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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0


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A THUNDER OF DRUMS (Joseph M. Newman/USA 1961)


"Bachelors make the best soldiers. All they have to lose is their loneliness."

A Thunder Of Drums (Massaker im Morgengrauen) ~ USA 1961
Directed By: Joseph M. Newman

Eine Gruppe Indianer, vermeintlich Komantschen, überfällt die Farm der Familie Detweiler und lässt nur die kleine, zutiefst verstörte Laurie (Tammy Marihugh) am Leben. Soldaten des Forts Canby finden das Mädchen und nehmen es in ihre Obhut. Zeitgleich erreicht der ortskundige Nachwuchsoffizier McQuade (George Hamilton), ein selbstsicherer, etwas arroganter, junger Mustersoldat das Fort. Der kommandierende Captain Maddocks (Richard Boone) nimmt ihm jedoch sogleich den Wind aus den Segeln, worauf eine weitere Schlappe für McQuade folgt: Seine frühere Geliebte Tracey Hamilton (Luana Patten) hat sich in seiner Abwesenheit mit Lieutenant Gresham (James Douglas) verlobt. Als dieser von McQuades und Traceys Liaison erfährt, führt er blindlings eine Strafexpedition gegen die Indianer an, die für die gesamte Abordnung tödlich endet. Maddocks und McQuade rücken mit einer Gruppe Soldaten hinterher und können die marodierenden Indianer, die sich als Apachen auf dem Kriegspfad zu erkennen geben, besiegen. McQuade gewinnt endlich Maddocks' Anerkennung, muss Tracey, die Fort Canby zusammen mit der kleinen Laurie verlässt, jedoch zunächst aufgeben.

Die sich bereits nach wenigen Minuten aufdrängende Ähnlichkeit mit Fords großer Kavallerie-Trilogie und auch mit "The Searchers" kommt nicht von ungefähr: Nicht nur dem großen Regiemeister selbst eifert Newman unverkennbar nach; das Script stammt zudem von James Warner Bellah, der die zugrunde liegenden Storys für "Fort Apache", "She Wore A Yellow Ribbon" und "Rio Grande" verfasste. Hier wie dort observiert man das Alltagsleben in einem militärischen Außenposten inmitten des außerweltlich anmutenden Indianergebiets: Verbrechen an unschuldigen Zivilisten sind ebenso an der Tagesordnung wie unermüdliche Belagerungszustände, permanente Scharmützel mit dem Feind oder, im Gegenzuge, Feste, Familiengründungen und Freund- sowie Feindschaften innerhalb der Fortmauern. Am Zahltag lassen die Rekruten sich gehörig volllaufen und machen den Eindruck verlotterter Suffköpfe, doch im Feld sind sie einer wie der andere zuverlässige, abgeklärte Profis.
Erwartungsemäß fehlen "A Thunder Of Drums" die Anmut und Eleganz, kurzum: das Genie, welches die bevorbildeten Musterarbeiten Fords auszeichnet. Böse Zungen könnten gar behaupten, Newmans vorletzte Kino-Inszenierung stelle eine Vulgärversion der ford'schen USC-Porträts dar, zumal die Blauröcke (allen voran Charles Bronson, Slim Pickens und Frank Gerstle) hierin weniger wirken wie die Protagonisten klassischer Tragödienstoffe, sondern tatsächlich wie instinktgesteuerte Haudegen; Typen, die nichts anderes gelernt haben und für eine Flasche Bourbon und eine aparte Squaw alles andere stehen und liegen lassen. Ich mag die ehrliche Handwerkskoloratur von "A Thunder Of Drums" sehr gern und finde, dass Boone, Hamilton und Bronson einen durchaus passablen Ersatz bieten für Duke Wayne, John Agar und Victor McLaglen.

8/10

Joseph M. Newman Kavallerie Freundschaft Arizona Indianer


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FORT MASSACRE (Joseph M. Newman/USA 1958)


"I need a six-foot hole dug. Any volunteers?"

Fort Massacre (Die Letzten der 2. Schwadron) ~ USA 1958
Directed By: Joseph M. Newman

Nach einem Scharmützel mit feindlichen Apachen bleibt von einem Kavallerie-Regiment, das ursprünglich zur Eskortierung eines Siedlertrecks unterwegs ist, nurmehr ein versprengter Haufen. Als ranghöchster Offizier übernimmt Sergeant Vinson (Joel McCrea) das Kommando über die Männer, ein von tiefem Hass zerfressener Fanatiker, der einst seine Frau und seine beiden Kinder infolge eines Indianerüberfalls verlor. Die Apachen ständig im Nacken, missbraucht Vinson die verbleibenden Soldaten für seinen persönlichen Rachefeldzug und trifft einige strategisch höchst fragwürdige Entscheidungen, die wiederum mehrere Männer das Leben kostet. In einem verlassen Begräbnis-Pueblo kommt es zur letzten Schlacht, an deren Ende der zuvor stets neutral verbliebene Rekrut Travis (John Russell) endlich Partei ergreift...

In seiner späten Karrierephase fertigte der eher als Routinier bekannte Regisseur Joseph M. Newman noch zwei sehenswerte Kavallerie-Western, wovon "Fort Massacre" der erste ist. Darin ist der sonst beinahe stets in untadeligen Heldenrollen besetzte Veteran Joel McCrea in der Rolle eines psychisch schwer angeschlagenen Indianerhassers zu sehen, der die sich ihm zufällig bietende Chance einer notwendigen Kommando-Führung zu egoistischen Zwecken missbraucht. Die ihm unterstehenden Männer gehorchen zwar seinen Anordnungen, stehen diesen aber zurecht zunehmend kritisch gegenüber und halten, nachdem Vinsons Aktionen immer mehr unnötige Todesopfer fordern, selbst mit offensiven Verbalangriffen nicht länger hinterm Berg. Einzig in dem gebildeten, wenngleich zur Meinungspassivität neigenden Private Travis findet Vinson einen weithin verständigen Gesprächspartner, der allerdings schließlich auch nicht anders kann, als Vinson eine unkontrollierbare Gefährlichkeit zu attestieren und sich gezwungen sieht, dessen Despotismus gewaltsam zu beenden. McCrea gibt eine eindrucksvolle Vorstellung ab, die eine Art Diametralentwurf zu seiner großen Rolle in Wellmans "Buffalo Bill" darstellt, als der er ehern für die Indianerrechte einzutreten pflegte.
Ein psychologisch ausgereifter, ebenso spannender wie kammerspielartiger Western, der die Wiederentdeckung lohnt.

8/10

Joseph M. Newman Kavallerie Indianer New Mexico Madness


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AS ABOVE, SO BELOW (John Erick Dowdle/USA 2014)


"There's only one option: to reach the exit, we must go deeper underground."

As Above, So Below (Katakomben) ~ USA 2014
Directed By: John Erick Dowdle

Die Jungforscherin Scarlett (Perdita Weeks) wandelt auf den wissenschaftlichen Spuren ihres Vaters: Dieser hat sich mit den frühen Alchimisten befasst und dem legendären "Stein der Weisen" nachgespürt. Ein signifikanter Hinweis im Iran führt Scarlett zu den Katakomben von Paris, in denen bekanntlich die Gebeine von 6 Millionen Toten lagern. Scarlett schart ein kleines Team um sich, darunter den Dokumentarfilmer Benji (Edwin Hodge), ihren Ex-Kompagnon George (Ben Feldman) und den ortskundigen, geldgierigen Papillon (François Civil) und dringt durch einen wenig bekannten Eingang in das Tunnellabyrinth vor. Seltsame Erlebnisse wie die Zeremonie eines bizarren Totenkults oder das urplötzliche Erscheinen des seit langem hier vermissten La Taupe (Cosme Castro) schrecken Scarlett nicht und schließlich gelangt sie an ihr lang ersehntes Ziel. Doch mit dem Fund des Steins der weisen bricht in den Katakomben die buchstäbliche Hölle los.

Höhle oder Hölle, das ist hier die Frage! In diesem nicht vollends versagenden, jedoch in zahlreichen Belangen enttäuschenden Beitrag zum Subgenre des 'embedded filming': Es beginnt bereits damit, dass ebenjene Stilkonzeption im Rahmen der Geschichte von "As Above, So Below" recht selbstzweckhaft daherkommt. Um mich nicht missverstanden zu wissen: Dies tut sie natürlich häufig, doch speziell in diesem Falle fragt man sich in frequentiertem Maße allenthalben, ob nicht die gute alte Objektive dem Film deutlich besser zu Gesicht gestanden hätte. Um möglichst rasche Perspektivwechsel zu ermöglichen hat - selbstredend - jeder der unterirdischen Mitläufer seine eigene Kamera auf dem Schutzhelm, was die wie von Geisterhand gelenkte Schnittmontage höchst fragwürdig gestaltet. Damit muss man ergo via großzügigen good wills zurechtkommen.
Seine Story indes legt Dowdle irgendwo zwischen den archäologischen Fantasy-Eskapaden eines "Indiana Jones" und "Flatliners" an: ein sagenumwobenes Artefakt wird gesucht und manch unzweideutiger Warnung zum Trotze auch gefunden. Doch tritt die naive, wissenschaftliche Neugier der Forscher wiederum großes Unheil los, denn unter Paris liegt nichts Geringeres als ein (weiteres) Portal zum Inferno. Jenes manifestiert sich in Form einer Art "Spiegelwelt" zur Oberflächenrealität und führt den jenem Grauen Ausgelieferten neben allerlei dämonischem Umtrieb auch ihre jeweils schlimmste Lebenssünde vor Augen. Damit kommt nicht jeder der Eingschlossenen zurecht und so erhöht sich bald die Zahl der hier eingelagerten Leichen. Dass Dowdle durchaus etwas davon versteht, unheimliche Augenblicke und Stimmungen zu kreieren, beweist er hinreichend, doch nahezu jeder in dieser Hinsicht positive Ansatz versandet ebenso schnell wieder, wie er sich zuvor eingeschlichen hat. Die oberkluge Protagonistin und ihr unermesslicher Reichtum an Durchblick (warum braucht die Dame den Stein der Weisen überhaupt? weiß doch eh schon alles) nerven irgendwann beträchtlich und das Ende hinterlässt einen kaum befriedigter. Hier hätte sich ein hübsch apokalyptisches Statement geradezu aufgedrängt, doch auf einmal ist alles wieder beim Alten. So ähnlich wie im gesamten Film.

5/10

John Erick Dowdle embedded filming Paris Hölle Archäologie Höhle


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PELLE EROBREREN (Bille August/DK, S 1987)


Zitat entfällt.

Pelle Erobreren (Pelle, der Eroberer) ~ DK/S 1987
Directed By: Bille August

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Nach dem Tod seiner Frau emigriert der alternde schwedische Landarbeiter Lasse Karlsson (Max von Sydow) mit seinem achtjährigen Sohn Pelle (Pelle Hvengaard) ins verheißungsvolle Dänemark. Dort verspricht sich der bildungsferne Alte sein kleines Glück: ein geregeltes Auskommen, eine neue Ehefrau und eine Zukunft für den geliebten Jungen. Auf Bornholm finden die beiden eine Anstellung auf dem Steinhof des Grundbesitzers Kongstrup (Axel Stroybø). Der überlässt die Schindereien und Kleinmachereien seiner Knechtschaft dem garstigen Verwalter (Erik Paaske). In den folgenden zweieinhalb Jahren lernt Pelle viel über das Gefälle zwischen den Ständen, über Bigotterie, Aubeutertum und die Verlogenheit der Oberklasse. Schließlich macht er den Traum des kämpferischen Vorarbeiters Erik (Bjørn Granath) wahr und macht sich auf nach Amerika.

In seinem pompösen Sittengemälde konzentriert sich Bille August auf die frühen Lehrjahre des Protagonisten Pelle Karlsson, der in Martin Andersen Nexøs deutlich weitläufigerem Romanzyklus, in dem Pelle als junger Mann weiter nach Kopenhagen zieht und dort im Laufe der Jahre zu einem Helden der unterdrückten Arbeiterklasse wird. Das Filmende kommt indes deutlich märchenhafter daher, wenngleich im Rahmen der Transponierung nicht unpassender: Pelle schafft es, sich dem sackgassenhaften Knechtschicksal, das sein zunehmend entkräfteter Vater längst für sich akzeptiert hat, zu entfliehen und nach neuen Ufern zu suchen. Ob er diese nun mittelfristig im lobgepriesenen Amerika oder im deutlich näher gelegenen Sjælland finden mag, ist für das Ende des Films zunächst unerheblich; wichtig ist der Emanzipationsgedanke. Pelle erreicht dieses frühe Ziel durch Bildung, die sich sowohl durch althergebrachte schulische und katechistische wie auch eine gehöroge Portion Autodidaktik vollzieht. Pelle lernt, die Menschen zu beobachten und einzuschätzen; wie sie bereit sind, sich für einen Hungerlohn und einen Hering zu verkaufen und demütigen zu lassen und dass es nur wenige gibt, die die innere Kraft zum Aufbegehren gegen den althergebrachten Status aufbringen. Über allem schwebt stets der bedrohliche Geist der "Obrigkeit", die Pelle in Form eilends herbeigerufener Uniformierter nebst geschlossener Droschke wahrnimmt, die jene abholen, die sich in irgendeiner Form schuldig gemacht haben. Wie die unglückliche Magd Anna (Kristina Törnqvist), die ein uneheliches Kind zur Welt gebracht und getötet hat. Andere kommen glimpflicher davon, so Frau Kongstrup (Astrid Villaume), die ihren Gatten, nachdem dieser die minderjährige Nichte Sine (Sofie Gråbøl) geschwängert hat, kurzerhand kastriert. So etwas fällt dann unter großfamiliären "Unfällen". Pelles eigentliches Vorbild, der zum revolutionären Gestus neigende Erik, fällt eines Tages, bevor er sich zur längst fälligen Aktion aufraffen kann, einem beklagenswerten Unfall zum Opfer: Ein Steinklotz raubt ihm Hirn, Verstand und Rebellionswillen. Erik wird zur geistlosen, lobotomierten Hülle. Doch Pelle vergisst dessen Versprechen, dereinst mit ihm die Welt zu bereisen, nicht und macht sich schlussendlich allein auf den Weg.
Weltgeschichte durch die unbefleckten Augen eines Kindes - oder Simplicissimus - zu betrachten, liefert häufig eine segensreiche Erzählperspektive in Literatur und Film. "Pelle Erobreren" macht da keine Ausnahme. Ein Film, für den man sich ob seiner doch recht intensiven Emotionalität (auf deren Klaviatur August ja stets vortrefflich zu spielen versteht) mit gutem Mut wappnen mag, der jedoch sein Publikum geradezu fürstlich entlohnt.

9/10

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MORTE SOSPETTA DI UNA MINORENNE (Sergio Martino/I 1975)


Zitat entfällt.

Morte Sospetta Di Una Minorenne (The Suspicious Death Of A Minor) ~ I 1975
Directed By: Sergio Martino

Im Zuge eines Undercover-Einsatzes macht sich der Mailänder Commissario Germi (Claudio Cassinelli) an die junge Prostituierte Marisa (Patrizia Castaldi) heran - nur um diese kurze Zeit später mit durchschnittener Kehle in ihrer Wohnung aufzufinden. Seine nachfolgenden Ermittlungen mithilfe des Trickganoven Giannino (Adolfo Caruso) führen Germi nicht nur tiefer ins Rotlichtmilieu, sondern auch zu einer längst geklärt scheinenden Kindsentführung, Versicherungsbetrug im großen Stil und schließlich einem Verbund arrivierter Geschäftsmänner, dem der aalgatte Pesce (Massimo Girotti) vorsitzt. In diesem hat Germi bald seinen persönlichen Intimfeind, zumal sein Chef (Mel Ferrer) zwecks Skandalsvermeidung um jeden Preis verhindern will, dass Pesce öffentlich an den Pranger gestellt wird...

Mit "Morte Sospetta Di Una Minorenne" legte Alleskönner Sergio Martino einen ebenso schönen wie ungewöhnlichen Spagat zwischen den drei damals aktuellen Erfolgslinien im italienischen Kriminalfilm vor: Das Stück beginnt wie ein Giallo, verwandelt sich später, nachdem die zuvor mysteriös gehaltene Rolle des Protagonisten Germi sich geklärt hat, in einen Poliziottesco und enthält darüberhinaus latente, an die Rizzo- und Giraldi-Reihen angelehnte Humor-Elemente, die natürlich zumeist im Zusammenhang mit den Auftritten von Germis Sidekick Giannino stehen; darunter eine ebenso actionreich wie komisch inszenierte Verfolgungsjagd mit Ente. Hinzu gesellen sich die Aufklärung einer brutalen Mordserie, für die vordergründig ein Killer mit verspiegelter Sonnenbrille verantwortlich zeichnet, die übliche Dosis Gesellschaftskritik, die hinter den organisierten verbrecherischen Schweinereien die ehrbarsten Gesellschaftsmitglieder der Stadt nebst einer mundtot geschalteten Justiz verortet un ein klein wenig Exolitation. Alles in allem ergibt das einen kleinen Sonderling auf dem großzügig beackerten Areal des mediterranen Thrillers, in dem ganz besonders Claudio Cassinelli zu glänzen weiß. Wie der sich nach einer scheinbar resignierten Fügung in den Lauf der ungerechten Dinge doch noch zum Racheengel aufschwingt, das ist einfach überaus wohlschmeckend.

8/10

Sergio Martino Mailand Giallo Poliziottesco Rache Freundschaft


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AMORE E MORTE NEL GIARDINO DEGLI DEI (Sauro Scavolini/I 1972)


Zitat entfällt.

Amore E Morte Nel Giardino Degli Dei (Liebe und Tod im Garten der Götter) ~ I 1972
Directed By: Sauro Scavolini

Ein alternder, habilitierter Ornithologe (Franz von Treuberg) mietet sich zwecks Studien der Vogelart 'Indikator' in eine leer stehende, umbrische Villa ein. Bei einem Gang über das dazugehörige, große Naturgrundstück entdeckt der Professor ein abgespultes Tonband. Nachdem er dieses wieder hergerichtet und gesäubert hat, hört er es sich an: Es enthält die Aufnahmen der therapeutischen Sitzungen eines Psychiaters (Ezio Marano) mit seiner Patientin Azzura (Erika Blanc). Jene hatte scheinbar ihren Selbstmord zu inszenieren versucht, jedoch erfolglos. Daher nahm sich der geschulte Freund ihres Mannes, des Tenors Timothy (Rosario Borelli) ihrer an. Der Professor lauscht einer Vielzahl intimer Geständnisse und erfährt unter anderem, dass Azurra ein langes, inzestuöses Verhältnis mit ihrem Bruder, dem Künstler Manfredi (Peter Lee Lawrence) pflegte. Dieser hat mittlerweile den Verstand verloren und lauert nach mehrfachen Morden nun auf den Professor, den letzten, unfreiwilligen Mitwisser seiner Verbrechen...

Ein sehr gemächlich erzählter Giallo, den der in der Hauptsache als Autor für Sergio Martino beschäftigte Sauro Scavolini mithilfe seines etwas bekannteren Bruders Romano herstellte. "Amore E Morte Nel Giardino Degli Dei" enthält sich weitgehend jeglicher Schlüpfrigkeiten und lautstarke Brutalitäten, verzichtet somit auf übermäßig Exploitatives und lässt sich eher zu den gemächlich erzählten, ruhigen Gattungsexemplaren rechnen. Mit dem ornithologisch tätigen Professor erhält der Zuschauer einen besonders entspannten, ruhigen Klienten, der seiner detektivischen Arbeit aus Neugier betont langsam, Kaffee trinkend und permanent rauchend nachgeht. Die entsprechenden Rückblenden, die sich aus den Tonband-Studien des Professors ergeben, spielen sich zumindest anfänglich kaum minder unaufgeregt ab. Zum richtigen Genrefilm - und damit wohl auch zu dem, was ungeduldigere Zeitgenossen sich von dem Film womöglich früher erhofft hätten - avanciert Scavolinis Werk erst in der zweiten Hälfte, in der, nach einigem Beziehungs-Hin-und-Her endlich auch das kriminalistische Element zu Tage befördert wird: Manfredi dreht nach einer höhnisch dargebotenen Wahrheits-Offerte endgültig durch und fährt wie ein Racheengel mit Schwert und Pistole auf all jene nieder, die er mit seiner Enttäuschung unmittelbar in Verbindung sieht. Dennoch erweist sich die narrative Komposition von "Amore E Morte Nel Giardino Degli Dei" letzten Endes als sehr ausgewogen, da sie eine saubere Einteilung in vier Akte ermöglicht und dem Film eine verschachtelte und dennoch wohldurchdacht anmutende Struktur verleiht. Hat mir sehr gefallen.

8/10

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THE STONE ROSES: MADE OF STONE (Shane Meadows/UK 2013)


"For a true fanboy like myself, this reunion is nothing less than a dream coming true."

The Stone Roses: Made Of Stone ~ UK 2013
Directed By: Shane Meadows

Nachdem die der Madchester-Kernszene zugehörigen Stone Roses nach ihrem ikonischen Debüt-Album von 1989 und dem legendären Spike-Island-Gig im Mai 90 kein ebenbürtiges Werk folgen zu lassen vermochten (der 94er-Nachfolger "Second Coming" versandete vergleichsweise sang- und klanglos und gilt bis heute als eher bedeutungslos), löste sich die einstmals sehr großmäulige Band um Frontman Ian Brown auf, wurde jedoch bald von ihrer imposanten Fangemeinde schmerzlich vermisst. 2011 kündigte man dann die langersehnte Wiedervereinigung an, was für viele treue Anhänger früherer Tage wie etwa den Regisseur Shane Meadows gleichfalls einer rückgewandten Zeitreise in glückliche(re) Jugendjahre entsprach. Ein semi-offizielles Eröffnungskonzert in der Warringtoner Parr Hall, für das die etwa 1000 Karten ausschließlich vor Ort erhältlich waren, fand sich in Windeseile ausverkauft; ein einen Monat späterer Auftritt im Heaton Park, Manchester läutete dann eindgültig das triumphale Comeback der Truppe ein.
"Made Of Stone", benannt nach der wunderbaren vierten Single der Roses, gibt sich weder als herkömmliche Band-, noch als Konzert-Doku, sondern eher als Porträt eines beinharten Fans, der zufällig subkulturerfahrener Filmemacher ist und der das "third coming" seiner Helden inszenieren darf. Aktuelles Material mischt sich mit Archivaufnahmen der damaligen Erfolgsstory, was eine metachronologische Collage ergibt. Vielfach bezeichnete man "Made Of Stone" in der britischen Presse als "Liebesbrief Shane Meadows' an die Roses" und irgendwie ist da verdammt viel dran. Sein Film ist betont unkritische Heldenverehrung, die die trüberen Kapitel der Band-Historie kurzerhand ausspart, sich jedoch auch erst gar nicht den Anstrich eines objektiv gehaltenen, biographischen Abrisses zu geben versucht. Vielmehr handelt es sich um einen der persönlichsten, emotionalsten Musikfilme die ich kenne. Und um einen der besten, ganz nebenbei erwähnt.

9/10

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THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG (USA/NZ 2013)


"What have we done...?"

The Hobbit: The Desolation Of Smaug (Der Hobbit - Smaugs Einöde) ~ USA/NZ 2013
Directed By: Peter Jackson

Weiter geht die Reise von Gandalf (Ian McKellen), dem Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) und den dreizehn Zwergen Richtung Erebor. Nachdem man sich mit dem gefährlichen, letzten Hautwechsler Beorn (Mikael Persbrandt) arrangiert hat, geht es weiter zum Düsterwald, wo Gandalf sich von den Übrigen trennt und sich nach Dol Guldur aufmacht, wo er den Nekromanten vermutet. Bilbo und die Zwerge müssen sich derweil gegen Riesenspinnen und feindselige Elben behaupten, bevor sie mit Hilfe von Bilbos Ring und unter heftigen Attacken der sie verfolgenden Orks entfliehen können und zu der von Menschen bewohnten Flussstadt vor Erebor gelangen. Mit der Unterstützung des freischärlenden Händlers Bard (Luke Evans) gelingt ihnen der Aufstieg auf den Berg und das Eindringen in das frühere Zwergenreich, das jetzt vom schlafenden Drachen Smaug bewohnt wird. Jenen erweckt Bilbo bei seiner Suche nach dem Arkenstein und alle folgenden Versuche, Smaug zu bezwingen, scheitern. Tatsächlich wird das Monster nur höchst wütend und macht sich auf, die Flussstadt mit all ihren Einwohnern zu zerstören...

Wie vor fast gexakt einem Jahr angekündigt nun die bereits ersehnte Betrachtung des Mittelstücks der neuen Tolkien-Trilogie. Zunächst darf man vor allem wohlwollend registrieren, dass die Ausdehnung des stofflich eigentlich nicht solcherlei filmische Epik hergebenden Ursprungsromans von J.R.R.Tolkien nicht nur gelungen, sondern überaus lohnenswert ausfällt. Die sich latent im Hinterkopf befindlichen Kenntnis von "Lord Of The Rings" ermöglicht zahlreiche, der Komplexität der Geschichte förderliche Brückenschläge, die etwa einen vorgezogenen Auftritt des Elbenkriegers Legolas (Orlando Bloom) oder deutliche Hinweise auf das nahende Wiedererstarken Saurons umfassen. Die halluzinatorische Szene im Düsterwald sowie die beiden vordringlichsten Actionsequenzen, nämlich die Flucht in den Weinwässern aus der Elbenfeste und der spätere Kampf gegen Smaug (den es im Buch überhaupt nicht gibt) erreichen mit ihrer unglaublichen Rasanz und Perfektion eine neue Qualität, die trotz ihrer vornehmlich artifiziellen Genese in ihrer Kernigkeit an das dreißig und mehr Jahre zurückliegende "Achterbahn-Kino" von Lucas und Spielberg erinnern. Ferner bleibt hinreichend Zeit für eine fortlaufende Charakterisierung einzelner Figuren, so des liebenswerten, alten Zwerges Balin (Ken Stott) oder der wiederum hinzuerfundenen Elbin Tauriel (Evangeline Lilly).
Jacksons filmisches Mittelerde-Epos ist um ein grandioses Kapitel reicher, das wiederum höchste Vorfreude auf den Finalteil weckt. Auch diesen werde ich mir als persönliche Premiere in der sowieso einzig gültigen, erweiterten Fassung gönnen. In einem Jahr also: gleiche Stelle, gleiche Welle.

9/10

Peter Jackson J.R.R. Tolkien Monster Road Movie Freundschaft Reise D.C. Duell Guillermo del Toro Sequel


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SOLAMENTE NERO (Antonio Bido/I 1978)


Zitat entfällt.

Solamente Nero (Blutiger Schatten) ~ I 1978
Directed By: Antonio Bido

Nach Jahren kommt Stefano (Lino Capolicchio), mittlerweile als Universitätsprofessor tätig, auf seine kleine, Venedig vorgelagerte Heimatinsel zurück. sein älterer Bruder Paolo (Craig Hill) ist hier Pastor und von einigen Ortsansässigen wenig gut gelitten. Just mit Stefano Rückkehr beginnt auf dem Eiland eine Mordserie, die wundersamerweise vornehmlich Paolos Gegner betrifft wie den homosexuellen Lebemann Pedrazzi (Massimo Serato) oder den Arzt Aloisi (Sergio Mioni). Zusammen mit der hübschen Künstlerin Sandra (Stefania Casini) versucht Stefano, den Gewaltverbrechen auf den Grund zu gehen. Dabei wird er selbst immer wieder mit anfallartigen Flashbacks, die in seine Kindheit zurückzureichen scheinen, konfrontiert.

Der Giallo hatte seine Hochzeit bereits hinter sich und Argento sich unlängst dem Übersinnlichen zugewandt als "Solamente Nero" kam, eigentlich eine Art kleiner Nachklapp zum Subgenre. Dabei macht Bidos Film sich durchaus gut, nicht zuletzt aufgrund des pittoresken Drehortes, der viel herbstliches, venezianisches Flair bereithält und aufgrund der feinen Besetzung. Selbige hält ein Wiedersehen mit Lino Capolicchio aus Pupi Avatis feinem "La Casa Delle Finestre Che Ridono" bereit und bietet zudem eine wie meist zeigefreudige Stefania Casini (nebst Bauchkettchen - seufz - ) auf, mit Craig Hill einen gestandenen Hollywood-Grandseigneur und mit Massimo Serato ein weiteres, bereits klassisch zu nennendes Kino-Antlitz. Attribute, die nachgerade für sich sprechen und "Solamente Nero" zu einem gehobenen, wenngleich eben recht spätem Gattungsvertreter küren.

7/10

Antonio Bido Giallo Venedig Serienmord Brüder Madness


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MIO CARO ASSASSINO (Tonino Valerii/I, E 1972)


Zitat entfällt.

Mio Caro Assassino (My Dear Killer) ~ I/E 1972
Directed By: Tonino Valerii

Ein Versicherungsangestellter (Francesco Di Federico) wird, von einem Bagger enthauptet, am Ufer eines Sumpfes vor der Stadt aufgefunden. Der zunächst rätselhaft anmutende Fall führt den ermittelnden Inspettore Peretti (George Hilton) bald zu weiteren Leichen, die, wie sich herausstellt, allesamt in Verbindung mit einem bereits als abgeschlossen geltenden Fall von Kindesentführung in Verbindung stehen: Damals wurde die kleine Stefania Moroni (Lara Wendel) von Unbekannten entführt und nebst ihrem Vater später tot aufgefunden...

Ein eher unspektakulär ausgefallener Giallo, der formale Extravaganzen weitgehend vermissen lässt und sich stattdessen ganz auf die Lösung des von George Hilton zu bearbeitenden, verworrenen Kriminalfalles konzentriert. Tonino Valerii, der beim Western begann und auf diesem Sektor auch seine bleibendsten Arbeiten sowie hauptsächliche Meriten eingefahren hat, liebäugelte nur dieses eine Mal mit dem italienischen Kriminalgenre und verlor sich später in immer selteneren Genrearbeiten, bis er sich Ende der Neunziger ganz vom Film zurückzog. Für seinen unikalen Œuvre-Status kann "Mio Caro Assassino", der sich zudem eines eindringlichen Morricone-Scores rühmt, allerdings von sich behaupten, einen gelungenen Exkurs zu repräsentieren, wenngleich er auf die psychedelischen Farb- und Kameraspiele der schönsten Gialli verzichtet. Unter dem Strich hinterlässt er, mit Ausnahme vielleicht der etwas albernen, an Agatha-Christie-Auflösungen gemahnenden Finalszene, in der Peretti alle Verdächtigen versammelt und den Schuldigen schließlich aus der Reserve lockt, ebenso schnörkelloses wie zufriedenstellendes, mediterranes Thrillerkino.

6/10

Tonino Valerii Giallo Rom Kidnapping Serienmord