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Kitanos Regenschirme - Filmforen.de - Seite 3

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Kitanos Regenschirme


503 Antworten in diesem Thema

#61 Bastro

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Geschrieben 07. Juli 2007, 06:58

House of Flying Daggers / Shi mian mai fu Zhang Yimou, China 2004


Sichtung, die dritte: es war mir nicht nach Experimenten, und ich wollte was mit action und mit Liebe. Da fiel die Wahl nicht schwer! Dieser Film ist kitschig, pathetisch, überladen (diese Musik!) und einfach nur geil. Takeshi Kaneshiro gibt noch zu Beginn den Hempel vom Hongkong-Kino und wird von Andy Lau an die Wand gespielt. Auftritt: Zhang Ziyi. Heilandsack! Jetzt geht's los. Es folgt eine tolle Liebesgeschichte, gespickt in regelmäßigen Abständen mit furiosen Actionszenen - und ganz zum Schluß, als sich das Pathos im Tod ertränkt, da kommt der Schnee. Und für Minuten wird aus dem Film ein Chambara-Streifen. Wow. So muß eine Großproduktion sein.

8/10

Bearbeitet von deadpointer, 07. Juli 2007, 07:00.


#62 Bastro

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Geschrieben 10. Juli 2007, 08:38

Invisible Waves Pen-Ek Ratanaruang, Thailand 2006

Nach Last Life in the Universe jetzt also der Neue des Wunderkindes aus Thailand. Und wieder ist Christopher Doyle an der Kamera, der dem ganzen Film sehr deutlich seinen Stempel aufdrückt. Die Ästhetik ist sehr ähnlich wie bei In the Mood for Love: schöne Menschen vor dreckigen, angesifften Hauswänden – damals alles in rot, jetzt ist der Film in grün getaucht. Es herrscht eine geradezu tropische Atmosphäre in diesem… –ja fast schon ist es ein Gangsterthriller. Aber eben ein Arthaus-Thriller mit statischer Kamera, ganz langsamen Fahrten, Großaufnahmen und stilisierten Bildausschnitten. Um was es eigentlich geht, ist häufig am Rand des Bildes wiederzufinden, oder wenn Tadanobu Asano durch’s Bild läuft, dann sieht man nur seine Füße, usw… Diese Art von Arthaus-Optik. Und manchmal hat dieser Wille zur Form auch etwas Maniriertes, geht es einem auf die Nerven, daß hier fast gewaltsam versucht wird, aus jeder Einstellung ein „originelles“ Bild zu machen. Denn in seiner Anhäufung wird das „besondere“ Bild eben gewöhnlich. Etwas weniger wäre da vielleicht mehr gewesen. Ansonsten hat der Film eine logischere Erzählstruktur als der Vorgänger, und auch mehr action. Wenn man hier von action spricht, dann ist das auch eher situationsbezogen, also: es ergeben sich brisante Konstellationen aus der Geschichte, die dann ins häufig wieder statische Bild gefroren werden. Aber es wird geschossen! Und geliebt. Aber es gibt natürlich keine Verfolgungsjagd und es hat auch nichts mit Die Hard zu tun.
Die häufig etwas enttäuscht scheinende Kritik, die vielerorts angeklungen war, kann ich jedoch nicht teilen. Ich halte den Film für sehr gelungen, plotwise für vielleicht sogar besser als Last Life. Und die Schauspieler sind erste Sahne. Sogar Eric Tsang spielt mit, hat aber eine vielvielviel zu kleine Rolle.
Der Score ist hervorragend, melancholisches Elektronikgeplänkel, das häufig das Innenleben der Personen veranschaulicht, und die „objektiven“ Alltagsgeräusche in den Hintergrund treten läßt.
Erwähnenswert ist noch der häufig surreale Charakter einzelner Filmabschnitte, etwa der auf dem Schiff: hier wähnt man sich beinah in Kafkas Heizer-Kapitel; und das tertium comparationis ist dabei die Überfahrt in die „neue Welt“.
Sehr gelungen, und für alle Pflicht, die auf ruhigere Filme stehen.

8/10

#63 Bastro

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Geschrieben 11. Juli 2007, 16:28

Chaos / Kaosu Hideo Nakata, Japan 2000

Diesen kleinen Thriller, den Nakata zwischen den Ringu-Teilen und Dark Water gedreht hat, habe ich bei der Erstsichtung vor etwa 2 Jahren überhaupt nicht verstanden. Zu komplex war die Story - ich konnte überhaupt nicht folgen. Jetzt allerdings, mit etwas Vorkenntnis ging's schon besser; und siehe da - der Film hat mir ziemlich gut gefallen. Obwohl er mehrere Haken schlägt, mit dem Doppelgänger-Motiv operiert und auch in den Zeitebenen wechselt schlägt er den Zuschauer in seinen Bann und hält das Spannungslevel konstant hoch. Bis zum Schluß ist überhaupt nicht klar, wie der Film zu einem Ende finden wird, und dann befriedigt auch dieses vollkommen. Gekonnt umschifft er die Klippen eines aufgesetzten Megatwists à la Hollywood - und zurück bleibt die Erkenntnis, daß eigentlich alle verloren haben.
Strukturiert wird der Film durch niederprasselnden Regen und erinnert dann auch so an den späteren Dark Water.
Der Film verlangt viel Aufmerksamkeit vom Zuschauer, die es sich aber lohnt, zu investieren. Auch bietet er genug Potential für mehrere Sichtungen.

7/10

#64 Bastro

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Geschrieben 12. Juli 2007, 17:30

The Good Sheperd / Der gute Hirte Robert de Niro, USA 2006

Vor der Sichtung des Films empfehle ich vorbereitende Lektüre zu den historischen Ereignissen, insbesondere zur Kuba-Krise. Ansonsten hängt der eigene Horizont den Ereignissen im Film manchmal etwas hinterher (war jedenfalls bei mir so). Ganz grob: Matt Damon, Yale-Musterschüler und Mitglied einer exklusiven Studenten-Verbindung, wird im 2. Weltkrieg vom Office of Strategic Irgendwas rekrutiert, deren führende Köpfe dann später zu Beginn des Kalten Kriegs den CIA aufbauen sollen. Edward (Damon) gerät immer mehr in einen Verschwörungs- und Paranoia-Thriller hinein, in dem er niemandem mehr trauen kann, und der ihn -längst entfremdet von seiner Familie- ständig den Kopf kosten kann.
Nach einer ziemlich langen und etwas drögen Anlaufphase, die mir den Film schon fast vergällt hatte, nahm der Film ab dem 2. Drittel Fahrt auf, nur um sich immer mehr zu steigern, bis er selbst ein eindrucksvolles Werk der Paranoiadarstellung wird.
Letzenendes kommt hinten großes Kino raus, auch wenn man häufig anderes liest (etwa bei OFDB). Der Film ist ziemlich lang, aber das macht nichts, wird er doch von seinen Schauspielern mehr als ausreichend getragen. Lediglich die Frauenfiguren bleiben blass: ihre Rollen sind klein, Angelina Jolie (ja! die ist sogar gut, man glaubt es kaum) ist die leidende Ehefrau, Martina Gedeck ist natürlich die Deutsche und stirbt auch schnell. Schade. Auch sehr überzogen ist das Burschenschaftsritual, bei dem der Geheimbund zur Satanistenverschwörung stilisiert wird.
Eigentlich geht es in diesem Film um das Alleinsein und die Einsamkeit. Wieder wird die Frage gestellt, auf was es eigentlich ankommt im Leben, wenn man niemanden mehr hat, mit dem man es verbringen kann.

Eine einzige Sichtung ist für diesen Film sicherlich zu wenig.

7/10

#65 Bastro

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Geschrieben 12. Juli 2007, 20:15

Postman Blues / Posutoman Burusu Sabu (Hiroyuki Tanaka), Japan 1997

Wir können von Glück sprechen, daß Sabu zu High School-Zeiten mit seiner Band überhaupt gar keinen Erfolg hatte; denn sonst wäre er wahrscheinlich nicht Schauspieler und der großartige Regisseur geworden, der er heute ist. Wenn hier jemand seine Platte hat (immerhin gibt es 500 Stück auf einem eigenen Label -DIY!), der nehme sie mir bitte auf.
Dieser - sein zweiter Film - hat noch den spröden Charme von Dangan Runner und ist gleichzeitig komplexer. Ein kurioser Turning Point löst den vorherigen ab, und hier im Frühwerk schafft er es noch, eine einheitliche Geschichte zu erzählen. Alle Fäden werden weitergesponnen, die Subplots verwebt und finden dann im Finale auch zusammen. Sehr schöne Komposition also. Und das Ende ist so gut, das gibt es gar nicht. Man könnte heulen...

Leider habe ich die WDR-Ausstrahlung gesehen, und die hat wieder mal eine unglaublich beschissene Synchro. Die hätte mir fast den ganzen Film versaut. Sollte man sich einfach nicht angucken sowas.

7/10

Bearbeitet von deadpointer, 12. Juli 2007, 20:16.


#66 Bastro

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Geschrieben 13. Juli 2007, 11:14

Jackie Brown Q. Tarantino , USA 1997


Die 5. Sichtung. Für mich ein echter Klassiker der 90er und mit Abstand Tarantinos bester Film.


9/10

#67 Bastro

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Geschrieben 16. Juli 2007, 20:16

Tokyo Zombie Sakichi Sato, Japan 2005

Erwartet habe ich einen abgedreht beknackten Zombiefilm, und bekommen habe ich einen mitfühlend zarten Film über Freundschaft in einer beknackten Welt.
Wer hätte das gedacht: herb-heftig lustige Stellen mit bescheuert-gewalttätigem Anteil wechseln mit Momenten aufrichtig menschlichen Darstellerkinos. Man muß es sehen, um es zu glauben. So was können nur Japaner; da sind die allen so weit voraus! Dazu gesellt sich noch ein ausgezeichneter Score, der an vielen Stellen die Handlung bricht. Toll.
Satô ist ja auch ein Tausendsassa: als Schauspieler in Memories of Matsuko, Ichi the Killer, Bright Future und Gozu, das Script hat er auch zu etlichen guten Filmen geschrieben (etwa Ichi) und jetzt führt er auch noch sehr gelungen Regie.
Mit Tadanobu Asano, den ich eben noch im Arthaus-Drama Invisible Waves gesehen hab! Auch so etwas,… das gibt’s nur in Japan!

7/10

#68 Bastro

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Geschrieben 17. Juli 2007, 12:29

Domino Tony Scott, Fr/USA 2005


Angeregt durch Sabotages Kritik zu Domino hab ich mir gestern den Film auch mal angesehen, und muß sagen - ich hätte es besser gelassen. Gerade was Style over Substance angeht muß ich da wiedersprechen: die Handlungsführung finde ich wirr, unglaubwürdig, teilweise abstrus. Dazu kommt Frau Knightleys permanentes supertoughes Geschwalle, man hält es ja kaum aus. Aber daß sie ihren Goldfisch liebt, das sieht man deutlich... und die Mama hat sie letztendlich auch doll lieb. Dann ist ja alles gut.
Die teilweise tollen durchgestylten und superkünstlich-ästhetischen Bilder werden durch die Montage - ein echtes Schnittgewitter - durch permanentes Anhäufen ertränkt. maX würde vielleicht von einem "optischen Film" sprechen, und damit wäre dann das positivste Element noch betont. An Substance gibt's nämlich nett ville. Aber -kann man einwenden- wer will bei so einem Film schon Inhalt? Ja, ICH halt. Trotzdem.

3/10

#69 Bastro

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Geschrieben 20. Juli 2007, 21:19

Eine Komödie im Mai Louis Malle, Frankreich/Italien 1989


Federleicht inszenierte Komödie vor dem Mai 68 – Hintergrund in Paris. Anlässlich des Todes der (Groß-)Mutter trifft sich die Familie zum ersten Mal seit langem wieder zur Beerdigung und zur Aufteilung des Erbes.
Erzählt wird die Geschichte mit schwarzem Humor und einem libertin-erotischen Flair, das zwischen Männerphantasie und freier 68er-Liebe pendelt (hervorgerufen durch übermäßigen Alkoholgenuß und Marihuana). Der wehmutige Rückblick auf die Kindheit und die melancholische Unzufriedenheit mit dem Erwachsensein schlägt um in eine Übermütigkeit, in der sich auch so mancher Beziehungskrach in einem handfesten Ernst entladen kann. Im Zentrum steht Michel Piccoli, der Haus und Gut verwaltet, und eigentlich so recht noch nie was gearbeitet hat. Und doch scheint er derjenige mit dem erfülltesten Leben zu sein.

7/10

#70 Bastro

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Geschrieben 21. Juli 2007, 10:18

Horror Express Eugenio Martin, Spanien/Großbritannien 1973


Durch Funxtons FTB-Beitrag angeregt, hab ich mir diese Scheibe besorgt, und ich gebe zu, daß mir auch ein wenig mulmig dabei war. Ob mir dieser zwischen Trash und Chic changierende Horror-Thriller wohl gefallen würde?
Und siehe da: die nächtliche Sichtung war ein tolles, intensives Erlebnis: ein abstruser Plot über ein Urzeitgerippe, das sich mordend durch einen Zug bewegt und zudem noch eine Kreatur aus dem All - also ein Alien - ist, trifft auf die beiden Grandseigneurs des 70er Jahre Horrors: Cushing und Lee (damit hatte es nicht gerechnet); und Telly Savalas als Kosake ist auch ganz ausgezeichnet.
Am Beeindruckendsten ist sicherlich die unglaublich dichte Atmosphäre in diesem klaustrophobischen Zug, ein Hoch auf die Ausstattung! Da stimmt wirklich alles, in diesen Zugabreilen vergangener Tage (zumindest stelle ich mir das so vor). Bis hin zu dem geschliffenen Glas in den Abteiltüren, Wahnsinn. Eine ordentliche Packung Tiefschläge gibt es auch: die Schädel- und Augen"operationen" sind nicht von schlechten Eltern; für die Ekelfreuden ist gesorgt.
Insgesamt ist vor allem noch die permanent spannende Handlung hervorzuheben; der Film hat überhaupt keine Längen, aber dafür sehr gut gesetzte ruhigere Phasen. An einigen Stellen bedient er die Genrestereotypen dann wieder so stark, daß ich mal schwer annehme, daß hier eher eine metamäßige comic relief-Absicht dahintersteckt als Unfähigkeit. Der Film ist von vorne bis hinten ausgereift, die Fehler und Absurditäten liebenswert.
Unbedingt anschauen!

7/10

#71 Bastro

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Geschrieben 22. Juli 2007, 08:47

Das Apartment Billy Wilder, USA 1961


Bud Baxter fällt die Karriereleiter hinauf, da er allen seinen Vorgesetzten (unfreiwillig) den Schlüssel zu seinem Apartment gibt (leihen muß). Diese benutzen es als geheimes Rendezvous-Liebesnest, was zur Folge hat, daß er abends oft im Regen steht, bis die Herrschaften endlich zu Potte gekommen sind. Als er krank wird spitzt sich die Lage zu; und als //Spoiler: das hübsche Liftgirl, in das er selbst sich verguckt hat, was mit seinem Chef hat, da muß er endlich mal Selbstbewußtsein zeigen.

Billy Wilders Screwball-Komödie ist das, was man von ihr erwartet: gute Unterhaltung vor ernstem Hintergrund. Man kann also nach Bedarf etwas Gesellschaftskritik mitlesen, etwa ein Statement gegen sexuelle Ausbeutung. Insofern ist der Film seiner Zeit wahrscheinlich auch ein bißchen ein Stachel im Fleisch gewesen, allerdings läßt der heitere Komödienton dies alles...eben zur Komödie verblassen. Hier entsteht kein Leidensdruck beim Zuschauer. Auch der Selbstmordversuch geht dann ja Dank unserers Tors und selbstlosen Retters glimpflich aus. Sehr schön auch die Szene, in der sich Sheldrake von einem Schwarzen hinterm Schreibtisch die Schuhe putzen läßt.

Naja, teilweise sehr lustig dank Jack Lemmon, der die übliche Rolle spielt, aber alles in allem.... warum hat der eigentlich 5 Oscars bekommen?...Hm.

6/10

#72 Bastro

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Geschrieben 22. Juli 2007, 09:54

Seven Samurai / Shichinin no samurai Akira Kurosawa, Japan 1954


Wenn am Ende, nach gut 3h 20min, alles während des finalen Kampfes im Schlamm versinkt, der Regen herunterströmt wie bei einem Weltuntergang und die Kämpfer knietief durch den Dreck waten, dann geht einer der größten und beeindruckendsten Filme der Filmgeschichte zuende.
Im Schlußbild zeigt sich dann, daß sie doch nur Verlierer waren, und weiterziehen werden als Ronin, die versuchen können ein lauteres Leben zu leben in einer Welt, die außer Mitmenschlichkeit und etwas Liebe kaum gute Seiten kennt.
Vorbei sind über 3 Stunden purer Filmgenuß - für den der sich Zeit nimmt, der sich ohne Hektik hinhockt, sich Zeit läßt mit dem Film. Wer nicht permanent auf action wartet, die es aber entgegen häufiger Meinungen auch in den ersten beiden Dritteln gibt.
Jetzt, bei meiner zweiten Sichtung, konnte ich den Film viel besser wahrnehmen: ich war vorbereitet auf die Länge, auf die herrliche Komik (der Film ist unglaublich humorvoll!), auf das, was in diesem Film wichtig ist: die Figuren. Und eigentlich geht es hier nicht um Swordplay oder sowas, sondern um Menschlichkeit. In epischem Ausmaß.
Und dann gibt es immer wieder Kämpfe, die einem die Schuhe ausziehen. Und Tragik, und Schicksale. Und keine billige einfachen Wahrheiten- denn alle Figuren sind gebrochen, haben eine Komplexität an sich, die Samurai, die Dorfbewohner, die Diebe - hier gibt es keine einfachen gut/böse Schubladen. Und das ist soooo toll!

Besorg dir die richtige (d.h. lange) Version. Nimm dir Zeit. Schau den Film. Danach wirst du verwandelt sein.

10/10

#73 Bastro

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Geschrieben 23. Juli 2007, 16:44

The Laramie Project Moisés Kaufman, USA 2002


Im Jahr 1998 wird ein schwuler Student von zwei Jugendlichen nachts am Rande der Kleinstadt Laramie, Wyoming, an einen Zaun gefesselt, mißbraucht und ins Koma geschlagen. Der Skandal wuchs sich durch die Medien landesweit aus, wobei die Bevölkerung besonders dadurch geschockt war, daß die zwei Täter aus dem eigenen Ort kamen, und nicht von außerhalb. Ein Theaterregisseur macht sich mit seiner Truppe auf um Doku-Material zu sammeln, vor allem Interviews der Einwohner Laramies, um daraus ein Theaterstück zu machen. (Das es tatsächlich auch gibt). Hier haben wir also eine schöne Meta-Ebene im Film, ganz im Stile einer Fake-Documentary, wobei die inszenierte Realität wohl der ehemals tasächlichen ähnelt. Die beiden Stars im Film sind Christina Ricci und Steve Buscemi, die beide kleine Rollen spielen, und sich in das Sprachengewirr eingliedern.
Heraus kommt ein bedrückend beschämender Film, da die Themen Schwulenfeindlichkeit, Rassismus usw. auch IN DEINER STADT aktuell sind, und die beiden Täter eben die guten jungs von nebenan sind. Aufwühlend und spannend montiert, begleitet von einer schönen Kameraarbeit, die oft die Weiten des Landes mit der Ortschaft kontrastiert, in der -obwohl es eine Universität gibt - die Zeit stehen geblieben scheint. Und fast immer gelingt es dem Film, trotz mancher Stereotype (aber so sind halt die Menschen: unoriginell), ohne Zeigefinger auszukommen. Der Mensch entlarvt sich selbst.

7/10

#74 Bastro

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Geschrieben 23. Juli 2007, 22:41

Mr. Sokrates Jin-won Choi, Südkorea 2005


Beknackte, anspruchslose Teenie-Gangsterkomödie, die sich ausschließlich mit der Wiederholung von Genrestandards begnügt. Sehr schlimm ist die Schauspielerei der Hauptfigur, deren Wandlung vom Ganoven zum Polizisten einer Läuterung gleichen soll, die im Film aber nur doof behauptet wird; leider ist diese Wandlung dermaßen flach und unglaubwürdig begründet, sodaß man der Handlung halt folgt, aber jeden Glauben an sie verloren hat. Billigste Schiene.
Gegen Ende gesellt sich noch ein schlimmer reaktionärer Ton hinzu, so im Sinne das Gesetz ist das Gesetzt und das ist gut, bzw. willst du lieber als Dieb auf der falschen Seite oder als Polizist auf der guten sterben, usw. Da läuft einem der eine oder andere Schauer über den Rücken.
Vom Style her ist alles natürlich wieder koreamäßig völlig gelackt. Sogar die Gefängniszelle hat einen besseren Parkettboden als ich hier zuhause. Da geht man doch gern in den Knast! Kommst du mit?

3/10

Bearbeitet von deadpointer, 23. Juli 2007, 22:54.


#75 Bastro

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Geschrieben 07. August 2007, 11:21

L'Avventura / Das Abenteuer / Die mit der Liebe spielen M. Antonioni, It / Fr 1960

Eine Gruppe nicht mehr ganz so junger, aber dafür reicher Römer verlebt einen Nachmittag auf einem Boot vor Sizilien und legt an einem kleinen Eiland an. Dort verschwindet Anna, die bisherige Hauptperson, spurlos. Nun wechselt der Fokus zu Claudia (Monica Vitti), die von Annas Freund amourös bedrängt wird. Das ist eigentlich schon der Plot.

Die Kargheit der Handlung und das Verschwinden der Hauptperson verstört zunächst. Und man fühlt sich an Psycho erinnert, wenn sich dann die eigentliche Hauptperson (Claudia) erst später herauskristallisiert. Auch wird Annas Verschwinden nicht aufgeklärt.

Gefilmt in tollem s/w mit epischer Weite läßt sich der Film gesellschaftskritisch aus: die Charaktere scheinen alle vom Leben verwöhnt und irgendwie übersättigt. Arbeit scheint keine Notwendigkeit zu sein, wichtiger ist die Gestaltung der immergleichen Tage im Dunstkreis des sonnengesättigten Mittelmeers. Claudia ist die einzige, die mit ihrer -auch wenn sich das jetzt vielleicht schrecklich anhört- Menschlichkeit eine Perspektive aufzuzeigen vermag.
Mitgerissen hat es mich nicht, aber das wohlige Gefühl einen Klassiker gesehen zu haben, wirkt befriedigend auf's Gemüt wie zwei Gläser guten Rotweins.

7/10

#76 Bastro

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Geschrieben 08. August 2007, 08:52

Black Box BRD Andres Veiel, D 2001

Tolle Doku, die die Biographien von Alfred Herrhausen und Wolfgang Grams gegenüberstellt, und dabei einerseits den Menschen hinter der mittlerweile historisch gewordenen Symbolfigur darstellt. Andererseits beschreibt er auch ein Stück Geschichte der BRD, was dann doch oft fasziniert angesichts der "entpolitisierten Jugend" heutzutage. Wer erinnert sich nicht an die RAF-"Gesucht"-Plakate in der heimisch-örtlichen Sparkasse und hat sich gefragt, wo eigentlich deren Kinder im Geiste sind?! Die Herrhausen/Manager-Seite hat sich scheinbar deutlich im Bewußtsein durchgesetzt... Angereichert mit Super 8-Material und unzähligen Details überschreitet der Film öfter die Grenze (?) zwischen Doku und Spielfilm.
Im Bonusteil der DVD gibt es noch ein sehr informatives Interview über den langen und anstrengenden Produktionsprozeß mit dem sympathischen Regisseur. Veiel beschreibt auch seine eigene Erschütterung über die oftmals unvermuteten Parallelen in den Lebensläufen der beiden Protagonisten; insbesondere deren Tod, der sie in einem Moment totaler Einsamkeit erwischt hat.

9/10

#77 Bastro

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Geschrieben 09. August 2007, 18:50

I shot Andy Warhol Mary Harron, USA 1996

Die Feministin Valerie Solanas versucht ihr Manifest SCUM an den Mann, äh, bei einem Verlag unterzubringen. In diesem fordert sie das Ende der Unterdrückung, der Mann sei der Frau unterlegen, das y-Chromoson nur ein unvollständiges X-Chr. u.ä. Rabaukeninhalte. Als sie durch ihre penetrante Art immer häufiger zurückgewiesen wird, radikalisiert sich ihr Verhalten. Sie selbst stilisiert sich zur Underground-Schriftstellerin, natürlich unverstanden; und lebt obdachlos, auf andere angewiesen, prostituiert sich usw. Ihr "Manifest" ist eine wütende Attacke gegen die patriarchalische Gesellschaft, gleichzeitig aber drängt sie sich in Warhols Factory hinein, versucht diesen zu gewinnen für ein ähnlich rabaukenhaftes Theaterstück. Das kann nicht gut gehen, bis sie, nun völlig vereinzelt und allein, Andy Warhol erschießt.

Lili Taylor als Valerie hat einen undankbaren Part: sie spielt gut, aber diese Person ist alles andere ala sympathisch. Nach kurzer Zeit ging sie mir mit ihrem Herumgeschreie und Sprüchegeklopfe gewaltig auf die Nerven. Ein Manifest einer völlig unintellektuellen und unliterarischen Person...! Stephen Dorff als Tunte Candy Darling war für mich der Gewinner in diesem sehr anstrengenden und bemüht wirkenden Film. Gute Musik.

4/10

#78 Bastro

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Geschrieben 10. August 2007, 10:24

Fires on the Plain / Nobi Kon Ichikawa, Japan 1959


Der Film beginnt sehr stark: Soldat Tamura (Eiji Funakoshi) wird von seinem Vorgestzten ins Gesicht geschlagen und 5 Minuten ununterbrochen angebrüllt. Der tubekulosekranke Soldat erträgt die Demütigung, nur um mit etwas Essen und einer Handgranate erneut zum Lazarett geschickt zu werden. Dort solle er sich nicht wieder fortschicken lassen, denn mit seiner Krankheit sei er hier an der Front nicht zu gebrauchen. Sollte er erneut abgewiesen werden, dann soll er sich - ein letzter Dienst für die jap. Armee - selbst mit der Handgranate in die Luft sprengen....
So beginnt dieser s/w- Film, der 1945 auf den Philippinen spielt. Die Amis sind bereits gelandet, die japanische Armee nur noch ein zersprengter Haufen ausgezehrter Soldaten, mehr tot als lebendig. Es geht nur noch darum zu überleben, und dazu ist jedes Mittel recht: auch Kannibalismus.

Der Film erzählt vom Weg Tamuras zu einem (utopischen ?) Stützpunkt seiner Armee, von dem die Heimreise angetreten werden kann. Sein Weg gleicht einem Taumel in der Hitze, der Gefahr, den Bombenangriffen, den wahnsinnig gewordenen Soldaten ringsum, dem allgegenwärtigen Hunger.

Ichikawa findet eindrucksvolle Bilder und eine zerrüttete Narration spiegelt die Psyche der/des Soldaten. So sind es eher Stationen innerhalb eines Erzählrahmens, der abgeschritten wird als ein "Spielfilm". Der emotionale Zugang fällt naturgemäß schwer bei all dem Nihilismus, und manchmal kommt einem Tamura wie eine Hiob-Leidensgestalt vor, der mehr erträgt, als er tragen kann. Dennoch klagt er nicht, ist er ja eigentlich längst "schon tot" (Denis Johnson). Kriegsfilme dieser Art lassen vergleichbares aus Amerika aussehen wie war-porn, auch wenn diesem Film vorgeworfen wurde, er würde nur das individuelle Leiden des Japaners zeigen, nicht aber die Greueltaten der japanischen Armee. Man kann ja nicht immer alles zeigen...

Dieser Film ist sehr rauh und fern allen Heldenglanzes. Kein noch so doofer Waffennarr kann sich an irgendetwas aufgeilen. Im Kopf bleiben viele eindrucksvollen Bilder, der leere Blick durch den durchgelatschen Schuh etwa, dem die Sohle fehlt, das wahnsinnige Grinsen des blutverschmierten Kannibalen, der Regen, die ausgemergelten Körper.

Die Feuer auf den Ebenen, die die Farmer entzünden, symbolisieren die Sehnsucht Tamuras nach einer friedlichen ländlichen Alltagsidylle, die er nie wieder erleben wird. Denn schon zu Beginn des Filmes ist er kranker wandelnder Toter.
Eindrückliches Kino.


8/10

Bearbeitet von deadpointer, 10. August 2007, 10:27.


#79 Bastro

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Geschrieben 11. August 2007, 12:36

La Antena / The Aerial Esteban Sapir, Argentinien 2007


Das FFF-Programm kann mich dieses Jahr kaum hinter dem DVD-Gerät hervorlocken; aber ganz so leicht wollte ich es mir auch nicht machen: "also mal den stylischen Stummfilm Antena antesten!" war die Devise.
Und eigentlich ist das auch ganz gut gewesen, tolle Ausstattung, liebenswerte Ideen, wohl sehr aufwendig in der Produktion. Viele Zitate für das anschließende Rätselraten im Freundeskreis.
Dennoch schien mir der Film schlicht zu lang geraten zu sein (bei 90 min Spielzeit!), mein Sitzfleisch wurde schon sehr beansprucht, und den Plot fand ich auch nicht immer einleuchtend. Auch die Umsetzung mit den (real existierenden) Wörtern folgt vermutlich nicht immer den Gesetzen der Filmlogik. Und wenn das Kind zum Ende eine Erlöserfigur darstellt, dann ist das schon etwas altbacken,.... Ganz zu schweigen von den Nazi-Anspielungen...


5/10

#80 Bastro

    * peng *

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Geschrieben 13. August 2007, 16:30

The Proposition John Hillcoat, Australien / GB 2005

Ein wirklich dreckiges Stück Film.
Die Gebrüder Burns rauben, morden, vergewaltigen. Captain Stanley hat es sich zum Ziel gesetzt, dem ein Ende zu setzen. Nach einer unglaublich heftigen Schießerei nimmt er die beiden jüngeren Brüder gefangen, und macht ihnen ein Angebot, das sie nicht ablehnen können. Eine Erpressung mit Folgen.
Brauntöne bestimmen die Bilder, flirrende Hitze und überall Fliegen. Wenn man sich wäscht, dann nur, um Blut abzuwaschen, das einem in den Hosenbund rinnt.
Dazu ein wunderbarer Soundtrack von Nick Cave, der pulsierend elegisch die sonnenverbrannten Bilder unterstützt.
So muß die Hölle aussehen.
Kein Heroismus, nirgends.

10/10

#81 Bastro

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Geschrieben 13. August 2007, 22:20

Broken Flowers Jim Jarmusch, Fr / USA 2005


Bill Murray guckt in diesem Film 1,5h lang wie ein Auto. Ein leerer Blick, desinteressiert an der Welt, er habe sein Leben schon gelebt, sagt er an einer Stelle. Was in Lost in Translation (wo er ähnlich guckt) gut funktioniert, da er die japanische Kultur nicht versteht und ihm alles fremd ist, funktioniert hier für mich nicht: an die Stelle des Verlorenseins trit... ja ... eigentlich ein großes Nichts, ein Aneinanderreihung eines verloren-sinnlosen Allltags. Der ehemals erolgreiche Geschäftsmann und Schürzenjäger vereinsamt in der Rente. Sorry, das geschieht dir zu recht. Zu diesem Mann kann ich keine Sympathie aufbauen, denn dieser Film ist KEINE LOSER-BALLADE. Da braucht man ihn gar nicht hindefinieren. Das wäre geschönt.

Daß er sich dann doch irgendwann für seinen Sohn interessiert und die Erkenntnis findet, man müsse jeden Tag leben, denn das Jetzt sei das einzige, was man habe (die Vergangenheit sei weg, die Zukunft noch nicht da und ungewiss), ist dermaßen ein Allgemeinplatz, daß diese billige Moral einem nur sauer aufstoßen kann.
Daß die Geschichte letztlich offen bleibt, kann man Jarmusch als "Autorenfilmer"-Qualität anrechnen, aber eines ist sicher: dein Jogging-Anzug ist häßlicher als meiner!

4/10

#82 Bastro

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Geschrieben 14. August 2007, 20:56

We feed the World Erwin Wagenhofer, Österreich 2005


Die Tomate, die ich esse, kommt aus Südspanien. Wenn ich nach West-Afrika reise, dann ist das dieselbe Tomate, die ich dort auf dem Markt kaufen kann. Das Soja und der Mais, den die Masttierhaltung in Deutschland resp. Europa benötigt, der kommt aus Brasilien, von dort wo mal der Urwald stand. Die Fische vor der Küste Nord-Frankreichs kommen fangfrisch nur von kleinen Kuttern, der Fisch, den ich esse, das ist der Rattenfisch, von dem die Fischer sagen, der sei nur zum Verkauf, aber nicht zum selbst essen.
Alles interessant bis schockierend, bisweilen wünscht man sich weniger breit gestreute Information, sondern mehr Tiefe. Wenn das Thema spannend wird, dann kommt auch schon das nächste. Leider. Oder man hätte die Doku doppelt so lange machen müssen. So wird sie den Themen leider nur in Ansätzen gerecht. Dennoch sehenswert.

6/10

#83 Bastro

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Geschrieben 16. August 2007, 09:22

Retribution / Sakebi Kiyoshi Kurosawa, Japan 2006


Der Abschlußfilm des FFFs in Köln war von einem meiner asiatischen Lieblingsregisseure, also mußte ich da hin. Was sich auch durchaus als lohnend herausgestellt hat. Es geht um einen Cop (Koji Yakusho), der erst einen, dann mehrere Morde, aufklären muß. Sich wiederholende Motive deuten auf einen Serienmörder hin, wobei wir in der ersten Einstellung bereits ihn selbst als Mörder der Frau gesehen haben. Diese tote Frau kehrt dann als haunting ghost wieder und in der Folge wird alles immer komplizierter. Das Drehbuch schlägt daraufhin mehrere Haken, was zunächst interessant ist, dann aber irgendwann bei der Fülle der Themen überladen wirkt, letztlich dann leider sogar beliebig.
Die Idee der zurückkehrenden Toten als Geist, der dem Täter sogar vergibt, ist zwar (für mich) neu, aber die Verknüpfung etwa mit der Asyl-Geschichte und diese unglaublich lächerlichen Episoden mit dem Psychologen verhunzen etwas den Film. Ansonsten ist es ein typischer Kurosawa-Film: ein Genre-Mix aus Polizeithriller und Geistergeschichte. Und auch die Bilder sind vorzüglich, der Ton ebenso. Lange Phasen kompletter Stille bauen enorm Spannung auf. Sehr schön war bei dieser Sichtung, daß das Publikum äußerst diszipliniert war (vgl. Cjamangos FTB-Eintrag), und keinen Mucks von sich gegeben hat.
Nun also, Durchschnitt würd ich sagen, aber jetzt muß uns der Mann mit seinem nächsten Film mal was Neues bieten.

6/10

#84 Bastro

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Geschrieben 16. August 2007, 21:44

Love and Honor / Bushi no ichibun Yôji Yamada, Japan 2006


Nach The Twilight Samurai und The Hidden Blade, die mir beide vorzuglich gefallen hatten, schiebt Yamada nun den dritten Teil seiner Samurai-Trilogie nach.
Wieder steht ein Samurai niederen Ranges im Fokus, wieder ist der Film ein Soziel-, besser ein Familiendrama. Shinnojo Mimura ist Vorkoster am Hof seines Clan-Chefs, ein Ritual aus vergangener Zeit. Die Samurai bewerten diese Handlung als reine Formsache und keiner macht sich Gedanken ob der Risiken bei einer tatsächlichen Vergiftung. Ansonsten führt Mimura ein ruhiges Leben mit seiner hübschen Frau und seinem Diener. Doch eines Tages kostet er verdorbenen Fisch, und nach langer Krankheit überlebt er. Jedoch hat er sein Augenlicht verloren und damit kann er seinen Status als Samurai eigentlich nicht mehr halten. Die sowieso schon nicht gerade reiche Familie sieht sich in ihrer Existenz bedroht, ganz zu schweigen vom Ehrverlust für Mimura. Da spricht seine Frau beim mächtigen Toya Shimada vor, damit er ein gutes Wort beim Clanführer einlege, und dieser ist natürlich ein übler Schurke...Das Drama nimmt seinen Lauf.
Ein Drama kleiner Leute. Mit viel Gefühl inszeniert, immens spannend wegen der familiären Konflikte, und als man denkt, dies sei nun wirklich der erste Samurai-Film, in dem man nicht mal ein Schwert sieht, da kommt es doch noch zu einem fulminanten Duell.
Ein großartiger Abschluß dieses Projektes, und man wünscht sich, daß Yamada doch noch einen weiteren Teil zu diesem wunderbaren Gesellschaftsportrait hinzufügt.


9/10

#85 Bastro

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Geschrieben 21. August 2007, 10:05

Local Hero (GB, 1983) von Bill Forsyth ist ein ökologisches Polithumordrama, in dem ein amerikanischer Ölbonze ein kleines schottisches Dorf mitsamt Küste aufkaufen und in eine Raffinierie umkatastrophieren möchte. Nun steht dem nicht etwa ökologisches Denken der Einheimischen oder die Liebe zur Heimat im Wege, sondern eher der zu erwirtschaftende Preis. Forsyth unterläuft geschickt die banal-offensichtlichen Methoden des herkömmlichen Ökothrillers, und schafft so Raum für einen leisen Humor, der der Landschaft angemessen erscheint. Als dann Mr. Harper, der Amerikaner, mit dem Hubschrauber einfliegt und diese Landschaft selbst sieht, rührt diese an sein Herz, usw usf... Leider konnte dieser Film mich nicht so richtig begeistern und auch der Humor ist etwas einfach und gehört in den Bereich "Schmunzeln am Nachmittag". 5/10
Swimming Pool (Fr 2003) von Francois Ozon ist ein Erotikthriller mit der biederen Schriftstellerin Charlotte Rampling und dem Counterpart Ludivigne Sagnier als junge Lolita, die mit ihrer offenen Sexualität und Lebenslust die ältere Frau provoziert. Austragungsort ist das Ferienhaus in Südfrankreich und vor allem dessen Swimming Pool, an dem sich so manche Erotik vollzieht. Die Story, die sich aus dem Personendrama in einen Thriller wandelt, ist etwas dünn, und man ist schon erstaunt, wie ausgiebig Ozon die Kamera über Frau Sagniers Busen kreisen läßt. Ein Busen-Porno für den Sonntagnachmittag, wenn das Freibad zu weit weg ist. 5/10
Next Door / Naboer (DK, Norwegen, Schweden 2005) von Pal Sletaune hingegen ist ein kurzweiliges Psychothrillerchen das nah an der Schmerzgrenze rangiert. Ist der Hauptdarsteller sehr überzeugend, so mangelt es den beiden weiblichen "Vamps", die ihn in ihr Netz ziehen, deutlich an komplexerer Darstellerfähigkeiten. Bitte grinsen sie breit und erotisch, so muß wohl die häufigste Anweisung gelautet haben. Allerdings gelingt dann doch einmal ein faszinierender Moment, in dem Gewalt und Sex gekoppelt werden. Schlimm, daß der Film eigentlich nur in diesem Moment funktioniert. Zum Schluß, da gibbet noch einen enttäuschenden Twist, den man sich besser gespart hätte und der alles kaputt macht. Nun ja. 3/10

#86 Bastro

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Geschrieben 21. August 2007, 23:36

Der Pirat von Shantung / The Boxer from Shantung Chang Cheh, HK 1971/72


Gedreht in meinem Geburtsjahr- da kann ja nur ein furioser Streifen bei herauskommen! Dieser Martial Arts-Streifen zeigte damals die blutigsten Kämpfe auf der Leinwand und war ein sehr großer Erfolg im Kino. Ein einsamer Jungspund vom Lande kommt nach Shanghai um dort sein Glück zu machen; und gerät mitten hinein in die Kämpfe verfeindeter Banden. Auch entdeckt er die Macht dank seiner Kampfkunst, die er aber nicht mißbrauchen möchte. Dennoch: arm will er nicht mehr sein, und anstatt die verarmten Händler durch Schutzgelderpressung zu ruinieren, da pfuscht er lieber den großen ins Handwerk. Und letztendlich kulminiert das Spektakel in einem etwa 20minütigen, extrem blutigen Showdown in einem Teehaus. Trotz der über 2stündigen Laufzeit eine sehr kurzweilige Unterhaltungseinheit mit nur kleineren Längen...In Insider-Kreisen wohl ein Klassiker, für mich ein weiterer sehr guter Shaw Brothers-Film.

7/10

Bearbeitet von deadpointer, 21. August 2007, 23:37.


#87 Bastro

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Geschrieben 23. August 2007, 11:53

Sarkar Ram Gopal Varma, Indien 2005


Nach einem 4gängigen indischen Essen mußte man den Abend auch mit einem indischen Filmdessert beschließen. Überhaupt erst mein zweiter Bollywood (In guten wie in schweren Tagen mußte ich abbrechen - ich bin kein Masochist!) konnte dieser mich auch gut unterhalten. Angelehnt an Coppolas Pate spielt Amitabh Bachchan einen Gangsterboss, der sich um die Sorgen und Nöte der armen, gebeutelten Mitmenschen kümmert. Gleichzeitig allerdings hat er es mit dunklen Machenschaften (wie?) zum mächtigsten Mann in Bombay gebracht. Nun kehrt sein Sohn aus Amerika zurück und bringt seine neue Flamme mit. Sein Bruder, Filmproduzent verheiratet mit Kind, scharwenzelt hinter einer Actrice her und muß sich eines Konkurrenten erwehren. Der Hauptplot aber ist, daß ein geheimes Syndikat den Drogenhandel in Bombay übernehmen will, und sich bei Sarkar -ob seiner großen Macht- die Erlaubnis holen muß. Dieser verwehrt es ihnen (Moral Moral), und muß fortan um sein Leben bangen.
Ein Bollywood-Film ohne Tänze und Gesänge, ein düsterer Gangsterplot. Viel Schatten, saturierte Farben und Weichzeichnereffekte. Schöne Menschen allenthalben und gute Schauspieler. Dennoch: mit dem Paten kann dieser Film niemals mithalten. Mehrere offensichtliche Logiklöcher sabotieren zudem die Stimmigkeit der Erzählung. Auch ist der Film nach 2/3 Spielzeit ziemlich behäbig. Hier hätte man straighter auf den Schluß zumarschieren können, und diesen durchaus noch mehr ausschlachten können. Der Showdown ist fast etwas beiläufig und verschenkt.
Dennoch: eine durchaus lohnende Abendunterhaltung, der meine Meinung Richtung Indien erstmal positiv beeinflusst hat.


6/10

#88 Bastro

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Geschrieben 27. August 2007, 21:28

The Raven - Duell der Zauberer Roger Corman, USA 1963


Sehr unterhalsame "Horror"-Komödie mit Vincent Price, Peter Lorre und Boris Karloff. Die drei Zauberer berivalisieren sich aus unterschiedlichen Gründen: Craven (Price) will seine Frau Lenore (Hazel uiuiui Court) zurück, die zu Scarabus (Karloff) übergelaufen ist. Bedlo (Lorre) will hauptsächlioch Wein, aber auch mehr Magiemacht. da kommt es zum großen Duell der Zauberer, und Jack Nicholson schaut zu von der Brüstung.
Die Ausstattung ist wieder äußerst gothisch, d. h. gothic, die Dekolletées sind sehr tief. Man weiß nicht, wo man hinschauen soll. Prices Overacting paßt hier ausgezeichnet, der den empfinsamen, verletzten und exaltierten Zaubersonderling mimt, mit lustigen Hütchen, Brokatjacken und hochgezogenen Augenbrauen. Der sehr unterstützende Score nervt leider auf Dauer. Schön, alles in allem.


7/10

#89 Bastro

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Geschrieben 28. August 2007, 10:06

Shinobi - Heart under Blade Ten Shimoyama, Japan 2005


Romeo & Julia zur Zeit des Tokugawa-Regimes. Ieyasu Tokugawa sieht sein befriedetes Land nur noch durch zwei im Wald lebende Ninja-Clans bedroht und beschließt -gerissen wie er ist- sie sich gegenseitig eleminieren zu lassen. Die 5 besten Kämpfer beider Clans sollen gegeneinander antreten. Nun haben sich natüüürlich die beiden besten Kämpfer Gennosuke und Oboro an einem sprudelnden Bächlein tief in die Augen geguckt,... was allerdings bei den Augen von Yukie Nakama fatale Folgen haben kann, das versteht ein jederMann.
Was folgt ist ein pathetisches Martial-Arts-Fantasy-Märchen, das leider weder in der Figurenzeichnung überzeugen kann, noch in den Kampfszenen. Zwar sind diese fast alle als Duelle angelegt, bei denen die Kontrahenten ihre besonderen Fähigkeiten zur Schau stellen können (den Absurditäten sind keine Grenzen gesetzt), doch ist das alles sehr konsumierbar: kein Blut, kein Leid, und ästhetisch völlig verfremdet. Das liegt wohl auch an der Vorlage, ein Manga, das sich aber aus einem literarischen Erzählungsband speist. Aber für die Computerjugend sieht das dann doch aus wie in einem Videospiel.
Sterben kann so schön sein!

Reines Unterhaltungskino, bei dem es nach dem Abspann halt zwei Stunden später geworden ist.


4/10

Bearbeitet von deadpointer, 28. August 2007, 10:07.


#90 Bastro

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Geschrieben 28. August 2007, 22:48

Bully Larry Clark, Fr/USA 2001


Marty leidet schon so lange er sich erinnern kann unter seinem besten Freund Bobby. Dieser drängt ihn dazu, Drogen zu nehmen und sich zu prostituieren, er schlägt und beleidigt ihn permanent. Als Marty Lisa kennenlernt, und diese ungewollt schwanger wird, flippt er zunächst völlig aus, sieht aber auch, daß sich hier ein Ausweg bieten könnte, die Chance auf ein neues, anderes Leben jenseits von Bobby. Jener hatte kurz zuvor Lisa vergewaltigt, danach deren Freundin Ali.
Die terrorisierten Jugendlichen, die im Drogenrausch durch den Tag driften, planen, sich zu wehren...

Anscheinend nach einer "wahren Begebenheit" gefilmt (welcher Film ist das nicht?), zeigt Larry Clark wieder einmal, daß hinter dem schönen Vorstadthäuschen das Herz der Finsternis lauert, daß das geputzte, ordentliche Amerika nur eine vorgetäuschte Fassade ist. Die Jugend treibt ziellos durch den Tag, und die Kamera begleitet sie, tastet die Körper ab, mal zärtlich, mal voyeuristisch, mal grausam sexuell. Oft schaut die Kamera genau dahin, wohin DU auch schauen würdest, aus den Augenwinkeln. Und gleichzeitig ist der Film sehr artifiziell, sehr stylisch, wozu auch der Hip-Hop Score beiträgt.

Ich halte diesen Film für gemäßigter als Ken Park, weniger riskierend (Kids und den neuen kenne ich nicht). Die Figuren waren etwas weiter weg, obwohl mich auch in diesem Film deren "Offenheit" und Präsenz beeindruckt. Ganz im Gegensatz zu vielen kritischen Meinungen denke ich nicht, daß Clark schockieren will. Ich glaube eher, daß er versöhnen will. Deswegen sind seine Filme, trotz ihrer Grausamkeiten, so zärtlich, die Figuren so nah. Wie seine Photos, die auch nichts ausstellen, sondern zärtlich beschreiben und so wegen ihrer herben Motive einen Kontrast aufbauen, der an die Nieren geht.

Die Photographie hat er vor Jahrzehnten schon revolutioniert, jetzt macht er dasselbe mit dem Film.

Fast so gut wie Ken Park.

8/10

Bearbeitet von deadpointer, 28. August 2007, 22:49.






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