebellisch-launige Zusammenfassung dieses Filmes, der eigentlich nur von seinen (weitgehend dialoglosen) Bildern lebt, soll nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich um einen zutiefst verzagten und traurigen Film handelt. Man gewinnt den Eindruck, als stünde das kommunikative Nirgendwo, in dem der Film spielt, für die gesamte Welt. Das unterstreicht auch seine Neigung zu ungewöhnlichen Symbolen, etwa Fischhaken in die Vagina oder eine Kackwurst mitten in die Kamera. An und für sich kann man dem Film nichts Schlechtes nachsagen, denn er ist sehr effektiv gemacht und anmutig fotografiert. Auch wird Kitsch größtenteils vermieden. Allerdings ging er auch ziemlich an mir vorbei, da er nur eklige oder unglückliche Charaktere enthält, mit denen ich mich nicht so ganz identifizieren konnte. Im Zusammenspiel mit dem unleugbaren Kunstanspruch des Filmes ergab sich für mich somit ein ziemlich schwer verdauliches Ganzes, dessen Unterhaltungswert begrenzt war. Allerdings ist das nur ein ganz subjektiver Eindruck, denn ich kann mir gut vorstellen, daß andere von dem Film ganz hin & weg sein werden. Bei mir hinterläßt er nur die Ahnung, daß der Regisseur ein recht unglücklicher Mensch sein muß. Und Fische mag er scheinbar auch nicht...

P.S.: Ich wollte auch noch was über den gerade bei uns veröffentlichten FULL METAL YAKUZA schreiben, aber ich habe die Sitzung nach ca. 5 Minuten abgebrochen, da die DVD eine singulär miserable Ton- und Bildqualität besaß. Das war nicht mehr kuckbar.
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#43 Cjamango

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Geschrieben 23. März 2004, 14:54

Malpertuis (Video)

Diesen Film habe ich zum letzten Mal als 12-Jähriger in der Reihe "Gruselkabinett" ("MUMIEN! MONSTREN! MUTATIONEN!") des Senders Nord 3 gesichtet! Schon damals beeindruckte mich das Gesehene sehr, wenngleich ich nicht allzuviel davon verstand.

MALPERTUIS ist eine Jean-Ray-Verfilmung des belgischen Filmemachers Harry Kümel, dessen bekanntester Film vermutlich der erotische Vampirfilm LE ROUGE AUX LEVRES (BLUT AUF DEN LIPPEN) ist. Es geht um den goldbelockten Seemann Jan, der nach langen Jahren aufreibenden Schifferdaseins (und so, wie Matthieu Carrière in diesem Film aussieht, ist er da garantiert "everybody's darling" gewesen!) wieder daheim vor Anker geht. Das Haus seiner Eltern ist aber nicht mehr da, die Eltern verschütt. Eine Spur führt ihn zur geliebten Schwester Nancy, welche ihr Domizil beim bösen Onkel Cassavius (Orson Welles!) gefunden hat.

Das Haus von Cassavius heißt Malpertuis und sieht aus wie eine Mischung aus Belle-Epoque-Geisterbahn und gotischem Schauerschloß. Angefüllt ist es mit einer Horde bizarrer Existenzen, die alle nur hinter dem Vermögen des sterbenden Cassavius her sind und ihn inbrünstig hassen. Jan will das Haus sofort verlassen, bleibt aber schließlich da, um Nancy zu beschützen. Schon bald wird klar, daß Cassavius plant, ihn mit der geheimnisvollen Euryale zu verheiraten, die Nancy wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Verwirrenderweise spielt Susan Hemingway nicht nur Sid & Nancy, sondern auch noch die schöne Alice, die auch mit dem schmierigen Onkel Dideloo herummacht und für gewöhnlich mit zwei alten Damen herumsitzt und strickt.

Die Grundnarrative von MALPERTUIS ist jene des "Old Dark House"-Thrillers klassischer Konzeption. Cassavius verfügt testamentarisch, daß nach seinem Tode alle im Hause zu verbleiben haben, und die letzten Überlebenden sollen den großen Reibach machen. Nachdem der Pappich aber zu seinen Ahnen abgewandert ist, kommt dann doch alles ganz anders: Jan wandert ruhelos durch das Haus und versucht, ihm seine Geheimnisse zu entreißen. Das schließt Babyarme in Mausefallen ebenso mit ein wie lebernagende Adler. Am Schluß kommt es dann zu einem hektischen Finale, wo auch das letzte Geheimnis des Hauses gelüftet wird, das Cassavius als Seemann einst von Delos hat mitgehen lassen...

Es zahlt sich beim Betrachten des Filmes absolut aus, wenn man eine zumindest rudimentäre Ahnung von der griechischen Mythologie besitzt. Der Mann, dessen Innereien vom Adler verschlungen werden (Jean-Pierre Cassel übrigens!), ist vorher immer manisch durch die Gegend gehopst und hat nach dem Licht gesucht. (Um Blixa Bargeld zu zitieren: "Der Adler muß verhungern..." - tja, denkste!) Die Fäden, die sich die drei schwarzgekleideten Schnatzen durch die Finger laufen lassen, kommen natürlich auch nicht von ungefähr. Und Euryale muß man nur nachschlagen, dann weiß man Bescheid...

MALPERTUIS ist ein hübscher, zu Unrecht vergessener Vertreter jener spezifisch französischen Art von Früh-70er-Horrorfilmen, die exploitative Horror-Konventionen mit Kunstanspruch zu verschwistern suchten. (Auf Jean Ray beruft sich u.a. Jean Rollin.) Das Ergebnis ist mit Sicherheit nicht sonderlich subtil, wird aber Freunden von Filmen dieser Art viel Spaß bereiten, denn MALPERTUIS quillt über vor grell ausgeleuchteten Sets, grotesken Bürger-Charakteren (wunderbar: der schleimige Michel Bouquet!) und wild in die Belle-Epoque-Etage eingestreuten Seventies-Überraschungen. Die Musik von Georges Delerue ist düster-romantisch und erinnert etwas an Dvoraks "Neue Welt"-Symphonie.

Die mir vorliegende englische Sprachfassung lief ungefähr 90 Minuten und geht recht abrupt zu Ende. Allerdings konnte ich sie noch mit einer holländischen abgleichen, die etwa 30 Minuten länger läuft und diverse hübsche Szenen enthält. Auch fehlt in der gekürzten Version ein in die Gegenwart führendes "twist ending", das ich aber als relativ unerheblich empfinde. Man spielte damals eben sehr gern mit Narrativen herum, und so bastelte Kümel halt noch etwas Caligari mit hinein. Trotzdem: Ich hoffe mal, daß Anchor Bay oder Blue Underground nach LE ROUGE AUX LEVRES auch noch Kümels Nachfolger in ihr Notizbuch schreiben, denn der Film hätte eine ordentliche Verbreitung durchaus verdient. Wer die kunstvollen Pulp-Fantasien Rollins aus den frühen 70ern mag, wird MALPERTUIS vermutlich auch etwas abgewinnen können. Mir hat er eine schöne Nacht beschert!
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#44 Cjamango

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Geschrieben 24. März 2004, 01:15

Die Passion Christi (Schauburg, Gelsenkirchen-Buer)

"Einmal Christus ohne Ermäßigung, bitte!"

So, jetzt habe ich wider Erwarten doch noch einen Blick auf den zur Zeit meistdiskutierten Film geworfen. Wider Erwarten, weil mich der Trailer bereits sattsam abgetörnt hatte: Glatte Visuals, sämige Jammermusik der ganz gruseligen Sorte (feat. Enya-eskes Genöle) und ein Pontius Pilatus, der den Originalton-Anspruch des Filmes mit einem forschen "Ecce homo!" unterstrich - das sah schon recht furchterregend aus. Werbesprüche à la "EIN MANN veränderte die Welt!" klangen dann gar nach so einer Art "Ein Christ sieht rot" - weia.

Gefallen hat mir der Film nicht. Er hat mich aber auch nicht so maßlos empört, wie das allenthalben der Fall gewesen zu sein scheint. Er hat mich - außer in den gewaltverarbeitenden Sequenzen - eigentlich eher gelangweilt.

Eines vorweg: Als Atheist würde ich mich nicht bezeichnen. Die Atheisten sind häufig die gläubischsten Menschen im Dorfe. Die moralischen Werte des Christentums finde ich sogar sehr unterstützenswert. Die Bergpredigt würde ich jederzeit gegenzeichnen. Ich bin halt mit seiner Umsetzung in der Realität nicht immer einverstanden. Mag sein, daß es einen Herrgott gibt. Wenn ja, dann hoffe ich, daß er Humor hat. Mel Gibson - das weiß ich spätestens seit heute - hat KEINEN!

Geht man von dem aus, was Mel Gibson schaffen wollte (eine Bebilderung der Passion Christi), so ist der Film zweifelsohne gelungen: Vom Garten Gethsemane an (feat. Adriano Celentanos Tochter Rosalinda als "Satan"!) wird der Leidensweg des Herrn nachvollzogen, und keine Fährnisse des Geschicks werden ausgespart. Mit großer technischer Brillanz prasselt ein bunter Bilderbogen an Gemeinheiten auf den Heilsbringer nieder. Es gibt mächtig auf die Omme. Bei der Geißelungsszene ist selbst mir ganz anders geworden. Am Schluß steht dann die mit Abstand blutrünstigste Kreuzigung der Filmgeschichte, die jeden fanatischen Hobby-Geißeler im sizilianischen Hinterland zufriedenstellen sollte.

War da nicht mal was von "froher Botschaft"?

Die Geißelungs-Sequenz ist ein schönes Beispiel dafür, daß ein hochgepushter Blutpegel nicht notwendigerweise in größerem Realismus resultiert. Das Medium Film ist eben nicht gleichbedeutend mit der "inneren Kamera", die jeder in sich trägt. Die Wirkung wird aus einem Zusammenspiel von mehr oder weniger virtuos gehandhabten technischen Faktoren erzeugt, zu denen Bildselektion, Schnittmontage, Musikeinsatz gehören. In jener Szene dreschen die debil-sadistischen römischen Soldaten auf den Heiland ein, daß man schon mal gepflegt wegkucken möchte. Zur garstigsten Peitsch-Szene ever macht diesen Abschnitt des Filmes eine einzige Einstellung - die Geißel hat sich in Jesus´ Hüfte gegraben und wird (nach einem kurzen Aussetzen der umgebenden Geräusche) mit Schmackes und Gesplatter herausgezogen. Da ging ein kollektives Stöhnen durch das Publikum. Das macht die Aussage der Szene mehr als deutlich. Man hätte sich auf diesen Moment beschränken können und sieben Minuten Geprügel schlichtweg streichen können, die einen doch nur abstumpfen.

Gleichermaßen fällt Christus während seines Kreuzganges ungefähr einhundertmal auf die Nase. Einmal donnert ihm dabei sogar das Kreuz auf den Schädel. "Ist ja gut!" dachte ich nur genervt. Irgendwann sollte es auch dem verrohtesten aller Zuschauer klargeworden sein, daß dies keine Kaiserstunde im Leben des Protagonisten war. Ich hatte jedenfalls den Eindruck, daß hier im unappetitlichen Sinne des Wortes der Weg das Ziel war bei dieser ausführlichen Peinigung.

Bei der Verfilmung von AMERICAN PYSCHO hatte ich es sehr begrüßt, daß die Regisseurin die blutrünstigen Stellen der Vorlage entschieden abgemildert hat: Was im Medium Buch funktioniert, wäre im Medium Film fehlgeschlagen. Statt von den abartigen Charakteren angewidert zu sein, wäre man vom Film als solchem angewidert gewesen. Gibsons PASSION unterstreicht das nachdrücklich - man staunt über die tricktechnische Perfektion, über die Leistungen des Make-Up-Departments, aber alles ist so pointiert, so zweckgerichtet, daß man niemals wirklich kapiert, worum es in dem Film eigentlich geht.

Der große Knüller an der Kreuzigung ist doch eigentlich, daß Christus seinen Peinigern VERGIBT! Der leidet Höllenqualen und wird behandelt wie ein Fußabtreter - trotzdem betet er für die Schurken: "Vergib´ ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun..." Das ist das, was eigentlich dem Publikum nahezubringen ist, was ihm verständlich zu machen ist. Nach all der Nonstop-Tortur - überall nur miese, brutale, blutgeile Menschen - möchte man eher mit einer Maschinenpistole in das Gewürm halten und Schluß machen im Quadrat! Kaiaphas und seine Hut-Gang - weg mit dem Gezücht! Der feige Pilatus und seine debilen Alkie-Schergen - weg damit! Das manipulierbare Volk, das nach dem Blut des Erlösers lechzt - adios, creeps! Der Film funktioniert nach dem üblichen manipulativen Schema Hollywoods. Das mag einem Actionfilm gut anstehen - als warme Lektion eines Passionsspieles ist es aber denkbar ungeeignet. ("Ein Christ sieht rot" - Gosejohann, übernehmen Sie!)

Wenn Mel Gibson extemporiert, wird da nur noch die Oberflächlichkeit des Ganzen verstärkt: Ein Mitgekreuzigter läßt einige lästerliche Sprüche los. Flugs kommt eine Krähe ihres Weges und hackt dem Lästermaul ein Auge aus! Die Strafe folget auf dem Fuße - der kriegt richtig den Arsch voll. Ist das das ganze Ausmaß von Gibsons Verständnis des Christentums? Auge um Auge, Zahn um Zahn? Ich habe einfach nur gejault...

Was den Vorwurf des Antisemitismus angeht, so weiß ich nicht, ob mich der so überzeugt. In dem Film werden eigentlich nahezu alle Menschen als minderwertig angesehen. Daß Kaiaphas und seine Priesterkollegen den schwarzen Peter haben, ist ja bereits aus der Bibel bekannt. Richtig deftig wird es in einer Szene, als auf einmal Satan zwischen ihnen durchs Bild gefahren wird. Das wirkt dann aber weniger antisemitisch als platt und abgeschmackt. Effekthascherei ist für den Film kein Fremdwort. Daß sie auf hohem technischem Niveau ausgeführt wird, ändert nix daran.

Der religiöse Masochismus, der Mel Gibson von einigen Gegnern des Filmes vorgeworfen wird, zieht für mich auch nicht so richtig. Er ist lediglich konsequent in seiner Huldigung einer Vorstellung des Christentums, die es für bekömmlich hält, kleine Statuen eines gefolterten Mannes in Kinderzimmer zu stellen. Da ist er eigentlich erfrischend ehrlich. In seiner Vorstellung scheint sich die Faszination des Herrn Inri in erster Linie aus seiner unglaublichen Leidensfähigkeit herzuleiten, die vom Film in sehr platter Form manifestiert wird, à la "Unglaublich, was der Typ alles einstecken kann!" Parallelen zum amerikanischen Boxerfilm sind da nicht abwegig...

Was der Film meines Erachtens falsch macht, ergibt sich, wenn man ihn mit anderen Christus-Filmen vergleicht. Mir sind einige Meinungen zugetragen worden von Kinogängern, die bei dem Film geweint haben. Ich habe beim Betrachten von PASSION eines gelernt - ich heule wohl eher im Angesicht der Schönheit als im Angesicht des Schrecklichen. Saftige Augen habe ich bekommen, als ich mir Pasolinis großartigen DAS ERSTE EVANGELIUM MATTHÄUS angesehen habe. Roberto Rossellinis FRANZISKUS, GAUKLER GOTTES - dito. Auch Pasolinis GROSSE VÖGEL - KLEINE VÖGEL ist solch ein religiöser Film, der seine Wirkung eben nicht aus der ultimativen Veräußerlichung bezogen hat, sondern aus sehr kargen, reduzierten Bildern, die ohne großes Bohei eine kontemplative Wirkung erzeugen, die mehr vom Geist der Menschenliebe in sich trägt als Gibsons religiöse Stalin-Orgel. In jenen Filmen spürte man etwas von der grenzenlosen Schönheit des Wunders, und selbst als ungläubiger Thomas wie meinereiner beginnt man da an etwas zu glauben. Etwas, das jeden Tag da ist, selbst wenn die Menschen um einen herum wie seelenlose Laborexperimente aussehen. Selbst wenn das selbstlose Mitgefühl so tot zu sein scheint wie ein Sargnagel. Man bekommt Lust, zu glauben und zu hoffen und wurstelt sich so durch den Tag. Das kann ein Film wie DIE PASSION CHRISTI in hundert Jahren nicht erreichen, trotz aller inflationär eingesetzten Zeitlupen und sonstigen Kunstgriffe. Am Schluß von PASSION schreit Frau Satan inbrünstig, denn sie merkt, sie hat den Kampf gegen Rocky JC verloren. Eine sehr irregleitete Wiederauferstehung hat mich bizarrerweise an den TERMINATOR erinnert.

Mel Gibson ist gutzuhalten, daß er im Sinne seines Strebens Erfolg gehabt hat. Ich mochte den Film nicht, und damit soll es auch gut sein.

P.S.: Hauptdarsteller Jim Catweazle ist vom Papst mit Schweizer Wurzeln gesegnet worden, wie ich den "Yahoo"-Nachrichten entnehme.

P.P.S.: Wäre es nicht toll, wenn Bruno Mattei eine Fortsetzung drehen würde? Sowas wie: "PASSION 2 - ER IST WIEDER DA!" oder "PASSION RELOADED - JETZT GIBT'S RICHTIG AUF DIE MAPPE!" Schön wäre auch ein Spin-Off zu Barabbas (der bei Gibson als so eine Art "Comic Relief" fungiert), das seine Aktivitäten in der neugewonnenen Freiheit zeigt...
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#45 Cjamango

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Geschrieben 25. März 2004, 14:09

Getting Any (HK-DVD)

So, jetzt ist es endlich passiert - ich habe einen Kitano-Film gesehen, mit dem ich nix, aber auch rein gar nix anfangen kann... :)

Über Humor läßt sich bekanntlich nicht streiten. Daß asiatischer Humor häufig eine sehr eigenwillige Angelegenheit ist, war mir ebenfalls bekannt. GETTING ANY mag mancher auch sehr komisch finden. Für mich war das der unlustigste Film, den ich jemals gesehen habe. Das schließt Bergmans DIE STUNDE DES WOLFES mit ein...

Der Film besteht aus einem bunten Sammelsurium von Sketchen, in denen ein Grimassenschneider versucht, einen Stich zu bekommen. Dieses will er am Anfang bewerkstelligen, indem er sich ein Auto kauft. Seine Begattungsversuche schlagen allerdings mit schöner Regelmäßigkeit fehl. Er gerät daraufhin in schlechte Gesellschaft, wird z.B. irrtümlich für einen Profikiller gehalten und von einem verrückten Wissenschaftler (Kitano himself) erst unsichtbar gemacht und dann in einen Fliegenmenschen verwandelt.

Das Betrachten des Filmes hat mich schwer an diese Geschichte von Woody Allen erinnert, wo er von seinem grundlegenden Unverständnis der Kunst der Pantomime berichtet. Ich saß wie gebannt vor dem Fernsehschirm und dachte nur andauernd: "Das darf doch nicht wahr sein!" Es schien mir so, als sei hier endlich die totale und vollkommene Abwesenheit von Humor erreicht worden - zum ersten Mal in der Geschichte des Alls. Mir waren die Mundwinkel an den Boden genagelt!

Das ist nur eine sehr persönliche Einschätzung, und, wie schon gesagt - andere mögen das ganz anders bewerten. Ich fand die FLOTTEN TEENS-Filme wesentlich lustiger...

Alter Schwede! :P
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#46 Cjamango

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Geschrieben 25. März 2004, 14:29

ZATOICHI (JP-DVD)

Nach dem Schockerlebnis von GETTING ANY hatte ich Gelegenheit, im Beisein einiger Freunde den neuesten Kitano mitzuerleben. Dabei macht es wohl wirklich nichts aus, daß ich bisher noch keinen Film aus der Serie um den blinden Masseur gesehen habe, denn selbiges gilt auch für den Regisseur.

Um es kurz zu machen: SONATINE und HANA-BI sind nicht wirklich in Gefahr, aber als Spektakel fand ich ZATOICHI gut kuckbar. Kitano hat im Interview verkündet, daß dies eine reine Auftragsarbeit war. Daß ausgerechnet dieser Film zu seinem erfolgreichsten werden sollte, hat er eher amüsiert und pragmatisch zur Kenntnis genommen, liefert der Umstand ihm doch nur neues Geld für persönlichere Produktionen.

Was mich am meisten gestört hat, war das Beharren auf computeranimierten Splatter, wie man ihn seit einigen Jahren leider gewohnt ist. Mich erinnert das immer etwas an die Videospiele meiner Jugend. Ich will fröhliche Samurai-Scharmützel sehen und kein "Space Invaders"! Die Umsitzenden meinten nur: "Oh, dann kuck´ dir bloß nicht BATTLE ROYALE 2 an, hohoho!" Das werde ich dann wohl auch nicht tun...

Ansonsten muß man konstatieren, daß die angenehmen Irritationen, die man aus anderen Kitano-Filmen kennt, weitgehend ausbleiben. ZATOICHI sieht gut aus, hat rasante Kampfszenen und einen famosen Kitano, der eigentlich nur irgendwo rumsitzen muß, damit eine Szene funktioniert. Sehr schön sein patentiertes Lachen, dem immer eine gewisse psychopathische Unberechenbarkeit anhaftet. Als seinen Hauptgegner (= einen arbeitslosen "Ronin", der in den Dienst der Schurken tritt) hat man den masochistischen Killer aus ICHI (der mit den Rauch-Kiemen!) Die Narrative ist gelegentlich etwas verwirrend in ihrer Rückblenden-Struktur, denn im Grunde genommen erzählt der Film eine Story, wie sie simpler nicht sein könnte.

Fazit: Ich fand den Film nett, war aber angesichts meiner sehr hohen Erwartungen etwas enttäuscht. War recht konventionell. Am nettesten fand ich tatsächlich den Schlußtanz, wo alle noch lebenden Akteure in bester Abgangsapplaus-Tradition noch einmal die Schinken schwenken und ins Publikum lachen dürfen. Solche Sachen hätte ich mir mehr gewünscht. Aber man soll nicht meckern.

P.S.: Der Abend bescherte mir auch eine Reihe von DVDs mit alten japanischen Geisterfilmen. Da waren auch welche mit diesen tollen Regenschirm-Monstern dabei... *freu* Demnächst mehr davon.
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#47 Cjamango

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Geschrieben 25. März 2004, 20:03

Ju-On: The Grudge (DVD)

So, endlich bekomme ich diesen Film mal zu sehen...

Geistergeschichten sind ja mein Ein und Alles. Es gibt kaum ein Untergenre des Horrorkinos, das mich dermaßen in seinen Bann schlagen kann. Während mich aber die neueren amerikanischen Versuche selten begeistern können, waren die japanischen Vertreter sehr viel erfolgreicher.

In JU-ON geht es um eine Sozialamtsangestellte namens Rika, die in einem alten Haus nach dem Rechten sehen soll. Sie findet dort eine alte Dame vor, die offensichtlich von Senilität umwittert ist. Außerdem liegt überall Gerümpel herum, was auf einen hohen Verwahrlosungsgrad schließen läßt. Tatsächlich sieht das fast aus wie bei mir! In meiner Wohnung gibt es allerdings keine unerklärlichen Geräusche, und es ist auch kein Kind in meinem Kleiderschrank eingesperrt. (Die sind alle im Keller - HÖHÖHÖ!)

Der Film schlüsselt die Geschichte in einzelnen Episoden auf. Das ist manchmal verwirrend, läßt die Sache fast etwas twinpeaksig wirken. Mittlerweile habe ich aber herausgefunden, daß JU-ON: THE GRUDGE bereits der dritte Teil einer Serie ist. Die Vorgänge der ersten beiden Teile (die angeblich unheimlicher sein sollen) fließen in den dritten Teil ein. Ich habe aber nicht das Gefühl, daß mir ektoplasmischer Schleckspaß verlorengegangen ist.

Im Vergleich zu RING kellt JU-ON die Schockszenen gleich kübelweise aufeinander. Das funktioniert häufig recht gut, verhindert aber auch, daß er eine so intensive Wirkung erzielen kann wie die Sadako-Story. Interessant fand ich immerhin, daß man in diesem Film nie so genau weiß, woran man ist. Während in herkömmlichen Spukhausfilmen der Spuk für gewöhnlich an eine bestimmte Lokalität gebunden ist, kann man bei JU-ON theoretisch auch in der Videothek über das Geisterblag stolpern. Was bei JU-ON geradezu brillant funktioniert, ist aber der Sound - uuunheimliche Geräusche satt! Besonders das gutturale Klacken der Geistermama ist ein echter Zungenschnalzer und erinnert etwas an die Waldgeister aus PRINZESSIN MONONOKE auf Ecstasy... Die Horrorszenen sind alle für sich sehr geschickt gemacht und einigermaßen gemächlich aufgebaut. Nur halt mein Generaleinwand: Vor inflationärem Gebrauch des Geisterkindes wird gewarnt!

Meine Erwartungen waren sehr hoch. Enttäuscht worden bin ich nicht, wenngleich ich RING (oder die Schockeffekte aus THE EYE) deutlich markerschütternder fand. Die DVD von Highlight hat eine sehr ordentliche Synchro und erstklassigen Sound - sollte man sehr laut hören, und das nachts!

Heute abend werde ich bestimmt vor dem Einschlafen unter die Bettdecke kucken, und wenn da etwas anderes zu sehen ist als eine Gutenachtlatte, laufe ich schreiend aus dem Haus...

P.S.: JU-ON 1 und 2 bekomme ich am Wochenende. Dann wollen wir mal schauen...
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#48 Cjamango

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Geschrieben 30. März 2004, 17:25

The Texas Chainsaw Massacre (Bali-Filmpalast, Gelsenkirchen)

Die grundsätzliche Frage muß erlaubt sein: Was für einen Sinn machen diese Remakes? Ich hadere ja immer wieder mit den Amerikanern, wenn ein erfolgreicher europäischer oder fernöstlicher Film durch die Hollywood-Mühle gedreht wird. Selbst wenn tolle Regisseure wie Martin Scorsese oder Gus Van Sant sich an abgefeierten Filmklassikern versuchen, ist das Resultat nicht auf der Höhe ihrer übrigen Leistungen. Und wenn sich ein Videoclip-Regisseur namens Marcus Nispel daran versucht...

...dann ist das Resultat überraschend gut! Ich war jetzt auf die ganz große Katastrophe gefaßt. Der Name des Regisseurs wurde von mir in den letzten Monaten als Marcus Mispel oder Marcus Knispel verunglimpft. Ich freute mich bereits darauf, eine Review mit dem Titel DAS TEXAS KÖTTELSAUGER MASSAKER zu versehen. Aber Nispel hat mir leider den Spaß verdorben, denn das Remake ist sehr kuckbar und besitzt genügend eigene Einfälle, um auch alteingesessenen Fans der absonderlichen Familiengeschichte das Betrachten zu lohnen.

Warum mag ich den Film? Er ist sehr straight, verkneift sich experimentelles Rumgejuxe à la HOUSE OF 1.000 CORPSES, hält sich (trotz der Anwesenheit von Michael Bay als Produzent) relativ mit optischen Zirkuseinlagen zurück, macht keine nennenswerten Anstrengungen, die "Fangoria"-Klientel (die manchmal ähnlich spießig ist wie die Trekkies!) zu bedienen und er ist richtig, richtig ernst! Kein freddyeskes Herumgekasper - TCM macht von Anfang an keine Gefangenen. Trotz einiger zusätzlichen Informationen über den Background der Familie, die uns verraten werden, ist auch das zwanghafte Veräußerlichen des Subtextes (wie es etwa Wes Cravens SCREAM betrieb) kein Thema. Der Film ist zudem recht ökonomisch gestaltet und besitzt keine wie auch immer gearteten Längen. (Man bedenke da etwa den schleppenden Anfang von WRONG TURN mit dem unerträglichen Teenie-Geplapper...)

Tobe Hoopers Original bleibt - was die Erzeugung von reinem Terror angeht - natürlich ungeschlagen. Der große Aufwand des Remakes äußert sich in sehr viel elaborateren Sets und optisch gelackteren Jagdszenen, aber es gibt eben auch viel zu bekucken. Die vielen Details besitzen nicht den Hausmacher-Charme von Hoopers billig gemachtem Backwoods-Schocker, aber zumindest was mich angeht, verfehlten sie ihre Wirkung nicht. Und was mich am meisten überrascht hat: Ich mochte die Charaktere! Natürlich sehen die Drogen-Hippies und ihre Mädels ein wenig zu sauber aus für eine Konzert-Tour nach Mexiko, aber auch hier erfreut der Film durch Dezenz und verzichtet auf zeitgenössische Schlager, mit denen ja normalerweise Zeitkolorit und die ausgelassene Unverkrampftheit der Jugendzeit heraufbeschworen werden sollen. Erfreulich wenig Schnickschnack an der Kettensägen-Front, und die Darsteller sind auch in Ordnung.

Was die "böse" Familie angeht, so haben Nispel und Bay sie um einige Mitglieder erweitert, was mich aber nicht gestört hat. Okay, ein bißchen viel Fellini für das texanische Hinterland, aber komm´- der Oppa war doch echt klasse! :) Die diversen Hinzufügungen des Drehbuchs sind auch ansonsten erstaunlich effektiv. Besonders garstig fand ich die Szene, in der der fiese Südstaaten-Sheriff R. Lee Ermey den Spaßmacher-Hippie mit vorgehaltener Wumme zu einer Nachstellung des Selbstmordes zwingt...

Und ja, erneut wird der komplette Schwachsinn des deutschen Zensurbestrebens deutlich: Während die alte Version von Hooper nach wie vor auf der Liste der beschlagnahmten Filme steht, kommt da mit viel Bohei eine neue Version ins Kino um die Ecke, wo all die feinen Sachen gezeigt werden, die Hooper aus Geldmangel einst nur andeutete. Zack - da fliegt das Bein! Extreme Aderlässe werden auch bei Nispel ausgespart - den ab 16 Jahren freigegebenen WRONG TURN fand ich an und für sich blutiger. Doch mit seiner grundgarstigen Atmosphäre kann auch das Remake von TCM zu einer echten Belastungsprobe für zarte Gemüter werden. Das ist kein Spaßfilm - no sir!

Insgesamt fand ich den Film wirklich sehenswert, auch für alte Lederfratze-Jünger. Der Anfang ist sogar richtig stark. Gegen Ende hin erschöpft er sich dann zunehmend im gewohnten Gejage & Gehetze, aber es gibt auch dort genügend unterhaltsame Details, und richtige Peinlichkeiten habe ich überhaupt keine wahrgenommen. Nach Kim Henkels grauenerregendem 4. Teil (den ich nach 15 Minuten abgebrochen habe) ist dieses Remake auf jeden Fall eine sehr angenehme Überraschung für mich gewesen. Auf DVD werde ich zuschlagen. Marcus Nispel, Mispel, Knispel - gut gemacht!
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#49 Cjamango

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Geschrieben 31. März 2004, 00:41

One Hundred Monsters (US-DVD)

Seit ich zum ersten Mal Kobayashis prächtigen KWAIDAN gesehen habe, bin ich ein Fan klassischer japanischer Geistergeschichten. Ähnlich wie in den angelsächsischen Pendants ging es in den Filmen von Nobuo Nakagawa und Co. um Schuld und Sühne, um das Wiederauftauchen einer verfehlten Vergangenheit, die den Menschen die Gegenwart zur Hölle macht. Dabei bedienten sich die japanischen Filme allerdings einer visuell sehr viel attraktiveren Gewandung und schreckten vor knalligen Farben keineswegs zurück.

Ein großer Nachteil, den die Begeisterung für dieses Genre mit sich bringt, ist die schlechte Verfügbarkeit der Filme. Während KWAIDAN oder Shindos ONIBABA kein großes Problem darstellen, biß ich mir bei meinen Phil-Hardy-geschulten Nachforschungen die Zähne aus. Es war schon ein großes Freudenfest für mich, als mir eines Tages einige japanische DVDs mit Filmen wie dem großartigen JIGOKU oder THE GHOST OF YOTSUYA in die Hände fielen. In den USA hat ein kleines Label aus Texas nun drei schöne Geisterfilme der Toho-Konkurrenzfirma Daiei herausgebracht, in vorzüglichen Fassungen mit brauchbaren englischen Untertiteln. Den ersten habe ich heute gesehen: 100 MONSTERS, auch bekannt als 100 GHOST STORIES.

Es geht um einen fiesen Geldsack namens Tajimaya, der sich mit den Bewohnern eines Mietshauses anlegt, als er ihre Behausung dem Erdboden gleichmachen will. Auch ein Tempel soll dran glauben, um einem Bordell Platz zu machen. Der örtliche Magistrat, Lord Uzen, hat seine Finger mit im Mustopf und ist korrupt wie die Nacht. Bei einem Zusammentreffen des "Zirkels der 100 Geistergeschichten" (wo ein alter weiser Mann gruselige Stories zum Besten gibt) verweigert Tajimaya die rituelle Fluch-Bannung, die den Abschluß solch einer Sitzung bildet. (Müssen wir beim Filmclub auch mal einführen!) Für sein frevelhaftes Verhalten wird er natürlich bestraft, denn nun kommen die Monster...

Mit in diese grundmoralische Geistergeschichte eingebunden sind zwei kleine Episoden, in denen es um Erscheinungen geht. In Story 1 begegnet ein einsamer Wandersmann im Wald einem Ungetüm, das aussieht wie eine Kreuzung aus Big Foot und Zyklop mit eingebautem Staubsauger. Story 2 erzählt von zwei arbeitslosen Samurai, die in einem heiligen See angeln, woraufhin sie mit dem Fischgut einige Scherereien bekommen...

Der Film ist die Wucht auf Stelzen! Allein die bizarren Gestalten, die da aus dem Jenseits auf die Menschen niedergehen, sind - um es im Fußballkommentatoren-Jargon zu sagen - aller Ehren wert. Mein persönlicher Favorit ist das Schirm-Monster, das aussieht wie einer dieser japanischen Schirme, nur daß solche Schirme für gewöhnlich kein Bein anstelle eines Griffes haben, zwei dünne Ärmchen, ein riesiges Auge und eine gigantische Zunge, die an allem herumschlabbert... Das muß man mal gesehen haben! Die Schirm-Monster sind offenbar eher als komisches Element gedacht, stören aber kein bißchen, da sie einfach zuckersüß aussehen - so einen hätte ich gerne als Mitbewohner! Auch die anderen Monstren sind bei Lichte betrachtet eher pittoresk als unheimlich, aber sie fungieren halt als Vollzugsbeamte einer höheren Gerechtigkeit. Da japanische Monster musikalisch sind, tanzen sie auch sehr gerne: Am Schluß gibt es eine gewaltige Prozession tanzender Monster, die in Zeitlupe im dunklen Bildhintergrund verschwindet. Das erinnerte mich ein wenig an die Monster-Geist-Prozession aus CHIHIRO. Im Grunde sind die Monster okay, knuffig und knuddelkompatibel, und an den Sack gehen sie immer nur den abgrundtief Bösen. So sollte es auch sein, denke ich. Einige davon sind auch tatsächlich etwas unheimlich, z.B. die Geisterfrau mit dem langen Hals oder der Hexenkopf mit dem riesigen Mund...

Man sollte nun aber nicht denken, daß es sich um ein albernes Kinderfilmchen handele. Tatsächlich gibt es einige wahrhaft gruselige Passagen, was nicht zuletzt an der (wie üblich in diesen Filmen) sehr theatralischen und kunstvollen Regie liegt, die für hiesige Geschmäcker sehr fremdartig und halt "weird" wirkt. Der Regisseur, Kimiyoshi Yasuda, war einer von Daieis Hausregisseuren und schuf neben diversen ZATOICHI-Samurai-Filmen auch den berühmten DAIMAJIN, der ebenfalls von dem DVD-Label (im Netz zu finden unter www.advfilms.com) veröffentlicht wurde/werden soll. Fans dieser Art von Filmen werden ein Riesenvergnügen haben - ich bin von 100 MONSTERS jedenfalls komplett hingerissen!
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Geschrieben 04. April 2004, 14:14

Dolls (HK-DVD)

Über Takeshi Kitanos DOLLS will ich nicht allzuviel sagen, denn ich möchte den Film nicht zerreden.

Es geht um einen jungen Mann, der seine anstehende Heirat mit einer jungen Frau zugunsten beruflicher Interessen platzen läßt. Die junge Frau grämt sich daraufhin so, daß sie mit einer Tablettenüberdosis aus dem Leben zu scheiden gedenkt. Dies mißlingt. Der junge Mann zieht daraufhin mit der stummen und debilitierten Frau durch das Land. Die Geschichte wird konterkariert mit einigen anderen Beispielen komplizierter Liebe, die entweder unerwidert ist oder durch gesellschaftliche Konventionen kompromittiert wird.

Der Anfang besteht aus einem traditionellen japanischen Puppenspiel, bei dem ich noch gedacht habe: "Ach du Schande, das wird ein ganz harter Brocken von Film!" Ich hasse nichts mehr, als mir Filme erarbeiten zu müssen. Ein Film zündet bei mir, oder er zündet eben nicht. Das ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Ich gestehe vielen Filmen, die ich nicht mag, eine historische oder sonstwie bedeutsame Dimension zu, die aber nicht notwendigerweise darin gipfelt, daß ich mir den Film noch einmal anschauen werde.

DOLLS werde ich mir mit Sicherheit noch einige Male ansehen...

Wie bei den meisten Kitanos der Fall, regiert auch hier eine gemächliche Erzählweise. Die Bilder reihen sich aneinander und sagen dem einen was, den anderen lassen sie draußen stehen. DOLLS erinnert mich an ein Gemälde, das mit klaren, sparsamen Pinselstrichen kräftige Emotionen einzufangen versucht. Für mein Empfinden ist der Versuch komplett gelungen. Ich bin geplättet von dem Film und bin erst jetzt richtig enttäuscht von ZATOICHI.

Die Symbolsprache mag manchem etwas dick aufgetragen dünken (okay, rot, rot und nochmal rot!), aber sie wird dermaßen behutsam und ohne Bumsfallera eingesetzt, daß es mich einfach nicht gestört hat. Ich schmolz dahin.

Einer der schönsten Filme, die ich je gesehen habe!
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Geschrieben 07. April 2004, 15:55

Hafenstadt (Video)

Da ich ja demnächst damit beginnen will, meine Pornofilme nach Motiven von Ingmar Bergman zu drehen, habe ich eine kleine Retrospektive eingeleitet, in deren Verlauf ich mich quer durch das Werk des schwedischen Meisters zu arbeiten gedenke. Den Beginn machte der 1948 gedrehte HAFENSTADT.

Tja, dies war die Frühphase des Bergman'schen Schaffens, als sich seine Verwendung von Symbolik noch in Grenzen hielt. Die Melodramen, die er damals schuf, erinnern an den italienischen Neorealismus, der ja meistens deprimierende Geschichten an authentischen Schauplätzen erzählte. Bei Bergman sind die Vorbilder allerdings eher in den naturalistischen Dramen von Ibsen oder Strindberg zu suchen, denn was bei vielen Neorealisten widerspruchslos als Fügung hingenommen wird, ist bei Bergman eingesponnen in ein knallhartes Geflecht aus entwicklungspsychologischer Tragik und sozialen Komponenten. Unterm Strich läuft das auf eine Überdosis Schicksal hinaus, der die Protagonisten nicht entrinnen können, wie sehr sie es auch versuchen...

In HAFENSTADT geht es um die minderjährige Berit, die bei ihrer Mama wohnt und eine Zeit lang Stammgast in Erziehungsheimen war. Ihre familiäre Grundlage ist nicht eben preisverdächtig: Während Papa ein nervenkranker, schwächlicher Seemann mit Alkproblemen und Neigung zu cholerischen Anfällen war, ist Mama eine Trümmerfrau, die sich gewaschen hat: Das Leben hat sie hart gemacht, und eiskalt exerziert sie an ihrer Tochter das durch, was ihr (vermutlich) ihre eigenen Eltern an Beziehungsunfähigkeit vorgelebt haben. So überrascht es nicht, daß sich Berit gleich zu Beginn des Filmes ins Hafenbecken stürzt, um dem Trubel ein Ende zu machen. Der fesche Seemann Gösta fischt sie raus und verliebt sich in sie. Wie so häufig bei schlechten Elternhäusern der Fall, geht die Chose bei Berits Beziehung von vorne los: Sie schafft es nicht, Gösta zu vertrauen, verheimlicht ihm wichtige Details, verhält sich unweise zu fremden Männern... Als sie Gösta endlich ihr großes Geheimnis gesteht (und eine Ahnung von Prostitution schwingt da auch mit!), reagiert Gösta wie ein sizilianischer Zementmixer, brüllt ein bißchen rum und macht den Flattermann - dumm gelaufen! Hat diese Liebe eine Chance?

Tja, in Hollywood-Filmen jener Tage hatten Seemänner noch fesche Ausgangsuniformen an und tanzten singend mit Betty Grable am Arm durch die Stadt! Das läuft bei Bergman etwas anders: Der Alltag ist grau, die Arbeitswelt abstumpfend und nervtötend, die Gesichter der Menschen alles andere als das berühmte nordische Schönheitsideal. Ich will nicht behaupten, Bergman hätte hier die unattraktivsten Menschen Uppsalas zusammengesucht, aber es kommt dem doch schon recht nahe. Die Darstellerin der Berit ist etwas moppelig, schaut aber auf eine wohlgenährte Weise ganz reizend aus. Da sie größtenteils einen deprimierten Flunsch ziehen muß, paßt das auch ganz gut. Gösta ist nicht Gary Cooper, sondern ein schnöder Durchschnitts-Hacho, der über keine wie auch immer geartete Schulbildung verfügt und sich mit seinen 30 Jahren fragt, was er im Leben versäumt hat. Um etwas an seiner Situation zu ändern, bräuchte er Originalität, und die wächst - das macht Bergman mehr als deutlich - in diesem Milieu nicht auf den Bäumen.

War Hans Albers ein Schönheitsideal? Das bestimmt nicht, aber er verkörperte in dem großartigen (von Goebbels einst verbotenen) GROSSE FREIHEIT NR. 7 schon gewisse Tugenden, die man mit dem Hamburger Kiez-Milieu verbindet: Kantigkeit, Ruppigkeit, Trinkfestigkeit - ein weiches Herz unter rauher Schale. Das läßt sich von Gösta nicht behaupten: Er gräbt sich durch sein Leben, wie es gerade kommt, und sitzt dabei denselben Idealen auf wie seine süße Trulla. Er liebt sie ehrlich, macht sich aber keine Gedanken darüber, ob er nicht vielleicht nur ein Bild von ihr liebt, das er in seinem Herzen trägt. Als das Bild zusammengeknüllt wird, fliegt die Liebe aus der Tür. Er geht zu einer Nutte und besäuft sich rückhaltlos. Was bei Albers zum stimmungsvollen "La Paloma, ohe" wurde, gerät bei ihm zu einer mitleiderregenden Torkelparade: Er weint, verflucht das Ding, das man Gewissen nennt und wird von einem schwarzen G.I. vor die Tür gesetzt. Dann - und hier wird's ganz neorealistisch! - schaut er im Innenhof verzweifelt nach oben und sieht inmitten des Tunnels von ärmlichen Häuserfassaden ein ganz kleines Stück Himmel. Doch das ist außer Reichweite.

Irgendwann zwischendurch gibt es eine Szene, in der es richtig toll zwischen den beiden Liebenden läuft: Er sieht aus wie ein schmucker Seekadett, sie wie eine Traumfrau, er legt sie zärtlich aufs Bett und säuselt ihr süße Nichtigkeiten ins Ohr. Die deutschen Liebeskomödien, die zu jener Zeit grassierten wie die Maul- und Klauenseuche, bestanden fast zu hundert Prozent aus ähnlichen Szenen. Bei Bergman versinnbildlicht solcherlei Tun nur das Unerreichbare, das den Liebenden verwehrt bleibt.

Was man Bergman absolut zugutehalten muß, ist der völlige Verzicht auf Sentimentalität und Kitsch, denn auch die Bebilderung eines menschlichen Elends gerät ja häufig zu ebensolchem. Er drückt überhaupt nicht auf die Tränendrüse. Man bleibt ständig bei den Charakteren und wünscht ihnen alles Gute. Da mir das Seemannsmilieu trotz meiner Fischkopf-Abstammung nicht wirklich am Herzen liegt, ist das alles andere als selbstverständlich. Ich war durchaus beeindruckt davon, wie sehr mich der Film fesselte. Grau in grau nervt mich für gewöhnlich ab. Da schalte ich schon mal auf einen Kabelkanal.

Ohnehin liegen mir die frühen Bergman-Sachen deutlich mehr am Herzen als die späteren, sehr viel schwerer zugänglichen Sachen. Gerade in den 60ern wurden die Filme ja zunehmend abstrakt und stilisiert. Mir geht es in dieser Hinsicht bei Bergman ähnlich wie bei Ken Russell, nur daß der sich im Gegensatz zu Bergman immer mehr zum Oberflächlich-Knalligen hin entwickelte. Dessen früheren Arbeiten (z.B. LIEBENDE FRAUEN) finde ich immer noch am besten. Ich bin sehr gespannt darauf, wie Filme wie DAS SCHWEIGEN oder DER RITUS heute auf mich wirken werden. Fürs Erste bin ich aber noch schicksalshaft mit den Melodramen verkettet! HAFENSTADT gefiel mir auf jeden Fall schon mal richtig gut. Ach, und für die Ferkel: Bei einer Rückblende in der Erziehungsanstalt gibt es eine Einstellung, wo sich eine Schülerin ihr Nachthemd über den Kopf zieht - full frontal nudity anno 1948, und es ging durch die bundesdeutsche Zensur!

Mittlerweile habe ich auch schon den nächsten Film gekuckt: DURST von 1949. Der ist etwas weniger deprimierend, ging mir aber auch weniger unter die Haut. Da geht es im wesentlichen um drei Frauen, die sich in die falschen Männer verkucken. Das beginnt recht episodesk, aber die einzelnen Segmente überschneiden sich auf kunstvolle Weise. Auch hier inszeniert Bergman in unaufdringlicher, aber sehr wirkungsvoller Manier, rückt die Gesichter der Akteure bei schicksalshaften Szenen in den extremen Vordergrund (ein visueller Kunstgriff, den er später ja kultivieren sollte) und macht klar Schiff mit der Vorstellung, daß Liebe eine Sache ist, die einem (im angenehmen Sinne) in den Schoß fliegt und die man sich nicht zu erarbeiten habe. Es geht um Hörigkeit, Moral, männliche Dominanz, männliches Schlaffitum, weibliche Flatterhaftigkeit, Schwangerschaft und Tod. Bergman halt.

Hat der Bergman eigentlich mal einen Bergmann-Film gedreht? Da müßte man glatt mal Woody Allen anrufen... :)
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#52 Cjamango

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Geschrieben 09. April 2004, 17:31

Der Dybbuk (Video)

Seit Jahren liegt bei mir bereits dieser Film "auf Halde" - ein 1937 in Polen gedrehtes Melodram, das man als einen der wenigen phantastischen Filme in jiddischer Sprache bezeichnen kann. Der Dybbuk ist ein Geist, der nach seinem Tod keinen Frieden finden kann, da unverrichtete Dinge ihn peinigen. Im vorliegenden Fall geht es um ein Freundespaar, Sender und Nissan (die heißen wirklich so!), die einen heiligen Schwur ablegen: Sollten ihre Frauen die Kinder, die sie gerade im Leibe tragen, unbeschadet zur Welt bringen, wird die Nachhut beim Erreichen der Volljährigkeit miteinander verehelicht. Nissan erlebt die Geburt aber nicht mehr, da er bei einem Bootsunglück ertrinkt. 18 Jahre später will der reiche Sender sein Töchterlein Lea an den etwas minderbemittelten Sohn eines Geschäftsfreundes verschachern. Lea liebt aber den forschen Chanan, der sich vom Talmud abgewendet hat und stattdessen Kabbalastudien betreibt. Leider ist er aber auch arm, so daß er als Bräutigam in spe nicht in Frage kommt. Was die Beteiligten jetzt nicht wissen: Chanan ist natürlich Nissans Sohn, und so stellt die Zwangsheirat eine Entweihung von einigen Gnaden dar. In der Nacht der Verlobung überstürzen sich die Ereignisse: Chanan begibt sich von der Kabbala direkt zu Satan und ruft den Fürsten der Finsternis an. Diesen Frevel bezahlt er mit dem Leben. Aber aus den Augen ist noch lange nicht aus dem Sinn. Er kehrt nämlich aus dem Grab zurück und fährt als böser Dybbuk in den Leib der armen Lea. Der Rebbe zeigt, daß er auch als Exorzist was auf der Pfanne hat und zitiert ein Gericht herbei, bei dem der tote Nissan als Zeuge vorgeladen wird...

Tja, mir als Goj bleiben natürlich viele der Einzelheiten verschlossen - ob das nun Jom-Kippur ist, was da zu Anfang des Filmes gefeiert wird, oder nur so eine Art Erntedankfest, entzieht sich meiner Kenntnis. Als Geisterfilm stellt der Film hartes Brot dar, denn die Dramaturgie verläuft äußerst schleppend. Aber einmal mehr zeigt sich, daß es sich nicht auszahlt, vorgefaßte Schablonen zur Beurteilung eines Filmes zu verwenden. Trotz seiner weitgehenden Spannungslosigkeit ist der Film nämlich faszinierend zu betrachten, denn er bietet auch dem Nichtkenner jüdischer Kultur einen Einblick in die religiösen Bräuche. Der Film (der auf einem berühmten Theaterstück basiert) funktioniert auch eher als eine Art "morality play", das die Richtigkeit der sittlichen Werte aufzeigen soll: Sünde führt letztlich nur in die Irre und zerstört das Glück. Dabei leistet sich der Film sogar schwankhafte Humoreinlagen, wenn etwa der ängstliche und kreuzfromme Talmudschüler, mit dem Lea verheiratet werden soll, seinen Lehrer abnervt, dem regelmäßig nur noch ein erschöpftes "Nej!" einfällt...

Ich habe auch ansonsten eine Menge gelacht, denn vieles ist in seiner Feierlichkeit natürlich gerade für einen Ungläubigen sehr komisch. Mein persönlicher Favorit ist der geisterhafte Bote, der stets am Rande steht und die Vorgänge sittlich kommentiert: Mit verschränkten Armen, Zauselbart und Leichenbittermiene sagt er Sachen wie: "Ejn jejder Mensch muß sejhen, was er tut!" Bereits bei der Feier zu Anfang befindet er sich zwischen den singenden und religiöse Frömmigkeiten versprühenden Menschen und wirkt wie das genaue Gegenteil einer Stimmungskanone. Er stellt wohl ein Bindeglied zwischen dem Walten Gottes und den Irrungen der Menschen dar und ist als solches "not amused". Fast jeder Auftritt dieses Mannes ist ein kompletter Kracher - der funktioniert besser als Bill Murray! Wann immer zwei oder mehr Leute etwas Spaß haben, steht er wie aus dem Erdboden gewachsen auf einmal zwischen ihnen und macht die ganze Stimmung mit einem einzigen unheildräuend vorgetragenen Lehrsatz komplett zunichte...

Die religiösen Riten und Tanz- und Singszenen stehen sehr im Zentrum des Geschehens, was mich ein klein wenig an indische Horrorfilme erinnert hat. Die phantastischen Elemente kommen eher im Schluß-Viertel des Filmes zum Einsatz. Trotzdem - ich fand diese kleine Reise in eine sehr fremde Welt ausgesprochen interessant und kurzweilig, und einzelne Szenen sind auch jenseits des kulturellen Interesses sehr stimmungsvoll. Mein jiddischer Wortschatz wurde ebenfalls bereichert, ojojoj...
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#53 Cjamango

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Geschrieben 12. April 2004, 16:51

Spook Warfare (US-DVD)

Der zweite der Daiei-Geisterfilme orientiert sich verstärkt an den Monsterfilmen von Toho und Konsorten. Oberbösewicht ist diesmal ein babylonischer Tunichtgut namens Daimon, der von zwei Grabräubern zum Leben erweckt wird. Daimon ist in seiner Urgestalt ein reptiliesker Vampir, dessen Kopf eine phallische Freudstein-Affäre ist und eigentlich ins Haus an der Friedhofsmauer gehört. Jeder, der von Daimon gebissen wird, wird zu einem seiner Schergen. Zuerst erwischt es einen reichen Japaner. (Weswegen Daimon sich als neues Betätigungsfeld ausgerechnet Japan auskuckt, bleibt etwas im Dunkeln, aber na ja...) Auch dessen Diener wird vampirisiert. Das Leben könnte so schön sein für den Ekelbatzen. Leider begeht er den Fehler, sich mit dem Hausgeist anzulegen, einem vogelköpfigen Wasserkobold! Dieser grüne Kollege hat gegen den ungleich mächtigeren Daimon natürlich nicht viel zu bestellen, aber er kann sich der Hilfe von Japans Geistern sicher sein, die mit dem schurkigen Gastarbeiter nichts zu tun haben wollen. Ein farbenprächtiger Showdown nimmt seinen Lauf...

Tja, im Vergleich zu ONE HUNDRED GHOST STORIES gebricht es dem Film etwas an Gruselatmosphäre, da das Hauptaugenmerk hier auf kinderstubengemäßem Humor liegt. Das macht aber gar nichts, denn zum Ausgleich ist SPOOK WARFARE viel turbulenter und gestattet seinen Monstern und Gruselgeistern reichhaltigen Auslauf. Langweilig wird der bunte Monsterreigen keine Sekunde, und neben den bereits bekannten Geistern (das Regenschirm-Monster, die Frau mit dem Hals, der Wurzelzwerg im Bastrock, das Kartoffel-Ungeheuer etc.) gibt es auch einige Neuzugänge, etwa ein Monster mit aufblasbarem Bauch und integriertem Fernseher. Am Schluß geben die Monster richtig Gas und zeigen dem aufschneiderischen Gesellen aus Babylon, wo Bartel den Most holt.
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#54 Cjamango

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Geschrieben 16. April 2004, 00:49

Forgotten Silver (Video)

Bis zum heutigen Tag dachte ich, Peter Greenaways monumentale Fake-Documentary THE FALLS sei ein großartiger Film, doch nun weiß ich es besser: Peter Jackson zeigte in FORGOTTEN SILVER, wie es richtig geht, und das mit einem Viertel der Laufzeit!

Habt Ihr schon von Colin McKenzie gehört? Kein Wunder - Colin McKenzies Ruf als einer der großen Pioniere des Filmes hat die Jahrzehnte nicht überdauert. Was für ein Glück, daß im Garten von Peter Jacksons Tante ein Häuschen steht, in dem sie lauter alte Filmdosen gefunden hat. Und in diesen Dosen befindet sich Material, das nicht nur die Geschichte des neuseeländischen Kinos, sondern jene des Kinos an sich neu definiert. Colin McKenzie hat alles gemacht: Als junger Steppke erfand er sein eigenes Filmmaterial, er drehte den ersten Langfilm, er führte den Tonfilm ein, er ersann Wege, um Farbe auf die Leinwand zu bringen... McKenzie war ein Tausendsassa, der Unglaubliches geleistet hat und der demonstrierte, wie wahre Liebe zum Medium und zärtliche Besessenheit zu unglaublichen Innovationen führen können. Der Film verfolgt McKenzies Lehr- und Wanderjahre, seine unermüdlichen Versuche, im cinematographischen Niemandsland Neuseeland seine Träume zu verwirklichen. Mit großem Gefühl schildert FORGOTTEN SILVER auch das Unterfangen des Filmemachers Jackson und seines Partners Costa Botes, dem vergessenen Mythos nachzuspüren. Eine Expedition führt sie in den neuseeländischen Urwald, wo er am tiefsten ist. Hier hoffen sie, die Ruinen von McKenzies großem Traum-Projekt, SALOME, zu entdecken. Was sie finden, übertrifft ihre größten Erwartungen...

Als Zuschauer sitzt man vor diesem bescheiden und weitgehend nüchtern gedrehten Film und fiebert mit, wenn die Irrungen und Wirrungen von McKenzies Vita nachvollzogen werden, die ihn schließlich in den spanischen Bürgerkrieg führen. Colin McKenzie - ein Träumer, ein Visionär, ein verborgener Schatz der Filmgeschichte...

Mann, was für ein Seemannsgarn! Mit großer Liebe und sehr dezentem Humor erfindet Jackson die Filmgeschichte neu und unterhält dabei grandios. Das getürkte Dokumentarmaterial (Fotos und Filmschnipsel) ist weitgehend perfekt gestaltet und macht staunen. Die Präsentation der eigenen Person als Filmemacher der Gegenwart, der auf der Jagd nach alten Mythen die eigene Filmbegeisterung begreifen will, ist ebenso unverschwulstet wie liebevoll. Angereichert wird die Illusion durch einige Gaststars wie Harvey Weinstein und Leonard Maltin, die fröhlich mitspielen und mit gerader Miene den sensationellen Charakter des gefundenen Filmmaterials attestieren. Mir stand der Mund weit offen vor Staunen, wenn ich nicht gerade am Lachen war - unglaublich! 55 Minuten, die Jackson und Botes als vorzügliche Filmemacher mit einem großartigen Sinn für Humor ausweisen. Wer Schenkelklopfer erwartet, wird eines Besseren belehrt. Der Film funktioniert auch als Dokumentation prima und ist lebendig und involviert den Zuschauer aufs Trefflichste. Er ist nur halt frei erfunden... Die Detailbesessenheit, die Jackson und Botes dabei an den Tag legen, hätte Colin McKenzie auf jeden Fall alle Ehre gemacht!

P.S.: Freunde von mir aus Bochum hatten das besondere Vergnügen, den Film in einem Kino bestaunen zu dürfen, das weitgehend mit Cineasten angefüllt war. Meine Freunde gröhlten beherzt und wurden von den Umsitzenden nicht selten mit bösen Blicken gemustert: "Was sind das denn für Pariahs?" Bei der nachfolgenden Frage-und-Antwort-Session stellte sich heraus, daß die meisten den Film wohl komplett für bare Münze genommen hatten - so gut ist der Film!!! :)
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Geschrieben 17. April 2004, 07:58

Die Nacht der Zombies (Fettes Multiplex, Gelsenkirchen)

Als ich gestern mit zwei Freunden in das Remake von George A. Romeros DAWN OF THE DEAD reingegangen bin, war ich vorsichtig optimistisch, hatte mir das Knispel-Remake von TCM doch recht gut gefallen. So ganz kann man bei einer Neuverfilmung einen Vergleich mit dem Original nicht vermeiden, und gar zu viele wohlige Erinnerungen aus der eigenen Vergangenheit sind in der Regel mit solch einem Erlebnis verknüpft. Zwar hatte ich nicht das Vergnügen, das Original bei seiner Uraufführung zu erleben (für meinen älteren Bruder war das damals ein echter Augenöffner, hatte es doch etwas Vergleichbares damals noch nicht gegeben), aber es gehörte auch auf Video zu meinen ersten Begegnungen mit einer radikalen Vorstellung von Horrorkino, die restlos alle Barrieren beseitigte und mit fröhlicher Punk-Ausgelassenheit die Welt in die selbstverschuldeten Chaos-Tage stürzte. ZOMBIE war ein Bruch mit der Tradition, daß irgendwo einfach Schluß zu sein habe. ZOMBIE machte einfach weiter, und der jüngste Tag wurde in all seiner Grausigkeit wie ein mittelalterlicher Totentanz zelebriert. ZOMBIE war eine filmische Vision, die weit über das Splatterkino hinausging.

Zack Snyders Remake beginnt recht gut: Eine junge Krankenschwester kehrt nach einem aufreibenden Tag in ihr wohlbehütetes Vorstadtheim zurück. Ihr Mann kuckt gerade TV, und zwar eine dieser "Superstar"-Rauswähl-Shows. Man bettet sich zur Ruhe. Dann steht auf einmal das Töchterlein auf der Türschwelle und beißt dem Mann die Gurgel durch. Mit Mühe und Not entkommt die Mutter den eigenen vier Wänden, trifft draußen aber nur den völligen Zusammenbruch der Ordnung an. Es setzt einen unglaublich guten Schockeffekt mit dem Nachbarn, der auf offener Straße mit der Wumme herumfuchtelt. Die Krankenschwester flüchtet im Auto und sieht, daß der Schrecken wirklich überall ist.

Vorspann. Johnny Cash singt: "The Man Comes Around". Ich dachte: Jau - das wird richtig gut!

Doch je länger der Film dauerte, desto tiefer hingen meine Mundwinkel. Der Grundansatz, die Handlung des Originals (die in seinem Beschlagnahmebeschluß ja explizit abgeleugnet wird!) auf ihre Hauptstränge zu reduzieren und fast alles Medien- und Kulturkritische wegzukürzen, wäre vielleicht gar nicht so übel gewesen, denn eine komplette Neuauflage von Romero wollte ich nun auch nicht sehen. Nur hätte dann etwas Neues an seine Stelle treten müssen! Der ganze Einfallsreichtum des Remakes beschränkt sich aber darauf, daß es jetzt nicht mehr nur vier zentrale Charaktere sind, die um ihr Überleben kämpfen müssen, sondern gleich eine ganze Wagenladung. Und so leid es mir tut - für mich waren das alles Pappnasen! Gaylen, Ken, Scott und David sind ja über die Jahre zu echten Freunden geworden. Die Figuren, die von ordentlichen Schauspielern wie der tollen Kanadierin Sarah Polley (bekannt aus diversen Egoyan-Filmen) gespielt werden, sind so eindimensional, daß sich bei mir gar nichts regte. Dramatische Momente besitzt auch das Remake zur Genüge, aber es stellt nichts Sinnvolles mit ihnen an. Alles wirkt irgendwie hingerotzt und dem momentanen Effekt geopfert. Allein jene Szene, in der ein infizierter Vater exekutiert werden muß, hätte einem eigentlich bis ins Mark gehen müssen. Stattdessen hört man aus dem Off einen Schuß, der Bildschirm wird schwarz, und coole Werbefilm-Bar-Mitschnips-Musik setzt ein, zu der eine Collage lustig gemeinter Szenen gezeigt wird. Ich dachte nur: Häh? Was soll das jetzt? Reinigers "Ich werde versuchen, es nicht zu tun..."-Szene ist da nicht wirklich in Gefahr. Auch für den Rest der Figuren gilt: Jau, die Security-Leute sind schön böse Rednecks, Ving Rhames hat dicke Muckis, aber jenseits der Oberfläche ist da sehr wenig. Mein Eindruck war, daß Romeros Film - bei aller intellektuellen Exegese, die er mittlerweile über sich ergehen lassen mußte - der bauchlastigere, aber auch gleichzeitig der intelligentere war.

Mit dem Humor ist das auch so eine Sache. Was bei Romero teilweise ätzend komisch war, wirkt bei Doc Snyder sehr wohlfeil und streckenweise sehr unpassend. Okay, bei der Szene mit Jay Leno und Burt Reynolds habe auch ich herzlich gelacht, aber im Großen und Ganzen fand ich das Remake auf peinsame Weise politisch korrekt und saubergebürstet. Wenn Ving Rhames seine Ansprache vor den militärisch zugedeckten Toten hält und etwas später wie ein steinerner Götze militärischer Tugenden vor einer sehr indezent drapierten Amerikaflagge posiert, dann sehe ich da keine Ironie, nur Pathos der ganz platten Art.

Es gibt einen guten Gastauftritt von Tom Savini und verschenkte Cameos von Ken Foree und Scott Reiniger. Ein Kaufhausgeschäft ist nach Gaylen Ross benannt. Soviel zur Fan-Schiene. Die originellen Einfälle des Drehbuchs halten sich in Grenzen. Ganz gut finde ich Andy, den Überlebenden auf der anderen Seite der Straße, mit dem Ving via gemalter Schilder kommuniziert und dann sogar Schach spielt. An der Szene, wo Andy mit Proviant versorgt werden soll, merkt man aber schon, wo dem Drehbuch die Grenzen gesetzt sind: Die Charaktere benehmen sich nicht nur hier wie die kompletten Narren, und zwar so derb, daß ich einige Male laut aufgeheult habe. ("Ich bin im Wandschrank, aaargh!")

Was die immense Blutrunst des Originals angeht, so ist das Remake quantitativ deutlich zurückhaltender, wählt aber gleichzeitig einen sehr viel realistischeren Ansatz, was den Effekt hat, daß die Ballereien und vereinzelten Splatter-Akzente sehr viel unangenehmer rüberkommen als die Slapstick-Blutfontänen bei Romero. Am Schluß wird dann endgültig Gas gegeben - ich sage nur: Kettensäge! Was da an komplett sinnlosem Gore aufgekellt wird, ist schon wieder lustig. Ich will keine erneuten Haßgesänge auf die Zensur in unserem Lande anstimmen, aber man sollte sich die beschlagnahmte, geschnittene Fassung von DAY OF THE DEAD mal ansehen und sie kritisch mit DIE NACHT DER ZOMBIES vergleichen. Da erübrigt sich wirklich jeder Kommentar. Die für das Verbot zuständigen Staatsanwälte sollten nur noch mit Tüten über dem Kopf aus dem Haus gehen...

Die "ruhigen" Szenen, die bei Romero sowohl dramaturgisch als auch inhaltlich viel Sinn machten und mal spaßig, mal beklemmend waren, sind bei Snyder nur noch öde und kitschig. Die Actionszenen sind teilweise recht aufregend, aber auch da gehen am Schluß komplett die Gäule durch: Diese neumodische Wackelkamera (mit diesem kontrastreichen, metallischen Look - keine Ahnung, wie man das nennt!) macht die Szenen fast unansehbar. Ich war nur noch abgenervt und abgetörnt. Was bei dem von mir nicht sonderlich gemochten 28 DAYS LATER ästhetisch durchaus noch Sinn machte, ist hier reine Effekthascherei und vermittelt den Eindruck von teuer produzierten Schnittabfällen. Was dann als Epilog über dem Abspann passiert (bevor die unvermeidliche Metal-Mucke einsetzt), ist endgültig eine Frechheit.

Freund 1 meinte: "Bis zum Vorspann wirklich ein geiler Film, ansonsten bodenlos." Freund 2 meinte: "Ich habe mich glänzend unterhalten - ein fabelhafter Scheißfilm, den ich mir auf DVD holen werde!" Ich meine: Man sollte einen "Sack-Schneider-Preis" für überflüssige Remakes verleihen. Erster Preisträger ist - Zack Snyder! Der Film ist im übrigen schön kurz. Ich habe es nicht bedauert, ihn gesehen zu haben. Er unterhält sehr passabel. Spannend ist er einigermaßen, die Grusel-Atmosphäre tendiert allerdings gegen Null. GROSSANGRIFF DER ZOMBIES ziehe ich auf jeden Fall bei weitem vor.

P.S.: Auf Viva 2 gab es gestern ein Filmquiz, bei dem nach dem deutschen Titel des alten DAWN OF THE DEAD gefragt wurde. Die "Multiple Choice"-Antworten enthielten zwei völlig abwegige Sachen. Als richtige Antwort wurde ZOMBIES IM KAUFHAUS angeboten - muhahahahaaa... :)
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Geschrieben 20. April 2004, 23:14

Delta Force (DVD)

Den amerikanischen Actionfilm jüngeren Datums meide ich mit tiefer Inbrunst. Zwar zeichnen sich die meisten Produktionen mittlerweile durch eine gewisse optische Gelacktheit aus, aber militärisches Pathos darf einfach nicht abgebildet werden, ohne daß widrige Umstände es der Lächerlichkeit preisgeben würden. Selbst technisch beeindruckende Hochglanzfilme wie BLACK HAWK DOWN vergrellen mich ob ihrer halbherzigen Bemühungen, die Vorgänge ambivalent zu gestalten oder für charakterliche Vertiefung zu sorgen. Es läuft meistens doch nur auf das alte Spiel "Wir gegen die bösen Bimbos" hinaus, und wenn dann Vorzeigesoldaten beweisen, daß man trotz fehlender Gliedmaßen noch anmutig im Gegenlicht posieren kann (man kann auch mit nur einer Hand eine Flagge hochhalten!), dann greife ich schon mal entnervt zur Fernbedienung. Wenn solche Filme den Anti-Kriegs-Gestus gar zum Thema machen (siehe DER SOLDAT MEG RYAN), dann treibt es mich schier die Wände hoch! Das Medium Film ist ein voyeuristisches Medium, und natürlich kümmert sich jeder Regisseur um attraktive Einstellungen. Wo was kracht, da wird gelacht, und ich finde es immer wieder sehr bezeichnend, wenn mir Leute erzählen, daß sie von Spielbergs Anti-Kriegs-Eposse nur die ersten 20 Minuten mögen, da dort die Gülle quer durch die Küche fliegt. Da ich den Film nicht mag, gehöre ich wohl selber zu diesen verrohten Unholden...

Hätte Wim Diesel die Bühne des Kinos schon in den 80er Jahren betreten, hätte wirklich was aus ihm werden können. AMERICAN KICKBOX ARSCHBOMBE, SÖLDNER ROLLEN DURCH DIE WÜSTE und MIT DER STALINORGEL DURCH DIE PHILIPPINEN - der B-Film kurbelte ein billiges Kriegsfilmchen um das andere herunter, und immer ging es um bewährte Marshal-Aatz-Stars oder steroidgestählte Bodybuilding-Happen, die mit dicken Wummen herumliefen und den Frühling herbeisangen. Obwohl ich Kriegsfilme an sich total ablehne, habe ich nicht ohne Grund gleich zwei Artikel über Söldner-Streifen geschrieben, denn ich finde die Filme unwiderstehlich komisch in ihrer unbeabsichtigten Geißelung des kriegerischen Wahnsinns, der erwachsene Männer im Hormontaumel direktemang ins Verderben lockt. Vergnügliche Macho-Klischees, die von speckigen Hackfressen hervorgestoßen werden, die schwitzend versuchen, nicht gegen die ortsspezifische Flora zu laufen - das hat was, finde ich.

Lange Rede, kurzer Sinn: Da MGM jetzt einige Klassiker des Deppen-Kriegsfilmes neu herausgebracht hat (und das in sehr guter Qualität!), habe ich die Golan-Globus-Höhen bestiegen und mir DELTA FORCE angekuckt! Unglaublich, daß mir dieser tolle Film früher entgangen ist, denn es handelt sich bei ihm um die Apotheose des debilen Metzelkinos kriegerischer Art, gewürzt mit Message-Schlenkern und Schauspieler-Demütigungen der Güteklasse 1a! Ich bekam schon beim Lesen des sehr lustigen Buches von Christoph Dompke über alte Frauen in schlechten Filmen Lust darauf, das Versäumte nachzuholen, aber nach dieser Edel-Veröffentlichung kam ich endgültig nicht mehr um die Lektüre herum...

Es geht da um ein Flugzeug, das schon bald nach seinem Abheben in die Gewalt von exakt zwei arabischen Terroristen gerät. Der eine ist relativ bedächtig und professionell, der andere eine tickende Zeitbombe. Beide scheuen nicht den Tod und wollen irgendwas zweifellos Wichtiges mit dieser Aktion erreichen. Daß das Flugzeug auch einige Juden beherbergt, verdrießt die Wüstensöhne massiv. Daß ein großer Teil der Besatzung von ehemals berühmten Schauspielern gegeben wird, die ausnahmslos schon bessere Zeiten erlebt haben, stört sie aber nicht, und uns noch viel weniger! Auftritt Delta Force: Unter dem Einsatzkommando von Major Scott McCoy geht in Beirut nach erfolgter Landung so richtig die Luzie ab - der Libanon brodelt...

Tja, bei "Cannon fodder" von den Herren Golan und Globus war schon zu meinen Jugendzeiten größte Vorsicht geboten! Selbst bei ihren wenigen Renommier-Projekten (wie FOOL FOR LOVE von Robert Altman oder LOVE STREAMS von Cassavetes) handelte es sich selten um genießbare Ware. Viel eher überzeugten sie, wenn sie vollen Herzens in die Gülle griffen und z.B. mit MISSING IN ACTION den Mann mit dem Kartoffelgesicht förderten. Mit Chuck Norris verbindet mich eh seit langem eine Art Haßliebe: Spielen kann der Mann nicht für 10 Cent, aber wenn die Filme ordentlich gemacht sind (LONE WOLF MCQUADE) oder so stulle sind wie MISSING IN ACTION, dann packe ich den Magisterhut in die Vitrine, schaffe Knabbergebäck herbei und freue mir ein Loch in den Bauch...

Die erste Hälfte des über 2 Stunden dauernden Werkes besteht aus AIRPORT-gemäßer Exposition und ist natürlich die lustigere, denn bei den Leuten, die da vorgestellt werden, fällt der Vorhang gleich bei der ersten Einstellung. Da gibt es die üblichen debilen Geschäftsleute auf Vergnügungstrip, einen Priester (George Kennedy!) plus Nonnen, ein jüdisches Ehepaar, das einst dem KZ entrann (Martin Balsam und Shelley Winters!), drei junge Marines, eine schon leicht angewelkt aussehende Mami (Susan Strasberg!) mit Kind und etwa 120 andere Kanonen. Geflogen wird der Donnervogel vom ehemaligen Football-Star Bo Svenson - yippie!

Als palästinensischer Dämon überzeugt einmal mehr Robert Forster, der hier im Niemandsland zwischen seinem Erfolg als "Nakia, der Indianersheriff" und seinem gelungenen Comeback in JACKIE BROWN steckte. Ihm zur Seite steht ein namenloser Scherge, der mit seinem Filzbart und den rollenden Augen ausschaut, als könne er nicht über die Straße gehen, ohne "Allah töte sie alle!" zu brüllen. Ein Doppel, das viel verspricht und das auch einlöst...

Und wer ist die deutsche Stewardess Ingrid? HANNA SCHYGULLA! Genial!!! Sie spielt hier haargenau so wie in den Faßbinder-Filmen, und wie gruselig sich auch die anderen Schauspieler hier bekleckern, so kommt doch niemand so gnadenlos schlecht weg wie sie. Unglaublich ihr kurzer Nazi-Monolog ("Ich bin doch Deutsche... Die Lager!"), bei dem sie haltlos zu schluchzen anfängt. Das wäre mir auch passiert, wenn ich diese Rolle angenommen hätte. Überhaupt merkt man gewissermaßen, daß es sich bei den Produzenten um Israelis handelt, denn sämtliche Araber werden durch die Bank als gemeingefährliche Irre und als sadistische Killer gezeichnet. Wenn das Thema Holocaust aufgegriffen wird (bei dieser Sorte von Film eh keine besonders gute Idee!), dann geschieht das entweder so platt wie bei der deutschen Stewardess (die, nachdem sie mehrere Juden verraten hat, ausgerechnet von Robert Forster beschieden bekommt: "Sie sind eine tapfere Frau!") oder mit seifendurchtränktem Pathos (Balsam und die Winters). Die Winters bekommt mit ihrem launigen "Natürlich bin ich Jüdin - sieht man mir das nicht an?" einen Sonderpreis für den gelungensten Dialogsatz...

Ja, und nach etwa einer Stunde setzt sich die Maschine des Militärs in Bewegung! Angeführt wird sie von Haudegen Lee Marvin in seinem letzten Film. Und während mir die anderen Knallchargen kaum leidgetan haben, aber mit Lee Marvin darf man so etwas einfach nicht machen! Das ist unanständig... In Yves Boissets blutigem Neo-Noir DOG DAY hatte er noch eine ganz passable Rolle, aber sein Colonel in DELTA FORCE ist wirklich Laternenpfahl ganz unten. Chuck Norris hingegen sieht man als erstes, wie er in einer Bar sitzt und mit mißmutiger Miene den TV-Nachrichten lauscht, die von der Entführung berichten. Man weiß sofort, daß dieser Typ seit seinem letzten Einsatz dort in der Pinte hockt und auf einen neuen Auftrag wartet. Wenn er sich schließlich vom Barhocker erhebt, gibt es garantiert einen Ansaug-Plopp, aber das geschieht leider Off-Screen... Im Kampfeinsatz ist er hingegen voll in seinem Element: Er ballert mit Maschinenpistolen, Faustfeuerwaffen und Bazookas. Dazwischen äußert er Sätze wie "Ich habe noch eine Rechnung offen!" (In der Bar?) Bei seinem Showdown mit Obersau Forster darf er dann auch mal kurz seine Nahkampf-Künste auspacken. Das irritierte mich etwas, sind es doch in erster Linie sie und nicht sein mimisches Talent, die ihm den Weg bis in den "TV-Shop" geebnet haben... Aber nicht nur er hat lausige Dialogzeilen. Der psychopathische Gehilfe von Forster hat vielleicht den schönsten Moment, wenn er seinen amerikanischen Gefangenen eröffnet: "Eines Tages werde ich zum Weißen Haus fahren, mit einem LKW voll Sprengstoff, und - päng! - fliegt es in die Luft!" Darauf einer der Gefangenen: "Tun sie das nicht - das wäre glatter Selbstmord!"

Auch schön die begeisterte Anteilnahme der Flugzeugpassagiere: "Das sind unsere Jungs! Das sind Amerikaner! Es ist die Delta Force!!!" Am Schluß lassen sich die Passagiere kollektiv vollaufen und singen das schöne Lied "America The Beautiful".

Die Subtilität des Drehbuches wird voll und ganz gestützt von einem frühen Soundtrack von Alan Silvestri, dessen Heldenthema frappierend an die Musik von MEGAFORCE erinnert.

DELTA FORCE ist so dumm, der schwimmt sogar in Milch! 2 Stunden ungeschmälerten Vergnügens, von einer herzerfrischenden Naivität, wie sie mittlerweile selten geworden ist. Der Krieg hat tausend Gesichter, aber Chuck Norris hat nur eines...

P.S.: Robert Vaughn habe ich ganz vergessen, der spielt auch noch mit, als Pentagon-Kasper. Ja, der Vaughn. DIE GLORREICHEN 7, SOLO FÜR O.N.K.E.L., und dann schob sich das Kinn immer weiter über die Nase. Da warteten dann so schöne Filme auf ihn wie Claudio Lattanzis KILLING BIRDS oder Gérard Kikoines Edgar-Allan-Poe-Bearbeitung LOST GIRLS. (Ihr wißt schon, die Poe-Geschichte mit den Pornostars in dem Mädchenpensionat, wo die eine von dem Küchenquirl skalpiert wird...)
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Geschrieben 21. April 2004, 02:48

FeardotCom (DVD)

Das Internet hat die Menschheit bei den Eiern. Wenn es irgend einen Einfluß gibt, der sowohl Jung als auch Alt durch das emotionale Waschwasser steuert, das der Alltag bedeutet, dann sind es die Myriaden von Eindrücken, die durch Betätigung einiger weniger Tasten auf den Konsumenten einströmen. Menschen, die vorher völlig unbeutend gewesen sind, bekommen auf einmal eine ähnlich große Wichtigkeit wie der Amokfahrer, der das Leben von Unbeteiligten durch einen willkürlichen Akt der Zerstörung beeinflußt. Marcel Reich-Ranicki kann soviel schreiben, wie er will, doch der literarisch völlig unbeleckte Metzgergehilfe aus Bassum kann auf ein wesentlich größeres Forum hoffen, wenn er an der geeigneten Stelle verkündet, daß Rilke eine olle Schwiemelschwuchtel gewesen sei. Das Internet verleiht Macht. Das Internet schafft eine virtuelle Realität. Das Internet ersetzt den Freund in der Hose wie die vergilbenden Veilchen im Poesiealbum des eigenen Gefühlslebens.

Eigentlich recht eigenartig, daß bisher so wenige Horrorfilme mit direktem Internetbezug gemacht worden sind.

Das liegt vielleicht daran, daß die meisten ziemlich schwach sind. Die Asiaten waren bislang noch am Erfolgreichsten. Kiyoshi Kurosawas KAIRO (PULSE) war eine sehr hübsche Exkursion in die virtuellen Welten der Internetten wie der Toten. Auch der optisch sehr überladene, aber teilweise recht interessante (und sauspannende) ST. JOHN'S WORT hatte seine lichten Momente. Aus Hollywood gab es den unsäglich debilen BRAINSCAN (vom ansonsten einigermaßen verläßlichen John Flynn), aber ansonsten flimmerte und flackerte da nicht viel. In der Regel dient das weltweite Gewebe nur der effektheischerischen Anreicherung seichter Spannungsstories, ganz ähnlich der computeresken Mätzchen in James-Bond-Filmen und so fort. Ganz okay war MY LITTLE EYE (UNSICHTBARE AUGEN) vom Briten Marc Evans, der seine "Geht so"-"Big Brother"-Geschichte mit einem allerdings mal wirklich furchterregenden Internet-Ansatz verband, den ich wirklich unangenehm fand...

Ein neuer Versuch, der zunehmenden Einflußnahme des Rechners im Leben von uns allen Rechnung zu tragen, ist William Malones FEARDOTCOM. Ich erwartete ob der bislang gelesenen Kritiken eine komplette Katastrophe, muß aber dennoch einräumen, daß ich den Film zumindest passagenweise sehr spannend fand. Da habe ich schon bei weitem Schlechteres gesehen!

Es geht um einige unaufgeklärte Morde, die Detective Mike Reilly auf Trab halten. Bei der Untersuchung stellt sich heraus, daß eine obskure Seite namens "feardotcom.com" im Zusammenhang mit den Morden steht, wo sich eine wachsende Anzahl von Perversen einen Nervenkitzel erhofft bei der virtuellen Zerfleischung draller Mädels. Dieser Schnuff-Ansatz (den man deutlich wirkungsvoller gestaltet in MY LITTLE EYE erleben kann) läßt natürlich auch Mike und die befreundete Medizinerin Terry auf besagte Seite gehen. Da der Drehbuchautor auf japanische Horrorfilme steht, kann es nur 48 Stunden dauern, bis der Netz-Teufel zuschlägt und das Lebenslämpchen erlischt. Mike hat immerhin den Anhaltspunkt, daß ein ärztlicher Serienmörder mit dem sinnreichen Pseudonym "The Doctor" hinter den Vorgängen zu stecken scheint, aber ob er ihm noch früh genug auf die Schliche kommt...?

Ob uns das interessiert, liegt halt im Auge des Betrachters. Ich habe nur kompletten Bullshit erwartet und wurde recht angenehm von der Tatsache überrascht, daß ich die Protagonisten sympathisch fand. Das liegt zum Teil aber auch daran, daß der Bulle von Stephen Dorff (I SHOT ANDY WARHOL, CITY OF INDUSTRY, BLADE) gespielt wird und seine Freundin von der Britin Natascha McElhone (THE TRUMAN SHOW, RONIN, SOLARIS). Auch so muß man aber attestieren, daß zumindest die Charakterisierungen ohne störende Klischees gestaltet sind. Das gilt leider nicht für den Serienmörder, der von Neil Jordans verehrungswürdigem Hausinterpreten Stephen Rea gemimt wird, denn neben seinen pseudophilosophischen Gemeinplätzen hat der Bursche nicht viel zu bieten. Ansonsten gibt es ein unerwartetes Wiedersehen mit dem sehr guten Schauspieler Michael Sarrazin (in einer allerdings sinnlosen Nebenrolle), ein ebenso unerwartetes Wiedersehen mit Nigel Terry (dem König Artus aus EXCALIBUR, der hier mit dem Auto verunglückt) und ein nicht wirklich unerwartetes Wiedersehen mit Udo Kier, der nur im Prolog erscheint. Ach, und Jeffrey Combs schaut auch mal vorbei, als "hard-bitten" Stadtpolizist mit dem Herzen voll Groll und dem Glas voll Whiskey...

Bill Malone hat Anfang der 80er einen mäßigen SF-Horrorfilm namens SCARED TO DEATH gemacht, der von ALIEN beeinflußt war und mit SYNGENOR eine Fortsetzung bekam. In seinem SF-Horror CREATURE tummelte sich gar Klaus Kinski, aber ohne großen Effekt. Nach langen Jahren meldete er sich wieder in dem Silver-produzierten Castle-Remake HOUSE ON HAUNTED HILL, das einen netten Anfang, aber im weiteren Verlauf nur öden Unfug und ein computergeneriertes Schamhaar-Monster zu bieten hatte. Sein FEARDOTCOM quillt über vor Anleihen bei anderen Horrorfilmen. Der Drehbuchautor mag offensichtlich Italo-Horror, und so zitiert er Bavas OPERAZIONE PAURA und Argentos INFERNO. Aus dem asiatischen Raum fällt neben RING auch desselben Regisseurs DARK WATER als Inspirationsquelle auf. Besonders im zweiten Teil wird FEARDOTCOM ein fröhliches Zitate-Ragout, in das auch amerikanische Vorbilder mit einfließen. Ich persönlich konnte mit der visuellen Ästhetik rein gar nichts anfangen. Diese ständig bewegliche und attraktionshuberische MTV-Kamera, die nicht einmal in "ruhigen" Szenen innehält, ist wirklich nicht meine Welt. Man hat manchmal das Gefühl, in einer Low-Rent-Variante von SEVEN gelandet zu sein. Der Geschmackspegel war nicht sonderlich hoch, was auch bei den Beigaben der deutschen Ko-Produzenten auffällt, nämlich deutschen Gothic-Punks und dröhnender Rammstein-Mucke. (Das hat mich ja schon bei David Lynch sehr irritiert: Wirkt das auf angelsächsische Ohren irgendwie horribel? In Pornokreisen steht Deutschtum ja für fetischverhaftete Devianz, in erster Linie Sadomaso und Koprophilie. Ich verweise da nur auf den fast goethe'schen Schwulenpornotitel DOPPELFAUST...)

Anders als bei anderen neuen Horrorfilmen fühlte ich mich aber zumindest gut unterhalten, und wo der Drehbuchmokel klaut, klaut er zumindest gut. Originär ist der Film in keiner Sekunde, aber während mich Filme wie der ebenfalls beklaute THE CELL einfach nur anöden, hatte ich hier zumindest streckenweise mein Auskommen.

P.S.: Den ausführenden Produzenten Mark Damon - kenne ich den irgendwoher? :)

P.P.S.: Zum Vergleich: Russell Mulcahys SEVEN-Kopie RESURRECTION fand ich - abseits ihrer ziemlich derben Schockmomente - sehr mittelprächtig, und neben der unmotivierten Wackelkamera hatte man da auch noch Christophe Lambert auszustehen, und das hält doch nun wirklich keine Sau aus! :wall:
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Geschrieben 21. April 2004, 15:04

Ju-on 1 (DVD)
Ju-on 2 (DVD)

In kurzer Folge habe ich mir die beiden Videos angesehen, die als Vorskizze zu Takashi Shimizus JU-ON: THE GRUDGE dienten. Viel ist dazu nicht zu sagen. Es hat durchaus nicht geschadet, daß ich mit dem späteren Film angefangen habe, denn die Ereignisse sind auch so äußerst schwer durchschaubar. Das macht aber gar nichts, denn bei JU-ON kommt es sowieso mehr auf die szeneninterne Spannung an, und die ist auch bei den beiden "Vorläufern" beträchtlich. Insbesondere der erste Teil wartet mit einigen Szenen auf, die mir Angstschreie entlockt haben. Im Vergleich zu THE GRUDGE ist die Exposition des ersten Filmes eher noch bedächtiger und vorsichtiger. Der Aufbau entlädt sich aber in einigen echten Nervenhämmern. Teil 2 irritiert durch den Umstand, daß er die letzten zwei Episoden von Teil 1 fast komplett wiederholt. Dann schließt das neue Material an. Wahrscheinlich sind die beiden Videoproduktionen eh "back-to-back" gefilmt worden. Teil 2 endet gewissermaßen mit einem "Vorkucker" auf THE GRUDGE, dessen zweiten Teil ich kaum erwarten kann. Der TWIN PEAKS-Effekt hat bei mir eingesetzt...

Wer sich für den Regisseur Shimizu interessiert, kann hier ein Interview lesen.
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Geschrieben 23. April 2004, 02:51

Der Gejagte (DVD)

Wade Whitehouse (Nick Nolte) ist Sheriff in einem kleinen Kaff in New Hampshire, FARGO-County, an der Grenze zu Kanada. In dieser verschneiten Region ist der Hund begraben, und der Fortschritt bahnt sich nur langsam einen Weg durch die engen Vorstellungen. Wade hat eine Tochter, die er aber nur gelegentlich sehen darf, denn er lebt getrennt von seiner Frau. Sein Bruder (Willem Dafoe) praktiziert irgendwo als Historiker. Als ein reicher Urlauber bei einem Jagdausflug einen "Unfall" erleidet, wittert Wade Unrat: Er spürt eine Verschwörung, die von führenden Köpfen des Stadtrats ausgeht und seinen besten Freund Jack einbezieht. Je mehr Wade in den Fall eindringt und der Wahrheit auf die Spur kommt, umso klarer wird auch, daß er eigentlich seine eigenen Kindheitstraumata ausagiert und seine Natur.

"Adam raised a Cain" - Wades Vater (James Coburn) ist ein Alkoholiker und zeit seines Lebens ein Spielball seines explosiven Temperaments gewesen. Auch er war Gesetzeshüter und ein verdammt harter Knochen. Er hat seine fromme Frau herumgeschubst bis zum Gottserbarmen. Trotzdem wich sie niemals von seiner Seite - aus Pflichtgefühl und (vermutlich) aus Mitleid. Wade liebt seinen Vater und haßt ihn, ewig verfolgt von Angst und einem gewaltigen Gefühl von Schuld. Nick Nolte habe ich niemals besser gesehen als in diesem Film, wo sein angeknackster Brummbär von den Ereignissen richtig auseinandergenommen wird - da bleibt gar nichts mehr übrig. Er eifert seinem Daddy in fast allem nach, und meistens ahnt er es nicht einmal. Er ist hilflos im Angesicht seiner familiären Konditionierung, und auch seine Freundin (Sissy Spacek) muß diesen traurigen Unfug mitmachen.

Teilweise ist Paul Schraders Film fast ein Krimi, dann aber nimmt das Charakterdrama wieder überhand. Das auf Russell Banks´ Roman basierende Drehbuch ist hinreichend einfühlsam und geschickt, um Langeweile nicht aufkommen zu lassen. Es wird wuchtig in den Zuschauer hineingestanzt, daß dies ein Film über Männer ist, echtes "Männerkino", wie das bei Krimis so der Fall zu sein hat. Die Hauptfigur Wade Whitehouse bestreitet fast die gesamte Laufzeit und ist meilenweit entfernt von einem klassischen Helden. Viel eher ist er der tragischen Konzeption verhaftet und kann sich von seinen Ursprüngen nicht lösen, genausowenig wie sein Vater sich von seinen. (In einer Szene referiert James Coburn darüber, daß sein Daddy noch ein richtiger Mann gewesen sei, und die Frauen hätten ihn respektiert und gewußt, wo ihr Platz ist.) Die andauernd vorgetragene Härte und Unnahbarkeit wird sehr bald zur blutigen Charade - nur deshalb nicht grotesk, weil andere darunter zu leiden haben. Wer den reichen Geldsack umgenietet hat, gerät darüber fast zur Unscheinbarkeit...

Paul Schraders Film ist verbrecherischerweise als billige Kaufhaus-DVD erschienen. Ich habe sie für etwa 5 Euro erhalten. Die Bildquali ist so lala, aber für mich komplett ausreichend. Die Tonspur ist auch alles andere als Krügerrand, aber ebenfalls akzeptabel. Eine englische Tonspur gibt es auch. Von diesem Film hätte ich mir eine Super-Deluxe-Collector's-Edition gewünscht, denn es handelt sich für mich neben MISHIMA um den besten von Paul Schrader, dessen Werk ohnehin in faszinierender Weise hin und her gerissen ist zwischen Trivialkino (mit Männerbezug) und künstlerischen Ambitionen. In den meisten seiner Filme geht es um Moral in einer zutiefst unmoralischen Welt. AFFLICTION wirkt in seinem Oeuvre wie ein ungewöhnlich intimer und direkter Film, der einige Sachen angesprochen hat, die ihm sehr nahe zu liegen scheinen. Als Charakterdrama kriegt der Film von mir die Eins mit Sternchen...
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Geschrieben 26. April 2004, 16:52

Hier sollte eigentlich eine Review zu Irwin Allens DER TÖDLICHE SCHWARM stehen, aber kurz vor Beendigung des Textes hat sich ein Fenster geöffnet und alles war futsch... Habe jetzt keine Lust, alles noch mal aufzuschreiben. In Zukunft werde ich die Texte vorher in Word eintippen und dann übertragen. Immerhin möchte ich den großartigen Abspanntext vermerken, welcher da lautet:

"The African killer bee portayed in this film bears absolutely no relationship to the industrious, hard-working American honey bee to which we are indebted for pollinating vital crops that feed our nation."

Ähnlich gaga ist der ganze Film! :)
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