Filmforen: The cathode ray tube resonates - Filmforen

Zum Inhalt wechseln

The cathode ray tube resonates abonnieren        RSS Feed

Freitag, der 13. (1980)

Kommentieren
Ich weiss nicht genau, was mich dazu geritten hat mir die gesamte Reihe in den nächsten Tagen (oder Wochen; je nachdem wie ich die Zeit dazu finde) einmal in Ruhe genauer anzuschauen, aber ich will schon einmal warnend vorausgreifen, weil in der nächsten Zeit erst einmal nichts anderes als das was am Crystal Lake geschieht, hier thematisiert werden wird.

Nach mehr als zwanzig Jahren hat es sich der junge Idealist Steve Christy mit reichlich Geduld und Spucke zur Aufgabe gemacht, dass bei den Einheimischen als Blutcamp verschrieene Ferienlager am Crystal Lake wieder auf Vordermann zu bringen, um es seiner alten Bestimmung wieder zurückzuführen. Die wenigen noch rasch zur Vollendung anstehenden Frickelarbeiten delegiert er an eine Gruppe junger Erwachsener, die er für die Beaufsichtigung der bald eintrudelnden Gören ferienjobmäßig eingestellt hat.

Während die Jungs und Mädels um Alice, auf die der sich kurz darauf verduftende und damit für den Zuschauer ziemlich verdächtig machende Steve ein Auge geworfen hat, die Aufbauarbeit Aufbauarbeit sein lassen und sich lieber vergnügt die Sonne auf den Pelz brennen lassen oder in der stürmischen Nacht horizontalen Freuden frönt, schleicht ein Unbekannter am Kristallsee umher, dem die heiteren Aktivitäten ein Dorn im Auge zu sein scheinen.

Wenn ich mir den ersten FREITAG so betrachte, könnte ich ihn beim besten Willen nicht mit einer Flasche Fernet Branca vergleichen, welche jahrelang im Keller verstaubt, dann plötzlich wiederentdeckt wird und man sich genüsslich an ihr labt. Die magischen Kräfte sind in den vergangegen dreißig Jahren wohl schon nach wenigen Monaten verflogen und wenn man die Flasche heute mal wieder aufmacht, hat man nur den bitteren Geschmack von Kork auf der Zunge. Man nippt kurz dran, macht die Flasche schnell wieder zu und stellt sie wieder zurück ins Regal, weil man schon wieder genug hat. So fühle ich mich, wenn ich mir Sachen wie das Strip-Monopoly, die Öltankmessung beim Stromgenerator oder andere Sachen anschaue, die nur dazu da sind, eine Laufzeit von neunzig Minuten zu rechtfertigen.

Zumindest wird diese Geduldsprobe aber immer in den letzten zwanzig Minuten einigermaßen mit dem Auftreten von Mrs. Vorhees für mich lohnenswert, weil sie sich so schön hampelig mit der jungen Alice keilt und theatralisch zu Boden wirft. Interessanterweise habe ich mich gründlichst mit Mrs. Vorhees' Dahinscheiden gegen Ende vertan, war ich doch davon überzeugt, dass sie ihre Rübe durch den Effektkünstler Tom Savini abgeschossen bekommt. Das passiert allerdings im viel lohnenswerteren MANIAC aus demselben Jahr.

Der übernatürliche Kniff mit dem jungen Jason gegen Ende des Films ist schon ein toller, augenscheinlich bei CARRIE abgeguckter, Einfall und dürft vor allem jene unvorbereitet getroffen haben, die vielleicht zu jung für den ersten FREITAG waren, aber durch SCREAM Bescheid wussten. Bei mir was das jedenfalls so.

Der Flug des Phoenix (2004)

Kommentieren
War früher von vorneherein wirklich alles besser oder ist dieser Film ganz einfach nur schlicht und ergreifend ganz großer Zelluloidmüll? Lebe ich einfach schon viel zu lange mit der ersten Verfilmung, also in der Vergangenheit, die mit James Stewart, Richard Attenborough, Ernest Borgnine, Hardy Krüger, Ian Bannen, Gabriele Tinti, George Kennedy nicht nur beeindruckende und liebgewonnene Schauspielgrößen um einander versammelt hat (OK, der Tinti ist sicherlich bekannter dafür, dass er ab den 1970ern mit Laura Gemser schäkern durfte) oder packen es Leute wie Dennis Quaid, Giovanni Ribisi, Hugh Laurie und Miranda Otto einfach nicht, der Geschichte ihren Stempel aufzudrücken? Kann ich einfach nicht damit leben, dass zwangsläufig jeder als Klassiker geltende Film, sei es, dass er ohnehin auf einem Roman oder aber einem Originaldrehbuch basiert, eine moderne Revision über sich ergehen lassen muss?

Ist der von Fox mit dieser Neuverfilmung beauftrage Regisseur namens John Moore, der nach DER FLUG DES PHOENIX auf Geheiß DAS OMEN neu verfilmte und mich mit der Videospieladaption MAX PAYNE quälte, einfach nur ein herausragender Nichtskönner vor dem Herrn?

Warum macht der Überlebenskampf der Überlebenden nicht den Eindruck eines von Wasser- und Nahrungsknappheit bestimmten Überlebenskampfes, sondern sieht aus wie eine fröhliche Kaffeefahrt, bei der man sich in der Sonne eine gesunde Bräune abholen kann? Warum dröhnen in den ersten zehn Minuten drei verschiedene Songs aus den Lautsprechern? Warum sieht der der quängelige Giovanni Ribisi mit seinen blondierten Haaren wie eine Witzfigur aus? Warum können Dennis Quaids fadenscheinige Jetzt-erst-recht-Parolen, welche den Anschein erwecken, dass an ihm ein Reiseanimateur auf El Arenal verloren gegangen ist, bei mir kein Sackhaar zum Zucken bringen? Was macht Miranda Otto eigentlich in diesem Film außer etwas herumzuschwitzen und Dennis Quaid anzuhimmeln?

Ich rege mich auch gar nicht darüber auf, dass anstatt der Sahara hier die Wüste Gobi für das Drama herhalten musste. Ich rege mich viel mehr über die aus jedem Knopfloch schreiende Scheissegal-Haltung der Macher auf, die auf klägliche Weise versuchen, mit einem actionorientierten Ende das außer Kontrolle geratene Steuerruder herumzureissen gedenken und dabei die Antwort auf die Frage vermissen lassen, wer gegen Ende eigentlich die Phoenix aus dem Wüstensand ausgebuddelt hat.

In der altehrwürdigen Sendung Schmidteinander gab es immer einen nur wenigen Sekunden langen Einspieler, der zeigte, wie ein mit einem Cowboystiefel bekleideter Fuß einen Fernseher von seinem Sockel tritt, wenn die Albernheit einfach Überhand nahm. Genauso habe ich mich während dieser Tortur gefühlt.

Die Braut trug schwarz (1968)

Kommentieren
"Echter Busen vom Meter...!

Der schönste Tag im Leben von Julie Kohler, der Tag ihrer Hochzeit, wird für sie zum Alptraum, als ihr Mann David auf den Stufen der Kirchentreppe einer tödlichen Gewehrkugel zum Opfer fällt. Nach einem missglückten Selbstmordversuch bekommt Julie neuen Lebensmut eingehaucht, der alleine vom Wunsch nach Rache beseelt ist. Diejenigen, die für den Tod ihres geliebten David verantwortlich sind, müssen ebenso den Tod finden.

Wie Jeanne Moreau im Film die Namen der Männer auf ihrer Todesliste durchstreicht, und es Uma Thurman ihr über dreißig Jahre später gleichtut, habe auch ich nach gut und gerne sechs Jahren jetzt wohl so ziemlich alle Filme von einer imaginären Liste durchgestrichen, die als visuelle oder auditive Stichwort- und Ideengeber für Quentin Tarantinos Doppelschlag KILL BILL herhalten mussten. Schade, dass ich mir nicht auch so einen Spickzettel zurechtgekritzelt habe, den ich dann statt dieser Zeilen einfach hätte einscannen und dann posten können. rocknrollriot, ehrenwertes Filmforen-Mitglied der ersten Stunde, hatte das einmal in ähnlicher Form in seinem Filmtagebuch veranstaltet. Das Bild ist allerdings im Datennirwana aufgegangen.

François Truffauts Film konnte bei mir erst im zweiten Durchlauf einigen, wenn auch nicht unbedingt grenzenlos ehrfurchteinflößenden Respekt abverlangen, was vielleicht damit zusammenhängen mag, dass die Rachetaten der Julie Kohler bei weitem nicht über jenes gerüttelte Maß an Überlebensgröße verfügen, die aus dem Gezeigten einen Cartoon wie bei Tarantino zu machen drohen. Und das obwohl Truffaut seinerzeit mit der Prämisse ans Werk ging, eine unrealistische Geschichte fürs Kino zu inszenieren. So oder so ähnlich drückt sich zumindest Robert Fischer auf der Kommentarspur der deutschen DVD aus.

Von so manchen Drolligkeiten ist allerdings auch DIE BRAUT TRUG SCHWARZ nicht ganz gefeit. Ich habe mir jedenfalls wiederholt den Kopf darüber zerbrochen, was diese fünf Kerle, die an jenem schicksalhaften Tag Karten gedrescht und ein wenig Hochprozentiges konsumiert haben, überhaupt zusammengeführt hat. Eine behauptete Passion fürs Jagen und übermäßiger Frauenverschleis können es auf jeden Fall nicht gewesen sein, wenn man sich ihre Vita nach dem Ereignis so anschaut. Da hätten wir einen bald in den Hafen der Ehen einlaufenden Frauenhelden, einen sich in Liebesangelegenheiten absolut tollpatschig anstellenden Versager, einen familiären Biedermann mit politischen Ambitionen, den glatzköpfigen Kleingangster, welcher in der Rückblende als versehentlicher Todesschütze herausgestellt wird und den Künstler, der im Bezug auf seine Modelle nichts anbrennen lässt.

Zu Jeanne Moreaus willfähiger Darstellung der Julie Kohler will mir nichts sonderlich Intelligentes einfallen, ausser vielleicht, dass Truffaut ihren reifen Reize ebenso geschickt in Szene zu setzen weiss, wie auch ihre unterkühlte Ablehnung oder emotionale Traumata. Vielleicht hatte ich mich diesbezüglich zu sehr in das Abhören von Bernards Herrmanns exquisiter Musikbegleitung verbohrt.

The Book of Eli (2010)

Kommentieren
Denzel Washington hat eine wichtige Lieferung zuzustellen. Diese Mission wurde ihm von Gott auferlegt. Er soll ein kostbares Buch, das er in seinem Rucksack trägt, nach Westen bringen. Das ist aber nicht so einfach, weil der nordamerikanische Kontinent ungefähr genauso aussieht, wie die Erde am ersten Tag der Schöpfungsgeschichte. Wüst und leer. Was ist passiert? Nun, das will der Film nicht erklären. Atomschlag, Ozonloch, Klimawandel, Zorn Gottes. Man kann es sich aussuchen.

Denzels Weg gen Westen ist auch mit hübsch anzuschauenden Hindernissen in Form städtischer Ruinen und zerstörten Highways ganz ordentlich zugestellt, die der Postapokalypse genügend nachdrückliche Tristesse verleihen. Als er in einer Prospektorenstadt die tumben Schergen eines gewissen Carnegie ins Jenseits befördert, bietet ihm dieser an, fortan nur noch für ihn zu arbeiten. Bestechung in Form des Beischlafs mit Solara, der Tochter von Carnegies Frau, lehnt er aber ab und flüchtet gemeinsam mit ihr Richtung Westen.

Nach den beiden beachtenswerten Gangsterfilmen MENACE II SOCIETY und DEAD PRESIDENTS und dem Dokumentarfilm AMERICAN PIMP, die sie quasi im Alleingang und in Personalunion als Regisseure und Drehbuchautoren in einem vergleichsweise zarten Alter auf die Beine gestellt hatten, waren die Brüder Allen und Albert Hughes reif, den Lockruf Hollywoods zu folgen. Das es nach FROM HELL aber fast neun Jahre brauchte, um wieder einmal eine Graphic Novel für die Leinwand zu adaptieren, hätte ich dann doch nicht gedacht.

Das Ergebnis sieht dabei aus wie eine Mischung aus DJANGO und DER JUNGE MIT DEM HUND, zieht sich mit seinen knapp 105 Minuten an Nettospielzeit zum Glück nicht sonderlich in die Länge, wobei mir die durchchoreografierten Kampfszenen in eher unangenehmer Art und Weise, weil viel zu oft irgendwo anders schon gesehen, ins Gesicht sprangen. Inszenatorische Askese wäre vielleicht gar nicht so verkehrt gewesen.

Da haben mir die ganzen Gastauftritte prominenter Schauspieler viel besser gefallen, als die Handlung des Films. Malcolm McDowell als Bucharchivar, Michael Gambon als zittriger Kannibale, Tom Waits als Tauschhändler und Jennifer "Flashdance" Beal als Blinde. Ray Stevenson, bis zu seiner Rolle als Legionär Titus Pullo in der tollen HBO-Serie ROM ein unbekannter Darsteller, ist so gut wie verschenkt, ja sogar fehlbesetzt.

Die wilden Engel (1966)

Kommentieren
Schon beim Vorspann, als Vorzeigeaussteiger Peter Fonda seine Höllenmaschine über den Freeway donnern lässt, sich einen Popel aus der Nase zieht und ihn im Schritt abwischt ist klar, das so ziemlich alles passieren kann. Sein Rollenname Heavenly Blues mag suggerieren, dass er ein netter Träumer sein könnte, aber wenn's hart auf hart kommt, langt er auch mal ordentlich zu.

Er ist auf dem Weg seinen Kumpel Joe, der nicht ganz zu Unrecht den Spitznamen Loser trägt, weil er das Talent hat, jede Arbeitsstelle nicht übermäßig lange zu bekleiden, von der Maloche auf dem Ölbohrfeld abzuholen, um dessen liegengebliebenes Motorrad aufzusammeln. Das haben aber inzwischen schon einige mexikanische Tunichtgute ausgeschlachtet was Blues, Loser und Anhang dazu veranlasst erstmal ein paar Backpfeifen auszuteilen.

Bei der anschließenden Flucht vor der überforderten Polizei wird Loser angeschossen und ins Krankenhaus verfrachtet. Nach einigem Hadern, sinnentleerten Feiern und einer seltsamen Variante Poolbillard, beschliesst Blues ihn aus dem Krankenhaus zu rauszuholen, was Joe aber mit dem Leben bezahlen muss. Die bei einem nur mit Worthülsen vor sich hin sabbelnden Bezirkspfaffen bestellte Trauerfeier hält für Blues, seiner Freundin Mike und für Joes Witwe Gaysh keinen Trost bereit, sondern nur das Ende ihrer Vorstellungen, wie man den amerikanischen Traum zu leben hat. EASY RIDER und Altamont hätte es daher nicht gebraucht.

Heutzutage gehen Eltern- und Jugendverbände wohl nicht mehr so schnell auf die Barrikaden, wenn sie Lederjacken tragende Twentysomethings mit einer Bierpulle in der Hand und 'ner Fluppe Gras zwischen den Lippen irgendwo auf der Straße mit einer Harley Davidson herumfahren sehen. Laissez-faire. Die Altersgrenze für einen derartigen gesellschaftlichen Notstand hat sich einfach nur nach hinten verschoben, trinkt Alkopops und trägt andere Klamotten. Mitte der 1960er Jahre aber, lieferte Roger Cormans kluger, den Zeitgeist vor allem auf romantische Art einatmenden Film wohl für genügend Sprengstoff, um allerorten panische Reaktionen hervorzurufen, nebenbei ein neues Kino-Subgenre zu begründen und den immer wieder wegen kriminellen Aktivitäten in den Schlagzeilen vertretenden Club der Hells Angels überhaupt erst populär zu machen. Ein Film, wie eine Explosion!

Green Zone (2010)

Kommentieren
Als Anfang des Jahres 2003 US-amerikanische Geheimdienstberichte von der Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak berichteten, war die Administration um den damaligen amerkanischen Präsidenten George W. Bush bemüht, einem möglichen Einsatz dieser Waffen mit einem Invasionskrieg zuvor zu kommen. GREEN ZONE versucht nun, sieben Jahre später und aufrechten Hauptes, einfache Antworten auf die schwierige Frage zu servieren, ob die USA überhaupt eine Legitimation für den Dritten Golfkrieg hatten.

Matt Damon schiebt als amerikanischer Einsatzsoldat Roy Miller, der versteckte Waffenlager in den Wirren des Irakkrieges aufspüren soll, gehörig Frust, denn alle Lagerhallen, die er bis jetzt mit seiner Einheit erstürmte, führten nicht jene Massenvernichtungswaffen ans Tageslicht, deren Existenz den amerikanischen Soldaten, einem Mantra gleich, eingehämmert wurde. Die auf unsicheren Quellen beruhenden Geheimdienstinformationen veranlassen Miller, mit Hilfe eines einheimischen Irakers und dem vom gutmütigen Brummbär Brendan Gleeson dargestellten CIA-Mann, der Sache auf den Grund zu gehen.

Da die politische Sprengkräfte aus dem Eingeständnis geheimdienstlicher Fehlinformationen, welche die bis heute andauernde Besetzung und Instabilität des Irak verursachten, einer desinteressierten Resignation gewichen zu sein scheinen, kann GREEN ZONE bei mir viel mehr Punkte mit seinem Willen zum Realismus und seinem erstklassigen Production Design einfahren, als das die von Paul Greengrass und seinem Star Matt Damon ziemlich schludrig zusammengehauenen DIE BOURNE VERSCHWÖRUNG und DAS BOURNE ULTIMATUM bei mir vermochten. GREEN ZONE verfügt über eine ähnlich hohe Schnittfrequenz und die wackelige, ständig in Schieflage befindliche Kamera macht aus dem Ganzen ein inszeniertes Chaos, welches aus dem Bagdad im Film einen Hexenkessel sondergleichen macht, in dem man sich aber doch irgendwie zurecht finden kann.

Daybreakers (2009)

3 Kommentar(e)
Der Auftrag: man gebe 20 Mio. Dollar amerikanischer Währung an ein australisches Bruderpaar, die mit einem in ihrem Heimatland inszenierten und finanzierten Genrefilm namens UNDEAD für etwas Aufmerksamkeit gesorgt haben. Daraus sollen sie einen vornehmlich auf den amerikanischen Markt zugeschnittenen Genrefilm mit anderen Untoten, diesmal Vampire anstatt Zombies, basteln.

Das Schicksal der Menschheit hat sich an nur einer einzelnen Fledermaus aufgehängt, welche dafür gesorgt hat, dass die Vampire nun an der Spitze der Nahrungskette stehen. So will es der mit Hintergrundinformationen nur so zugepflasterte Filmvorspann, der Nachrichtenbilder und Zeitungstitelblätter im Sekundentakt aneinanderreiht, suggerieren. Das war vor zehn Jahren. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2019 und die Vampire sehen sich einer Hungersnot in Form von Blutknappheit ausgesetzt, die einen fürchterlichen körperlichen Verfall verursacht, weil es kaum noch Menschen gibt.

Ethan Hawke forscht als menschenliebhabender Vampir und Hämogoblinforscher Edward Dalton mit Gewissensbissen fieberhaft nach einem Ersatzstoff für einen großen Konzern, der seine Vorsteuergewinne eigentlich mit dem Verkauf von Menschenblut erzielt, welches man dank industrieller Automatismen sauber und human dem Menschen abzapfen kann. Unverhofft trifft er auf die im Untergrund lebende Audrey und den wieder zum Menschen gewordenen Vampir Elvis, die verzweifelt versuchen, die wenigen Überlebenden ihrer Gruppe zu beschützen und den Grund für Elvis' Rückverwandlung herauszufinden.

Die Plakatwerbung für DAYBREAKERS, welche mir bei meinem Besuch in New York Anfang diesen Jahres ins Auge stach, ließ schon ungefähre Rückschlüsse darauf zu, dass man sich ganz offensichtlich bei der Vampirratssitzung von Stephen Norringtons BLADE und den Erntefarmen aus der MATRIX-Trilogie bedient hatte. Nicht gerade die schlechtesten Vorbilder der jüngeren Vergangenheit, aber eben doch nur Vorbilder, aus denen DAYBREAKERS seine zuweilen nicht besonders aufregend erzählte Geschichte bedeutungsschwanger und zeitweise ganz schön ruppig aufzublasen versucht, die für ein übermenschliches Problem doch noch eine rettende Lösung besitzt. Das hat mich wiederum an den ziemlich missratenden Aufguss namens INVASION von Oliver Hirschbiegel erinnert. Der hatte aber wenigstens noch Sinn für unfreiwilligen Humor. :kork:

Ich empfand es schon sehr befremdlich einer Figur, wie der von Ethan Hawke dargestellten, meine Sympathien schenken zu müssen, deren GATTACA-mäßiger Gesichtsausdruck ein ständiges Lamento über den Untergang der Menschheit auszudrücken versucht, während er in einem maßgeschneiderten Anzug, in einem maßgeschneiderten Haus nach Konzernvorgaben, in einer maßgeschneiderten Siedlung, feudal residiert und eigentlich keinen Grund hat, Trübsal zu blasen. Da braucht es dann erst jemanden wie Willem Dafoe, der das ausspricht, was man von Anfang an gedacht hat. Sam Neill hingegen holt souverän die schauspielerischen Kastanien als verschlagen agierender Konzernchef, der in den besten Momenten des Films buchstäblich die Ressourcen seines Unternehmens schwinden sieht, locker aus den oberflächlichen und nachträglich am Rechner blau eingefärbten Bildern heraus und ist die interessanteste Figur im ganzen Film.

Kampf auf der Todesinsel (1988)

Kommentieren
"How would you like to suck me 'til I cum all over your precious dress?"

Seit vielen Jahren verdient sich Oberlus auf Schiffen seine Heuer als Harpunier. Sein seit seiner Geburt zur Hälfte von einer Krankheit entstelltes Gesicht, die Lepra nicht unähnlich sieht, hat ihm dabei nicht nur den Spitznamen "Leguan" eingebracht, sondern ihn auch zu einem Außenseiter und perfekten Sündenbock für die Launen seiner Schiffskameraden und seines Kapitäns Gamboa gemacht.

Nachdem er vor Folter und Ablehung auf eine abgelegene, einsame Insel entkommt, die auf mich den Eindruck macht, als ob man auf ihr höchstens eine Woche überleben könnte, ruft er sich zu ihrem König aus und erklärt der gesamten Menschheit den Krieg. Fortan unterwirft er jeden Schiffbrüchigen einem Regiment aus bedingslosem Gehorsam und brutaler Strafe. Als dann auch noch die gerade verwitwete, junge Governeurstochter Carmen mit einem ihrer zahlreichen Liebhaber auf Oberlus' Insel landet, verkompliziert sich die Situation zusehends.

Die Mühen an eine vernünftige Silberscheibe von Monte Hellmans kryptischen Piraten-Filmdrama KAMPF AUF DER TODESINSEL zu kommen (einzige Alternative war für mich die vergriffene amerikanische Anchor-Bay-DVD mit Audiokommentar) waren ungefähr genauso anstrengend wie bei COCKFIGHTER, der Inhalt dann aber nicht annähernd so aufregend, wie man sich das vielleicht hätte erhoffen können. Denn Hellmans durch und durch ernsthafte, existentialistische Lesart des Drehbuchstoffes, das von Einsamkeit, Verlassensein, Misanthropie und später dann von sexueller Dominanz handelt, die er grob nach der Musical-Version (!) vom PHANTOM DER OPER zusammenschusterte, schneidet sich fortwährend mit spekulativen Einfällen und Limitierungen im Budget ins eigene Fleisch, welche den Film ein ums andere Mal in die Richtung Bahnhofskino schubsen wollen.

Dafür ist der Streifen aber zu aktionsarm, ja geradezu langweilig geraten und einige knackige Dialogsätze aus dem Munde Everett McGills zu selten, um für höhrere Aufmerksamkeit zu sorgen. Die dürften wohl eher einem Champagner schlürfenden Arthauspublikum sauer aufstoßen, wie auch die Vergewaltigungsszene, welche aus der unabhängigen Carmen ein Stück Fleisch macht, das fortan ständig nach Oberlus' Docht lechzt. Auf der Habenseite hat man zumindest noch einen damals noch unbekannten Michael Madsen, als feigen Gefolgsmann von Oberlus und Fabio Testi als Oberlus' Nemesis Gamboa. Deren tödliches Duell mit Steinaxt und Machete in der Meeresbrandung hat mich etwas an das klassische Säbelduell zwischen Errol Flynn und Basil Rathbone in UNTER PIRATENFLAGGE erinnert.

Titan A.E. (2000)

2 Kommentar(e)
Im Jahr Dreitausendundnochwas ist die gute alte Erde nach einem Angriff außerirdischer Elektrowesen, die sich die Dretsch nennen, nur noch ein Häufchen kosmischen Staubs. Die wenigen Überlebenden sind über die gesamte Milchstraße versträut und fristen entweder als billige Arbeitskräfte oder als Gestrandete in Slumkolonien ein jämmerliches Dasein.

Die Hoffnung der Menschen klammert sich deshalb an das verschollene Raumschiff Titan, welches einst der Vernichtung durch die Dretsch entkommen konnte und nun von Cale Tucker gefunden werden soll, welcher der Sohn des Konstrukteurs der Titan ist. Cale ist von seiner prominenten Rolle in der Geschichte aber nicht sonderlich begeistert, ist er nämlich dank einer Tätowierung, die den genauen Standort der Titan verrät, nun ein begehrtes Ziel für die Dretsch.

Don Bluth ist ein Mann, der sich (später auch mit Partner Gary Goldman) rund zwanzig Jahre lang durchaus ernsthaft und kommerziell erfolgreich um den amerikanischen Animationsfilm abseits des formelhaften Disney-Einheitsbreis z.B. mit Sachen wie MRS. BRISBY UND DAS GEHEIMNIS VON NIMH, FEIVEL DER MAUSWANDERER oder IN EINEM LAND VOR UNSERER ZEIT verdient gemacht hatte, bevor er mit TITAN A.E. die mühsam von ihm mit aufgebaute Animationsabteilung der Fox Studios in den finanziellen Abgrund riss.

Ich selbst habe den Film seinerzeit im Kino gesehen und war schon damals, ohne es allerdings genauer beschreiben zu können, nicht besonders von ihm angetan, wenngleich ich aber wohl bemerkte, dass er es auf visueller Seite außerordentlich gut mit mir zu meinen schien. Der Film versteht es nämlich ganz gut, traditionell gezeichnete Figuren und Hintergründe mit am Hochleistungsrechner generierten Bildern zu verbinden. Das kommt zum einen der Verfolgungsjagd in den Wasserstoffwäldern und den gigantischen Eiskristallen zugute.

Was ich dem Streifen aber nach wie vor ankreide, ist seine mehr als überstürzte Art und Weise seine Geschichte regelrecht herunter zu rattern, bei der einem permanent das Gefühl beschleicht, hier und da um mehrere Minuten betrogen worden zu sein. Dieser Affenzahn hat zur Folge, dass die groß angelegte Geschichte vom Ende und Neuanfang der Menschheit in etwas mehr als anderthalb Stunden (Abspann miteingerechnet!) um die Ohren gehauen wird.

Was letztendlich hängen bleibt ist das Bewusstsein, dass man nach dem Ende der Menschheit im Jahr 3000 keinesfalls mit unbekannten US-Collegerock aus dem Jahr 2000 auf der Tonspur gegrüßt werden möchte und das die einzig coolen Figuren weder das Känguru oder die Schildkröte, sondern tatsächlich die Elektrowesen waren. Das die Titan auch nichts anderes als eine Gen-Arche gewesen ist, war mir auch nicht mehr bewusst.

Jede Menge Kohle (1981)

1 Kommentar(e)
Eingefügtes Bild

Der Bergmann Katlewski hat eines Tages von allem den Kanal gestrichen voll. Von der sinnlosen Maloche im Pütt, von seinem kleinen Zechenhaus in Recklinghausen, vom Bankkredit, von seiner Ehefrau. Deshalb kommt er nach gefühlten zehn Tagen unter Tage in Dortmund wieder an die Oberfläche und und beschließt ein ganz neues Leben anzufangen.

Er lernt zufällig die Uli kennen und quartiert sich bei ihr, die zur Untermiete bei Steiger Hermann und dessen Frau Ilse in einem Mietshausbunker aus Beton wohnt, ein. Um an Geld für die Abstotterung des Kredits zu kommen und sich ein neues Leben aufzubauen, nimmt er Jobs als Lastwagenfahrer, Pförtner oder Kellner an, merkt aber schnell, dass er mit normaler Arbeit nicht ans Ziel kommt. Und jeder der seinem Vorhaben in die Quere kommt, kriegt von Katlewski entweder die volle Breitseite ätzenden Ruhrpottspottes vor den Latz geknallt oder den nimmt er kurzerhand mal aus.

Ich war regelrecht erschrocken, als ich jüngst durch die DVD-Abteilung eines großen Elektronikfachmarktes schlenderte (jenerwelche, der genauso wie der sechste Planet unseres Sonnensystems heißt) und dort die das Kinoplakat zierende Hülle von Adolf Winkelmanns Ruhrpott-Schlager erblickte. Seit seiner Kinoauswertung Anfang der 1980er, lief JEDE MENGE KOHLE zwar häufiger im WDR, aber dann immer nur im Schwenkvollbild-Format, was mit der Abtastung auf DVD nun zum Glück ein Ende gefunden hat.

Angesichts dieser sorgfältigen Aufarbeitung von JEDE MENGE KOHLE ist mir nochmal bewusst geworden, warum mich das mediale Brimborium bezüglich des Ruhrgebiets als europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2010 von Anfang an so irritierte. Vor zwanzig, dreißig Jahren hätte man dem Erhalt von Fördertürmen, Grubenfeldern oder Kokereien keine Träne nachgeheult. Heuer sind sie Teil eines Konzeptes namens Industriekultur, das von Politik und feiner Gesellschaft als probates Mittel der Selbstbeweihräucherung erhalten und aufpoliert werden. Dieselben Herrschaften hätten sich gefälligst mal zu Schichtbeginn einfinden sollen, wenn Nieselregen solche Industriekultur mal ganz jämmerlich ausschauen lässt und auf die Gemüter der Bergleute drückt.

Davon erzählt JEDE MENGE KOHLE zwar kein bisschen etwas, aber er macht auf anschauliche Weise deutlich, wie seinerzeit die menschlichen Befindlichkeiten im subventionierten Kohlebergbau des Ruhrgebiets tickten und es sich lohnte, dagegen aufzubegehren. Schon alleine deshalb hätte JEDE MENGE KOHLE eine Wiederaufführung im Kino verdient. Aber das bleibt wohl Wunschdenken.

Der Regenbogen (1989)

Kommentieren
Zwanzig Jahre nach LIEBENDE FRAUEN, der vor allem in Großbritannien wegen der Ringerszene zwischen den nackigen Oliver Reed und Alan Bates für ziemlichen Aufruhr bei der dortigen Zensur sorgte, suchte sich Ken Russell für seinen dritten von der amerikanischen Produktionsfirma Vestron finanzierten Film, nach Adaptionen von Bram Stoker und Oscar Wilde, wieder einen Stoff von D. H. Lawrence für die große Leinwand aus, der mittlerweile in grässlichem Neusprech, als filmisches und literarisches Prequel bezeichnet wird.

Russel pickte sich für sein gefälliges Sittengemälde nur einen kleinen Teil der mehrere Generationen überspannenden Romanerzählung heraus und hat aus DER REGENBOGEN die hübsch gefilmte Sinnsuche einer jungen Frau im Liebes- und Berufsleben von Großbritannien Anfang des 20. Jahrhunderts gemacht, der man das wieder einmal geringe Budget, mit dem sich Russell zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere oft herumzuplagen hatte, zu keiner Zeit ansieht.

Immerhin konnte Russell altgediente Veteranen aus früheren Filmen wie Christopher Gable, Glenda Jackson, Kenneth Colley und Dudley Sutton für Nebenrollen rekrutieren, während sich Sammi Davis und Amanda Donohoe ein zweites und letztes, nach DER BISS DER SCHLANGENFRAU, Stelldichein geben.

Da Ken Russell dieses Mal nicht die vulgäre Sau wie in früheren Arbeiten rauslassen tut, fühlt sich DER REGENBOGEN trotz viel nackter Haut fast schon wie eine Rückbesinnung an jene Zeiten an, als Russell noch bahnbrechendes fürs britische Fernsehen inszenierte, um sich dann, beginnend mit LIEBENDE FRAUEN, einen Namen als kontroverser Filmregisseur zu machen. Unglücklicherweise wird DER REGENBOGEN heuer zu seinen eher unbekannteren Filmen hinzugezählt, was vor allen Dingen mit dem plötzlichen Bankrott von Vestron Pictures zusammenhängt, der Russells Film in ein Stück Insolvenzmasse verwandelte.

Die deutsche Silberscheibe, die heimlich still und leise von epiX im letzten November erschien, hat ein ganz tolles Bild zu bieten.

The Descent: Teil 2 (2009)

Kommentieren
"Wir sollten nicht hier sein."

Wie wahr, wie wahr. Also, diese Fortsetzung hat meine Erwartungen in genau jener Art und Weise erfüllt; wenn nicht sogar noch übertroffen, wie ich es mir von Anfang an vorgestellt hatte. Schon der Gedanke, dass Neil Marshalls beeindruckender Horrorfilm weitergesponnen werden sollte/musste und dass auch noch zwei Hauptdarstellerinnen wieder auftauchen sollten, sorgte bei mir für unerträgliche Bauchschmerzen, würde es die interessanten Einfällle aus dem ersten Gemetzel garantiert zunichte machen. Und genauso und noch viel schlimmer ist es dann auch gekommen.

Während in der wirklichen Welt schon vier Jahre ins Land gezogen sind, kriecht Sarah, die gegen Ende von Neil Marshalls Film ihrem unbewussten Todeswunsch noch klein beigab, im direkten Anschluss aus dem unterirdischen Höhlenlabyrinth heraus und wird sofort vom Sheriff und einem Rettungsteam bestehend aus austauschbaren Pappnasen wieder zurück in die Höhlen geschleift, wo sie gefälligst nach den restlichen Vermissten mit Suchen helfen soll. Was dann passiert dürfte wohl klar sein. Ein wenig mehr, von dem bereits im ersten Teil gesehenen. Aber niemals auch nur ansatzweise so aufregend.

Es ist beinahe bemitleidenswert, wie wenig sich Jon Harris, der sich einen Namen als Cutter gemacht hat, dazu in der Lage zeigt, einem durchweg interessanten Handlungsort so wenig Atmosphäre wie nur irgend möglich abzugewinnen. Das hat vor allem damit zu tun, dass er Kameramann Sam McCurdy, der in der gleichen Funktion schon am Originalfilm beteiligt war, anscheinend auh nicht im Griff hatte und ihn fast die komplette Höhle ausleuchten ließ, obwohl dort doch eigentlich tiefste Finternis herrschen müsste, welche nur sporadisch von den mitgebrachten Funzeln erleuchtet werden kann. Das Ergebnis: völlig spannungslose, schlecht zusammengefügt Szenenabläufe in einer obendrein auch noch langweiligen Klangkulisse mit flach geschriebenen Charakteren, für die man nichts empfindet, wenn sie letzten Endes zerfleischt werden. So was ist immer der Todeskuss für jeden Horrorfilm.

Das einzige was mich dann noch interessiert hat, war die Bestätigung meiner Vermutung, wer die Figur des Sheriffs gespielt hat. Nach den zwei, drei Filmen, in denen er mir vorher über den Weg lief, muss er in der Zwischenzeit für jedes Jahr ein Kilo Speck zugelegt haben. Das war nämlich Gavan O'Herlihy, der Clark Kents Widersacher in Liebesdingen bezüglich Lana Lang in SUPERMAN III - DER STÄHLERNE BLITZ spielte und von Charles Bronson am Ende von DEATH WISH 3 aus dem Fenster gebombt wurde. Ein unerwartetes Wiedersehen.

Mothra bedroht die Welt (1961)

Kommentieren
Die Rettung einiger schiffbrüchiger Seeleute von einer durch Atombombentests stark radioaktiv verseuchten und dadurch als unbewohnbar eingestuften Insel, stellt Japan gehörig auf den Kopf. Ihr Überleben haben die Seeleute durch das Trinken eines Saftes (nein, wir sind hier nicht bei SPACEBALLS gelandet) zu verdanken, welchen sie von den Eingeborenen erhielten und der sie immun gegen die Strahlung machte.

Eine blitzschnell auf die Beine gestellte Expedition, von dem kinderleicht als zwielichtig auszumachenden Geschäftsmann Nelson angeführt, stösst zur allgemeinen Überraschung im Inselinnern auf einen dichten Dschungel. Ehe es die für den Zuschauer eingeführten Identifikationsfiguren und die tumb auf Steine klopfenden Eingeborenen realisieren, kidnappt Nelson zwei winzig kleine Zwillingsfeen, um sie als Attraktion in einer kitschigen Varietéshow auszustellen. Doch was alle nicht wissen ist, dass der Gesang der beiden Feen einen magischen Hilferuf darstellt, welcher eine legendäre Kreatur namens Mothra erweckt, die auf ihrem Weg gen Tokio nichts als Zerstörung hinterlässt.

Wenn man den Hals nicht voll genug bekommt, dann verdient man es wie meinereiner, mit einem überteuerten Bootleg (15 €uro) auf die Nase zu fallen. Immerhin, der Streifen ist ungekürzt, jedoch mit einer fürchterlichen Neusynchronisation versehen, bei der sich hörbar die halbe Brückenbesatzung der Enterprise-D die Klinke in die Hand gegeben haben muss. Allerdings ist man auch hier sehr, sehr schlampig vorgegangen, weil ein ums andere Mal Wortfetzen oder auch kurze Szenen vorliegen, die nur in Japanisch oder Englisch gesprochen werden.

Der Film selbst ist natürlich über jeglichen Zweifel erhaben und ein Muss für jeden Liebhaber japanischer Monsterfilme, wobei Effektmeister Eiji Tsuburaja erst in der letzten halben Stunde richtig Gelegenheit erhält wenigstens ein kleines bisschen auf die Kacke zu hauen. Spielzeugpanzer, Spielzeugautos, Spielzeugmotorräder, Spielzeugfeuerwehrwagen werden durch die Flügelschläge Mothas einfach hinweg gefegt.

Was ich gar nicht mehr auf dem Radar hatte war die Tatsache, dass er genau wie die drei Jahre später herausgebrachte Fortsetzung GODZILLA UND DIE URWELTRAUPEN spielerische Kritik an der Struktur des westlichen Kapitalismus übt, welche einerseits durch die Figur Nelson und die Zerstörung von New Kirk City (!) Gestalt erhalten. Ebensowenig hatte ich auch noch Ahnung von religiösen Zähmung Mothras durch christliche Symbolik im Finale des Films.

Nightmare II - Die Rache (1985)

Kommentieren
Nach fünf Jahren sind die Immobilienpreise in der Ulmenstraße soweit in den Keller gegangen, dass Highschool-Schüler Jesse mit seinen Eltern und kleiner Schwester in das Haus von Nancy Thompson einzieht, welche dort mitansehen musste, wie ihre Freunde im ersten Teil von Freddy Krueger umgebracht wurden. Nun streckt Freddy seine rostigen Metallklauen, welche ihm direkt aus den Fingerspitzen wachsen und nicht mehr an einem Handschuh befestigt sind, nach Jesse aus, um ihn zum Werkzeug seiner Rache zu machen.

Dem zweiten NIGHTMARE sieht man deutlich an, dass er übereilt zusammengehauen und schnell, schnell in die Lichtspielhäuser geknüppelt werden musste, um möglichst viel Kapital aus dem Bohei um den ersten Teil zu schlagen. Das hat zur Folge, dass die hier erzählte Mär zwar in durchaus unterhaltsamer Form einiges aus Freddys Vergangenheit preisgibt, aber die Figur vollkommen ihrem ursprünglichen Konzept widerspricht und putzmunter in der Realität des Films herum springt. Das ist so schlimm anzuschauen, wie die Stray Cats- und Limahl-Poster an den Wänden. :wacko:

Das dadurch die Handlung des Streifens im letzten Drittel ständig ad absurdum geführt wurde, mussten mittlerweile auch Regisseur Jack Sholder und New Liner Robert Shaye zähneknirschend eingestehen. Dem kurzweiligen Gewese, welches außerdem nicht gerade freundliche Signale für die Akzeptanz Homosexueller aussendet, tut das aber keinen Abbruch. Die Besetzung der Nebenrollen mit Leuten wie Marshall Bell als schwulem Sportlehrer, der einen homophob motivierten Tod für das Piesacken von Jesse erleiden muss, Clu Gulager und Hope Lange kann sich ebenso sehen lassen, wie das furchtbare Dilemma des nicht unsympathisch gezeichneten Jesse.

Moon (2009)

3 Kommentar(e)
Sam Rockwell : 2 = ?

In der nahen Zukunft findet die globale Energiegewinnung wegen Rohstoffknappheit und Umweltverschmutzung nicht mehr auf der guten alten Erde, sondern auf dem Mond statt. Das dortige mit Helium-3 angereicherte Mondgestein hat, dank Verwendung in irdischen Kernfusionsreaktoren, nahezu sämtliche Energieengpässe der Menschheit mit einem Schlag gelöst.

Kurz bevor sich seine vertraglich mit dem Enerige-Konzern Lunar Industries auf drei Jahre festgelegte Schicht, welche im wesentlichen daraus besteht, die nahezu vollautomatischen Prozesse der Station und den Betrieb der Erntemaschinen zu überwachen, dem Ende nähert, wird der fast völlig von der Außenwelt isolierte Astronaut Sam Bell plötzlich von Halluzinationen heimgesucht, was die nicht gerade mit offenen Karten spielende Konzernleitung eiligst dazu veranlasst, ein Rettungsteam auszuschicken.

Der vor allen Dingen viel fürs Auge hergebende Debütfilm von David Bowies Filius Duncan Jones hat zumindest dahingehend seine Hausaufgaben gemacht, indem er sich artig vor so übermächtigen Vorbildern wie Kubricks 2001 - ODYSSEE IM WELTRAUM, Doug Trumbulls LAUTLOS IM WELTRAUM oder aber auch ALIEN (die von Ron Cobb ersonnene Inneneinrichtung der Nostromo stand eindeutig Pate) verbeugt und sich zumindest an Trumbulls Streifen durchaus großzügiger bedient, als es ihm eigentlich bekommt. Einen noch obskureren Einfluss habe ich von den Réseaukreuzen ausmachen können. :wacko:

Aber zwei Sam Rockwells über neunzig Minuten beim einsamen Heimwehen nach Frau und Kind in steriler Tristesse zuzuschauen, war dann doch nicht so abendfüllend wie nur zehn Minuten mit Bruce Dern und seinen Topfpflanzen, zumal Bell mit dem beruhigend einwirkenden Stationscomputer Gerty, von Kevin Spacey in der englichen Originalfassung gesprochen, nach einigem Hin und Her wider Erwarten ein Verbündeter (!) zur Seite gestellt wurde, was den Film um einen zusätzlichen Spannungsfaktor beraubt hat.

Deshalb schien mir auch die finale Zerstörung der Funkstöranlage und die rechtzeitige Rückkehr von einem der Sam Bells nach Hause, welcher so die illegalen (?)Machenschaften des nicht sonderlich klug agierenden Konzerns offenlegt, auch aus einem völlig anderen Film, als dem gerade gesehenen, zu stammen. Aber ich will nicht unnötig herumnörgeln. Für gerade einmal fünf Millionen Dollar, sieht der Streifen nämlich absolut phantastisch aus.

Vinyan (2008)

Kommentieren
Sechs Monate sind seit dem Seebeben und dem daraus resultierenden, verheerenden Tsunami im Indischen Ozean vergangen, bei dem das Ehepaar Jeanne und Paul Bellmer seinen Sohn Joshua am Strand von Phuket verloren hatte. Es ist vor allen Dingen Jeanne, die mit dem Verlust Joshuas nicht abgeschlossen hat und auf der Feier einer Hilfsorganisation in den unscharfen Aufnahmen eines Dokumentarfilms, der nach Burma verschleppte Kinder zeigt, ihren vermissten Sohn wiederzuerkennen glaubt.

Über einen Mittelsmann in einem der Bordellviertel Bangkoks kontaktieren sie einen lokalen Triadenboss, welcher sie mit auf eine Reise in den Dschungel und, wie man anhand der DVD-Beschreibung allzu früh entnehmen muss, ins Herz der Finsternis nimmt, ihren Sohn vielleicht doch noch zu finden.

Es ist für mich eigentlich immer von Vorteil, wenn ich mich relativ unvoreingenommen und mit so wenigen Informationen wie möglich in ein Filmerlebnis stürzen und dessen Eindrücke frisch in mich aufnehmen kann. Das hat bei Fabrice du Welz' CALVAIRE vorzüglich geklappt, war aber bei VINYAN erst nach dem zweiten Durchlauf möglich. Warum? Nun, weil mich die zweifelsohne wohlgewählten, sachdienlichen Hinweise auf der DVD-Verpackung genau in eine Richtung "sensibilisierten" wollten, die der Film dann nicht bei mir einlösen konnte, auch wenn er seinem berühmten Vorbild durchaus respektvoll Tribut zollt.

Nun konnte ich der bitteren Geschichte von der endgültigen Entzweiung des von Emmanuelle Béart und Rufus Sewell gespielten Ehepaars viel mehr abgewinnen, als das vor ein paar Wochen noch der Fall war und mich ebenso über die handwerklichen Kniffe erfreuen, für die du Welz wieder auf Kameramann Benoît Debie zurückgreifen konnte. Es fällt schwer, auf einen bestimmten Moment oder auf eine bestimmte Aufnahme hinzweisen. Vielleicht nehme ich jene Stelle, als Jeanne und Paul im Dschungel die täuschend echt wirkende Hausruine entdecken, bei der die Kamera langsam über sie hinweg fliegt, dann in die Ruine eintaucht und weiter vordringt. In der mitgereichten Making-of-Dokumentation wird genau gezeigt, wie sie diese tolle und gar nicht einmal aufdringlich wirkende Einstellung hinbekommen haben.

Da wird übrigens auch gezeigt, wie sich Rufus Sewell angesichts der Tatsache bekreuzigt, gleich von ein paar Dutzend Dschungelkindern nach Herzenslust ausgeweidet zu werden. Das du Welz seinen Film gegen Ende dann doch nicht gänzlich in die Richtung des Kannibalen-Films schubsen wollte, ist dann auch nicht weiter schlimm. Auf jeden Fall kann man mit angehaltenem Atem auf seinen nächsten Film warten.

Surrogates - Das zweite Ich (2009)

Kommentieren
Eine Welt, in der man nur noch lebt, damit man täglich robotten geht...

In SURROGATES hat sich scheinbar die gesamte Menschheit in eine Gesellschaft von Couch-Potatoes verwandelt, die es sich zu Hause bequem gemacht hat und ihre Arbeit, ihre Freizeitaktivitäten, ihr zwischenmenschliches Dasein, kurzum ihren gesamten Alltag von Robotern erledigen lässt, die ihr jeweiliger Benutzer von einem Bediensessel aus steuert. Die Roboter sind das fast durchweg perfekte und einem fürchterlichen Schönheitsideal angepasste alter ego ihrer Benutzer, denen die plastiline Jugend aus jeder ihrer künstlichen Hautporen trieft.

Doch die Utopie von einem verbrechensfreien Leben hat ein jähes Ende, als ein Versagen der Sicherheitsschaltung bei einer mysteriösen Mordserie an Surrogates mit einer neuartigen Waffe, zum Tod des jeweiligen Benutzers führt. Unter den Opfern befindet sich u. a. der Sohn des Erfinders der Surrogates, was das FBI auf den Plan ruft. Die etwas undurchsichtige Spur führt in die Reihen einer Gruppe von Menschen, welche diese neuartige Technik ablehnen und von einem struwwelpeterartigen Rastafari, der sich selbst "der Prophet" nennt, angeführt werden.

Als ich Ende vergangenen Jahres das erste Mal Wind von SURROGATES bekommen hatte, die ersten, wenigen Bilder von Bruce Willis mit seiner lustigen Perücke sah und den Namen Jonathan Mostow las, bin ich nicht gerade in Jubelstimmung ausgebrochen, zog sich durch dessen bisherige Filmografie doch nicht viel mehr als der rote Faden eines gewissenhaften Arbeiters, den man gewöhnlich für filmische Trittbrettfahrerei anheuerte. Das er aber mit Sachen wie BREAKDOWN oder U-571 nicht ganz so viel Stumpfsinn wie z.B. Roland Emmerich verbreitet liegt ganz einfach an der Tatsache, dass er mit einer geringeren Taktfrequenz arbeitet und seine bisherigen Streifen auch nicht über jenen immens hohen Grad an Stumpfsinn verfügen, der mir bei Emmerich fast regelmäßig die Zornesröte ins Gesicht treibt.

SURROGATES ist nun ganz gewiss kein Ausbund an Originalität, macht sich allerdings hinreichend bekannte Elemente, Bilder und Stimmungen aus vielen anderen Science-Fiction-Filmen der jüngeren oder älteren Vergangenheit, welche sich mit Robotern beschäftigt haben, clever zu eigen. A.I. - KÜNSTLICHE INTELLIGENZ, WESTWORLD, ein klein wenig BLADE RUNNER und so weiter und so fort. Die Liste ließe sich noch bis zurück zum Roboter Maria in Fritz Langs METROPOLIS zurück verfolgen.

Jedoch mach der Streifen auf seine eigene Weise einen nicht zu unterschätzenden Spaß, der sich zum einen aus eigenen Widersprüchen, nicht ganz zu Ende gedachten Details, welche bei einer Nettospielzeit von gerade einmal achtzig Minuten wohl ein Opfer des Schneideraums geworden sind und Bruce Willis als ermittelden Beamten selbst ergibt. Alleine ihn von seinem lächerlich ausschauenden Roboter befreit zu sehen und wie er im Verlauf des Films mit stolzer Brust seine Wunden umherträgt, das hat mich an gute alte John McClane-Zeiten erinnert, in denen er noch heldenhaft bluten durfte und nicht als Spielball einer aspetischen Inszenierung wie in STIRB LANGSAM 4.0 herumtanzen musste.

Die Halunken (1973)

Kommentieren
Das letzte Mal, als ich einen Film mit Adriano Celentano gesehen habe, konnte man im ZDF noch den Wunschfilm am Samstagabend (?) wählen und hatte die Qual der Wahl zwischen einem beliebigen Haudrauf-Film mit Bud Spencer und Terence Hill, einen eiligst aus verschiedenen Fernsehepisoden zusammengeschnipelsten Film mit dem zotteligen Fernsehköter Boomer und eben ein ganz auf Celentano zugeschnittenes Vehikel, in welchem er irgendeiner jungen Schnitte kräftig Zucker geben musste. So richtig knorke fand ich ihn damals zugegebenermaßen nicht, wollte meinem kindlichen Gemüt doch partout nicht einleuchten, warum eine hochnäsige Göre aus reichem Hause, wie die Muti eine darstellte, einen feuchten Schritt beim Anblick eines Typen mit schütteren Haar bekam. Deshalb habe ich auch immer für Spencer/Hill die Finger wund gewählt und um Celentano einen Bogen gemacht.

Ob er auch als Tunichtgut Cainazzo ein Haarteil trägt weiss ich nicht, aber hier stolpert er mit dem Bäckergesellen Romolo an seiner Seite durch das von österreichischen Truppen besetzte Mailand, das für fünf Tage, während der Märzrevolution des Jahres 1848, einem Tollhaus gleicht. Mal geraten die beiden in den weitläufigen Gassen und Straßenzügen zwischen die Fronten von Revolutionären und österreichischen Soldaten, bringen in bester Slapstickmanier und mit Hilfe von heißen Tüchern und einem Klistier das Kind einer hochschwangeren Frau auf die Welt und lernen nebenher etwas über die freiheitlichen Werte, mit denen sich eine Demokratie gerne "schmückt".

Ich musste einige Zeit in meiner Argento-Sammlung kramen, bis ich in den mitgereichten Dokumentationen und Interviewschnipseln, die sich lieber mit seinen Thrillern und Horrorfilmen auseinandersetzen, irgendeinen Fetzen fand, in dem sich Argento über die zweifelsohne ungewöhnlichste Arbeit in seiner Filmografie kurz auslässt. Da kam heraus, dass er nach dem Erfolg von VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT zunächst als Koautor am Drehbuch von DIE HALUNKEN beteiligt war und die Regie nur übernahm, weil der ursprünglich vorgesehene Regisseur von dem Projekt absprang. Argento sprach von einem Hochgefühl zu jener Zeit, als er in den Straßen Mailands auf für ihn untypischen Terrain agierte. Das sieht man der Inszenierung durchaus an, schmälert aber in keinster Weise den eigentümlichen Eindruck, welche jene Zeit auf die italienische Seele gehabt hat. Da passt es dann auch ganz gut, wenn man einen unwissenden, leicht dümmlichen Filmhelden wie Cainazzo vorgesetzt bekommt, mit dem man solche Ereignisse und deren unmittelbaren Folgen durchleben kann. Inzwischen ist Celentano selbst als Moderator im italienischen Fernsehen in die Rolle des Anklägers geschlüpft, welche ihm auch gegen Ende der Fünf-Tage-Revolution quasi in den Schoß fällt.

The Loveless (1982)

Kommentieren
Spätestens jetzt, als Kathryn Bigelow Anfang März diesen Jahres ihren Regie-Oscar für TÖDLICHES KOMMANDO erhielt, wurde es auch für mich einmal Zeit, mir ihren Debütfilm endlich zu Gemüte zu führen. Das sich meine erste, noch unbewusste Begegnung mit der Gutsten wohl bis ins Jahr 1988/89 zurückzuverfolgen lässt; zu diesem Zeitpunkt sah ich ihren für New Order inszenierten Videoclip zu "Touched by the Hand of God" und NEAR DARK zähle ich schon seit geraumer Zeit zu meinen absoluten Lieblingsfilmen; sei hier nur am Rande erwähnt. Mit an ihrer Seite ist ein gewisser Monty Montgomery, der später David Lynchs WILD AT HEART koproduzierte und als mysteriöser Cowboy in MULHOLLAND DRIVE auftauchte.

THE LOVELESS zählt neben solchen Filmen wie z.B. THE WANDERERS, zu den ersten filmischen Revisionen jener Zeit der Greaser, die sich weder mit nostalgischer Wehmut oder ausgelassener Heiterkeit beschäftigen, sondern eher durch das grimmige Abfeiern ihrer Subkultur, einen gewissen Hauch authentischer Verrufenheit ausströmen. Da ist es dann auch verständlich, warum braven Amerikanern schon bei deren bloßen Anblick der Atem stockte.

Das THE LOVELESS nicht in einer urbanen Gegend, sondern im ländlichen Teil des Staates Georgia, zwischen einem Diner und einer Tankstelle mit Werkstattgarage als Haupthandlungsorte, angesiedelt ist, bremst die Handlung zu einer eigentümlichen Meditation zusammen, die mir manches Mal absolut plausibel, aber auch ungeheuer ermüdend vorkam.

Dank eines die Gehörgänge umschmeichelnden Rockabilly-Soundtracks, den Jim Jarmush-Stammschauspieler John Lurie teilweise mitbeisteuerte und Willem Dafoe, der hier auch sein Filmdebüt ablieferte, hat die ganze Chose zum Glück einen Rettungsanker gefunden, der dem Nichts von Handlung und einigen gegen Ende auftauchenden, törichten Kabinettstückchen mit dem Filmschnitt, die der Unerfahrenheit der jungen Filmemacher geschuldet sind, der ich durchaus etwas Positives abgewonnen habe.

Der große Krieg der Planeten (1977)

Kommentieren
Das Jahr 1988. Die Weltraumstation Terra umkreist die Erde, bis sie nach einem Notruf verstummt. Dann stürzen Kometensplitter hernieder, denen eine ganze Armada von Kugelraumschiffchen folgen, welche über die Metropolen des gesamten Erdballs herfallen und sie mit ihren Laserkanonen in Schutt und Asche schießen. Zisch! Bumm! Krach! Sayonara, New York. Sayonara, London. Sayonara, Paris. Sayonara, Moskau. Sayonara, Tokio. Ihr wart einmal. Der Ausgangspunkt des feigen Angriffs wird mittels Radar zum Planeten Venus zurückverfolgt.

Da kann nur Raumschiff Gohten, das nach Plänen des mit reichlich Skrupel behafteten Prof. Takigawa endlich fertig konstruiert wurde, den hinterhältigen Invasionsplänen der fiesen Außerirdischen vom Planeten Yomi Einhalt gebieten, die auf der Venus Station gemacht haben. Mit an Bord der Gothen sind neben des Professors schnuckeligen Töchterchen Jun auch ihre beiden Verehrer Miyoshi und Morrei, welche, angesichts der extraterrestrischen Bedrohung, eine geradezu heldenhafte Zurückhaltung in ihrem Kampf um die Liebesgunst bei Jun üben.

Jemand muss bei Toho anno 1977 wohl sehr eifrig in deren Lagerräumen herumgekramt und dabei die U 2000 hervor gekramt haben. Flugs wurde sie ein wenig umgestaltet und gegen das römische Galeerenraumschiff der außerirdischen Invasoren aus M13 entsandt. Doch bis es zum großen Duell auf der Venus kommen darf, muss man als Zuschauer immer wieder holprigste Füllszenen voller unterdrückter Liebe, Heldenmut, Kameradentum und Opferbereitschaft durchleiden, die dem eigentlich großen Vergnügen, das man hier haben könnte, immer wieder den Garaus machen.

Was aber dem Fass seinen Boden sprichwörtlich ausschlagen lässt, sind die unerträglich auf die Tränendrüse drückenden Szenen, um den aus einem unerfindlichen Grund an Bord befindlichen amerikanischen Jet-Piloten Jimmy, der bei der Nachricht von der Zerstörung New Yorks erst einmal einen Flashback an glücklichere Familientage auf grünen Wiesen bekommt. Uargh! Da kann auch das außerirdische Bigfootmonster mit seinen Rinderhörnern und der schweren Streitaxt (der japanische Chewbacca!) nicht mehr viel reissen.

Angeblich, so lässt es sich zumindest im mitgelieferten Beiheft der US-DVD von Diskotek herauslesen, befand sich der Streifen eine gewisse Zeit vor Lucas' KRIEG DER STERNE in Planung. Das mag ich nun nicht so ganz glauben, sieht das Ganze doch eher nach RAUMSCHIFF ENTERPRISE aus.

Dämon des Grauens (1974)

Kommentieren
"Die Kotzpille" Jack Palance kann sich beruhigt in Süffisanz suhlen, hat er doch die mächtige afrikanische Gottheit Chuku auf seiner Seite, für deren hölzernes Götzenbild in der schäbigen Kellerwerkstatt seines kleinen Londoner Antiquitätenladens schwarzen Messen abhält und sie mit Blutopfern nackiger Mädchenkörper gnädig stimmt. Das eifrige Knierutschen, das Beten und das Blut dankt ihm Chuku mit ganz vielen Goldtalern, welche Bonvivant Palance und seinen jungen schwulen Angestellten, den er völlig in seiner Gewalt hat, aus einer finanziellen Notlage befreien.

Damit ihm Chuku auch in Zukunft weiter wohlgesonnen ist, sucht sich Jack, der alte Schmierlappen, der er nun mal ist, bereits weitere Blutopfer aus, was seinen jungen Partner Ronnie so gar nicht in den Kram passt, will er doch am liebsten mit dem Geld nach Malle oder zu anderen Fernreisezielen aufbrechen. Vor allem deswegen, weil die Polente auch schon Lunte gerochen hat.

DÄMON DES GRAUENS macht auf den ersten Blick den hoffnungsvollen Eindruck, als ob er eines dieser mustergültigen Beispiele für jene Art von Streifen ist, in die sich ernstzunehmende Schauspieler gelegentlich verirren und dann genüsslich zum Horst machen. So wie das z.B. bei THE BOYS FROM BRAZIL der Fall ist. Leider lösen so hochkarätige Namen wie Trevor Howard, Hugh Griffith, Kathleen Bryon und die ganz schön aus dem Leim gegangene Diana Dors dann doch nicht so ganz das ein, was die Filmhandlung anfangs versprach.

Das hängt vielleicht damit zusammen, dass DÄMON DES GRAUENS ganz am Anfang vielleicht nicht viel mehr als ein Thriller um einen Serienmörder gewesen sein mag und Produzent Herman Cohen sich die okkulte Thematik einfach irgendwo abgeschaut hat und sie mit ein bisschen nackter Haut garnierte. Nicht umsonst habe ich im Verlaufe des Streifens die bloße Anwesenheit von Chuku etwas vermisst. Nichtsdestotrotz ist der Film aber wegen Jack Palance, der genau weiß in was für einer Art von Film er hier mitspielt, und der hin und wieder ins Markige abdriftenden deutschen Synchronisation immens unterhaltsam anzuschauen.

Condorman (1981)

Kommentieren
Der Schock setzt bereits mit dem Vorspann ein. Da turnt eine für Disney-Verhältnisse miserabelst animierte Zeichentrickversion der Titelfigur ungelenk über langweilig zusammengestellte Aufnahmen realer Pariser Sehenswüridigkeiten, die den Eindruck erwecken, als ob sie an einem dieser frühen Sonntagmorgen entstanden, an denen man sich am liebsten nochmal im Bett zur Seite dreht, weil man noch einen dicken Brummschädel auskurieren muss. Doch mit der Ruhe ist es je vorbei, denn darüber plärrt auch noch ein Chor mit stolz geschwellter Brust "Condor-määäääääään!" in die triste Morgenidylle. Unglaublich, dass für dieses fürchterliche Gekrähe niemand anderes als Henry Mancini verantwortlich zeichnet!

Ein erfindungsreicher Comic-Zeichner mutet den kindlichen Lesern seiner Condorman-Comics in aller Welt nur solche Abenteuer zu, die auch er selbst in der Lage wäre zu bestehen. Dafür ist es auch schon mal notwendig sich vom Eiffelturm zu stürzen, um die ausgetüftelte Flatterausrüstung zu testen. Nun bekommt er die Chance der mangels Fachkräften anscheinend derbe auf dem Zahnfleisch kriechenden CIA helfend unter die Arme zu greifen und einer schönen KGB-Agentin (Barbara Carrera, puh!) beim Überlaufen zu helfen. Wieso, weshalb und warum die Schnepfe so wertvoll zu sein scheint wird nicht erklärt, es wird nur ein Flöhehusten um sie veranstaltet.

Im Zuge des Erfolgs von KRIEG DER STERNE sah sich Disney genötigt, seinen mehr und mehr schwindenden Einfluss bei der amerikanischen Jugend zurückzugewinnen. DAS SCHWARZE LOCH war ein durchaus beachtenswerter, wenn auch hin wieder nervender Versuch in Richtung Weltraumoper, der mit einer spitzenmäßigen Besetzung und tollen Szenenbildern aufwarten konnte. CONDORMAN machte damals auf mich den Eindruck, als ob Disney in den Fahrwassern von James Bond schippern wollte. Danach sieht der Streifen zwar immer noch aus, aber er hat wohl, wenn man sich die Verkleidungsszenen so anschaut, auch noch eine gehörige Portion Inspector Clouseau abbekommen.

Das ist aber auch genau das Problem. Erwachsene machen wegen dem infantilen Getue der sowjetischen Schießbudenfiguren um Oliver Reed, der die Handlung anscheinend für bare Münze nimmt, wenn man nach seinem krebsrot angelaufenen Kopf gehen mag, sowieso einen großen Bogen und die Dreikäsehochs gucken bestürzt, wenn der Held einige seiner (unsichtbaren und in feschen Lederanzügen gekleideten) Verfolger in einen schrecklichen Flammentod schickt.

Auf U-17 ist die Hölle los (1959)

Kommentieren
Wie die deutsche Erzählstimme höchst gewissenhaft postuliert, scheinen sich die technischen Möglichkeiten der Passagierschifffahrt Ende der 1960er Jahre, in denen die Handlung angesetzt ist, dahingehend gesteigert zu haben, dass nun auch Passagiere unter dem nordpolaren Eis, neben Militär-U-Booten, seelenruhig vor sind hin schippern können.

Dieser enorme Fortschritt ist in letzter Zeit allerdings einer undefinierbaren Bedrohung ausgesetzt, als nicht nur U-Boote, sondern auch Schiffe in der Gegend des Polarkreises auf mysteriöse Weise verschwinden, was die amerikanische Admiralität im Pentagon veranlasst, die Tigershark, ein speziell ausgerüstetes U-Boot, in die Krisenregion zu entsenden.

U-17 war mir bis jetzt gänzlich unbekannt und ist wegen seiner Unlänglichkeiten, die bescheideneren finanziellen Mitteln und der zügigen Drehzeit geschuldet sind, kein Vergleich zu den Großtaten amerikanischer Science-Fiction-Filme jener Tage. Archivaufnahmen sinkender Schiffe und den Eispanzer durchbrechende U-Boote sind so mir nichts, dir nichts neben Modellaufnahmen gestellt worden, die ausschauen, als ob man die Badewanne des Requisiteurs mit Styropor verkleidet hat.

Auch habe ich sehr geschmunzelt, als der Bug der Tigershark im Rumpf der unter Wasser herumstromernden Untertasse feststeckt und Besatzungsmitglieder versuchten sich mit Schweißgeräten zu befreien. Die Proportionen der Menschen mit dem Bug des U-Bootes wollten nicht einmal ansatzweise zusammenpassen. Die Krönung war dann aber der außerirdische Zyklop mit Riesenauge und Krakenarmen. So ein Vieh haben selbst die Italiener zwanzig Jahre später in ASTARON - BRUT DES SCHRECKENS nicht besser hinbekommen. :))

Etwas ernüchtert war ich hingegen von der deutschen Synchronisation, deren Qualität sich vor allen Dingen darin auszeichnet, immer wieder sämtliche Toneffekte und die Musik der englischen Fassung verstummen zu lassen. Besonders die Musik von Alexander Lazlo, die zu großen Teilen das Theremin erklingen lässt, hat darunter zu leiden. Ich kann daher nur raten, den Film in Englisch zu gucken. :doc:

Carriers (2009)

Kommentieren
Fast die gesamte Menschheit ist (wieder einmal) von einer hochansteckenden Seuche anständig dahingerafft worden. Vier junge mal mehr, mal weniger nervende Überlebende, mit denen man wohl oder übel den knappen Achtzigminüter verbringen muss, befinden sich auf dem Weg zur Küste, um dort in einem Strandhaus das Wüten der Seuche auszusitzen. Für sie zählen ganz einfache und klar definierte Regeln, um sich bei den Infizierten nicht anzustecken, die sie bei jeder nächstbesten Gelegenheit zu ignorieren beginnen.

CARRIERS ist ein durchaus achtbarer Versuch, dem Subgenre des Viren- und Seuchenfilms (gibt's so ein Subgenre überhaupt?), mit Hilfe der Geschichte eines Bruderzwists, der sich erst gegen Ende voll herauskristallisiert, einen Hauch von Menschlichkeit überzustülpen, wobei auf spekulative/spektakuläre Blutrünstigkeiten und anderweitige Sensationen weitestgehend verzichtet wird. Deswegen fehlt dem Streifen aber auch der hin und wieder notwendige Ansatz einfach mal zur dramaturgischen Kneifzange zu greifen, was bei noch nicht einmal achtzig Minuten Nettospielzeit schon verwundert, wenn ein Handlungsstrang nach dem anderen etwas mühselig abgefrühstückt werden muss und man eigentlich nur darauf wartet, dass der Film seiner Genrezugehörigkeit jetzt endlich einmal gerecht wird.

Statt dessen bekommt man einige lahme Verweise auf David Cronenbergs DER ÜBERFALL DER TEUFLISCHEN BESTIEN (Mülllaster mit Leichensäcken) oder 28 DAYS LATER (Soldaten auf Brautschau) auf dem Tablett serviert. Das ist eindeutig zuwenig, um sich eingehender mit CARRIERS zu befassen, zumal der Streifen auch auf der Tonspur nichts Besonderes zu reissen vermag. Da gibt es Klimperpiano und Säuselstimmen, die einem die uanbwendbaren, tragischen Schicksale der Menschen näherbringen möchten. Achso, und das warmes Bier wie Pisse schmeckt weiss ich auch so. Das muss mir Chris Pine (der neue Kirk) nicht zweimal unter die Nase reiben.

Cabo Blanco (1980)

Kommentieren
Ich habe eine ungefähre Vorstellung, wie diese Gurke zustande gekommen sein muss. Da muss sich jemand CASABLANCA zwei- oder dreimal zu oft angesehen und nicht verstanden haben, auf einem Schmierzettel dann dessen ungefähre Handlung niedergekritzelt, aber diesen Zettel in den nächsten Papierkorb geschmissen haben. Dort wurde er rausgefischt und in Verbindung mit einem großzügigen Gehaltsscheck und die Aufsicht Arbeit und Urlaub an einem exotischen Ort miteinander zu verbinden, wohl als ausreichender Köder jedem einzelnen Schauspieler unter die Nasen gehalten. Anders kann ich mir die Mitwirkung von Schauspielgrößen wie Jason Robards und Fernando Rey nicht erklären.

Rick's Cafe heißt hier Bar de Giff und gehört Bogart-Ersatz Charles Bronson (jaja, als ob der eine Bar leiten könnte), bei dem 1948 Gott und die Welt gern einkehrt. Simon MacCorkindale eiert als angeblicher Agent Seiner Majestät George VI. durch die Szenerie, stiert der unverschämt der schönen Dominique Sanda wiederum ein leichtes Mädchen zu sein scheint, was sich mir dadurch erklärt, dass sie gar nicht verärgert ist, als Bronson in ihrem Zimmer rumlungert, während sie sich im Badezimmer nackig macht. Fernando Rey ist der korrupte Polizeichef, der gerne flotte Dreier mit ein paar Nutten schiebt, aber am Ende seine Seele entdeckt, weil ein müder Jason Robards als Ex-Nazi Beckdorff seine Kriegsbeute, die er im Krieg ermordeten Juden abgenommen hat, sichern möchte, welche vor der Küste auf Grund liegt.

Wenn schon die Erzählstimme einer Nebenfigur das große Abenteuer vollmundig versprechen muss und unter der Titelschrift die Behauptung steht, dass hier Legenden geboren werden, kann das schon eigentlich nichts Gutes mehr verheissen. Auf einem alternativen Kinoplakat sieht man Bronson auch noch eine schwere Wumme halten, was im Film übrigends nur Jason Robards vorbehalten ist. Der Film selbst ist ein wirrer, zusammenhangloser Quatsch, dem man deutlich ansieht, dass er im Schneideraum unbarmherzig traktiert worden sein muss. Das ganze "Drama" fühlt sich an wie eingeschlafene Füße, die einfach nicht aufwachen wollen, egal wie sehr man ihnen reibt.

Die Fürsten der Dunkelheit (1987)

Kommentieren
Garstiges, sich an Fenstern windendes Gewürm und der Gott Plutonium

In den Kellern einer Kirche in Los Angeles befindet sich ein von der katholischen Kirche seit zweitausend Jahren geheim gehaltener Behälter, der nichts geringeres als die flüssigen (!) Überreste des Antichristen enthält. Um die Welt vor der Existenz des Bösen zu warnen, beauftragt ein Priester ein gutes Dutzend an Wissenschaftlern den uralten Behälter zu untersuchen. Doch die Störung seiner Totenruhe lässt sich Satan nicht ohne weiteres gefallen und schlägt zurück.

Ich erinnere mich noch sehr genau, dass ich auf John Carpenters Low-Budget-Horrorfilm damals, also während seiner Kinoauswertung in Deutschland, in der Bravo aufmerksam wurde, die mit vielen Szenenfotos vor allen Dingen die Mitwirkung von Schockrocker Alice Cooper, als vom Satan kontrolliertes, menschliches Strandgut, gesondert herausstellte. Den Film habe ich im zarten Alter von zwölf Jahren damals natürlich nicht zu Gesicht bekommen können; das kam dann irgendwann in den Neunzigern; und hatte und habe seither von diesem Streifen immer höchst unterschiedliche Eindrücke mitgenommen.

Mich haben die fast über die gesamte Spielzeit verstreuten Bezüge zu wissenschaftlichen Themen eigentlich immer verwirrt, als dass sie dem ganzen Treiben auch nur annähernd einen Sinn geben konnten. Was sie ja vielleicht auch gar nicht sollen, zumal Carpenter freimütig zugegeben hat, sie überhaupt nur um des reinen Effekts eingebaut zu haben. Sachen wie z.B. die Theorie um Schrödingers Katze, einem Problem aus der Quantenmechanik, angewandte Chemie in Form der Radiokohlenstoffdatierung, die erschöpfenden Diskussionen über Metaphysik, Theologie, den Antichristen und einen Anti-Gott, die Victor Wongs und Donald Pleasance Figuren angesichts der aufziehenden Bedrohung führen. Eigentlich ist das alles totale Banane, weil diese Details keine logische Entsprechung im fertigen Film erfahren, aber Wong und Pleasance könnten mir auch das Telefonbuch von Berlin-Neuköln vorlesen; ich würde (an)gespannt zuhören. Herrje, sogar die im Februar 1987 in der Großen Magellanschen Wolke beobachtete Supernova wurde eingebaut!

Der Streifen hat es wieder einmal hervorragend geschafft, mich mit seiner düsteren Atmosphäre, die langsam auf einen nicht gerade glücklich verlaufenden Höhepunkt hinsteuert, gänzlich von den Socken zu hauen. Da nehme ich dann auch liebend gerne in Kauf, dass Jameson Parker, damals immerhin fast vierzig Jahre alt, eher der Klientel der Bummelstudenten anzugehören scheint und das Mary Bosinski (so habe ich den immer genannt) nach seinem kurzen Auftritt dank Alice Cooper flugs das Zeitliche segnen muss. Die Hauptschuld daran trägt Carpenters Filmmusik, die fühlbar aus nur einem einzigen Musikstück zu bestehen scheint, dass immer nach reinem Belieben ein- und ausgeblendet wird. Rhythmischer Anti-Ambient, sozusagen und wie auch der Film an sich eng mit dem DING AUS EINER ANDEREN WELT verwandt.

Das Gesicht der Wahrheit (2006)

Kommentieren
Samuel L. Jackson gibt den souverän agierenden Detective Lorenzo Council, der seinen Polizeidienst in einem sozial schwachen Arbeiterviertel der Stadt Dempsey, New Jersey versieht. Mit Einfühlungsvermögen, aber auch mit bestimmten Auftreten hat er es bisher immer verstanden, jeder brenzligen Situation Herr zu werden. Doch das Verschwinden eines vierjährigen Jungen weißer Hautfarbe, sorgt für sichtliche Unruhe in dem Viertel. Die Aussage der psychisch labilen und früher drogensüchtigen Mutter des Jungen; wieder mal bravourös von Julianne Moore dargestellt, die einem selbst größten Quatsch wie DIE VERGESSENEN noch halbwegs erträglich durchstehen lässt, lässt Lorenzo Council angesichts einiger Ungereimtheiten stutzig werden.

DAS GESICHT DER WAHRHEIT ist in der Hauptsache ein Film, der sich mit der keineswegs beneidenswerten Situation vieler schwarzer Amerikaner in den Vororten amerikanischer Städte auseinandersetzt, welche von den Behörden schulterzuckend im Stich gelassen werden und deren ökonomische Zukunft ohnehin nicht besonders rosig aussieht. Sticht man in ein solches Wespennest, ist eine gewaltsame Entladung angestauter und auf Ungerechtigkeit ruhender Emotionen eine fast unabwendbare, beinahe logische Folge.

Was den Film aber auf eine seltsame und völlig unbeabsichtigte Weise für mich sehenswert machte, war seine Spiegelung auf aktuelle Ereignisse hier in Deutschland, wo das Bekanntwerden von Kindesmissbräuchen in öffentlichen und kirchlichen Einrichtungen vergangener Jahrzehnte für Schlagzeilen sorgt. In der Mitte des Films sucht Jacksons Figur mit Hilfe einer Gruppe von Frauen, von denen eine ihren eigenen Sohn bereits seit Jahren vermisst, den Sohn von Julianne Moores Figur auf einem weitläufigen, bewaldeten Grundstück namens Freedomland, auf welchem sich ein verlassenes Gebäude, welches als staatliches Kinderheim diente, befindet. Zwischen den nasskalten, dunklen Mauern liegen auf dem Fußboden die Überbleibsel einer vieler unglücklicher Kindheiten verstreut und verrotten vor sich hin.

Death Wish V - The Face of Death (1994)

Kommentieren
Was auch immer im mir bisher noch nicht bekannten vierten Teil DAS WEISSE IM AUGE geschah, es muss so entscheidend gewesen sein, dass Charles Bronson als Selbstjustizkiller Paul Kersey ins Zeugenschutzprogramm (!) gelangte, mit einer neuen Idendität ausgestattet wurde und seine Zelte wieder in New York, seinem alten Jagdrevier, aufschlug. Dieser Umstand schützt ihn allerdings nicht davor, indirekt wieder in handfeste Schwierigkeiten zu geraten, als seine Lebensgefährtin, die Modedesignerin Olivia Regent, von ihrem brutalen Ex-Mann, den irischen Gangster Tommy O'Shea und dessen Schergen angegangen und getötet wird.

Schon vom allerersten Moment, an dem Bronson über die Straßen schlendert, wird schlagartig deutlich, dass er in seiner damaligen Verfassung (aufgedunsenes Gesicht + Arthritis) einfach nicht mehr vor eine Kamera gehörte. Ihm war es anscheinend egal, solange die Zahl auf dem Scheck genügend Nullen enthielt. Cannon Films und Michael Winner verstanden es, wenn man den von Cannons Seite zwar nicht verbrochenen, aber absolut misslungenen zweiten Teil einmal außer Acht lässt, aus der ganz am Anfang ernsthaft erzählten Selbstjustizgeschichte, ab dem dritten Film aus der Reihe eine comichafte, schwerlich ernst zu nehmende, aber dafür sehr unterhaltsame Überzeichnung zu schaffen, die Bronsons Figur als Actionhelden abfeierte. Mit DEATH WISH V wollte man augenscheinlich zurück zu den Wurzeln. Doch unter der gerade einmal rudimentär vorhandenen Oberfläche, stinkt es ganz gewaltig nach amphibischer Urscheiße.

Der Film ist wie eine einzige Behauptung der angeblichen Fähigkeiten Bronsons mit möglichst wenig Körpereinsatz die fiese Mörderbande effektiv zur Strecke zu bringen. Kersey bedient sich nun nicht mehr des probaten Einsatzes einer Handfeuerwaffe, sondern vertraut auf vergiftete Cannoli oder ferngeteuerte Fußbälle mit Sprengstofffüllung. So kann man tumbe, an Lollys herumkauende Itaker oder verkappte Transvestiten kinderleicht ins Jenseits befördern. :doc: Das die Bande ohnehin nichts reisst, erkennt man daran, dass die später von O'Shea angeheuerten Schergen es sogar fertigbringen, mit ihren Maschinenpistolen aus drei Metern Entfernung Kersey zu verfehlen, der wie ein Flummi höchst artistisch und in Zeitlupe durch sein Haus springt. Irgendwie hat mich diese Szene an die Schießerei aus MATRIX erinnert, bei der die Hochhauslobby zu Klump geschossen wird. :))

Sogar Paradebösewicht Michael Parks ist bereits zu Beginn dank solcher Knallchargen wie dem fetten Mitarbeiter seiner Ex-Frau, der selbst im Angesicht schlimmster Folter zu keiner emotionalen Regung fähig zu sein scheint, auf verlorenen Posten. Hauptsache ist aber, dass das hohlphrasige Misstrauen in die Staatsgewalt allenthalben verbalisiert werden muss. Ein ganz und gar gräßlicher Film in fürchterlicher TV-Optik. In jeglicher Hinsicht und von Anfang bis Ende.

Shutter Island (2010)

Kommentieren
Am Ende der Schleife angekommen, kann man glatt zur Feststellung gelangen, dass der vierte gemeinsame Film von Martin Scorsese und Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio außer einer beträchtlichen Menge an Hinweisen; wir bewegen uns schließlich in einer Detektivgeschichte, nicht war, die zudem eine gewisse Zeit für sich in Anspruch nehmen, nicht viel mehr zu bieten hat. Zumindest diesen Eindruck bekam ich von all den ratlosen Gesichtern der Kinogänger beim Verlassen des Saals.

Leonardo DiCaprio soll 1954 als ermittelnder U.S. Marshal das Verschwinden einer Patientin in einer Nervenheilanstalt für Schwerverbrecher auf der abgelegenen Insel Shutter Island vor Boston aufklären. Gemeinsam mit seinem von Mark Ruffalo gespielten, neuen Partner findet er rasch heraus, dass für ihn die von der Anstaltsleitung vorgelegten Hinweise nicht ausreichen, das spurlose Verschwinden der Patientin stichhaltig zu erklären. Darüber hinaus machen die schrecklichen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg und der Flammentod seiner Ehefrau vor zwei Jahren, in Form von immer wieder aufblitzenden Erinnerungsfetzen und vollständigen Halluzinationen, DiCaprios Figur zusätzlich zu schaffen.

Man bekommt es ungefähr zur Hälfte unmissverständlich auf dem Tablett serviert, wo der Hase bei SHUTTER ISLAND wirklich entlangläuft, was der ein klein wenig zu lang geratenen Geschichte, den hin und wieder notwendigen Schwung einbüßen lässt. Das sich der Film dazu am Ende für den Zuschauer und für DiCaprios Figur in eine gleichermaßen detaillierte wie zuweilen lapidare Erklärung der Situation flüchtet, ist das Crux, welches zumindest mich glauben ließ, dass sie alle DiCaprios Figur anlogen. Das genau dem nicht so war, lässt den bis dahin ordentlichen und vorzüglich besetzten Streifen zwar in einem starken Epilog enden, vergällte aber zumindest mir im Nachhinein die Darstellungen von DiCaprios Halluzinationen, die mit dem Flammentod seiner Filmehefrau zu tun hatten.

Der Junge mit dem Hund (1975)

Kommentieren
Die Erde des Jahres 2024 ist von den Folgen des gerade einmal fünf Tage dauernden und mit Atomwaffen geführten Vierten Weltkriegs schon vor Jahren völlig verwüstet worden. Ziellos durchstreift Vic, einer der wenigen Überlebenden die Ödnis, auf der Suche nach etwas Essbaren und Sex mit attraktiven jungen Frauen. Zur Seite steht ihm der Hund Blood, mit dem er sich dank Gedankenübertragung verständigen kann und der Vic nicht nur ständig historische Ereignisse verklickert, sondern ihm stets den kürzesten Weg zur nächsten begattungswilligen Frau sucht.

Während seines Aufenthalts in einer aus ein paar Holzbrettern und Metallverschlägen behelfsmäßig zusammen gezimmerten kleinen Oase für Überlebende, wo man in zerpflückten Sesseln vor sich hin dösen und Pornofilme beäugen kann, bekommt Vic nicht nur Gelegenheit seinen akuten Samenstau zu kurieren, sondern ist von seiner Flamme Quilla June (toller Name!) derartig angetan, dass er ihr in eine unterirdische Stadt folgt, die dem radioaktiven Inferno trotzen konnte. Deren Bevölkerung, welche direkt von Waltons Mountain herunter gestiegen sein könnte und seltsam maskenhafte Gesichter aufweist, ist jedoch einzig und allein an einer Verbesserung ihres minderwertigen Genpools interessiert.

Es ist schon einige Zeit vergangen, seit ich zuletzt einen solch durch und durch zynischen und an allen Ecken und Enden beleidigenden Film zu Gesicht bekommen habe, der nicht nur mein ästhetisches Empfinden, sondern auch meinen Glauben an das Gute im Menschen, auf eine derartig harte Probe gestellt hat. Klar, Filmkunst ist manchmal einfach kein Wunschkonzert, aber das die von Don Johnson gespielte Figur des Vic, so dermaßen unsympathisch gezeichnet wurde, in so ziemlich jeder Szene das Rumpelstilzchen gegenüber seinen Köter raushängen lässt, von den Bewohnern der unterirdischen Stadt um Jason Robards ordentlichst durch die Mangel gedreht wird und dann am Ende auch noch über einen der denkwürdig negativsten Schlusssätze anerkennend ablacht, puh, das war alles ein ganz schön starkes Stück. Definitiv ein Stückchen Film, dem man nicht alle Tage über den Weg läuft und es in Zukunft vielleicht auch unterlässt, weil er auch eine ganz schöne Beleidigung für das Auge darstellt.

Unter welchem Titel der Streifen nun erstmals in Deutschland veröffentlicht wurde, könnte man außerdem als hochdotierte Rätselfrage bei "Wer wird Millionär" reinschmuggeln. Zur Auswahl stehen entweder EINE JUNGE UND SEIN HUND oder DER JUNGE MIT DEM HUND. Bei seiner Erstausstrahlung auf 3sat wurde er mitsamt neuer Synchronisation als IN DER GEWALT DER UNTERIRDISCHEN betitelt. Auf DVD heißt er APOCALYPSE 2024, hat aber den Titel der 3sat-Ausstrahlung im Vorspann aufgebrummt bekommen. :wacko:
  • (17 Seiten)
  • +
  • 1
  • 2
  • 3
  • Letzte »

Neuste Einträge

September 2010

M D M D F S S
  12345
678 9 101112
13141516171819
20212223242526
27282930   

Neuste Kommentare

FTB-Links

Tags

0 Besucher

0 Gast/Gäste
0 Mitglieder
0 anonyme Mitglieder

MSN/Bing

Letzte Besucher