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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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THE DAY AFTER (Nicholas Meyer/USA 1983)


"Is there anybody there? Anybody at all?"

The Day After (Der Tag danach - The Day After) ~ USA 1983
Directed By: Nicholas Meyer

Als Westberlin durch DDR-Truppen von der Bundesrepublik abgeschnitten wird und die Sowjets militärische Ziele in Westdeutschland angreifen, eskaliert der Kalte Krieg. Die USA und die UDSSR setzen Nuklearwaffen gegeneinander ein. Die Bürger der Kleinstadt Lawrence, Kansas erleben die grauenhaften Folgen eines Atomschlags hautnah mit, da auch Kansas City und die umliegenden Raketenbasen das Ziel von Bomben wird. Wer nicht bereits durch den Atomblitz umgekommen ist, bekommt es mit den langwierigen Folgen des Fallout zu tun.

"The Day After" war 1983 ein leidenschaftliches filmisches Pamphlet gegen die stets dräuende Kulmination des Kalten Kriegs der Weltmächte. Dabei kann er sich als US-TV-Produktion der ABC eine gewisse politische Schuldzuweisung nicht verkneifen, die aber wohl ihre strategische Rechtfertigung haben dürfte, um das hauseigene Publikum gewogen zu halten und die Perspektive auf die letzten Endes primären Inhalte des Films, nämlich den Effekt eines Nuklerakriegs, nicht zu erschweren. Zwar weiß aufgrund der ausgeklügelten Frühwarnsysteme auf beiden Seiten am Ende niemand mehr, wer als erster seine A-Waffen entsendet hat, aber der erste aggressive Akt geht freilich von den Roten aus. Wie dem auch sei - "The Day After" ist fürchterlich beklemmend und nach wie vor ein Film mit hohem Albtraumpotenzial, den jeder global relevante Politiker zu Schulungszwecken einmal im Jahr zwangsverordnet bekommen sollte. Dass er eine fernsehproduktion ist, merkt man ihm zu keiner Sekunde an und andernorts, so auch in Deutschland, wurde er im Kino uraufgeführt. Klugerweise wird das Schreckensszenario ausschließlich auf eine Kleinstadt im Mittelwesten in der Kornkammer der USA verlagert, wo unter anderen neben einer fünfköpfigen Farmerfamilie (John Cullum, Bibi Besch, Lori Lethin, Doug Scott, Ellen Anthony) auch ein alternder Mediziner (Jason Robards), ein junger Student (Steve Guttenberg) und ein Airforce-Pilot (William Allen Young) sich zumeist vergeblich durch die Zeit nach der Bombe kämpfen. Wenn sie nicht bereits alles in unmittelbarer Folge der Detonationen verloren haben, so torpediert bald die Strahlenkrankheit ihren teils noch immer beachtlichen Lebenswillen. Meyer inszeniert dieses beinahe biblische Szenario in quälenden Einstellungen, die in ihrer markigen Wirkung all die großen und kleinen Armageddon-Filme der Jahre zuvor, die zumeist eher als Genreproduktionen angelegt waren und auf Mutanten, Marodeure und Helden nicht verzichten mochten, weit übertreffen. Ein Film somit, dem trotz einzelner Kritikpunkte das seltene Gütesiegel 'wichtig' zugeteilt werden darf.

8/10

Nicholas Meyer Atombombe Kansas Kleinstadt Ensemblefilm WWIII Kalter Krieg Apokalypse Transgression


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DJANGO UNCHAINED (Quentin Tarantino/USA 2012)


"Auf Wiedersehen."

Django Unchained ~ USA 2012
Directed By: Quentin Tarantino

Kurz vor dem Sezessionskrieg befreit der deutschstämmige Kopfgeldjäger und Dentist Dr. King Schultz (Christoph Waltz) den Schwarzen Django (Jamie Foxx) aus den Händen von Sklavenhändlern. Er hofft, durch Djangos Mithilfe ein gesuchtes Brüdertrio zu finden, das sich irgendwo in Mississippi auf einer Baumwollplantage als Aufseher verdingt. Nachdem Schultz sich von Djangos Qualitäten als Schütze überzeugt hat, bietet er ihm an, als Kompagnon für ihn zu arbeiten. Im Gegenzug würde Schultz Django helfen, im nächsten Frühjahr seine Frau Broomhilda (Kerry Washington) ausfindig zu machen und auszulösen. Django schlägt ein und die beiden werden ein bewährtes, gesetzlich legitimiertes Killerduo. Schließlich finden sie Broomhilda auf dem Anwesen des öligen Rassisten Calvin Candie (Leonardo Di Caprio), ihr Plan zu ihrer Auslösung geht jedoch zunächst schief. Nun kennt Django kein Halten mehr.

Tarantino as usual. Diesmal erweist der Mann dem Spaghetti-Western seine knapp dreistündige Ehrerbietung, die sich natürlich, man kennt das mittlerweile, bei genauerem Hinsehen vor allem selbstreferenziell ausnimmt. Großartige Cameos alt- und scheinbar ausgedienter Filmhelden, die vor allem dem Eingeweihten diverses Anerkennen entlocken sollten, eine formidable Soundtrack-Kompilation, gedehnte Dialogszenen mit teil ominösesten Inhalten, die vor allem Tarantinos schwarzem Humorverständnis geschuldet sind, schließlich stark überzogene Gewaltdarstellungen, die in ihrer typischen Funktion als zusätzliches comic relief allerdings selbst für zartbesaitete Feuilletonisten stets goutierbar bleiben. Wie jedes Tarantino-Werk unterhält "Django Unchained" über seine gesamte Erzählzeit vorzüglich, beinhaltet befreiende Lacher, sorgt für manches Hallo und bewährt sich in seinen vorgefassten Bahnen. Ich würde mir jedoch wünschen, dass seine nicht kleiner zu werden scheinende Anhängerschar sich nicht immer wieder der Illusion hingibt, in seinen Werken etwas besonders Innovatives oder gar "Geniales" ausfindig machen zu können - dafür arbeitet der Mann auf inhaltlicher Ebene ganz einfach zu schematisch und wird aufgrund seiner tatsächlich sehr engmaschig gesteckten kreativen Grenzen augenscheinlich auch nie etwas Anderes zustande bringen. Das, was er macht, macht er so gut wie kein anderer; an den authentischen Dreck, an die aufrichtige Verruchtheit, den apokalyptischen Zynismus des ansonsten vielfach zitierten Originals und seiner Mitwerke aber traute sich Tarantino vermutlich nie heran. Was sollten seine Fans auch sagen? Nachher müssten sie vielleicht schlecht träumen und ihrem Idol beim nächsten Film den Rücken zukehren und wer hätte da schon etwas davon? Christoph Waltz vielleicht? Nein nein, "Django Unchained" ist ein stilvoller, spaßiger, ein guter Film, jedoch, und das ist ein nicht zu leugnender Dorn in seiner so makellos scheinenden Seite - in jeder Hinsicht völlig erwartbar.

8/10

Quentin Tarantino Texas Mississippi Südstaaten Sklaverei Freundschaft Rassismus Splatter Kopfgeldjagd Hommage Parodie


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SANDS OF IWO JIMA (Allan Dwan/USA 1949)


"What is war?" - "Trading real estate for men."

Sands Of Iwo Jima (Todeskommando) ~ USA 1949
Directed By: Allan Dwan

Eine Gruppe von Marine-Privates bekommt den als ultrahart berüchtigten Sergeant John Stryker (John Wayne) als Korpsführer zugeteilt. Mit verbissener Strenge schleift der wegen einer zerbrochenen Ehe privat traumatisierte Stryker die Männer, die ihn nach außen hin zwar leidenschaftlich verabscheuen, andererseits aber bereits zu ahnen scheinen, dass Strykers gnadenlose Schule durchaus Sinn und Zweck hat. Besonders Stryker und Private Conway (John Agar), dem Sohn von Strykers früherem, gefallenen Mentor, entwickelt sich zu einer beinahe väterlich-söhnlich geprägten Hassliebe. Als Stryker und seine Männer schließlich bei der Landung auf Iwo Jima dabei sind, macht sich die ganze vormalige Gnadenlosigkeit des ehernen Kommisskopfes bezahlt.

Klassischer Genrefilm irgendwo aus der Mitte der vielen Pazifikkriegsabenteuer, in denen Duke Wayne mitgewirkt hat und der so etwas wie die große Schnittmenge bildet aus allem, dass der Star in dieser Richtung gemacht hat. Und nicht nur daraus: Auch ein wenig "Red River" findet sich wieder in "Sands Of Iwo Jima", wobei Wayne den Patronengurt freilich ohnehin nie ganz ablegen konnte. 1949 war Duke 42 Jahre alt und seine Jugend bereits verraucht. Er spielte jetzt häufig Vaterfiguren, heimliche oder unheimliche Patriarchen oder langsam ergrauende Raubeine, die sich nicht selten lediglich durch Nuancen voneinander abgrenzten. Ford hatte ihn kurz zuvor in seinem wunderschönen Kavallerie-Mittelteil "She Wore A Yellow Ribbon" als kurz vor dem Gnadenbrot stehenden Blaurock-Offizier eingesetzt. Von grauem Haar und Bart war er jetzt zwar wieder befreit, dennoch blieb der übermächtige Flor des abgeklärten Kampfweisen, der viel, fast alles kennt und gesehen hat und weiß, welche Richtung einzuschlagen ist. Seinen ideologischen und mentalen Widersacher findet er in der Figur John Agars, der von Vorschriften und soldatischer Lehrbuchpraxis zunächst nicht viel hält und mit Stryker als Stellvertreter den nie gänzlich ausgetragenen Konflikt mit dem eigenen Vater weiterspinnt. Letzterer derweil kann den Kontakt zum eigen Sohn, der bei der Mutter geblieben ist, nicht halten und findet in Conway einen Ersatz für ihn. Doch auch die anderen Jungens aus seinem Platoon, großmäulige Spaßmacher und Greenhorns auf dem Schlachtfeld, gerieren sich wie eine Art Schar widerspenstiger Eleven, die in Form gebracht werden müssen, bevor sie die Ernsthaftigkeit ihrer Situation realistisch einschätzen können. Iwo Jima - viele Jahre vor Eastwood inszeniert Dwan hierin bereits die Errichtung der Flagge auf dem Mount Suribachi - bildet freilich die finale Initiallösung. Strykers Männer, die, die übrigbleiben, erkennen im Angesicht von Tod und Massaker endlich, wie unverzichtbar wichtig die zuvor so missmutig aufgenommenen Härten ihres Sergeants waren. Der alte Held kann nun abtreten (Stryker wird nach fast vollendeter Mission ganz unspektakulär von einem Heckenschützen abgeknallt) und den Weg freimachen für seine Nachrücker. Conway übernimmt ohne weitere Diskussion die Führung der Gruppe.

9/10

Allan Dwan Pazifikkrieg WWII Iwo Jima Hawaii Neuseeland Freundschaft James Edward Grant


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BACK TO BATAAN (Edward Dmytryk/USA 1945)


"Miss Barnes, I'm sorry I never learned how to spell 'liberty'."

Back To Bataan (Stahlgewitter) ~ USA 1945
Directed By: Edward Dmytryk

Bataan, 1944: Colonel Joseph Madden (John Wayne) erhält den Auftrag, im Hinterland phillipinische Guerilla-Truppen aufzustellen, zu organisieren und gegen die Japaner zu führen. Bis die alliierten Kräfte schließlich vor Leyte landen, ist es noch ein langer, verlustreicher Weg für Madden, der viele große und kleine Freunde hinzugewinnt und manche wieder verliert.

Kurz vor John Fords "They Were Expendable" ein weiterer Film um die zahlreichen Scharmützel um die Philippinen, die schließlich in der (im Film lediglich angedeuteten) Schlacht um Leyte kulminierten. Ich möchte nicht so weitgehen, zu behaupten, Dmytryk habe seinen Film besser im Griff als Ford den seinen, dafür ist "Back To Bataan" einerseits a priori viel zu simplifizierend, pathetisch und naiv und meine Ehrfurcht vor Fords Kunst andererseits allzu übermächtig.
Jedoch liegt Dmytryk deutlich nach Punkten vorn, was seine Pointiertheit sowie die rein physische Inszenierung von Aktion anbelangt. Es gibt wohl nur wenige Filme dieses oder umliegender Jahrgänge, die etwa den Beschuss von schwerem Artillerie-Feuer und dessen Effekt derart eindrucksvoll und realistisch auf die Leinwand zu projizieren vermochten und auch sonst schreckt Dmytryk vor manch naturalistischer Bebilderung nicht zurück, wo Berufsgenossen ihrerzeit sicherlich deutlich diskreter zu Werke gegangen wären.
"Back To Bataan" hat noch heute Bestand als mitreißender Kriegsfilm und ragt aus Waynes umfassendem Pazifikkriegs-Zyklus als ein Höhepunkt heraus.

8/10

Edward Dmytryk Philippinen WWII Pazifikkrieg


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BLOOD ALLEY (William A. Wellman/USA 1955)


"This ain't my China anymore."

Blood Alley (Der gelbe Strom) ~ USA 1955
Directed By: William A. Wellman

Der in einem rotchinesischen Gefängnis einsitzende US-Schipperer Tom Wilder (John Wayne) kennt die Küsten Südostasiens hinauf und hinab besser als seine Westentasche. Darum wird er mittels eines geschickten Manövers auch von der schönen Arzttochter Cathy Grainger (Lauren Bacall) aus dem Bau befreit: Er soll der etwa 200-köpfigen Bevölkerung eines kleinen chinesischen Küstendorfes helfen, auf einem alten Raddampfer nach Hong Kong zu entfliehen. Wenngleich das Unternehmen von Anfang an als wahnwitzig gestaltet, ist Wilder bald Feuer und Flamme für seinen neuen alten Kahn und die Leben der 200 Seelen in seiner Verantwortung.

In direkter Folge von "The Sea Chase" noch ein weiteres Seeabenteuer mit Duke als meersalzgegerbtem Kapitän, dem Wasser, Algen und Planken über alles gehen, der sich dann gegen Ende aber doch einer etwas zarteren Liebe ergibt. In "Blood Alley", der in ideologischer Hinsicht ganz nach Waynes Geschmack war, hatte der reaktionäre "Kunstleder-Cowboy" allerlei Gelegenheit, antikommunistische Propaganda zu machen: Die Maos dieses Teils der Welt mit ihrer rückhaltlosen Indoktrination und ihren nach allen Nachbarschaften hin grapschenden Krakenarmen waren Duke schon damals ein immenser Dorn im rechten Auge. Dass die etwas ins Hintertreffen geratende asiatische Provinzbevölkerung allerdings einen starken, westlichen Arm braucht, um sich aus ebenjener roten Umklammerung zu befreien, daran ließ "Blood Alley" keinen Zweifel. Dennoch ganz erstaunlich, wie sich zwei so kurz hintereinander entstandene Filme wie "The Sea Chase" und "Blood Alley" unterscheiden können: Wo ersterer noch ungebrochen die Romantizismen des Golden Age of Hollywood zelebriert, gibt sich zweiterer eher progressiv: In punkto Visualität und äußerer Gestaltung deutet "Blood Alley" mehr in Richtung Moderne; Robert Wises elf Jahre später gemachter "The Sand Pebbles" etwa steht ihm wesentlich näher als sein mit demselben Hauptdarsteller angefertigtes, unmittelbares "Vorgängermodell".

7/10

William A. Welmman John Wayne China Hong Kong Seefahrt Flucht


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THE SEA CHASE (John Farrow/USA 1955)


"I won't lie for you."

The Sea Chase (Der Seefuchs) ~ USA 1955
Directed By: John Farrow

Am 1. September 39 liegt der deutsche Marinekapitän Karl Ehrlich (John Wayne) mit seinem alten Kohlendampfer, der 'Ergenstraße', bei Sidney vor Anker. Als der Krieg beginnt, weigert sich Ehrlich, sich und seine Mannschaft internieren zu lassen und flüchtet mit dem Schiff Richtung Südpazifik, an Bord die flüchtige Gestapo-Agentin Elsa Keller (Lana Turner). Verfolgt wird die Ergenstraße von einem Kriegsschiff der Royal Navy mit Ehrlichs früherem Freund Jeff Napier (David Farrar) an Bord, der Elsa liebt und einen fehlgeleiteten Hass auf Ehrlich entwickelt. Der gescheite Seefuchs holt aus Mannschaft und schiff das Letzte heraus gelingt die Flucht bis um Kap Hoorn und hinauf an die Nordatlantikküste Norwegens, wo der verbissene Napier ihn stellt.

Ein schönes, altmodisches Wayne-Vehikel in Scope und Farbe von "Hondo"-Regisseur Farrow, in dem Duke einen alternden, kaisertreuen Seebären gibt, der dem Führer und seinem Nazi-Tross bei jeder sich bietenden Gelegenheit die kalte Schulter zeigt und eine Herzensflucht bewerkstelligt, die eigentlich gleich zu Anbeginn mehr der Wahrung seiner persönlichen Integrität geschuldet ist als der überaus geringen Erfolgsaussichten. Lana Turner als streng gefönte femme fatale macht Laune, ist aber eigentlich bloß ein Alibi-Blondchen, um dem bisweilen allzu verbissen wirkenden Helden eine romantische Breitseite zu verpassen. So entsteht ein liebenswert-kitschiges Kriegsabenteuer ohne den Propaganda-Ballast der Vorjahre, das sich in seiner Eigenschaft als maritim angelegtes US-Pendant zu Käutners "Des Teufels General" allerdings als ziemliche Travestie feilbietet. In den Nebenrollen gibt es mit Paul Fix, Claude Akins, John Qualen und James Arness nicht bloß ein Duke-Faktotum zu bewundern.

7/10

John Farrow Seefahrt WWII Duell Australien Pazifik Insel amour fou


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A HIGH WIND IN JAMAICA (Alexander Mackendrick/UK 1965)


"Will I have to die now?"

A High Wind In Jamaica (Sturm über Jamaika) ~ UK 1965
Directed By: Alexander Mackendrick

Weil ein paar englische Kolonisten in Jamaica die umfassende Zivilisationsfeindlichkeit der Insel als schädigend für ihre Kinder empfinden, schicken sie sie per Schiff zurück in die Alte Welt. Kaum auf See, wird der Schoner von dem Piraten Chavez (Anthony Quinn) und seinen Männern ausgeraubt, sieben der Kinder schleichen sich derweil im Zuge eines Abenteuerspiels unbemerkt auf Chavez' Schiff. Erst am Abend entdecken die Piraten die heimlich an Bord gekommenen Kinder und behalten sie fürs Erste bei sich. Für die Kleinen entwickelt sich die folgende Reise zu einem keinesfalls unangenehmen Abenteuerspiel, derweil Chavez bei der königlichen Marine bereits im Verdacht steht, die Kinder umgebracht zu haben. Unter den Piraten brechen sich Konflikte den Weg, da die Mannschaft die durchaus furchtlose, selbstbewusste Wesensart der Kinder zunehmend misstrauisch beäugt. Als die Piraten ein holländisches Handelsschiff kapern, ersticht die ängstliche Emily Thornton (Deborah Baxter) missverständlich den fremden Kapitän (Gert Fröbe). In England werden Chavez und seine Leute schließlich wegen Mordes vor Gericht gestellt.

Ursprünglich hatte James Mason ein Auge auf Richard Hughes' Erzählung geworfen und eine erste Verfilmung geplant, diese jedoch wurde, nachdem sie kurz die Produktionsetage Disneys gestreift hatte, aufgrund ihrer impliziten Düsternis wieder verworfen und dann erst Jahre später von der Fox realisiert. Mackendricks ursprünglicher Schnitt fand sich für den Kinoeinsatz um rund eine halbe Stunde gekürzt, weshalb der britische Regisseur den Film nachträglich ablehnte. Dabei ist er auch in dieser Form noch hinreichend ungewöhnlich, um die Beschäftigung mit sich lohnenswert zu machen; als moralisches Stück um Schuld, Sühne und den zeitweiligen Zynismus göttlicher Gerechtigkeit lässt er den Zuschauer am Ende sehr nachdenklich zurück. Zwischen dem raubeinigen Piraten Chavez und der etwa zehnjährigen Emily entsteht während der Reise über den Atlantik eine zarte, von fast väterlichem Verständnis geprägte Freundschaft, die damit endet, dass Chavez sogar auf einen reichen Beutezug verzichten will, um die durch einen Unfall verletzte Emily und die anderen Kinder in Sicherheit zu bringen. Doch die Kollision der unschuldigen, aus gutem Hause stammenden Zöglinge mit den abergläubischen Raubgesellen lässt von Anfang an kein versöhnliches Ende zu: Bereits John (Martin Amis), der Älteste, muss unterwegs sterben, weil er durch eigene Unvorsicht aus einem Bordellfenster stürzt. Am Ende schlägt sich der durchaus unbeabsichtigte, unheilvolle Einfluss der Seeräuber so sehr nieder, dass Emily in einer für sie unüberschaubaren Situation zur Mörderin wird. Chavez als einziger Zeuge ihrer Tat verzichtet später vor Gericht freilich auf die Verkündung der Wahrheit, um einerseits Emily zu schonen und andererseits der überdies längst fälligen Sühne in Form des Stricks endlich ins Auge zu sehen. "Ich will nicht für etwas gehängt werden, dass ich gar nicht getan habe", wirft Chavez' mitverurteilter, jüngerer Freund Zac (James Coburn) ein. "Du wirst schonmal irgendetwas angestellt haben, dass den Galgen rechtfertigt", erwidert Chavez lachend. Die kleine Emily derweil gelangt zurück in die wohlbehüteten Arme ihrer Eltern, auf Lebzeit ein böses Geheimnis mit sich schleppend, dass sie vielleicht irgendwann als surrealen Albtraum wird verdrängen können.

8/10

Alexander Mackendrick Kolonialismus Piraten Kinder Karibik Freundschaft Jamaica Richard Hughes period piece


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THE FIGHTING KENTUCKIAN (George Waggner/USA 1949)


"Wouldn't you take a look to the horses?" - "I'll see to the horses."

The Fighting Kentuckian (In letzter Sekunde) ~ USA 1949
Directed By: George Waggner

Nach Napoleons Niederlage und Exil emigrieren einige der ehemaligen Bonapartisten mitsamt ihren Familien in die Neue Welt, erwerben Land in Alabama und bauen sich dort eine neue Existenz auf. John Breen (John Wayne) von der Kentucky-Miliz verliebt sich in die Generalstochter Fleurette De Marchand (Vera Ralston), die jedoch bereits dem vermeintlich heldenhaften Geschäftsmann Blake Randolph (John Howard) versprochen ist. Während seiner Werbung um Fleurette und seiner Rivalität mit Randolph deckt Breen, der sich zusammen mit seinem besten Freund Paine (Oliver Hardy) als Landvermesser tarnt, um in Fleurettes Nähe bleiben zu können, einen Grundstücksschwindel zu Ungunsten der französischen Siedler auf, der in einem Überfall auf Fleurettes Vater kulminieren soll.

Ebenso flotte wie komische Semi-Western-Romaze, die für einen veritablen Genrefilm nicht ganz das recht Setting und die rechte Ära widerspiegelt. Immerhin liefert Waggner mit "The Fighting Kentuckian", der Duke Seite an Seite mit Oliver Hardy in Fransenjacke und Waschbären-Fellmütze präsentiert, einen ungewohnten, cineastisch faktisch unbeackerten historischen Hintergrund, in dem Waterloo-Veteranen auf Südstaaten-Milizen treffen, was Gelegenheit zu einigem Hurra-Patriotismus und Ehrbekundungen gibt. Bedenkt man, dass die gesamte Geschichte derweil vor einer Romanze konstruiert wurde, könnte man sich allerdings besser Errol Flynn in der Titelrolle vorstellen als Duke, doch jener war als Warner-Zugpferd für eine Republic-Produktion vermutlich unabkömmlich. Müßig, darüber zu spekulieren, denn "The Fighting Kentuckian" ist auch so durchaus gelungen. Besonders schön natürlich die ungewöhnliche Partnerschaft zwischen Wayne und seinem comic sidekick Hardy, der sich in einem besonderen Ausnahmefall von seinem Dauerpartner Stan Laurel absentierte, auch neben Duke eine im wahrsten Wortsinne imposante Figur macht und der durch seine liebenswerte Performance viel von dem Film rettet.

7/10

George Waggner Alabama Südstaaten period piece


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HAS ANYBODY SEEN MY GAL? (Douglas Sirk/USA 1952)


"Do you have to make so much noise playing "Silent Night"?"

Has Anybody Seen My Gal? (Hat jemand meine Braut gesehen?) ~ USA 1952
Directed By: Douglas Sirk

Weil er keine legitimen Erben hat, überlegt sich der Multimilliardär Samuel Fulton (Charles Coburn), die (ihm freilich unbekannte) Familie seiner mittlerweile verstorbenen Jugendliebe Millicent, die in einer Kleinstadt lebenden Blaisdells, zu begütern. Um herauszufinden, ob sie dieser Ehre würdig sind, reist Fulton in cognito unter dem Namen John Smith vor Ort, zieht sich bei den Blaisdells als Untermieter ein und arbeitet als Eisverkäufer im Krämerladen des Vaters (Larry Gates). Alsbald hat Fulton seine "Quasi-Familie" sehr lieb gewonnen und entschließt sich, ihre finanzielle Not zu lindern, indem er ihnen anonym 100.000 Dollar zuschießt. Primär infolge der Euphorie der Mutter (Lynn Bari) dauert es nicht lange, und die Eltern haben sich zu versnobten Neureichen entwickelt, derweil die Kinder sich wieder in ihr altes Leben zurücksehnen. Dank Fultons Engagement fügt sich bald alles zu einem glücklichen Ende.

Für den wunderhübsch bunten "Has Anybody Seen My Gal?" fügte sich Sirk zum Moraldidaktiker vom Schlage eines Frank Capra und lieferte ein Reflexion über die alte Weisheit, wie schnell und wie sehr Geld den Charakter verdirbt. Dass er diese Geschichte mit der Lebensabendgestaltung eines superreichen Seniors verknüpft, der als eine Art 'guter Engel' die Geschicke der Familie Blaisdell steuert und beeinflusst, darin liegt der besondere Kniff des Films. Im Grunde ist "Has Anybody Seen My Gal?" nämlich ein prächtiges Altersgeschenk an den herzhaft-knuffigen Charles Coburn, der um diese Zeit, 74-jährig, als listiger und lustiger Opa stets gern gesehen ward und insbesondere diesen Film, eine ebenso erzkonservative wie spießige Hollywood-Phantasie, der man aufgrund ihres Alters jedoch alles zu verzeihen geneigt ist, faktisch trägt. Die noch sehr jungen Piper Laurie und Rock Hudson sind sicherlich nett anzuschauen, aber keineswegs basale Stützpfeiler für Sirk. Pikant wird es, wenn Coburn gegen Ende, nachdem er bei seinen Rettungsmanövern bereits in einer Schnbapsbar und einer Spielhölle aufgegriffen wurde, unterstellt wird, er mache sich an junge Mädchen heran. Glücklicherweise denkt man sich zumindest nichts Schlimmes bei seiner großväterlichen Freundschaft zu der kecken, kleinen Roberta (Gigi Perreau), aber solch verworfene Verdächtigungsoptionen ersparte man sich im sauberen Studiokino jener Tage bewusstermaßen. In einer Minisprechrolle, die retrospektiv seltsamerweise wie ein bewusst eingesetztes Cameo wirkt, ist der noch unbekannte James Dean als Milchbar-Kid zu erblicken.

8/10

Douglas Sirk Familie Erwachsenenmärchen Geld Freundschaft Weihnachten period piece


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THE LAST STAND (Jee-woon Kim/USA 2013)


"I'm the sheriff."

The Last Stand ~ USA 2013
Directed By: Jee-woon Kim

Das hat sich der Druglord Cortez (Eduardo Noriega) fein ausgedacht: Um seiner Überführung von Las Vegas in ein Sicherheitsgefängnis zu entgehen und über die mexikanische Grenze flüchten zu können, hat er bereits einen großbudgetierten Fluchtplan parat, der ihn mit einer superschnellen Corvette bis zum verschlafenen Grenzstädtchen Sommerton und dort über eine eigens angelegte Brücke in die Freiheit führen soll. Bei Sommerton sind Cortez' Handlanger, darunter der böse Burrell (Peter Stormare), alles andere als untätig. Cortez und Burrell rechnen jedoch nicht mit der Verbissenheit des zwar etwas betagten, aber immer noch höchst agilen Sheriffs Owens (Arnold Schwarzenegger), der sein friedliches Ambiente gar nicht gern gestört wissen möchte und mithilfe seiner Deputys auf die Barrikaden geht.

Dieser Quasi-Western, Arnies Hauptrollen-Comeback nach zehn Jahren verpeilter Polit-Abstinenz, hat mir außerordentlich gut gefallen; wesentlich besser sogar, als ich erwartet hatte. Seit "Eraser" hat man den Muskelmann in keinem solch spaßigen, ganz auf seine Person zugeschnittenen Actionfilm mehr sehen können; alles was danach kam, krankte wahlweise am Irrglauben der jeweiligen Produktion, die steirische Eiche in einer dramatisch tragfähigen Rolle ("End Of Days"), in einem sozialkritischen Szenario ("The 6th Day") oder als rachsüchtigen Privatmann ("Collateral Damage") einsetzen zu können, respektive an der allgemeinen Zweitklassigkeit des Films (Terminator 3: Rise Of The Machines"). "The Last Stand" indes begreift wiederum um die überlebensgroße Ikonographie der Kunstfigur Schwarzenegger, leugnet sie nicht und setzt ihr stattdessen noch ein weiteres Denkmal. Der Film ist versiert und sauber, witzig, trocken, brutal und schnell, ohne verlogen zu sein oder sich den langweiligen Neomechanismen des Genres gegenüber allzu affirmativ zu zeigen, ein generationenverbindendes, überaus unterhaltendes Stück Action. In dieser Form zudem eine wohlfeile Startrampe für Weiteres aus der entsprechenden Ecke.

8/10

Jee-woon Kim Arizona Las Vegas Kleinstadt Duell Neowestern FBI Grenze