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In meinem Herzen haben viele Filme Platz 2.0





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JEREMIAH JOHNSON (Sydney Pollack/USA 1972)



"Where you headed?" - "Same place you are, Jeremiah. Hell, in the end."

Jeremiah Johnson ~ USA 1972
Directed By: Sydney Pollack


Der Navyveteran Jeremiah Johnson (Robert Redford) zieht um 1840 in die Rocky Mountains, um der Zivilisation den Rücken zu kehren und Trapper zu werden. Nach einigen Lektionen in Sachen Überleben in der Wildnis will er sich mit einem stummen Jungen (Josh Albee) und einer Hals über Kopf geheirateten Flathead-Indianerin (Delle Bolton) ein ruhiges Leben aufbauen. Als er jedoch wider besseres Wissen aus Gründen der Zeitnot einen Rettungstrupp über einen Friedhof der Crow führt, rächt sich der eigentlich befreundete Stamm grausam: Jeremiah findet seine Ersatzfamilie ermordet und verstümmelt. Der wortkarge Einzelgänger begeht ein Massaker unter den Crow und tötet fortan jeden ihrer Krieger, der ihm zu nahe kommt. Der Beginn einer jahrelangen Fehde.

Der mountain man ist aus den Annalen des Westen und der frontier days nicht wegzudenken. Gesellschaftsmüde Individuen, die einen den Indianern ähnlichen, einsamen Lebensstil vorzogen, und aus eigener Hand beziehungsweise von dem lebten, was sie selbst erlegten oder in ihren Fallen fangen konnten. "Jeremiah Johnson" suchte sich den berüchtigsten aller mountain men heraus, um dessen von diversen Überhöhungen und Fabulierereien geschmückte Geschichte zu erzählen. John "Liver-Eating" Johnson, auch bekannt als "The Crow Killer", galt viele Jahre lang als Todfeind der Crow-Indianer, nachdem diese seine Flathead-Frau ermordet hatten. Seinen Beinamen erhielt er, weil er angeblich die Lebern seiner Gegner verzehrte, um ihnen so eine dem indianischen Glauben gemäß zusätzliche Schmach zuzufügen. Mehrere hundert Menschen sollten auf sein Konto gehen, bis er nach fünfundzwanzig Jahren seinen Rachefeldzug einstellte und eine Art zweckmäßigen Frieden mit den Crow schloss. Johnson starb mit 74 Jahren eines natürlichen Todes.
Wie viele Genreproduktionen ging es auch "Jeremiah Johnson" um ungehemmte Mythologisierung sowie das Schüren folkloristischer Landeslegenden. Jeremiah Johnson wäre eigentlich ein perfekter Eastwood-Part gewesen, doch irgendwie riss sich Pollack das Script von John Milius und Edward Anhalt rechtzeitig unter den Nagel und machte das Ding mit seinem Dauerdarsteller Redford. Milius betonte in seiner Version der Geschichte auch die kannibalistischen Aspekte um den Protagonisten, Pollack und Redford jedoch verwarfen diese; sicherlich, um ihren zwar harten, aber stets human agierenden Helden nicht zu denunzieren, ebenso aber nicht zuletzt, um Redfords Sunnyboy-Image nicht zu gefährden. Wie dem auch sei, "Jeremiah Johnson" ist mit seinen prächtigen landscapes und einigen schönen Songs eine Zierde für das sterbende Genre und demonstrierte der Konkurrenz, wie man dem in seinen finalen Zügen liegenden Western noch ein prachtvolles Abschiedsgeschenk machen konnte, ohne gleich wie Peckinpah, Altman oder Penn Grabsteine zu meißeln.

10/10

Sydney Pollack Biopic Rocky Mountains




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Funxton

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