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Herr Settembrini schaltet das Licht an

Oberlehrerhafte Ergüsse eines selbsternannten Filmpädagogen




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Drei Filme



Heute fasse ich einfach die Eindrücke zu drei während der letzten Tage gesehenen Filmen zusammen:

Duell: Endlich habe ich einmal Spielbergs zu Recht berühmten (Fernseh)film gesehen, den ich bislang tatsächlich noch nicht kannte, was man sich ja kaum zuzugeben traut. Ein Mann auf Geschäftsreise wird immer mehr von dem Fahrer eines Trucks bedrängt, und bald wird deutlich, daß dieser versucht, ihn zu ermorden. Der Film enthält bereits das typische Spielberg-Motiv, das sich durch fast alle Spielbergfilme hindurchzieht: ein Durchschnittsmensch gerät in eine außergewöhnliche (oder sogar extreme) Situation, in der er sich bewähren muß. Zum Glück fehlen die später so typischen Spielbergschen Schwächen wie ein Hang zur Sentimentalität und die oft unbefriedigenden (und viel zu langen) Schlüsse hier noch völlig: Duell weist Spielberg bereits als Regisseur aus, der das filmische Handwerk, insbesondere auch in Actionszenen, vorzüglich beherrscht und ist dabei aber von wunderbarer Einfachheit; andererseits läßt sich der Film in seiner Schlichtheit aber auch als Parabel verstehen, wobei der Umstand, daß der Truck-Fahrer anonym bleibt, dem Film besonders zugute kommt. Ein sehr gelungener kleiner Film.

Nicholas Nickleby: Der 19jährige Nicholas Nickleby muß auf einmal für seine Mutter und Schwester sorgen, nachdem sein Vater durch ungeschickte Investionen (Gift- und Schrottpapiere gab es eben schon zu Dickens' Zeiten) sein Vermögen verloren hat und kurz darauf vor Kummer gestorben ist. Die Familie wendet sich zunächst hilfesuchend an den Bruder des Verstorbenen, doch leider stellt sich dieser Onkel als herzloser Widerling heraus. Als Hilfslehrer in einer entsetzlichen Einrichtung für Jungen gerät Nicholas schon bald mit dem sadistischen Schulmeister aneinander, geht bald eigene Wege und fordert die Rachsucht seines Onkels, die dessen Geldgier sogar noch übertrifft, heraus.
Ich habe Nicholas Nickleby noch nie gelesen, nehme aber an, daß diese Romanverfilmung ihrer Vorlage im wesentlichen treu geblieben ist, denn sowohl die Atmosphäre als auch die Figuren des Films sind ganz und gar typisch für Dickens. Dabei ist der Film vorzüglich fotografiert und ausgestattet, und auch die Schauspieler wissen sowohl in den großen als auch in den kleineren Rollen zu überzeugen, wobei Christopher Plummer und vor allem Jamie Bell aus der hervorragenden Darstellerriege herausragen. Ein guter, atmosphärisch dichter und auch schöner Film, auch wenn ich auf die Enthüllung bestimmter verwandtschaftlicher Beziehungen am Ende ganz gut hätte verzichten können - aber ich weiß, daß auch das typisch für Dickens ist (so wie ich auch manche Handlungswendung schon vorhersehen konnte, weil ich eben doch genug von Dickens gelesen habe, um zu wissen, wie der seine Geschichten aufbaut). Summa summarum ein überzeugender Film, den ich sehr gern gesehen habe.

Lionheart: Der junge Ritter Robert will sich gegen Ende des 12. Jahrhunderts dem Kreuzzug von Richard Löwenherz anschließen, findet sich aber schon bald in einer ganz anderen Rolle wieder: schon bald wird er der Beschützer eines Geschwisterpaares und wenig später etlicher Waisenkinder, auf die es vor allem der finstere "Schwarze Prinz" abgesehen hat: ein desillusionierter früherer Ritter, der mittlerweile zum skrupellosen Sklavenhändler mutiert ist. Der Film zeichnet sich nicht gerade durch historische Genauigkeit aus (und behauptet dies letztlich auch gar nicht), sondern vielmehr ist dies ein gut ausgestatteter und handwerklich solider Abenteuerfilm, der wohl nicht besonders nachwirken dürfte, aber den Zuschauer zumindest gut bei der Stange hält, wobei Gabriel Byrne als Schwarzer Prinz zweifellos den stärksten Eindruck hinterläßt, während Eric Stoltz als Robert zwar sympathisch ist, aber auch ein wenig blaß bleibt.





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