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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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SAVAGED (Michael S. Ojeda/USA 2013)


"Baby's still alive!"

Savaged ~ USA 2013
Directed By: Michael S. Ojeda

Die taubstumme Zoe (Amanda Adrienne) fährt allein mit dem GTO ihres verstorbenen Vaters zu ihrem Freund Dane (Marc Anthony Samuel) an die Westküste, den sie dort heiraten will. In Acme, New Mexico überfährt sie beinahe einen Apachen (Rick Mora), dem sie noch zur Hilfe eilen will, der dann jedoch von einer ihn jagenden Gang von Rednecks ermordet wird. Die Männer überwältigen Zoe, nehmen sie mit, vergewaltigen und quälen sie, um sie dann zu ermorden und in der Wüste zu verscharren. Ein alter Medizinmann (Joseph Runningfox) findet ihren geschändeten Leichnam und versucht, sie wieder zum Leben zu erwecken. Bei diesem Ritual fährt jedoch der Geist des vor hundert Jahren verratenen und ermordeten Häuptlings Mangas in Zoes Körper. Als Untote mit zwei Seelen in der Brust begibt sich Zoe nun auf einen gnadenlosen Rachefeldzug, denn die Männer, die sie getötet haben, sind just die Nachkommen von Mangas' Mördern.

"Savaged" erweist sich schnell als kein besonders cleverer Film, der sich jedoch mittels schicker, ausgeblichener Photographie und einer an längst verjährt geglaubte MTV-Ästhetik orientierten, ruhelosen Bildsprache eine besondere Bedeutung zu verleihen sucht. Im Hinblick auf die übrigen Aspekte des Films muss man dies als im großen Stil gescheitert bezeichnen. "Savaged" erweist sich bereits nach den ersten Erzählminuten primär als ein Film der Zitate und der Revision: Neowestern um überlegene indianische Outlaws von "Billy Jack" über "Johnny Firecloud" bis hin zu De Angelis' "Thunder"-Trilogie wanderten hier ebenso in Lewis' großzügig angelegten "Inspirationsfundus" wie Girdlers "The Manitou", klassische Rape-&-Revenge-Movies von "I Spit On Your Grave" bis, noch eindeutiger, "Ms. 45" und natürlich "The Crow", dessen morbide Liebesgeschichte sich in leicht abgewandelter Form auch hier wiederfindet. Entsprechend diesen diversen Vorbildern und Motivlieferanten nebst ihrer freizügigen Ausbeutung kann von innovativem Genrekino kaum mehr die Rede sein. Was man Lewis dennoch zugute halten kann, ist das unerschütterliche Selbstbewusstsein, mit dem er zu Werke geht: Eine zumindest für Gattungsfreunde ansprechende Konturierung besitzt sein Film nämlich trotz aller Analogien und bietet zudem eine Menge reueloser Gekröse-Matschereien plus einem gloriosen, finalen Duell Tomahawk gegen Motorsäge, bei dem dann wahrlich der Busch brennt. Man erwarte wenig Hochwertiges und finde sich damit zufrieden.

5/10

Michael S. Ojeda Dämon New Mexico Rache Vergewaltigung rape & revenge Indianer Splatter Slasher


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THE THAW (Mark A. Lewis/CAN, USA 2009)


"I just had the most painful piss of my life."

The Thaw (Frozen - Etwas hat überlebt) ~ CAN/USA 2009
Directed By: Mark A. Lewis

Der renommierte Klimaforscher Dr. Kruipen (Val Kilmer) entdeckt in der rasant abtauenden Arktis ein gut erhaltenes Wollhaar-Mammut. Dieses wimmelt von wurmartigen Parasiten, die sofort alles und jeden anfallen, das oder der in ihre Nähe gerät und ihre Eier im jeweiligen Wirt subkutan ablegen. Die ausschlüpfende Brut ernährt sich dann vom Fleisch des infizierten, rasch an Fieber sterbenden Opfers. Kruipens alsbald infizierte Lebensgefährtin und Kollegin Jane (Anne Marie DeLuise) ahnt, dass der fantaische Wissenschaftler mehr mit den Parasiten vorhat als deren bloße Erforschung. Derweil reisen Kruipens Tochter (Evelyn (Martha MacIsaac) und drei Studenten (Aaron Ashmore, Kyle Schmid, Steph Song) Richtung Nordpol, um an Kruipens Forschungen zu partizipieren. Sie ahnen nicht, welches Grauen sie erwartet.

Spätestens seit Cronenbergs "Shivers" gehören parasitäre Schleimwürmer, die die von ihnen befallenen Leiber okkupieren und physisch und/oder psychisch verrotten, zum festen Inventar des Genrefilms. Die letzten erwähnenswerten Ausläufer um die kleinen Ekelpakete vor "The Thaw" waren Lawrence Kasdans "Dreamcatcher" und James Gunns "Slither", in denen die Kreaturen jeweils als Vorhut einer extraterrestrischen Invasion tätig waren. Welcher Herkunft sie bei Lewis sind, erfährt man nicht recht, grundsätzlich geht er jedoch den umgekehrten Weg. Hier sind die - übrigens als Wirbeltiere klassifizierten - Parasiten Relikte archaischer Zeiten, die die letzte Eiszeit wohlig schlummernd in ihrem Opfer überdauerten, um jetzt, im Zeitalter der Polkappenschmelze, wieder in Aktion zu treten. Ihre blitzartige Vermehrung und Infizierung jeglicher organischer Wirte könnte in der Zivilisation gigantische Schäden und Dezimierungen anrichten. Der wahnsinnig gewordene Kruipen plant, mithilfe der Parasiten und um sich selbst als Märtyrer, ein warnendes Signal gegen die Klimakatastrophe zu setzen und seine kleinen Freunde auf die Menschheit loszulassen. Ausgerechnet seine ihm seit jeher ohnehin ambivalent gegenüberstehende Tochter bildet schließlich die letzte Bastion der Gegenwehr.
Ein paar ansprechende Splatter- und Ekeleffekte, darunter eine pittoresk abgefressene Leiche, wiegen die ansonsten recht konventionelle Inszenierung des Films, dessen größten Minuspunkt die zumeist drittrangigen Darsteller bilden, zumindest zu Teilen auf. Hier und da wirkt Lewis' Regie unbeholfen und ratlos, dann gewinnt sie wieder ordentlich an Fahrt, um nach kurzem Aufatmen im erwartungsgemäßen Cliffhanger zu kulminieren.

6/10

Mark A. Lewis Alaska Virus Parasiten Arktis mad scientist Madness


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LA GRANDE VADROUILLE (Gérard Oury/F, UK 1966)


Zitat entfällt.

La Grande Vadrouille (Drei Bruchpiloten in Paris) ~ F/UK 1966
Directed By: Gérard Oury

Im Zweiten Weltkrieg: Eine Maschine der Royal Air Force verirrt sich im kontinentalen Nebel und geht kurz hinter dem besetzten Paris zu Boden. Die drei Piloten Reginald (Terry-Thomas), MacIntosh (Mike Marshall) und Cunningham (Claudio Brook) können sich retten, ziehen jedoch die unbescholtenen Bürger Bouvet (Bourvil), einen Malermeister, sowie den Operndirigenten Lefort (Louis de Funès) in den Schlammassel hinein. Dem Quintett bleibt keine andere Wahl, als vor dem übereifrigen Wehrmachtsoffizier Achbach (Benno Sterzenbach) in die Südzone zu fliehen. Dabei sind allerlei Schliche, Verkleidungskünste und vor allem die Unterstützung diverser Résistance-Sympathisanten gefragt.

Eine sympathische, freundliche Komödie, in der herzhaft über den zugekniffenen, postpreußischen Kommisskopp, wie man ihn der Wehrmacht so gern symbolisch andichtet, gelacht werden darf - und soll. Gestapo und SS kommen nur hier und da mal ins Spiel, wobei irgendeine, für den Film zweitrangige "Führungsperson" (Helmuth Schneider) ständig Farbe oder andere Dinge über den Balg geschüttet bekommt. Unter Helm und Hut sind neben Sterzenbach auch Reinhard Kolldehoff und Sieghardt Rupp vertreten. Die primären Stars und Protagonisten aber sind natürlich Bourvil und de Funès, die Laurel und Hardy gleich durch ihre humoristischen Stärken und somit Gegensätze ein ideales Paar abgeben: Bourvil ist der etwas tränige, heulsusige Typ, derweil de Funès wie üblich den opportunistischen Choleriker gibt. Unpassenderweise sind die beiden auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen und schlagen sich mehr schlecht als recht durch die Provinz, stets auf den Witz der drei Tommys oder den anderer, äußerer Hilfskräfte angewiesen, die ihnen Weg und Ordnung weisen. Dass selbstverständlich nicht mit Kanonen, sondern mit reifen Kürbissen und Calvados gegen die Nazis vorgegangen wird, versteht sich in diesem ansonsten überaus braven Spaß von selbst.

8/10

Gérard Oury WWII Paris Frankreich Widerstand Freundschaft


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LA FABULEUSE AVENTURE DE MARCO POLO (Denys de La Patellière, Noël Howard/F, I, YU, AF, EG 1965)


Zitat entfällt.

La Fabuleuse Aventure De Marco Polo (Im Reich des Kublai Khan) ~ F/I/YU/AF/EG 1965
Directed By: Denys de La Patellière/Noël Howard

Im Jahre 1271 brechen die beiden venezianischen Juwelenhändler und Brüder Nicolo (Massimo Girotti) und Matteo Polo (Mica Orlovic) mitsamt Nicolos jungem Sohn Marco (Horst Buchholz) zu ihrer bereits zweiten Reise über den Landweg nach China auf, um dem dort amtierenden Großherrscher Kublai Khan (Anthony Quinn) eine Friedensbotschaft von Papst Gregor X (Guido Alberti) zu überbringen. Auf dem bald vier Jahre währenden Weg in den Fernen Osten erwarten Marco Polo viele Abenteuer, darunter die Freundschaft mit dem Wüstenscheich Alla Hou (Omar Sharif), eine Gefangennahme durch den geheimnisvollen, maskierten "Alten vom Berge" (Akim Tamiroff), ein Zwischenstopp in der Karawanenkreuzungsstadt Samarqand, die Entführung von Onkel und Vater durch mongolische Krieger und schließlich das Treffen mit dem weisen Khan, der just eine Waffenrebellion durch seinen eigenen Sohn (Robert Hossein) niederschlagen muss.

Internationale Großproduktion, ebenso bunt wie einfältig, schillernd besetzt und als konkurrierender Gegenentwurf zu den Monumentalepen dieser Jahre aus Hollywood konzipiert. Dem überaus ökonomisch arbeitenden Produzenten Raoul Lévy, der unkreditiert auch Teile des Films inszenierte, war es zu verdanken, dass die Produktionskosten für einen Film dieser Größenordnung überschaubar blieben. So prunkt "La Fabuleuse Aventure De Marco Polo" mit seinen Weltstars, zu denen neben den Genannten noch Orson Welles und Elsa Martinelli zählten, verschweigt jedoch wie so häufig in derlei Fällen die teils minimale screentime der Darsteller und die Tatsache, dass mit Ausnahme des handlungstragend eingesetzten Hotte Buchholz, der jeweils die Ehre hat, kaum jemals zwei prominente Darsteller zeitgleich auf der Leinwand zu sehen sind. Entsprechend knapp bemessen waren die Engagements. Dass der Film zudem teils ungeheuer bruchstückhaft, zerfranst und infolge dessen häufig unfreiwillig komisch daherkommt, ist den vielen, unabhängig voneinander arbeitenden Autoren zuzuschreiben. Selbst die Hauptdarsteller genossen die Kompetenz, mitunter ihre eigenen Dialogzeilen verfassen zu können, was die inkonzise bis unfertig wirkende Episodenhaftigkeit des Ganzen bedingt. Speziell der Subplot um Akim Tamiroff als der namenlose 'Alte vom Berge', der als orientalischer Bösewicht mit pathologischen Neigungen auch jeden Film von Harry Alan Towers hätte anreichern mögen, sorgte bei mir für eine kuriose Mischung aus Stirnrunzeln und Erheiterung. Wilde Zeiten waren das damals für Marco Polo.

6/10

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THE EXPENDABLES 3 (Patrick Hughes/USA, F 2014)


"How hard can it be to kill ten men?"

The Expendables 3 ~ USA/F 2014
Directed By: Patrick Hughes

Nachdem das Expendables-Mitglied Hale Caesar (Terry Crews) bei einem gescheiterten Auftrag in Mogadischu schwer verwundet wird, löst Barney Ross (Sylvester Stallone) aus Sorge um seine Freunde die alte Truppe auf und verschafft sich mithilfe des "Söldner-Agenten" Bonaparte (Kelsey Grammer) vier Jungspunde (Kellan Lutz, Ronda Rousey, Glen Powell, Victor Ortiz), um seine jüngste Mission doch noch zu erfüllen: Ross soll den milliardenschweren Waffenschieber Stonebanks (Mel Gibson), zugleich ein ehemaliger, totgeglaubter Expendable, der einst seine Freunde verraten hat, in Rumänien dingfest machen und dem internationalen Gerichtshof in Den Haag zustellen. Gerade als alles schon erfolgsversprechend zu enden scheint, wird Ross' neues Kumpanen-Quartett von Stonebanks gefasst und in Geiselhaft genommen, Ross selbst kommt knapp mit dem Leben davon. Zusammen mit seiner gefeuerten, jedoch unermüdlichen Altherrentruppe kehrt er zurück in die alte Welt, um Stonebanks endgültig zu zeigen, was eine Harke ist.

Großes Aufatmen nach dem doch eher lauwarmen Erstsequel: Zwar verzichtet der jüngste "Expendables"-Streich zugunsten des gefürchteten PG-13-Ratings auf explizite Gewaltdarstellungen (was im Grunde lediglich bedeutet, dass man keine Einschüsse in Nahaufnahme zeigt und kein Blut mehr spritzen lässt, in keinster Weise aber analog dazu den Bodycount-Faktor herabsenkt), die unangenehm alberne, postmodernistische Selbstreferenzialität des unmittelbaren Vorgängers lässt man ergänzend dazu weitgehend unter den Tisch fallen. Rein stimmungsmäßig ist "The Expendables 3" wieder viel dichter beim Original angesiedelt; er singt sein nimmermüdes, ungebrochen sympathisches Hohelied auf Altherren-Machismo mit gleichbleibend kräftigem Bariton und beschwört neuerlich all die lieblichen Söldnerwerte, wie wir sie seit eh und je so liebgewonnen haben. Ein paar flauere Gags hätte man sich getrost sparen können, dafür gibt es aber auch ganz entscheidende Revisionen: Den ohne Zweifel grandiosesten Bösewicht der Trilogie etwa in Person von Mel Gibson, der mit einigem Elan aufspielt und eigentlich sowieso das Beste ist am ganzen Film. Auch Harrison Ford bildet gegenüber dem absenten Bruce Willis eine dankenswerte figurale Ergänzungskomponente, ebenso wie die - hoffentlich an Bord bleibenden - Expendables-Neuzugänge Snipes und Banderas. Schwarzeneggers appearance nimmt sich diesmal, das ebenfalls erfreulich, weit weniger wichtig als gewohnt. Er ist, ganz ohne Trara, einfach da. Gut so, weiter so.
Ich hatte zuvor die stetig wachsende Befürchtung, dass ich nach diesem Trilogie-Vollzug fürs Erste keinen weiteren "Expendables"-Streifen mehr würde sehen wollen, was sich im Nachhinein glücklicherweise als trügerisch erwies. "The Expendables 3" bot mir guten, gesunden Spaß; ich täte zu einer möglicherweise noch folgenden, expliziteren Schnittfassung nicht Nein sagen und plädiere zudem für Auftritte von Michael Dudikoff, Mark Dacascos, Olivier Gruner, Jeff Speakman, David Bradley, Jeff Wincott, Steven Seagal, Carl Weathers, Sam Jones, Wings Hauser, Miles O'Keeffe und natürlich Reb Brown als Rollstuhlbrigadiers im nunmehr wieder freudig antizipierten, vierten Teil.

7/10

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GODZILLA (Gareth Edwards/USA, J 2014)


"Nature has an order. A power to restore balance. I believe he is that power."

Godzilla ~ USA/J 2014
Directed By: Gareth Edwards

Der in Japan tätige Wissenschaftler Joe Brody (Bryan Cranston) ist bereits seit Jahrzehnten einer mysteriösen Naturgewalt auf der Spur, die sich immer wieder durch seismische, unterseeische und unterirdische Aktivitäten bemerkbar macht und der einst seine eigene Frau Sandra (Juliette Binoche) zum Opfer gefallen ist. Sein mittlerweile erwachsener, im Militärdienst befindlicher Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson) hält seinen alten Herrn für einen Spinner, der lediglich Sandras Tod nicht verkraften kann und daher einem Hirngespinst nachjagt. Doch die folgenden, sich überschlagenden Ereignisse geben Brody Senior Recht: In den Ruinen des Atomkraftwerks, für das er einst gearbeitet hat, schlüpft aus einer Art Kokon ein riesenhaftes, flügelbewährtes Ungetüm, das Ähnlichkeit mit einer gigantischen Gottesanbeterin hat. Dieses "MUTO" getaufte Wesen, das sich von radioaktiver Strahlung ernährt und alle Arten von Elektrizität lahmlegen kann, macht sich auf seinen zerstörerischen Weg via Hawaii bis an die Pazifikküste der USA. Dort will es sich mit seinem weiblichen Gegenstück, das in der Wüste Nevadas erwacht, paaren. Doch es gibt noch ein drittes Monster, um den eine geheime Wissenschaftlerloge namens 'Monarch' bereits seit langer Zeit weiß: Den Godzilla, einen riesigen Urzeitdrachen, der auf die beiden MUTOs losgeht. Ford hat alle Hände voll zu tun, die Monster zu bekämpfen und seine Familie zu beschützen.

Wenngleich ich den Edwards' Remake in punkto Zeitmanagment leider sehr ungünstig zuvorgekommen "Pacific Rim" von Guillermo del Toro spaßiger fand, ist "Godzilla" eine ordentlich gerierte Monstermär, die, anders als Emmerichs Variante von 1998, deutlich mehr Respekt für die Ikonografie des Originals aufbringt und diesem mental sehr viel näher steht. Die Japaner haben ihren "Gojira" ja im weiteren Verlauf seiner Filmkarriere einen beinahe messianisch gefärbten Retterstatus zukommen lassen, der zwar stets wenig Rücksicht auf humankulturelle Errungenschaften und entsprechende Kollateralschäden nahm, die Welt jedoch nicht selten vor sehr viel böseren Monstern oder gar Aliens bewahren konnte. In dieser Tradition steht auch diese jüngste Inkarnation des "king of monsters", dem, das zeichnet sich zum Ende des Films bereits ab, vielleicht eine neuerliche Karriere als popkulturelles Artefakt bevorsteht. Godzilla kommt, sieht und siegt, hält ein Schläfchen in den Trümmern von Frisco, um dann wieder in der Tiefsee zu verschwinden, von wo er zum kurzen Besuch an die Oberfläche kam. Der 'Monarch'-Wissenschaftler Serizawa (der bereits im Original als Erfinder der Godzilla bezwingenden Superwaffe vorkam und hier von Ken Watanabe gespielt wird) fasst es in Worte: Godzilla ist nichts anderes als ein Abgesandter von Mutter Natur, der den spezifischen Auftrag hat, den Globus (respektive das Leben auf im) vor archaischen Gefahren zu schützen, derer er (bzw. es) sich selbst nicht erwehren kann. Ohne viel auf die ihn umschwirrenden Ameisen zu geben, die ihn mit ihren kleinen Helikoptern, Panzern und Raketen beharrlich belästigen, bahnt sich der Monsterkönig seinen Weg durch den Ozean bis in die unreiwillige Kampfesarena, um die beiden MOTU zu plätten. Doch auch die Menschheit muss nicht komplett untriumphal ausgehen: Ford Brody gelingt es immerhin, zum Leidwesen der stolzen Mama, die MOTU-Brut zu zerstören.
Gareth Edwards als Regisseur bildet eine glückliche, vielleicht sogar die glücklichste Wahl für "Godzilla" 2014, hat der Brite doch bereits mit seinem "Monsters" unter Beweis stellen können, dass er hinreichend Respekt für große, bedrohliche Viecher, die zwischen und über uns hinwegstapfen wie riesige Vorzeitgötzen, aufzubringen imstand ist. Was für Emmerich letzthin alles bloß groß und spaßig und Alibi für desaströse Spielereien war, erhält heuer zumindest einen gesunden Prozentsatz an Sujet- und vor allem Selbstachtung.

7/10

Gareth Edwards Japan Pazifik San Francisco Monster Kaiju Godzilla


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AHÍ VA EL DIABLO (Adrián García Bogliano/MEX 2012)


Zitat entfällt.

Ahí Va El Diablo (Here Comes The Devil) ~ MEX 2012
Directed By: Adrián García Bogliano

Ein Besuch in der benachbarten Provinz erweist sich für Sara (Michele Garcia) und Adolfo (Alan Martinez), die Kinder von Sol (Laura Caro) und Felix (Francisco Barreiro) als verhängnisvoll. Denn als die Geschwister einen eigenständigen Ausflug zu einem Berg und einer auf diesem gelegenen Höhle unternehmen, bleiben sie nicht nur gute zwölf Stunden verschwunden, sondern kommen danach auch seltsam verändert zurück. Sie wirken fortan teilnahmslos und lethargisch und schwänzen, wie Sol herausfindet, täglich die Schule, um immer wieder zu der Höhle zurückzukehren. Zudem scheint Sara während ihrer Abwesenheit Opfer eines mysteriösen, koitalen Aktes geworden zu sein. Felix und Sol verdächtigen prompt den vor Ort angetroffenen Lieferanten Lucio (David Arturo Cabezud) der Vergewaltigung und fühlen sich bestätigt, als sie Saras am bewussten Tag verlorene Unterhose bei ihm zu Hause finden. Die beiden machen sich eines furchtbaen Selbstjustiz-Verbrechens an Lucio schuldig und werden erst, als es bereits viel zu spät ist, gewahr, dass Sara und Adolfo möglicherweise gar nicht mehr sie selbst sind...

Ein zumindest im Ansatz durchaus ansprechender, vor allem infolge seiner stilistischen Traditionsverbundenheit beachtenswerter Film, der am Ende jedoch, und damit teilt er das Schicksal vieler Genrestücke, unter akuter, dabei allerdings redundanter Erklärungsnot leidet und sich genötigt sieht, eine forciert wirkende Conclusio für die zuvor ausgespielten, mysteriösen Ereignisse herbeizuzaubern. Es bleibt dann nicht mehr viel übrig an Phantasie-Freiräumen, wie sie zu Beginn noch in kompetenter Weisse von Bogliano evoziert werden. Da steht eine erotische, gewalttätig endende Prätitel-Sequenz in zunächst unerklärlichem Kausalität zu der sich im Folgenden entrollenden Story um eine zerbrechliche Familie, die durch die erwachende Geschlechtsreife der Tochter in eine tiefe Krise gestürzt wird. Man ahnt zunächst nicht recht, wo das Ganze hinführen mag und lässt sich insofern von den folgenden, unangenehmen Teilenthüllungen mitsamt dem barbarischen Mord an einem Unschuldigen, willkürlich einspinnen. Bis das Ganze dann schlussendlich von einem geschwätzigen, jedoch im Bilde befindlichen Tankwart (!) in eine vergleichsweise schematische Richtung geführt wird mitsamt dämonischem, zumindest jedoch erfreulich effektarmem Body-Snatcher-Trara. Hier wäre ein klares 'Weniger' wünschenswert gewesen. Peter Weir hat in seinem "Picnic At Hanging Rock", von dem Bogliano fraglos und großzügig zehrt, immerhin siebenundrreißig Jahre zuvor gezeigt, wie so etwas weithin makellos zu deichseln ist.

7/10

Adrián García Bogliano Berg Höhle Kinder Geschwister Familie Mexiko Selbstjustiz Rache Ehe


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THE BUTTERFLY EFFECT (Eric Bress, J. Mackye Gruber/USA 2004)


"You can't play God, son."

The Butterfly Effect ~ USA 2004
Directed By: Eric Bress/J. Mackye Gruber

Der Student Evan Treborn (Ashton Kutcher) blickt auf eine Vergangenheit mit vielen schlimmen Erlebnissen zurück, die seltsamerweise stets mit einem Blackout bei ihm verbunden sind. Sein Vater (Callum Keith Rennie) sitzt schon seit Evans Geburt in einer geschlossenen, psychiatrischen Anstalt. Als Evan sich seiner Jugendliebe Kayleigh (Amy Smart) erinnert und sie aufsucht, endet dies mit Amys Selbstmord. Durch Zufall entdeckt Eva in der Folge Unglaubliches: Er besitzt die Fähigkeit, bei der Lektüre seiner alten Tagebücher in seiner eigenen Geisteswelt zurück in die Vergangenheit zu reisen und zwar just in jene Momente, in denen er seinerzeit einen seiner Blackouts hatte. Dies gelingt allerdings jeweils nur einmal, dann ist die entsprechende Erinnerungslücke gefüllt. Evan versucht, die diversen Fehler in seiner Vergangenheit nach und nach wieder gutzumachen, ruft dadurch jedoch jedesmal prompt eine neuerliche Katastrophe hervor, die mit seiner Biographie in Verbindung steht. Zudem bleibt jedes seiner alternativ gelebten Leben in seinem Geist bestehen, was einen ähnlichen Wahnsinn hervorzurufen droht, wie ihm sein Vater aufsitzt; Evans Fähigkeit entpuppt sich als Familienfluch. Am Ende bleibt Evan lediglich die insgeheim längst offensichtliche, einzig logische Schlussfolgerung: Um die Menschen in seinem Umfeld zu schützen, darf er nie exististiert haben...

What if...?
Ich hab's ja sonst nicht so mit Ashton Kutcher und empfand den jungen Herrn (zumal aufgrund seiner physiognomischen Ähnlichkeit mit einem alten Schulkameraden) umwillkürlich immer als ein bisschen beschränkt. Mit der Rollenauswahl betreffs "The Butterfly Effect" hat er jedoch wirklich einmal ein großes Los gezogen. Der Film ist, zumindest im Director's Cut, der glaube ich, einige konsequente Modifikationen gegenüber der komplexitätsreduzierten, versöhnlicheren Kinofassung aufweist, eine fesselnde, an Capras "It's A Wonderful Life" gemahnende Moritat mit einem für Hollywood-Verhältnisse ungewöhnlich philosophisch-diskursivem Überbau: Welche Funktion erfüllt der Einzelne im globalen, sozialen Gefüge; was würde sich ändern, hätte er in bestimmten Situation wohlweislicher gehandelt, was gar, hätte es ihn nie gegeben? Capras Klassiker fand für letztere Frage noch eine versöhnliche, eben weihnachtliche Antwort: Ohne George Bailey würde Bedford Falls zum Teufel gehen, er ist Herz und Seele der Stadt, wird gebraucht. Anno 2004 sieht die Sache da schon wesentlich düsterer aus: Evan Treborn muss die furchtbare Erfahrung machen, dass er ein Mensch ohne Lebenslinie und ohne Seele ist, einer, der nie dazu bestimmt war, auf die Welt zu kommen, einer, der all jene, die mit ihm zu tun haben, wenn auch unwillkürlich, verletzt und langfristig verdammt. So bleibt ihm, anders als George Bailey, nur eine Alternative: Er muss aus dem Gefüge des Schicksals verschwinden, sich selbst aus der Welt tilgen, bevor es ihn überhaupt geben kann. Durch sein Opfer fügt sich dann tatsächlich alles zum Guten. Eine starke, nicht unböse Lebensreflexion der beiden Autoren Bress und Gruber, fein, geschickt und durchdacht inszeniert, wenngleich mit der allzu sehr in die Länge gezogenen, klischierten Knastsequenz etwas übers Ziel hinausschießend und somit nicht ganz perfekt. Dennoch einer der nachhaltigsten US-Filme der letzten Dekade.

9/10

Eric Bress J. Mackye Gruber Zeitreise D.C. Gefängnis College Freundschaft


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MAMULA (Milan Todorovic/SER 2014)


Zitat entfällt.

Mamula (Nymph - Mysteriös. Verführerisch. Tödlich.) ~ SER 2014
Directed By: Milan Todorovic

Die beiden amerikanischen Freundinnen Kelly (Kristina Klebe) und Lucy (Natalie Burn) machen Ferien an der montenegrinischen Adria, wo sie ihren früheren Kommilitonen Alex (Slobodan Stefanovic) besuchen, mit dem Lucy einst liiert war. Zusammen mit Alex' Verlobter Yasmin (Sofija Rajovic) und dem Abenteurer Boban (Dragan Micanovic) besuchen sie, trotz eingehender Warnungen des mysteriösen Alten Niko (Franco Nero) Mamula, eine ehemalige, verlassene Gefängnisinsel vor der Küste. Dort entdecken die Freunde Unglaubliches: Ein älterer Fischer (Miodrag Krstovic) wirft abgetrennte, menschliche Gliedmaßen in einen Brunnen und macht, nachdem er sich ertappt wähnt, Jagd auf die Clique; unter den Ruinen gibt es Wasserzugänge, aus denen Töne hervordringen, die nur die beiden Männer hören und es scheint dort ein schönes Mädchen (Zorana Kostic Obradovic) gefangen zu sein...

Monströse Meerjungfrauen sind ein tolles Fantasy-/Horror-Sujet, wie ich finde. Leider gibt es bis dato kaum wirklich ansprechende, filmische Umsetzungen zum Thema - "Las Garras De Lorelei" fiele mir da gerade mal spontan ein. Auch "Mamula", der zuallererst einmal ein durchaus redliches Unterfangen markiert als ein weiterer Versuch der serbischen Filmkultur, sich durch Genrekino einen internationales Renommee zu erarbeiten, bildet bestimmt keinen diesbezüglichen, unerlässlichen Meilenstein. Aufsehen erregt der Film sicherlich durch seinen Besetzungscoup mit Franco Nero, der einen um den Skylla-Mythos im Bilde befindlichen, rettenden Helden spielt, und dies durchaus ansehnlich. Tatsächlich heben sich jene Szenen, die er mit seiner Präsenz anreichert, deutlich vom Rest des Films ab. Das erste, lediglich der Figureneinführung dienende Drittel lässt bereits eine mittlere Katastrophe befürchten. Natalie Burn ist zwar nett anzuschauen, ihr Schauspielvermögen jedoch ist, ebenso wie das ihrer Kolleginnen und Kollegen von beängstigender Bescheidenheit. Selbiges gilt für das extrem dulle Dialogscript und die keine Ruhe findende Kamera. Im weiteren Verlauf erstarkt der Film dann glücklicherweise allmählich - wenngleich weiterhin stete Mängel zu beklagen bleiben -, bis er zum Showdown hin (in dem auch Neros 'Niko' endlich eine gewichtige Rolle spielt) gar eine geflissentlich poetische Ebene ankratzt. Wäre der gesamte Film von ebendieser atmosphärischen Qualität, er könnte sich rühmen, im Genre-Einerlei etwas Besonderes abzubilden. In seiner nunmehr bestehenden Form bleibt er unterdurchschnittlich.

4/10

Milan Todorovic Serbien Insel Monster Nixe Splatter Montengero Mittelmeer


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NICHT MEIN TAG (Peter Thorwarth/D, NL 2014)


"Mann, do!"

Nicht mein Tag ~ BRD/NL 2014
Directed By: Peter Thorwarth

Der Bankangestellte Till Reiners (Axel Stein) ist eigentlich tiefunglücklich. Für ein angepasstes Leben als Familienvater hat er seinen einstigen großen Traum einer Musikkarriere aufgeben müssen. Die wilden Jugendjahre haben sich in eine geregelte Existenz als Anzugträger verwandelt, mit seiner Frau Miriam (Anna Maria Mühe), die eine Karriere als Handtaschendesignerin anstrebt, reicht sich Till nach der Arbeit die Klinke in die Hand, um tagtäglich daheim auf Sohnemann Nico (Emilian Markgraf) aufpassen zu dürfen.
Das alles ändert sich, als Till dem soeben aus dem Knast entlassenen Kleingangster Nappo (Moritz Bleibtreu) begegnet. Dieser nimmt den zunächst verdutzten Banker im Zuge eines Überfalls als Geisel, ahnt jedoch nicht, dass er sich damit mehr Probleme ins Haus holt als sie gut für ihn sind. Denn als Till nach Jahren wohlweislicher Abstinenz wieder zum Alkohol greift, weil seine Ehekrise ihn schwer frustriert, steht urplötzlich nicht nur Nappos Leben Kopf, sondern auch halb Amsterdam.

Ganze acht Jahre hat man nach "Goldene Zeiten" auf eine neue Regiearbeit Peter Thorwarths warten müssen - nun kann man diese dankbar in Empfang nehmen. Dankbar, weil Thorwarth zu alter Stärke zurückfindet, indem er sich, paradox, paradox, just auf diese besinnt. Eine ganze Menagerie schräger Typen an allen Ecken und Enden bekommt man da präsentiert; diverse Selbstreferenzen, ob in Form von Artefakten wie einem wohlbekannten Dortmunder Nummernschild, oder in personeller Variante (Christian Kahrmann kehrt für einen Gastauftritt als Mark Kampmann zurück, Till Schweiger bekommt einen zumindest schmunzlerischen Cameo) sind Ehrensache. Das Schönste an "Nicht mein Tag" aber ist neuerlich Thorwarths spezielle Brillanz bezüglich der Schauspielerführung: Jede ( r ) der Darsteller und Darstellerinnen gibt eine großartige Vorstellung, die jeweils besonders vergnüglich ist, weil sie ganz viel gestalterischen Freiraum erhält und den Leuten die Möglichkeit gibt, immens viel von sich selbst in ihre Rollen zu legen. Weitere personelle Höhepunkte finden sich erwartungsgemäß in Ralf Richters unverzichtbarer appearance nebst der von seinem Kompagnon Maxwell Richter als "Langer" und "Kurzer" sowie in Axel Steins monumentaler Sauf- und Drogentour durch das Amsterdamer Nachtleben mitsamt anschließender Fluchtfahrt. Hier gibt es massig und herzhaft zu lachen. Daher alles sauber und adrett und daher auch bitte ab jetzt keine acht Jahre Wartezeit mehr bis zum nächsten Werk, werter Herr Thorwarth.

8/10

Peter Thorwarth Buddy Movie Freundschaft Road Movie Amsterdam Kidnapping