Filmforen: Kurzkritiken 25.06. - Filmforen

Zum Inhalt wechseln

Seite 1 von 1
  • Du kannst kein neues Thema erstellen
  • Du kannst auf dieses Thema nicht antworten

Kurzkritiken 25.06.

#1 Mitglied ist offline   Hick 

  • mit extrem hoher Leistungsfähigkeit
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • Filmtagebuch ansehen
  • Gruppe: +Senior-Member
  • Beiträge: 7.799
  • Registriert: 09.01.2003
  • Ort:Berlin
  •  Weblog

Geschrieben 26. Juni 2005, 00:04

Schläfer (D 2005, Benajmin Heisenberg)

Stiller und intelligenter kleiner Film über zwei Freunde/Kollegen, von denen der eine wegen Terrorverdachts durch den Verfassungsschutz observiert wird und der andere von eben jener Behörde dazu aufgefordert wird, den Freud zu "beobachten". Die moralischen Überezeugungen beider Protagonisten scheinen sich immer wieder zu verschieben, die Spitzeleien erscheinen mal gerechtfertigt und mal völlig unmoralisch. Als sich eine Frau zwischen die beiden Männer drängt, kommen mehr und mehr private Motive in die eigenartige Überwachungs- und Verschleierungserzählung. "Schläfer" ist seit langem der beste deutsche Film, den ich im Kino gesehen habe. Die äußerst "neugierige" Kamera, die nie mehr als der Spitzel sieht, aber immer mehr sehen will und das eindringliche Spiel der drei Hauptakteure machen aus dem Film eine kluge Studie über Paranoia, Konsturktivismus und ambivalente Gefühle.


Crash (USA/D 2004, Paul Haggis)

"Crash" erzählt parallel die Geschichten mehrerer Protagonisten, die alle innerhalb eines Tages irgendwie miteinander zu tun haben. Der "Grundkonflikt" des Films sind rassistische Stereotype und Übergriffe in Los Angeles, die der Film jedoch geschickt als Vorwand nutzt, eine überaus humanistische Erzählung zu konstruieren. Eine absolut meisterhafte Montage (wie ich sie besser seit Altmans "Short Cuts" nicht gesehen habe!) verknüpft die einzelnen Sequenzen miteinander. Der Film enthält einige so intensive Dialoge und Szenen, dass ich zu Tränen gerührt war! "Crash" steht für mich in einer Reihe mit Filmen wie "Bringing out the Dead" (Scrosese), "Solaris" (Soderbergh) und "25th Hour" (Lee) ... er hat "Life and Death of Peter Sellers" als meine bisherigen "Lieblingsfilm 2005" abgelöst


Silver City (USA 2004, John Sayles)

Der erste Film, den ich vom Independend-Regisseur Sayles (einem "echten Intellektuellen", wie eine Sitzreihe hinter mir anerkennend geraunt wurde) zu sehen bekommen habe - und schon gleich ein Flopp: Die Erzählung um die verschwörerischen Hintergründe eines Leichenfundes, der zufällig bei den Dreharbeiten zu einem Gouverneur-Wahlwerbespott aus einem See gefischt werden, ist stinklangweilig. Der Invesitgator, der in bester und zugegeben recht ironischer Film-noir-Manier ermittelt und sich von einem Scheitern zum nächsten hangelt, macht dabei noch die interessanteste Figur. Alles andere - vor allem aber die hochkarätig besetzten Nebenrollen (Billy Zane, Daryll Hannah, Richard Dreyfuss, Tim Roth) - bleibt weitgehend unaufällig. Schauwert hat der Film gar keinen, konzentriert sich aber voll auf die (2004 vor Bushs Wiederwahl wahrscheinlich noch einigermaßen brisante) politische Erzählung. Die hat leider keine Abwechslung zu bieten und ist zudem viel zu lang geraten.


Der Hals der Giraffe (Le Cou de la girafe, F/B 2004, Safy Nebbou)

Das Erstlingswerk Nebbous ist gleich schon ein Volltreffer. Ein poetischer kleiner Film um die Suche nach der eigenen Vergangenheit, der ein kleines Mädchen, seine Mutter und den Großvater erst quer durch Frankreich und dann schließlich nach Spanien treibt. Mit beschwinglicher Leichtigkeit (eben jene Leichtigkeit, die ein neujähriges Mädchen und ein 80-jähriger Großvater als Paar ausstrahlen) erzählt der Film seine eigentlich tragische Geschichte bis zu einem tragisch-versöhnlichen Ende. Absolut entzückend (mal wieder) Sandrine Bonnaire! Die Bilder - vor allem die Weit- und Total-Aufnahmen, in denen die Protagonisten ins Verhältnis zur Landschaft gesetzt werden - im Verbund mit dem leicht repetitiven Soundtrack (erinnert ein bisschen an Yann Tiersen) kennzeichnen den Film als "echt französisch" und stellen ihn in die traditionelle Linie zu den Werken von Malle und Rohmer.

Seite 1 von 1
  • Du kannst kein neues Thema erstellen
  • Du kannst auf dieses Thema nicht antworten

1 Besucher lesen dieses Thema
Mitglieder: 0 | Gäste: 1 | Anonyme Mitglieder: 0