Zum Inhalt wechseln


Jener Sommer, das ruhigste Meer

Noruberutos zusammengewürfelte Bemerkungen zum Film und die damit zusammenhängenden Gegenstände




Foto

The American



Anton Corbijn // USA 2010
\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\\

Auf dem Land im tiefwinterlichen Schweden erschießt der Auftragsmörder Edward, der auch den Namen Jack benutzt, mehrere Attentäter und seine anscheinend vollkommen unbeteiligte Freundin. Daraufhin flüchtet er mit der Bahn via München nach Rom, um sich mit seinem derzeitigen Auftraggeber zu treffen. Der schlägt ihm vor, für eine Weile in einer abgelegenen Gegend in den Abruzzen unterzutauchen. Edward nimmt einerseits an, widersetzt sich jedoch andererseits den zwielichtigen Vorschlägen seines Auftraggebers. Sein Mißtrauen besteht nicht zu unrecht, wie die Geschichte zeigen wird.

In dem pittoresken Ort Castel del Monte gibt er sich als Landschaftsfotograf aus, während er einen neuen Auftrag annimmt, bei dem er, so sein Auftraggeber, "nicht einmal selbst den Abzug drücken muss". Der Auftrag beinhaltet die Anfertigung eines Präzisionsgewehrs, dessen Bauteile der Untergetauchte nach und nach sammelt. Die Waffe soll dann einer Auftragskillerin ausgehändigt werden - wer das Ziel ihres Auftrags ist, wird sowohl dem Zuschauer wie natürlich Edward relativ schnell klar. Seine Tarnung ist eigentlich ausreichend, aber zwei Personen durchschauen ihn von Anfang an: Zum einen die Prostituierte Clara, in die er sich verliebt, zum anderen ein alter katholischer Priester. Fast scheint es, als könne er seine Vergangenheit aufarbeiten und hinter sich lassen, doch das Ganze endet tragisch.

Ein ziemlich unamerikanischer Film, dem man jeder Einstellung anmerkt, von einem Meisterfotografen dirigiert worden zu sein. Karge Landschaften, die engen Gassen uralter italienischer Ortschaften, die ruhige Erzählweise, wohldosierte Action, ganz schnörkellos ohne jegliche Effekte gedreht. Die Beständige Atmosphäre der Verunsicherung und des Mistrauens, in der von Anfang an das Ende eigentlich klar ist und die Protagonisten sich stoisch ihrem Schicksal ergeben. Wie der Killer seelenruhig an der Anfertigung der Waffe arbeitet, die ihn selbst beseitigen soll, und die Sache dennoch durchzieht. Die Schuldfrage: warum hat er in Schweden eine Unschuldige getötet, und warum beseitigt er nun in Italien seine potentielle Mörderin nicht ebenso skrupellos (die Gelegenheit wird sich ergeben - eine der intensivsten Momente des Films)?

Genial einfache Stilelemente, fast schon klassisch zu nennen: Der Auftragskiller hämmert im Takt der Kirchenglocke an den Waffenteilen. In einem Café wird die Tür just in dem Moment zugeschlagen, als ein entscheidender Schuss in der Fernsehübertragung von Leones Cera una volta il west fällt. Schmetterlinge als Symbol durchziehen die Handlung. Die Bildersprache und Ästhetik von Corbijn ist unverkennbar, jeden moment erwartet man, Depeche Mode auf der Vespa vorbeifahren zu sehen. Was natürlich nicht passiert - die Musik ist von Grönemeyer, was im ersten Augenblick als ziemliche Unmöglichkeit erscheinen mag. Doch die von ihm komponierte Filmmusik ergänzt die Bilder auf nahezu perfekte Weise.

Ein ziemlich altmodischer, genialer, schnörkelloser, wohlkomponierter Film.

Killer Italien Schuld Schmetterling Corbijn Clooney