Zum Inhalt wechseln


Digital erzeugte analoge Spuren (Flecken, Spritzer etc.)


13 Antworten in diesem Thema

#1 bekay

    will in die High Society

  • Administrator
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 5.126 Beiträge

Geschrieben 25. November 2009, 14:35

Das soll ein Sammelthread werden, aber gerne darf man auch seine Meinung hinterlassen. Ich suche Filme, in denen analoge (im Sinne von materielle) Spuren digital erzeugt werden. Dabei meine ich weniger das Fingieren des Filmmaterials als alt - also das digitale Hinzufügen von Schmutz und Kratzern, die die Illusion erzeugen sollen, dass eine Filmrolle zu oft genutzt wurde. Sondern ich meine besonders das "Materiell/Bewusst-Machen" des Kamera-Objektivs, in dem an ihm Dreck, Blut, Schlamm etc. kleben bleibt, herunterfließt usf.

Obwohl dieser ästhetische Effekt seit den 90ern eine starke Verwendung findet, bin ich gerade nicht in der Lage, auch nur einen speziellen Film zu benennen, der ihn nutzt. Obwohl, doch, einen habe ich: Der TV-Zweiteiler Merlin (1998) - als besagter Magier einen Drachen niederzaubert...

Eingefügtes Bild

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild


#2 Bastro

    grrr

  • Senior-Member
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.870 Beiträge

Geschrieben 25. November 2009, 16:12

In Michael Manns MIAMI VICE gibt es eine solche Szene.

#3 pasheko

    Hypnosemaschinen AG

  • Senior-Member
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 2.617 Beiträge

Geschrieben 25. November 2009, 19:25

Ich meine, in einem der neueren japanischen Gore-Spektakeln würde die Kamera auch vollgeblutet, weiß nicht mehr, ob's TOKYO GORE POLICE oder MACHINE GIRL war, evtl. sogar beide...

#4 Nemo

    exaltierter Choro-Florist

  • Senior-Member
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.706 Beiträge
  • Ort:Euphonia

Geschrieben 25. November 2009, 19:48

Black Rain, Motorradszene bei 7,55 min - aber vielleicht nicht digital erzeugt ...

#5 The Critic

    Will nicht lügen

  • Senior-Member
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 2.212 Beiträge
  • Ort:London <-> Berlin
  •  Weblog

Geschrieben 25. November 2009, 22:41

Grindhouse (Planet Terror & Death Proof)

Eingefügtes Bild..... Eingefügtes Bild.....Eingefügtes Bild


#6 bekay

    will in die High Society

  • Administrator
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 5.126 Beiträge

Geschrieben 25. November 2009, 23:54

Beitrag anzeigenThe Critic sagte am 25. November 2009, 22:41:

Grindhouse (Planet Terror & Death Proof)
Gehören die beiden nicht eher zum ersten Fall? Denn mit "weniger" meinte ich: das interessiert mich hier gar nicht. Oder gibt es dort auch ein paar Beschmuddelungen der Kamera?

@Nemo: Würde das für analog halten. Trotzdem schön, so'ne vordigitale Anwendung des Effekts zu sehen.

Eingefügtes Bild

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild


#7 Bob

    social assassin

  • Senior-Member
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.235 Beiträge

Geschrieben 26. November 2009, 00:13

Das erste mal bewusst habe ich das im Kino bei Braveheart gesehen. Aber halt auch "analog". Vorhin durch Zufall in Tokyo Gore Police reingesehen, das kam mir auch eher wie echter Saft vor...
Bei James Ryan (Blut) und Gladiator (Dreck/Sand) könnte ich mir das noch vorstellen, aber generell habe ich da meine Zweifel, ob sich das rentiert bzw. oft zu sehen ist. Ist doch viel einfacher etwas echtes an die Kamera zu klatschen, anstatt mit CGI zu hantieren. Die kann man ja wieder putzen, die Linse.

#8 Bastro

    grrr

  • Senior-Member
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.870 Beiträge

Geschrieben 27. November 2009, 18:31

In Bunuels LOS OLVIDADOS wirft der junge Pedro ein Hühnerei auf die Kamera, das dann über die Linse, das Objektiv, das Gesicht des Zuschauers läuft.

#9 bekay

    will in die High Society

  • Administrator
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 5.126 Beiträge

Geschrieben 27. November 2009, 23:23

Beitrag anzeigenBob sagte am 26. November 2009, 00:13:

Bei James Ryan (Blut) und Gladiator (Dreck/Sand) könnte ich mir das noch vorstellen, aber generell habe ich da meine Zweifel, ob sich das rentiert bzw. oft zu sehen ist. Ist doch viel einfacher etwas echtes an die Kamera zu klatschen, anstatt mit CGI zu hantieren. Die kann man ja wieder putzen, die Linse.

Gut, ich bin zwar kein Technikexperte, aber würde doch sagen, dass man als Filmemacher auf sein High-End-Objektiv keinen Dreck wirft. Das sind bestimmt eher empfindliche Linsen. Allerhöchstens - wenn der Effekt bewusst eingesetzt werden soll - arbeitet man vielleicht mit einer Scheibe vor dem Objektiv, die dann die Ziel"scheibe" für das ganze Zeuch ist, was man so in "Filmauge" bekommen kann. Aber der Vorteil von der digitalen Erzeugung ist die absolute Kontrolle über diesen Effekt, insofern man alles in jeder Größe auf jeder Position platzieren kann.

Mir geht es hier wirklich um die Digitalität des Ganzen - insoweit man diese denn wirklich erkennen/vermuten kann. Das Interessante ist doch, dass einige Strömungen der Fototheorie seit dem Aufkommen der Digitalität das Verschwinden der Referenz - also des Bezugs zur Wirklichkeit - vermuten. Inwiefern da kulturpessimistische Lamentierungen angebracht sind, sei mal dahingestellt. Mir scheint es - jedenfalls unter diesem Aspekt - aber höchst erwähnenswert, dass die Digitalität ihre eigene Digitalität dissimuliert, indem durch die Simulation von Spuren auf dem Kameraobjektiv dieses - also ihre analoges Dasein in einer realen Welt - bezeugt werden soll.

Eingefügtes Bild

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild


#10 Bob

    social assassin

  • Senior-Member
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.235 Beiträge

Geschrieben 27. November 2009, 23:43

Beitrag anzeigenbekay sagte am 27. November 2009, 23:23:

Mir scheint es - jedenfalls unter diesem Aspekt - aber höchst erwähnenswert, dass die Digitalität ihre eigene Digitalität dissimuliert, indem durch die Simulation von Spuren auf dem Kameraobjektiv dieses - also ihre analoges Dasein in einer realen Welt - bezeugt werden soll.
Okay, jetzt verstehe ich das eigentliche Anliegen. Eine andere Art von digital vorgetäuschtem Analogen sieht man ja auch sehr oft in komplett animierten Filmen. Da wird gerne eine Handkamera (oder ähnliches) für bestimmte Sequenzen suggeriert, was eine Wirkung erzeugt, die ursprüngliche auf "menschliche Mängel" (z.B. eine nicht perfekt exakte Handbewegung beim Schwenken) zurückzuführen ist (=analog).

#11 Hick

    mit extrem hoher Leistungsfähigkeit

  • Senior-Member
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 7.292 Beiträge

Geschrieben 07. Dezember 2009, 09:15

Beitrag anzeigenbekay sagte am 25. November 2009, 14:35:

Das soll ein Sammelthread werden, aber gerne darf man auch seine Meinung hinterlassen. Ich suche Filme, in denen analoge (im Sinne von materielle) Spuren digital erzeugt werden. Dabei meine ich weniger das Fingieren des Filmmaterials als alt - also das digitale Hinzufügen von Schmutz und Kratzern, die die Illusion erzeugen sollen, dass eine Filmrolle zu oft genutzt wurde. Sondern ich meine besonders das "Materiell/Bewusst-Machen" des Kamera-Objektivs, in dem an ihm Dreck, Blut, Schlamm etc. kleben bleibt, herunterfließt usf.

Obwohl dieser ästhetische Effekt seit den 90ern eine starke Verwendung findet, bin ich gerade nicht in der Lage, auch nur einen speziellen Film zu benennen, der ihn nutzt. Obwohl, doch, einen habe ich: Der TV-Zweiteiler Merlin (1998) - als besagter Magier einen Drachen niederzaubert...
Im Videospiel "Motorstorm" werden Schlammspritzer auf die "Kamera" appliziert, wenn man durch eine Pfütze fährt.

#12 Moscher

    trinkt Kaffee

  • Supermoderator
  • PIPPIPPIPPIP
  • 549 Beiträge

Geschrieben 07. Dezember 2009, 11:51

Beitrag anzeigenbekay sagte am 27. November 2009, 23:23:

Beitrag anzeigenBob sagte am 26. November 2009, 00:13:

Bei James Ryan (Blut) und Gladiator (Dreck/Sand) könnte ich mir das noch vorstellen, aber generell habe ich da meine Zweifel, ob sich das rentiert bzw. oft zu sehen ist. Ist doch viel einfacher etwas echtes an die Kamera zu klatschen, anstatt mit CGI zu hantieren. Die kann man ja wieder putzen, die Linse.

Gut, ich bin zwar kein Technikexperte, aber würde doch sagen, dass man als Filmemacher auf sein High-End-Objektiv keinen Dreck wirft. Das sind bestimmt eher empfindliche Linsen. Allerhöchstens - wenn der Effekt bewusst eingesetzt werden soll - arbeitet man vielleicht mit einer Scheibe vor dem Objektiv, die dann die Ziel"scheibe" für das ganze Zeuch ist, was man so in "Filmauge" bekommen kann.

Um das nochmal zu ergänzen, man arbeitet eigentlich immer mit Scheiben. Nicht nur zwecks der Reinigung und der Gefahr fürs Objektiv, sondern weil man ansonsten häufig gar nichts mehr erkennen dürfte und ein Mindestabstand zum Objektiv bei höheren Brennweiten gegeben sein muss, damit man halt nicht nur unscharfen Schmodder im Vordergrund produziert. Der Vorteil des Digitalen ist natürlich auch ganz klar die Steuerung des ganzen. Bei Children of Men ist die Linse irgendwann blutverschmiert. Bemerkenswert, dass sie sich innerhalb des finalen Steadycam-Shots offenbar auch selbst putzt. :) Spontan fiel mir dieser Werbeclip für das Spiel Borderland ein:
Eingefügtes Bild

"I love zombie movies to death, but the main reason I am making a zombie movie right now is because it is pretty easy to write a script for. I want to start making more Tarantino style movies soon." (IMDB-User)

"My positive role model is to win the fight and to come out the hero." (Fred Williamson)

#13 Bob

    social assassin

  • Senior-Member
  • PIPPIPPIPPIPPIP
  • 1.235 Beiträge

Geschrieben 07. Dezember 2009, 18:06

Beitrag anzeigenMoscher sagte am 07. Dezember 2009, 11:51:

Um das nochmal zu ergänzen, man arbeitet eigentlich immer mit Scheiben. Nicht nur zwecks der Reinigung und der Gefahr fürs Objektiv, sondern weil man ansonsten häufig gar nichts mehr erkennen dürfte und ein Mindestabstand zum Objektiv bei höheren Brennweiten gegeben sein muss, damit man halt nicht nur unscharfen Schmodder im Vordergrund produziert. Der Vorteil des Digitalen ist natürlich auch ganz klar die Steuerung des ganzen.
stimmt wohl. mir fallen da auch diverse sequenzen aus unbestimmten filmen ein, bei denen jemand aus der ego-perspektive eingebuddelt wird. da landet der dreck so auf der kamera, dass man ganz klar die scheibe erahnen kann, da sich der schmutz auf einer ebenen, zum bild parallelen, fläche sammelt.

trotzdem: ein regisseur, der keine kosten und mühen scheut, wirft trotzdem dreck auf die linse und macht danach mit einer anderen kamera weiter. :doc: ( ;) )

#14 bekay

    will in die High Society

  • Administrator
  • PIPPIPPIPPIPPIPPIPPIPPIP
  • 5.126 Beiträge

Geschrieben 11. Dezember 2009, 13:33

Danke für die Praxis-Perspektive, Moscher! :cheers:

Hier noch ein paar Filme:

Outlander - Dreck & Blut.
The Mummy - Tomb of the Dragon Emperor - Schnee einer Lawine.
Harry Potter and the Prisoner of Azkaban - Whomping Willow schüttelt sich zum Frühlingsanfang und spritzt schmelzenden Schnee auf die "digitale Linse".
Children of Men - Bei der Autoverfolgungsjagd und in der finalen Kampfszene.
District 9 - In so gut wie allen Action-Szenen in der zweiten Hälfte.

Eingefügtes Bild

Eingefügtes Bild Eingefügtes Bild






Besucher die dieses Thema lesen: 1

Mitglieder: 0, Gäste: 1, unsichtbare Mitglieder: 0