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Antoine Doinels Filmtagebuch





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Das bleibt mir von 2013



Was Film und Kino betrifft halte ich mich an das *Krautfleckerlprinzip. 26 mal war ich im Kino,
dazu kommen noch, auch begünstigt durch den heissen Sommer, einige Besuche bei
kostenlosen Freilichtveranstaltungen, und die paar Filme die ich zuhause gesehen habe.
In Summe werden das so 40 Filme gewesen sein. Und folgende sind mir davon positiv in
Erinnerung geblieben:


Mit Freude wiedergesehen habe ich

Psycho SW OF Alfred Hitchcock
Ein Meisterwerk, das auch bei mehrmaligen Sehen nichts von seiner Faszination verliert


Beeindruckende Neuentdeckungen:

Panzerkreuzer Potemkin Sergei Eisenstein
Bei grandioser Livemusikbegleitung durch Chrono Popp wirkte der Film so aufwühlend
wie es von Eisenstein wohl einst beabsichtigt war. Ein Musterbeispiel für das Montagekino, das
unendlich einflussreich war und ist.

La belle et la bete SW Jean Cocteau
Weit humanistischer ist dieses klassische Märchen, das durch eine zeitlose Poesie zu
beeindrucken weiß(die Hände!), die völlig frei vom Kitsch a la Walt Disney ist.

Cat People SW Jaques Torneur
"Nur" ein kleiner billiger Horrorfilm, aber einer der durch seine Atmosphäre, und durch seine
zeitlosen Bilder glänzt. Und dass sich Frauen in Biester verwandeln können, werden viele von
uns auch schon erlebt haben....

Amour Michael Haneke
Aus einem derart trostlosen Thema, nämlich dem unaufhaltbaren körperlichen Verfall
einer alten Frau, einen berührenden Film zu machen, muss man einmal zusammenbringen.
Und Haneke bringt es zusammen.

Saboteur SW Alfred Hitchcock
Der Mittelteil der "Man-on-the-run"-Trilogie, zu der noch 39 Steps und North by Northwest
gehören, kann zwar mit diesen nicht ganz mithalten, trotzdem war es ein Vergnügen ihn
endlich kennenzulernen, und dies nicht nur wegen des spektakulären Finales auf der
Freiheitsstatue.

The Lady vanishes SW Alfred Hitchcock
Der vorletzte britische Film Hitchcocks ist ein Comedy-Thriller, der auch heute noch zu
unterhalten weiß, wohl weil Komödie und Spannung perfekt ausbalanciert sind.

La Collectioneuse Eric Rohmer
Ein Paradebeispiel für das undramatische Kino a la Rohmer und gleichzeitig dessen
Prototyp.

The Purple Rose of Cairo Woody Allen
Diese unglaublich amüsante Komödie zeigt, weshalb wir uns Filme anschauen. Leider
steigen bei uns die Traumfrauen nicht von der Leinwand. Damit ersparen wir uns aber auch
Aussagen wie: "Ich habe eine wunderbare Frau kennengelernt. Gut sie ist nicht echt, aber
schließlich kann man nicht alles haben."


Besonders beeindruckende Neuentdeckungen:

Repulsion SW Roman Polanski
Eine geradezu klinische Studie über eine junge Frau, der es vor der Sexualität ekelt.
Und in der Einsamkeit ihrer Wohnung bricht der Wahnsinn vollends aus. Ein großer
zeitloser Film, getragen von der großen Catherine Deneuve, die im Vorjahr 70 wurde.

Au hasard Balthazar SW Robert Bresson
Der Film dreht sich um den Esel Balthasar und den Menschen um ihn herum. Er ist
ein sinnliches Meisterwerk über das Mysterium Leben, das sich nicht auf einen Punkt
bringen lässt.

To be or not to be SW Ernst Lubitsch
Diese meisterhafte irrwitzige Komödie macht nicht nur den wahren Charakter der
Nazis sichtbar und nimmt so nebenbei die Eitelkei der Schauspieler auf die Schaufel,
sondert lotet auch den fließenden Übergang zwischen Schein und Sein, zwischen Spiel
und Ernst aus und bezieht dabei die Zuschauer mit ein.

Le fantome de la liberte Louis Bunuel
Was kann man schon von einem Film erwarten, bei dem zu Beginn gleich der Regisseur
und der Produzent erschossen werden? Ein absurdes Meisterstück, wie es nur Bunuel
zusammenbringt. Vielleicht nicht so amüsant und wie aus einen Guss wirkend wie der
diskrete Charme, trotzdem aber unvergesslich.

Manhattan SW Woody Allen
Ein geradezu dialektischer Film, bei dem die überwältigende audio-visuelle Schönheit
nicht recht zur Geschichte rund um Isaac Davis, wie Allen hier heißt, passen will, wodurch
aber diese Geschichte besonders einprägsam wird. Vielleicht Allens bester Film.

Frenzy Alfred Hitchcock
Ich war überrascht, wie großartig Hitchcocks vorletzter Film ist. Er serviert uns hier ein
hochspannendes und aufwühlendes Menü über Essen, Sex und Tod und wie das alles
zusammengehört.


Beeindruckende Filme, die 2013 ins Kino kamen

12. To the Wonder Terrence Malick
Bei Malick hört man meist statt Dialoge innere Stimmen. So auch bei diesem Film um
eine Frau aus Frankreich, die einen Amerikaner heiratet. Teilweise ergibt dies hier beeindruckendes 4D-Kino, aber teilweise funktioniert es auch nicht richtig. Und von
Ben Affleck sieht man meist nur den Rücken

11. Inside Llewyn Davis Joel & Ethan Coen
Wer zu früh dran ist, und sich auch noch blöd anstellt, den bestraft das Leben. So
könnte man diese Coen-typische Geschichte, die ohne Genre-Korsett auskommt und
statt Zynismus viel Melancholie enthält, zusammenfassen.Das ergibt einen beeindruckenden
Film, aber auch einen der ziemlich sperrig ist.

10. Django Unchained Quentin Tarantino
Bei Tarantino kann von sperrig natürlich keine Rede sein. Das würden ihn seine Adoranten,
die coole Filme sehen wollen, nie durchgehen lassen. Ähnlich angelegt wie Inglourious Basterds,
aber nicht ganz so gut gelungen ist dieser Film über die Sklaverei. Sehenswert und
unterhaltend ist er trotz aller blöder Coolness trotzdem.

9. Frances Ha SW Noah Baumbach
Im Gegensatz zu Tarantino versucht Baumbach ein reales Lebensgefühl einzufangen.
Dies gelingt in diesem Film über eine unreife 27jährige Frau, die großartig von
Co-Drehbuchautorin Greta Gerwig dargestellt wird, recht überzeugend. Und dass der
Film auch noch eine Hommage an die Nouvelle Vague a la Truffaut und Rohmer ist,
freut mich noch zusätzlich.

8. De rouille et d'os/Der Geschmack von Rost und Knochen Jaques Audiard
Ein wuchtiges Melodrama über die Menschwerdung einer Kampf-und Sex-Maschine der
es so nebenbei gelingt, die Armut, die es im Hinterland der Cote d Azzure heute wieder gibt
zu zeigen. Und Marion Cottillard ist wirklich zum anbeissen, was aber keine Entschuldigung
für den Killer-Wal darstellt.

7. Blue Jasmine Woody Allen
Ein weiterer großer kleiner Film von Allen, in dessen Mittelpunkt eine eigentlich völlig
unmögliche Frau und ihr Selbstbetrug steht, die von Cate Blanchett großartig dargestellt wird.
Er ist auch eine nette Gesellschaftssatire über jene, die vom ungebremsten
Finanzkapitalismus profitierten und nachwievor profitieren

6. Apres Mai/Eine wilde Zeit Olivier Assayas
Der Film bietet eine aufregende und faszinierende Zeitreise in das Jahr 71 zu einer Gruppe
von Schülern die den Aufstand probt. Assayas erzählt damit auch aus seiner eigenen Jugend.

5. L'exercise de l'Etat/Der Aufsteiger Pierre Schoeller
Der Film dreht sich um den neuen französischen Verkehrsminister. Keine noch so umfangreiche
Zeitungsanalyse könnte annähernd gut wie dieser Film vermitteln, was es heute heißt
Minister zu sein.

4. Jeune et Jolie/Jung und Schön François Ozon
Ein 17jähriges Mädchen aus guten Haus prostituiert sich. Ozon erzählt diese Geschichtehöchst
raffiniert, sodass es ein großes Vergnügen ist, den Film anzuschauen. Die Motive des Mädchens
bleiben aber offen, es liegt an den Zuschauern, diese Leerstelle auszufüllen. Nach Dans la
Maison ein weiterer großartiger Film von Ozon.

3. The Master P.T. Andersen
Andersen lässt hier in der Nachkriegszeit zwei höchst unterschiedliche Charaktere aufeinandertreffen.
Sowohl Schauspieler als auch die sehr opulenten Bilder, die mich irgendwie an Kubrick erinnern,
haben einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen.

2. Paradies: Liebe Ulrich Seidl
Die Liebe ist ein seltsames Spiel, das so wie es sich die Hauptfigur vorstellt, nicht gespielt
werden kann. Ein großartiger Film, der mit hintergründigem Humor und erfrischenden Bildern, die man
so kaum noch gesehen hat, seine Geschichte über die Unerreichbarkeit des exotischen Paradieses
erzählt. Seidl gelingt es einerseits die Spontanität vor der Kamera einzufangen, andererseits diese in streng kadrierte und schön komponierte Bildern, die eine Geschichte für sich erzählen zu verwandeln.
Und dabei mag ich Seidl wegen seiner Mieselsucht überhaupt nicht.

1. La vie d'Adele Abdelatif Kechiche
Kechiche geht ähnlich vor wie Seidl, ist aber kein mieselsüchtiger Österreicher, und statt streng
kadrieten Bildern gibt es viele Großaufnahmen von Adeles Gesicht. Der Film erzählt seine
Geschichte nicht, sondern zeigt Bilder, die man erst zu einer Geschichte formen muss.
Das ergibt einen höchst erfrischenden Film, der einem weit mehr näher geht als der
beste 3 D Effekt.




Liebster Antoine Doinel,

Deine Retrospektive kann ich fast gänzlich unterschreiben ! Was die 2013er Titel angeht : Was habt ihr nur alle mit diesem Kechiche Film.... :haeh: :D
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Die von Dir so herausgestrichene Psycho-Sichtung war ein Kinobesuch, nehme ich an? Dann beneide ich Dich darum. Ich habe Psycho zwar auch schon mal vor Jahren im Kino gesehen, aber wegen beträchtlicher Tonprobleme war das nicht wirklich ein Genuß.

Von Deinen "beeindruckenden Neuentdeckungen" kenne ich fünf, von Deinen "besonders beeindruckenden Neuentdeckungen" kenne ich alle - und bei keinem dieser insgesamt elf Filme habe ich ernsthafte Einwände. Ein besonderes Schmuckstück ist natürlich Lubitschs Sein oder Nichtsein, der sowohl in einer Liste der zehn für mich besten Filme als auch in einer solchen meiner zehn persönlichen Lieblingsfilme (die beiden Listen sind nicht ganz deckungsgleich) nicht fehlen darf.

Dafür kann ich zu den aktuellen Filmen nicht viel sagen, da ich kaum etwas gesehen habe: von den zwölf Filmen, die Du aufführst, lediglich To the Wonder, und das war leider der erste Film Terrence Malicks, der mich nicht erreicht hat, insodern also eine Enttäuschung.
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Psycho habe ich im Kino, genauer gesagt dem Filmmuseum, (eine wunderbare Institution) gesehen. Es benötigte übrigens zwei Anläufe, denn beim ersten Mal musste die Vorführung wegen
technischer Probleme abgebrochen werden. Die Kopie aber war in einem sehr guten Zustand, und die Vorstellung war ausverkauft. Das Filmmuseum schob wegen des großen Andrangs sogar noch zusätzliche Vorstellungen ein,
Dass man Vertigo(und andere Hitchcocks) gar nicht oft genug sehen kann, war mir klar, aber bei Psycho war ich mir dessen nicht so sicher.

Ich denke, dass Collectioneuse, Amour und Cat Peoble jene Filme sind, die dir unbekannt sind. Amour und Cat Peoble könnte ich dir bedenkenlos empfehlen, bei Collectioneuse wäre ich mir nicht so sicher.

To be or not to be ist wirklich ein besonders herausragender Film. Unverständlich, dass er einst verrissen wurde.

To the wonder steht bei mir nicht zufällig auf den letzten Platz.
Aber mir ist dieser Film der doch aus dem üblichen Rahmen fällt,
und der neue filmische Dimensionen erschließt, auch wenn dabei einiges nicht so recht funktioniert, lieber als ein solider Film der sich auf bewährten Pfaden bewegt.
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Psycho ist sogar der Hitchcock, den ich am häufigsten gesehen habe und wohl auch mein persönlicher Lieblingshitchcock, vor allem auch wegen der ungemein dichten Atmosphäre (wobei ich übrigens den ersten Teil des Films, bis zum Versinken des Autos im Sumpf, für nahezu perfekt halte, während der zweite Teil ganz geringfügig schwächer ist). Das ändert nichts daran, daß ich die Frage nach Hitchcocks bestem Film mit "Vertigo" beantworten würde, der das noch reichere und vielschichtigere Werk ist, aber nicht zuletzt deshalb unterscheide ich ja oft zwischen liebsten und besten Filmen.

Die mir unbekannten Filme hast Du genau richtig geraten. Wobei ich um "Amour" anno 2012 doch durchaus bewußt einen Bogen gemacht habe, das ist so ziemlich genau das Thema, mit dem man mich vom Kinosaal fernhalten kann. Außerdem gingen mir die penetranten Lobeshymnen des von mir ganz besonders "geschätzten" Kritikers Jan Schulz-Ojala nach einer Weile tierisch auf die Nerven...
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Bis zum Versinken des Autos ist das auch eine durchgehend erzählte Geschichte,
danach gibt es nur mehr Fragmente einer Geschichte.

Ich halte Amour für überbewertet, und wollte ich ihn auch wegen der Geschichte
meiden. Nachdem ich ihn eher unwillig gesehen habe war ich positiv überrascht.
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