Die Musik im Kopf: „When Silence Sings“
Wie könnte man die Arbeit eines Stummfilmkomponisten besser wiedergeben, als mit einem dokumentarischen (Beinahe-)Stummfilm, zu dem besagter Komponist die Musik selbst beisteuert? Irina Goldstein hat mit „When Silence Sings“ genau das gemacht. Während der ersten 20 Filmminuten montiert sie Szenen aus Stummfilmklassikern neben Konzertausschnitte, Eindrücke der Stadt Paris neben Noten, die von routinierter Hand aufgezeichnet werden, und zeigt zwischendrin immer wieder ihren Vater, Aljoscha Zimmermann, am Flügel, den Fernseher ständig im Blickfeld. Ständig begleitet von seiner Musik.
„Seine Kompositionen sind genau auf seine eigenen Hände zugeschnitten“, bemerkt Irina Goldstein später selbst im Gespräch mit ihrer Schwester Sabrina Zimmermann. „Oft klingen die Stücke, als würden sie vierhändig gespielt, so temperamentvoll und schnell ist er.“ Die Live-Mitschnitte von Auftritten – in Bonn, Berlin, Paris, Moskau – belegen das: Zimmermann liefert mehr als nur einen anonymen Soundtrack, er liefert die Atmosphäre gleich mit. Einmal, Fritz Langs „Metropolis“ soll aufgeführt werden, findet sich am Rand kein Platz mehr für das Schlagzeug, also platziert er es kurzerhand so, dass es ein wenig in die Leinwand hineinragt. „Das sieht doch wunderbar nach Metropolis aus“, sagt er.
Natürlich ist es ein liebevoller Blick, den Goldstein mit ihrem Film auf ihren Vater wirft, und ein wenig trüben diese wenigen, kurzen Gespräche unter Töchtern den ansonsten sehr objektiven Eindruck. Das Schöne daran: Goldstein wird nie sentimental, weiß immer, wann sie wieder zurück zum übergeordnetem Thema, der Stummfilmmusik, muss. Ein schnödes „How to“ oder „Making Of“ wird „When Silence Sings“ aber nie. Zimmermann verrät nur so viel: “Als allererstes – und das geht nur in meiner Fantasie – unterhalte ich mich mit dem Regisseur. Ich frage ihn ganz einfach nach seinen Vorstellungen von der Musik.“ Über 300 Stummfilmkompositionen hat Aljoscha Zimmermann seit 1988 verfasst – und viele Gespräche geführt.
When Silence Sings
Deutschland 2005
Buch und Regie: Irina Goldstein
Mit: Aljoscha Zimmermann, Hanna Zimmermann, Sabrina Zimmermann, Irina Goldstein,
Laufzeit: 93 Minuten
Noch kein Starttermin oder Verleih bekannt

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