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οἶδα οὐκ εἰδώς, oîda ouk eidōs



1993: Groundhog Day
1995: Twelve Monkeys, Seven
1999: Existenz, The Sixth Sense
2000: Final Destination, Memento
2001: Donnie Darko
2004: Eternal Sunshine Of The Spotless Mind

2004: Butterfly Effect

Es gibt Filme, die zwar mit jeder Sichtung besser werden, bei denen man sich jedoch die 100% - Bewertung irgendwie immer zurückbehält, aber sich zugleich sicher ist, dass man diese beim nächsten Mal ziehen wird.

Meine größten Probleme mit Butterfly Effect bleiben weiterhin bestehen: Für einen skeptischen Realisten wirkt erstens der Grundansatz – das Konzept der aktiv herbeigeführten mentalen Zeitreise - einfach zu hanebüchen. So verlieren an und für sich ziemlich makellose Streifen wie etwa auch Eternal Sunshine of the Spotless Mind für meinen Geschmack gleich mal 20% vorweg, weil sie Fantasie und Tolerierung des Surrealen zu sehr strapazieren und sich unangemessen in Absurdität bewegen. Zweitens bereitet mir die Krampfhaftigkeit der Bezugnahme auf die Chaostheorie Schmerzen, besonders wenn der Holzhammer derart plump zuschlägt und dem Zuschauer die Möglichkeit elementarer Eigeninterpretation vorenthält – in diesem Sinne zu sehr Mainstream, der einen durchaus wohlschmeckenden, global gleichgeschalteten Burger zielgruppenorientiert serviert.

Andererseits: Natürlich gibt es Dinge, Situationen und Menschen, bei denen man ohne nennenswerte Mühe über so manch Störendes hinwegsehen kann, wenn andere positive Faktoren einem ungleich stärker ausgeprägt vorkommen, extrem überwiegen und man schließlich gar nicht mehr weiß, wie man all diese geschätzten und gemochten Eigenschaften angemessen würdigen kann. Butterfly Effect verdient sich jedenfalls von Alpha bis Omega eine solch enorme Quantität an Superlativen zu seiner über weite Strecken virtuosen Qualität, dass ich an dieser Stelle unzählige Seiten damit füllen könnte. Ich erspare es uns.

Regelkreis, trial and error, zyklische Gruppe, SSD - Memory, Schleife, Möbiusband, Fraktal, Paradoxon. Für Logistiker übrigens zeichnen sich gute Prozessnetze trotz hoher Komplexität, fein abgestimmter Präzision und bei aller verspielter Eitelkeit aus durch Solidität, Klarheit, und Unauffälligkeit.

Davon abgesehen gelingt strukturell und narrativ auch noch der besondere Kunstgriff, die Gesamtfärbung des Filmes durch alternative Enden zu verändern, wobei bei beiden im Kern ein Selbstopfer steht. Die ursprüngliche Schlusssequenz des Director's Cuts ist angefüllt mit auswegloser Verzweiflung, die Selbstauslöschung ist pessimistisches Eingeständnis und Resignation am Nullpunkt, am Urknall des Seins - erinnert mich außerdem entfernt an christliches Märtyrertum. Kalt und düster ist dieses Sich-Ergeben-Müssen, diese Machtlosigkeit gegenüber zwingendem Schicksal, das trotz ehrlicher Anstrengung, uneigennütziger Unterwerfung und guten Handelns stets final in eine vorgezeichnete Katastrophe münden muss.

Hingegen ist die zweite Variante für mich die bessere, optimistischere, sie lässt zukünftige Optionen als unbestimmte Ereignisse in der Raumzeit zu, Wünsche können in Erfüllung gehen, freie Wahl bei freiem Willen. In diesem Indeterminismus liegt trostvolle Zuversicht. Das menschliche Streben ist nicht Irrung, sondern Chance. Der Verzicht, das Opfer, führt zur Belohnung in Form neuer sich ergebender Möglichkeiten, des edle Individuum kann durchaus aktiv durch Wahl bestimmter Weggabelungen mitbestimmen. Davon abgesehen besitzt diese Variante meiner Meinung nach viel mehr filmische Kraft: Zeitlupe, Nahaufnahmen und das perfekt stimmige "Stop crying your heart out“ von Oasis - wirklich sehr gelungen und schön.

Für den physikalischen Urknall gilt die Unschärferelation, an der der Mensch mit seinen natürlich designten Kausalitätsverschaltungen versagen muss. Fast so, als ob jemand etwas versteckt und jeglicher Einsicht entzieht. Abiogenese, genetische Codierung und Evolution lassen die Hintertür des zielgerichteten Kreationismus einen großen Spalt offen, und es gibt da tatsächlich diese kleine, feine und sehr verdächtige Asymmetrie in der Annihilation. Interdependenz, Quantenschaum, Wahrscheinlichkeit, Optionalität, Multiversum, Stringdimensionen – eine wahre Freude, wie das vereinfachte, konsumentenfreundliche Dominospiel in Butterfly Effect zu so viel mehr führen kann, und noch weit darüber hinaus.

Wer weniger Metaebene mag oder sieht, findet dennoch eine reichhaltige Gedankenwelt: Die Eigenbetrachtung als Person, die sich auf Durchgangsbahnhöfen des Lebens befindet. Welche Züge führten und führen wohin? Welches Gleis, welche Weiche, wo ist der scheiß Fahrplan? Wäre man damals nicht besser in einen anderen Zug eingestiegen? Wo ist die aktuelle Zielstation, gibt es die überhaupt, und wie oft muss man noch umsteigen oder Verzögerungen hinnehmen auf dem Weg dorthin?

Ich bin mir eigentlich sicher, dass ich beim nächsten Mal die Höchstnote für Butterfly Effect ziehen werde.

90%.


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Hold up
Hold on
Don't be scared
You'll never change what's been and gone
May your smile (may your smile)
Shine on (shine on)
Don't be scared (don't be scared)
Your destiny may keep you warm

Cause all of the stars
Are fading away
Just try not to worry
You'll see them some day
Take what you need
and be on your way
and stop crying your heart out

Get up (get up)
Come on (come on)
Why're you scared? (I'm not scared)
You'll never change what's been and gone

Cause all of the stars
Are fading away
Just try not to worry
You'll see them some day
Take what you need
and be on your way
and stop crying your heart out

Cause all of the stars
Are fading away
Just try not to worry
You'll see them some day
Just take what you need
and be on your way
and stop crying your heart out

We're all of us stars
We're fading away
Just try not to worry
You'll see us some day
Just take what you need
and be on your way
and stop crying your heart out

Stop crying your heart out (x3)




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