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Ubaldo Terzanis Schreibstube Volume 2

Hier polemisiert der Meista!

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SERBUAN MAUT


SERBUAN MAUT Eine irgendwo dilettantisch vorgehende und schlecht ausgestattete 14-köpfige Spezialeinheit der indonesischen Polizei erstürmt auf Befehl eines korrupten Vorgesetzten einen 15-stöckigen Wohnblock, der von einem Drogen-Lord und seinen circa 100 schwerbewaffneten Vasallen bewohnt wird. Ergo: die Kacke dampft exorbitant, lan!!!

Scheiß auf Logikschwächen, scheiß auf mangelhafte Erzählung. Das einzige Problem dieses herausragenden Films ist ja bloß dass er ab und zu seinen Adrenalin-Rausch unterbricht, um irgend ne Kacke zu erklären. Ansonsten sieht man hier 100 Minuten lang atemberaubend choreografierte Fights, spektakulär grausige Tötungen, spannendes Vorpreschen in unbekanntes Terrain des Wohnblocks, fiese Hinterhalte, gnadenlose Gewalt, packenden Überlebenskampf, und hinter jeder Ecke wartet der Tod auf jene Polizisten, die sich blauäugig da hinein begeben haben ...aber auch auf die Vasallen des Dorgen-Lords warten unmenschliche Qualen; auf beiden Seiten wird unerbittlich dezimiert. Visuelles Kino in Reinform. Himmel Arsch und Zwirn, dieser Film ist dermaßen knallhart und in der Darstellung dermaßen explizit dass ich nicht weiß, ob man ihn noch als Actionfilm oder schon als Slasher bezeichnen soll. Amerikanische Actionfilme sind Kinderkacke dagegen; hier sieht man den wahren Horror. Ubaldo ist geflasht. Menschen sterben wie die Fliegen, oder liegen schwerverwundet um ihr Leben bettelnd und blutend am Boden. Sogar Kinder töten oder werden getötet. Blut, Gewalt, Angst, Leid, elendes Verrecken und Agressionen so weit das Auge reicht.

Dieser Film ist überragend geschnitten, das Sounddesign lässt einem die Nackenhaare aufrecht stehen, die Bilder sind ständig in brisanter Bewegung und decken schonungslos auf. Zum Ende hin geht dem Film etwas die Luft aus (bitte kürzen), aber was man bis dahin zu sehen bekommt, ist packendstes und kompromisslosestes und explizitestes Bewegungskino.

8,5/10

nächtlich besoffener hirnfurz nicht korrekturgelesen

Action Slasher Polizei Gewalt


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Die weise Eminenz Ubaldo proklamiert ex cathedra die 16 herausragenden Filme der Monate Januar bis Mai, lan, die man gesehen haben sollte


Tolles Filmjahr bis jetzt.

16.) UN AMOR

15.) CHRONICLE

14.) FAUST

13.) TERRAFERMA

12.) J EDGAR

11.) OSLO 31 AUGUST

10.) PUSSIKALJAELOKUVA

09.) BOOK CHON BANG HYANG

08.) THE INNKEEPERS

07.) NUIT BLANCHE

06.) A.C.A.B.

05.) RABAT

04.) L'APOLLONIDE: SOUVENIRS DE LA MAISON CLOSE

03.) LIKE CRAZY

02.) SHAME

01.) A TORINIO LO


filmtitel nicht korrekturgelesen

überhebliche Belehrung Filmsnobismus Asi-Geschwafel


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MIRROR MIRROR


MIRROR MIRROR Es wird etwas vom Märchenstoff abgewichen und eine sich zunehmend emmanzipierende Snow White gezeigt, die das Kämpfen erlernt und für die Rechte des von ihrer Schwiegermutter unterdrückten Volks einsteht; dies zusammen mit den Zwergen, die zum Teil stilisiert sind wie Renegaten aus dem Wilden Westen. Snow White ist sogar so schlau dass sie den vergifteten Apfel ablehnt und ihrer Schwiegermutter in den Hals steckt. Der Traumprinz auf der anderen Seite ist ein trotteliges Weichei, das sich alle 5 Minuten blamiert. Dieses Aufbrechen klassischer Rollenbilder läuft aber letztendlich ins Leere, weil sich Snow White am Ende doch in die Arme des Prinzen begibt. Und da fragt man sich: Wozu braucht eine stark und selbstständig gewordene Snow White so ein trotteliges Weichei? Vieles in diesem Film wirkt halbgahr und nicht zu Ende gedacht. Ebenfalls über den modernen Schönheitswahn, der anhand der eitlen Schwiegermutter mehrfach thematisiert wird, vermögen die Filmemacher nichts bereicherndes auszusagen oder Denkanstöße zu liefern. Die desaströse Personenregie und das unterirdische Drehbuch geben dem erwachsenen Zuschauer schon vorher den Rest: Die Figuren agieren allesamt wie fleischgewordene Tele Tubbies, unter den inflationär gestreuten Gags gibt es nur eine Handvoll, die nicht kindisch oder vorhersehbar wären. Alle benehmen sich überkandidelt, alles ist bunt und humoristisch infantil. Der Film richtet sich offensichtlich an sehr junge Zuschauer, versäumt es dabei aber, auch dem erwachsenen Zuschauer auf ihn zugeschnittenen Humor und für ihn interessant agieremde Figuren zu bieten. Vermutlich haben Kinder im Kino mehr Spaß damit als ihre erwachsenen Begleiter.

Auf der Habenseite sind einige durchaus nicht unkluge visuelle Einfälle zu verbuchen: Personen werden in beim Erzählen der Vorgeschichte durch die Königin in ihrer Phantasie als hässliche, uniforme Holzfiguren visualisiert. Später werden Untertanen als lebende Schachfiguren missbraucht. Die Zwerge kompensieren mit Hosenstelzen und eisernen Masken und machen einen auf dicke Hose. Das Gewissen der Königin ist auf eine isolierte "Gefängnis"-Insel hinter dem Spiegel verbannt. Viele Figuren kleiden sich ihrem Charakter entsprechend.
Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Generell ist zu konstatieren dass die Bilder in MIRROR MIRROR mehr über die Psychologie der Figuren aussagen und stärkere Bedeutungsträger sind als das maue Drehbuch und die kindische Personenregie. Das stimmt Ubaldo dann milde. Ebenso dass es in diesem Film reichlich eye candy gibt in Form von phantastischen Sets und wohlkomponierten, wenn auch oftmals sterilen Bildkompositionen, die oftmals sehr toll mit räumlicher Tiefe umgehen. Summa Summarum ist MIRROR MIRROR aber eine halbgare, nicht zu Ende gedachte und in sich widersprüchliche Neuinterpretation eines alten Stoffes und enerviert den erwachsenen Zuschauer 100 Minuten lang mit infantilem Humor, debil überkandidelt aggierenden Menschen und emotionaler Ebbe.

5/10

hirnfurz nicht korrekturgelesen

Komödie Kinder Märchen


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NUIT BLANCHE


NUIT BLANCHE Bravo! Das ist der packenste, elektrisierendste und direkteste Kriminal/Actionfilm des Jahres 2012 bisher. Ein korrupter, gieriger Bulle geht mit ner Tasche voller Koks in den Nachtclub eines Mafia-Dons, um die geklauten Drogen gegen seinen Sohn einzutauschen, den der Mafia-Don entführt hat, doch er ahnt nicht dass die Dienstaufsicht ihm auf den Fersen ist. Eine simple, aber effektive Prämisse. Die Ereignisse verselbstständigen und verkomplizieren sich bald, es wird immer brutaler, dramatischer, unübersichtlicher. Erzählt und erklärt wird nicht viel; es geht zunehmend um das bloße Sehen und Erleben dieses scheinbar unordentlich, in Wahrheit aber sehr präzise inszenierten Films. Weitgehend reduziert auf einen Handlungsort (Nachtclub samt Neben- und Serviceräumen) ziehen die Filmemacher alle atmosphärischen Register: Kämpfe im agressiven Neonlicht des Kühlraums, Verlorensein in der engen Masse der Tanzenden auf dem Dancefloor, wiederjoltes Hinabsteigen in einen rot beleuchtenden, dunklen Korridor (besitzt optisch irgendwo eine Lynch'sche Mystik), Kameraflüge vom Männerklo durch Belüftungsrohre ins Frauenklo, vibrierend verwackelte Close Ups vom Gesicht immer dann, wenn dem Protag die Wutschnur zündet. Der Film steigert seine brisante, elektrisierende Atmosphäre kontinuierlich, die Spannung wird immer größer, ebenso die Brutalität, Grimmigkeit und Kompromisslosigkeit. NUIT BLANCHE strahlt eine wahnsinnige Sorgwirkung aus und man merkt: Hier waren Könner am Werk, lan.

Wenn dieser harte Film dann im Morgengrauen in ein überzeugendes und berührendes Vater-Sohn-Drama kulminiert, ist das ein sehr guter Schachzug, der dem ganzen Film noch das gewisse i-Tüpfelchen aufsetzt und tiefere Bedeutung gibt.

9/10

hirnfurz nicht korrekturgelesen

Action Rache Drogen Vater-Sohn Korruption Polizeibrutalität Kriminal Drama Nachtclub Mafia Ausländerkriminalität Gewalt Frauenhauen komprimiertes Setting Neonlicht


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AVENGERS, THE


AVENGERS, THE Der gerade reanimierte Captain America meint melancholisch "At this point, I doubt anything would surprise me". Samuel Jackson erwidert trocken "Ten bucks says you're wrong." Einige Szenen und 20 Minuten später, wo man gar nicht mehr daran denkt, hebt mit viel Getöse ein Flugzeugträger aus dem Meer in die Luft ab und verwandelt sich in ein unsichtbares Flugzeug. Der perplexe Captain America greift in seine Geldbörse und überreicht Sam Jackson wortlos eine 10 Dollar-Note. Da musste sogar Ubaldo laut lachen. Vermutlich der beste Szenen-übergreifende Gag seit "it's for the niggers" in CABIN FEVER, lan.

Interessant ist dass das ganze alberne Weltbedrohungsszenario und der Mumbo Jumbo mit magischen Steinen und verfeindeten Typen aus anderen Welten vom Film eher so nebenbei abgehandelt wird - und das ist gut so, weil: eh alles Käse - und man als Zuschauer nicht episch zugetextet wird mit Geek-Dialogen, die eben dieses Käse ernsthaftlich erklären wollen. Nein, warum die Welt in Gefahr ist und was es mit diesem blauen Nerd-Stein auf sich hat, ist in THE AVENGERS zweitrangig. Der Fokus des Films liegt auf den Figuren, ihrer nicht immer einfachen Beziehung zueinander, ihrer Gruppendynamik. Das macht die Sache auch für uns Marvel-Nichtkenner interessant. Vor allem schöpfen die Filmemacher aus ihrem Fokus auf die Figuren sowohl dramatische als auch urkomische Momente. Zu den dramatischen zählen z. B. die unerträglichen Depressionen des Hulk. Zu den komischen zählt der böse Streit zwischen Captain America und Robert Downey, der darin endet dass der Captain fragt, was vom eisernen Mann übrig bleibe, wenn er seine Rüstung ablegt, worauf Robert Downey erwidert: "Billionaire. Playboy. Genius. Philanthropist." Da musste Ubaldo wieder laut lachen.

Und es macht irgendwo Laune, diesen total unterschiedlichen Superhelden in ihren schwulen Kostümen ("What's this? Shakespeare in the Park?", da musste Ubaldo das dritte Mal lachen) zuzusehen, wie sie trotz ihrer Unterschiedlichkeiten und Eitelkeiten zusammenarbeiten müssen, um die Welt zu retten. Ich denke, das ist das was den Film letztendlich ausmacht.

Klar, THE AVENGERS hat die typischen Probleme des amerikanischen Sommerkinos: Ungerechtfertigte Überlänge, episch lange CGI-Actionsequenzen, die -sorry- einfach nicht photorealistisch aussehen und Ubaldo nach einiger Zeit Müde machen (wobei der digitale Kampfpanorama-Kameraflug gegen Ende wirklich spektakulär ist), oberflächliche politische Floskeln und Allgemeinplätze, etc. Im Großen und Ganzen macht AVENGERS aber vieles richtig und versteht es, den Zuschauer die mehr als 2 Stunden bei Laune zu halten. Denn es ist ein sehr abwechslungsreicher, facettenreicher Film.

Übrigens ist Ubaldo jetzt wieder mit Scarlett Johansson versöhnt. Nicht nur versprüht sie in ihrem engen Dress geilen Sexappeal, lan, sondern sie hat wieder etwas, das sie in den letzten Filmen nicht hatte: die elektrisierenden, alles durchdringengen Blicke, die eindringliche Mimik, die sanft leuchtenden Augen in emotionalen Szenen. Komm und fick mich, du geile Sau.

7/10

hirnfurz nicht korrekturgelesen

P.S.: Das e habe ich dann doch noch in Shakespeare korrigiert, weil alle Schludrigkeit hat seine Grenzen

Komödie Comic Mumbo Jumbo CGI-Orgien


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Jetzt polemisiert der Meista: Ubaldos "Fuck Me"- und "Go Fuck Yourself, Bitch!"-Listen


Yo, angeregt durch Dexter Morgans Liste mit verhassten Schauspielern, die er neulich in seinem FTB veröffentlicht hat, macht Ubaldo nun eine Liste mit geliebten und verhassten Schauspielerinnen, weil Männa mich nicht so anprickeln. Die Zuneigung bzw. Abneigung gründet sich auf darstellerischen Qualitäten und natürlich auf Ausstrahlung/Charisma, nicht so sehr auf Aussehen:


Ubaldo findet es unerträglich, folgende Schauspielerinnen spielen zu sehen und fordert Berufsverbot:

Tilda Swinton

Rachel McAdams

Jennifer Aniston

Sara Jessica Parker

Helen Mirren

Gnyneth Paltrow

Paris Hilton

Anna Maria Lara

Nora Tschirner

Emma Schweiger

Madonna

Demi Moore

Dakota Fanning

Ursula von der Leyen ("Die Kinder! Wir tun es für die Kinder!")



Ubaldo liebt es folgende Damen in Filmen zu sehen und findet, lan, sie sollten öfter in Filmen zu sehen sein:

Eva Green

Deborah Francois

Melanie Laurent

Marion Cotillard

Emmanuelle Beart

Audrey Tautou

Juliette Binoche

Hafsia Herzi

Carice van Houten

Hanna Herzsprung

Carey Mulligan

Keira Knightley

Saoirse Ronan

Juno Temple

Rachel Weisz

Emily Blunt

Emma Watson

Cate Blanchett

Drew Barrymore

Jennifer Lawrence

Anne Hathaway

Meryl Streep

Hillary Swank

Roxana Mesquida


Irgendwen vergessen? Bestimmt.



Namen nicht korrekturgelesen

überhebliches Daumen-Heben überhebliches Daumen-Senken Anbetung Vergötterung Verehrung Glücksgefühle Hassgefühle Ekel sexistische Frauensortierung Gänsehaut Wut


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TENGOKU KARA NO ERU - 天国からのエール


TENGOKU KARA NO ERU - 天国からのエール Der Schul- und Catering-Koch Hikaru erfährt dass eine Schüler-Band keinen Ort zum Proben hat, weil überall Ruhestörung. Also baut er ihnen auf eigene Kosten ein schallisoliertes Musikstudio und verschuldet sichund seine Familie dabei (klingt weit hergeholt, aber der Film basiert auf tatsächlichen Ereignissen). Die Schüler dürfen das Studio kostenlos nutzen, solange sie bestimmte Verhaltensregeln und konservative Werte einhalten. Hikaru möchte die Schüler nämlich - Zitat - "zu anständigen Bürgern erziehen", und natürlich ihren musikalischen Ergeiz fördern. Selbst als er an Krebs erkrankt, stellt er das Wohl der Schüler über sein eigenes und ist für die Jugendlichen da, anstatt sich um seine Krebs-Therapie zu kümmern...

Dieser Film über einen konservativen Kleinbürger mit harter Schale und weichem Kern schafft es gerade noch so, einfache Gutmenschelei zu vermeiden und in der Darstellung der Ereignisse und Figuren facettenreich zu sein. Problematisch ist aber dass die Filmemacher sich vieler Gepflogenheiten amerikanischer "based on true events"-Filme bedienen und man genau sieht, was von der Realität abweicht und aus dem kleinen Drehbuch-Einmaleins entliehen wurde. Sprich: Viele Szenen sind prototypisch. Die Inszenierung hingegen weiß öfters zu überzeugen. Es ist ein kleiner, reduzierter, offenbar nicht sonderlich hoch budgetierter Film, der keine großen Sprünge machen kann, aber doch einigen Wert auf interessante Bilder und skurrile Situationen legt (Luftgitarre-Spiel auf der Felsenklippe, zum Beispiel).
Den von einem charismatischen Schauspieler dargestellten Protagonisten schließt man bald ins Herz, die Schüler-Figuren mit ihren Problemen auch, aber weniger. Das ständige Pendeln zwischen Drama und Komödie kriegt der Film gut hin, auch wenn der Humor nicht immer auf meiner Wellenlänge ist und das melodramatische Finale für meinen Geschmack etwas übertrieben weinerlich ist. Schade ist dass der Film nicht mehr Zeit auf die Musik der Jugendlichen verwendet und ihm in musikalischer und Bandproben-atmosphärischer Hinsicht etwas die Coolness fehlt -- da hätte ich mir mehr gewünscht.
Summa Summarum aber ein sehenswerter und menschlich ansprechender Coming of Age-Film über die Befindlichkeiten von Jugendlichen und über das bemerkenswerte ehrenamtliche Engagement eines einfachen Kochs.

6/10 (ordentlich, sehenswert)

Drama Musik Komödie Jugend Schule Band schlechte ärztl. Nachrichten based on true events ehrenamtlicher Einsatz


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ROAD, THE


ROAD, THE 3 Teenager ohne Führerschein "leihen" nachts Mamas Auto für eine Spritztour. Vor einem DUI-Road Block biegen sie illegal von der Autobahn in den Wald ein, um nicht von den Bullen erwischt zu werden. Offenbar führt die Waldstraße nur im Kreis und es gibt keinen Ausweg. Ein führerloser PKW macht den Dreien Angst und taucht mal vor, mal hinter dem Auto der Teenager auf. Tote Menschen mit blutverschmierten Plastiktüten um den Kopf tauchen auf der Straße auf, verschwinden wieder, erscheinen auch mal mitten im Auto der Teenager. Die 3 fahren aus Panik Mamas Auto zu Schrott und werden im Wald, wo überall Autowracks liegen, voneinander getrennt...

Ich finde Horrorfilme leider selten wirklich beängstigend. Aber dieser hier macht seine Sache fast schon meisterlich und ist von der Struktur, vom geschickten Horror- und Spannungsaufbau her wirklich erstklassig und versteht es geschickt, die Daumenschrauben immer weiter anzuziehen und immer wieder einen draufzusetzen, wenn der Zuschauer meint, man könnte keinen mehr draufsetzen. Scary shit, lan, ganz großes Horrorkino! Die Protagonisten werden da im Wald einem systematischen übernatürlichen Psychoterror ausgesetzt und um den Verstand gebracht. Und man empfindet als Zuschauer tatsächlich Spannung und erschrickt sich das eine oder andere Mal. Aus der inflationären Masse zeitgenössischer Horrorfilme herausragend ist wie die Macher von THE ROAD um Spannungsaufbau, Atmosphäre und vor allem um das Erschaffen herrlich creepiger, tiefer Bildkompositionen. Bis auf den Umstand dass der nächtliche Wald von den Filmemachern mit Flutlichtern ausgeleuchtet und der Film dadurch zu hell ist, stimmt hier einfach alles. Ubaldo zufrieden ist. Zumindest mit dieser Episode des Films.

Dieser philippinische Horrorfilm hat 3 Episoden -- 2008, 1998, 1988 -- in denen er die Geschehnisse auf einer einsamen Landstraße und in einem an dieser Straße im Wald liegenden Haus zeigt. Die oben beschriebene erste Episode, 2008, ist die stärkste, weil es hier noch rein um Atmosphäre und Schrecken geht und die Horror-Erscheinungen -- im Gegensatz zu den späteren Episoden -- nicht erklärt werden, weshalb der Schrecken gänzlich im Unbekannten/Mysteriösen liegt.
Die zweite Episode, 1998, handelt von 2 Schwestern, die auf besagter Landstraße eine Autopanne haben und von einem jungen Mann, der da im Wald lebt, gekidnapt werden. Die dritte Episode, 1988, betrachtet die Kindheit dieses Kidnappers im Waldhaus mit seiner authoritären, brutalen Mutter und seinem religiösen Weichei-Vater und erzählt von häuslicher Gewalt und einer familiären Tragödie.

Die Episoden 2 und 3 sind alles andere als schlecht. Sie verstehen es, ein belklemmendes Gefühl beim Betrachter auszulösen, besitzen spannend aufgebaute Szenen und legen wie die erste Episode viel Wert auf atmosphärische, creepige Bilder. Allerdings besitzen sie auch einen Drang nach Erklärung: Die Ursachen des Horrors in Episode 1 werden in den Episoden 2 und 3 aufgedeckt, weshalb das Ganze ein stückweit seinen Schrecken einbüßt. Was im Verborgenen hätte bleiben können/sollen, wird mit der Taschenlampe ausgeleuchtet. Zu sehr erliegen die Filmemacher der Versuchung, dem Zuschauer eine klassische Erzählung darzubieten und ergeben sich dem Verlangen des konditionierten Mainstream-Publikums danach dass ein Horrorfilm die Gründe für paranormale Erscheinungen bitteschön zu erklären habe. Interessiert es mich, warum es spukt? Nein, in einem Horrorfilm will ich einfach Horror erleben.

Nichtsdestotrotz ist THE ROAD der bisher stärkste Horrorfilm aus dem Jahre 2012. Mögen die Episoden 2 und 3 auch nicht ganz so effektiv sein wie die erste Episode, zeigen sie doch eindringlich den Horror des Gekidnappt-Seins und familiären Horror. Bis zum Schluss bietet der Film spannende, creepige und mulmige Momente.

7/10

text nicht korrekturgelesen

Horror Kriminal Geist(er) Geisterauto Gewalt Jugend Spritztour Familie häusliche Gewalt Freiheitsberaubung Episoden Zeitebenen


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DES FILLES EN NOIR


DES FILLES EN NOIR Die besten Freundinnen und Klassenkammeradinnen Noémie und Priscilla, zwei Gothic-Mädchen, fühlen sich ungeliebt (was nicht wirklich stimmt, aber so ist halt ihre pubertäre, stark ich-bezogene Wahrnehmung der Welt), haben familiäre und schulische Probleme, sehen im kriselnden Frankreich keine Zukunftsperspektive, sind völlig dem Schwermut verfallen und beschließen, sich gemeinsam umzubringen, weil sie den Tod romantisch finden...

Es ist ein recht starkes psychologisches Drama über zwei festgefahrene Seelen, über depressiven Tunnelblick, über negativ verzerrte Wahrnehmung der Umwelt, über die Unfähigkeit, Probleme anzupacken, aber auch über familiäres Versagen. Was den Film auszeichnet ist der Verzicht darauf, alles explizit zu erklären, was in den beiden Mädchen vorgeht und warum sie so ticken wie sie ticken. Anhand von mal mehr mal weniger subtilen Hinweisen, die den Film durchziehen, muss sich der Zuschauer ein eigenes Bild vom Psychogramm der beiden Hauptfiguren machen und Gründe und Auslöser suchen. Manche Fragen bleiben auch ganz unbeantwortet, was den Film aber keineswegs schwach und unvollständig, sondern umso beklemmender und mulmiger macht.

Die beiden Hauptdarstellerinnen spielen wirklich herausragend, besitzen eine subtile Ausdrucksstärke und sagen über ihre Figuren nonverbal mehr als verbal. Etwas fällt die Inszenierung des Ganzen ab. Zwar ist der Film passend retardiert gepaced und seine tristen Bilder erzeugen eine schwermütige Atmosphäre; zwar arbeitet die Regie in Schlüsselszenen mit abgewandelt wiederkehrenden Symbolen, die den Bildern Ausdruck und Bedeutung verleihen. Aber ich hätte mir doch mehr Dynamik, mehr psychedelisierende und elektrisierende Elemente gewünscht. Sei's drum. DerFilm ist auch so gut.

7/10 (gut)

text nicht korrekturgelesen

Drama Melancholie Suizid Jugend Freundschaft Schule Gothic


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DARK SHADOWS


DARK SHADOWS Leider zu früh im Bioscoop eingetroffen und deshalb ganze 15 Minuten lang brutalisiert worden mit Trailern zu amerikanischen Sommerkino-Filmen, die allesamt gleich aussahen. Als der Hauptfilm endlich los ging, stellte ich zu meinem Entsetzen fest dass - obschon der Saal für digitale Projektion ausgerüstet sei - der Film analog von einer richtig, richtig schlechten Kopie gezeigt wurde. Das Bild sah aus wie Grütze. Zudem war der Ton so laut aufgedreht wie beim Treffen der schwerhörigen Rentner des CDU-Ortsverbands.

Aber nicht nur deshalb sah das alles nicht gut aus: Fürchterlich schwach ist die visuelle Ebene des Films. Der unverkennbare Burton'sche Stil ist zwar unübersehbar, doch es fehlt die Phantasie, die Kreativität und das Inspirierende von früheren Burton-Filmen. Nach dem mauen ALICE IN WONDERLAND fehlt schon wieder die Muse. DARK SHADOWS wirkt über weite Strecken wie ein Schaulaufen von Technicolor-Retro-Look, 70er Jahre-Mode und Hippie-Schlagern.

Und es fehlt das Herz: Zu lieblos angelegt sind die skurrilen Figuren, die allesamt so interessant hätten sein können und durchaus großes Potential haben, welches der Film aber nicht nutzt. Warum? Wie kann man das dermaßen verhunzen? Wenn ich einen Film über Menschen/Wesen mit übernatürlichen Kräften sehe, dann will ich dass meine Phantasie angeregt wird, ich will angeprickelt werden und in eine magische Welt entführt werden. Anstatt dessen habe ich dauernd auf die Uhr auf dem Blackberry geguckt, weil ich endlich nach Hause wollte.

Mag der Film auch wenig Mühe auf Atmosphäre, Phantasie und interessante Figuren verwenden, hat er für eine Sache offenbar viel Zeit: Redundantes Dummgefasel. Von einem visuell und atmosphärisch orientierten Regisseur wie Tim Burton hätte ich doch wesentlich mehr erwartet als so einen langen und weiligen, fürchterlich geschwätzigen Film, der sich dumm und dämlich erzählt und wirklich jede Information, jeden Plot Point in episch langen und meist uninteressant gescripteten Dialogen verhandelt. Die starke Fokussierung auf die Narration ist mir völlig unverständlich, weil die ganze Geschichte eh kalter Kaffee aus Genre-Versatzstückchen ist und weder etwas Überraschendes noch etwas Interessantes beinhaltet.

Selbst der Humor ist aufgrund seiner Trivialität immer vorhersehbar: Jeder, der schon mal einen Film gesehen hat über einen Mann aus der Vergangenheit, der plötzlich x Jahre später in der modernen Welt aufwacht, kann sich denken, was passieren wird, wenn dieser Mann eine asphaltierte, häufig frequentierte Straße überquert, oder einen Fernseher sieht, oder mit seiner altertümlichen Sprechweise auf moderne Menschen trifft. Das Publikum im Bioscoop hat heute trotzdem gelacht. Es hat auch über die zahlreichen Film- und Popkultur-Referenzen gelacht, die keinen tieferen Sinn erfüllen und nur deshalb im Film sind, damit das Publikum sich stolz darüber amüsieren kann dass es diese Referenzen erkannt hat.

Hätte die wunderbare Eva Green nicht so toll gespielt, hätte sie mich mit ihrer unvergleichlichen Ausstrahlung nicht hypnotisiert, wäre ich samt Begleitung (die DARK SHADOWS auch lang und weilig fand, btw) nach der Hälfte rausgegangen. Eva Green ist wunderbar aber die Synchro von Eva Green geht mal gar nicht: Ihre markante Stimme weicht in der deutschen Fassung einem dünnen, lispelnden Tussi-Stimmchen (ihr Synchro-Liebhaber, siktir lan, wenn ihr mir noch mal was von den angeblichen Vorzügen dojtscher Synchronisations-Kultur erzählen wollt: talk to the hand :bart:). Ubaldo unzufrieden ist. Außer mit Eva Green, denn sie rulez

4/10 (submedioker)

text nich korrekturgelesen

des Taggens unwerter Film





Filmtagebuch von...

Ubaldo Terzani

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