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"All is full of Love..."

bekays Filmtagebuch




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Prinzessin (2006)



Das Spielfilmdebüt von Birgit Grosskopf ist eine kleine Offenbarung. Ein rätselhafter Film über eine deutsche Mädchen-Gang. Sie zieht zwischen Autobahnzubringer samt hässlichen Möbelhäusern am Rand, Industrieanlage und den Plattenbau umher. Namenlose Stadt. Trostlos wäre ein Euphemismus. Kulturlos klingt schon eher. Außerdem: Kriegsgebiet. Ein paar Tage vor Silvester, aber es knallt durchgehend. Yvonne soll ein halbes Jahr in den Knast. Einen Tag vor Antritt schlägt sie einem Mädchen in der S-Bahn grundlos das Nasenbein kaputt - Eröffnungsszene. Katharina deckt sie und wird stattdessen angezeigt. Eine der unbeanworteten Fragen des Films: Warum? Denn Katharina entstammt einer russischen Migrantenfamilie und ist zwischen traditionellen Werten und ihrem brutalen Wandern durchs Betonghetto hin- und hergerissen. Heimatlos. Dazu noch: Nicht kopflos. Sie hat einen Freund, der ständig in Bundeswehrklamotten rumläuft und sich freiwillig für Afghanistan gemeldet hat. Sagt er. Stattdessen sieht man ihn aber an der S-Bahn-Station sitzen und autistisch notieren, wann die Bahn eingetroffen ist, wann sie hätte eintreffen sollen, wieviele Leute aussteigen usf. Katharina verteidigt dies vor ihren Freundinnen - es solle ein Roman werden. Solche Ansichten von Kunst sind Yvonne sicherlich vollkommen fremd. Sie ist schon vollkommen vom grauen, flachen, glatten Beton zerfressen. Sie hat jegliches Streben und Sehnen verlernt. In den Knast geht sie nicht, die Waffe des Freundes ihrer gleichgültigen Mutter, der aber auch sie angrapscht, lässt sie mitgehen und richtet sie auf Menschen... Ihr gilt Hildegard von Bingens hypnotischer Himmelschor "O virga ac diadema" nicht, welcher drei-, viermal die sonst künstliche Tonkulisse aus Kriegsböllern und aufdringlichen, gedämpften Nachbarsgeräuschen wie Stöhnen oder Streit durchbricht. Ultimativer Gegensatz. Selbst Katharina, eine Art Spiegelbild von Yvonne, vermag sich diese Kultur im Kulturlosen nicht zu träumen. Umso grausamer und hoffnunsloser das Ertönen dieser Musik, die wie der ganze Film eigentlich enigmatisch bleibt. In der gestelzten Gemachtheit erscheint das Elend des asozialen Stadtrands letztendlich besonders scharf...





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bekay

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