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See you at the movies

Howie's Filmeindrücke

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CASINO (Martin Scorsese, USA 1995)


In den 80er Jahren kontrolliert der Mob die Casinos in Las Vegas. Ihr Frontmann ist Buchmacher Ace Rothstein (Robert De Niro), dessen Professionalismus eine Extravaganz sowie die destruktive Ehe mit Sternchen Ginger (Sharon Stone) unterlaufen wird...

Als Vegas-Remake von GOODFELLAS wird CASINO oft betitelt und das nicht ganz zu unrecht. Viele Gesichter tauchen hier wieder auf und Joe Pesci spielt die Rolle des Tommy gleich nochmal. Mir gefällt der Film von mal zu mal weniger gut. Zwar kaschiert Scorsese die fast dreistündige Laufzeit mit enormen pacing, doch ist es zuviel Voice Over, Rocksongs und Repetition. Oftmals wirkt CASINO episodenhaft, es fehlt an Struktur. Der Ehekrieg zwischen De Niro und Stone lässt kalt, weil beide Seiten ziemliche Arschlöcher sind. Ohnehin porträtiert CASINO eine Gesellschaft, deren Untergang man herbeisehnt und der erst ganz zum Schluss eintritt. Dazwischen viel Intrige, Brutalitäten und ganz fiese Modeverbrechen. So what?! Habe ich am Ende gedacht und war drei Stunden meines Lebens ärmer.

Make-or-Break-Scene: Saul Bass' furiose Titelmontage.

MVT: Die Darstellung des Mob-Familienlebens hinter den Kulissen - so kommt es zu einigen sehr witzigen Momenten.

Score: 6/ 10

Final Thoughts: Lieber nochmal GOODFELLAS schauen.


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MANHUNTER (BLUTMOND) (Michael Mann, USA 1986)


Profiler Will Graham (William Petersen) ist dem Serienmörder "Tooth Fairy" (Tom Noonan) auf der Spur, der sich am großen Vorbild Hannibal Lector (Brian Cox) zu orientieren scheint...

Michael Mann's dritter Kinofilm, der ihn erneut ins Crime Genre führt und sich wie THIEF auf eine charismatische, starke Hauptfigur fokussiert, die diesmal aber auf der "richtigen" Seite des Gesetztes agiert. Dennoch passt Will Graham gut zu Mann's Charakteren, da sich auch Graham als Vollprofi durch die Handlung bewegt und von einer Obsession getrieben wird, die ihn zumindest an den Rand des Niedergangs führt. So entfremdet er sich von seiner Familie durch seinen Weg, sich so sehr in den Killer hineinzuversetzen, dass diese Empathie fast zur Selbstzerstörung führt. In einem bewegenden Gespräch mit seinem Filmsohn wird zumindest ansatzweise deutlich, was Graham durchleben muss. Wieder kreiert Mann einen essenziellen Dialog, der bei ihm stets an öffentlichen Orten stattfindet, als sollte nicht nur der Zuschauer, sondern auch die Umwelt der Filmfiguren an dem Offenbarungsakt teilhaben. Dieser Dialog bildet dann eben die Essenz der Geschichte, die der Film erzählt: die Erklärung der Motivation der Hauptfigur. Wie üblich, besetzt Mann auch Will Graham mit einem exzellten Darsteller, der leider nie zu dem Ruhm gelangte, den er verdient hätte. Petersen beherrschte diesen und Friedkins TO LIVE AND DIE IN L. A., die aber beide floppten, wodurch seine große Karriere verbaut wurde. Hier besticht er durch eine sehr zurückhaltende, brütende Performance, die durch viele subtile Nuancen gekennzeichnet ist, wodurch sein Seelenleben, seine Gedankengänge oftmals nur spekuliert werden können. Dadurch wird er der ideale Konterpart zu der Figur des Gejagten, dem Serienmörder Dollarhyde, den durch Tom Noonans markante Präsenz zwar eine unheimliche Aura umgibt, der aber genauso Anteilnahme erzeugen kann, wenn er sich durch eine Romanze zu erlösen scheint.

Im Kosmos um die Harris'sch Figur Hannibal Lector habe ich zwar erst zwei Filme gesehen, doch gefällt mir MANHUNTER wesentlich besser als der kommerziell und kritisch erfolgreichere SILENCE OF THE LAMBS, der sich deutlich an Mann's Film orientiert, aber eben niemals dessen Klasse erreicht. LAMBS sieht beliebig aus und verpasst es, bleibende Momente zu kreieren, von denen MANHUNTER zahlreiche zu bieten hat: etwa die Tiger-Szene, besagte Lebensbeichte Grahams, die doppelt dargestellte POV-Szene im Haus der Opfer, die Grahams Arbeitsweise versucht, bildlich erfahrbar zu machen und der größte Moment, als Hannibal Lector in Erscheinung tritt. Hopkins gewinnt den Oscar, weil er Lector sehr "showy" gibt - mit diabolischem Blick und einigen fiesen Bon Mots reißt er die Aufmerksamkeit auf sich und verkommt zum Monster-Mensch. Cox' subtil-bedrohliche Art, Lector darzustellen ist für mich deutlich wirkungsvoller. Seine Intonation ("Can I have your home numbah?" :angst: ), seine auffällig-überruhige Art und sein stechender Blick fesseln nicht nur sein Gegenüber Graham, der durch das nicht minder beeindruckende Spiel Petersens stets am Rande einer Panikattacke zu wandeln scheint. Ich habe MANHUNTER nie geliebt, da ich kein großer Freund des Serial Killer-Genres bin und mir Mann's straight Crime Dramas deutlich mehr liegen, doch respektiere ich dieses Werk sehr, da es archetypisch für ein bis dato lange wenig beachtetets Genre war und es sich formal wie darstellerisch reibungslos in Manns großartige Filmografie einreiht.

Make-or-Break-Scene: Die erste Szene am Strand, als Crawford (Dennis Farina) Graham zu rekrutieren versucht. Manns Inszenierung dieser Szene, vor allem durch die Positionierung der Kamera als Musterbeispiel für substanzielle Bildsprache.

MVT: William Petersen, der wie ein angezählter, grauer Wolf erscheint - sein Charisma droht die Leinwand zu sprengen.

Score: 8/ 10

Final Thoughts: Neben SE7EN mein liebster Beitrag zum Serienkillergenre.


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THIEF (DER EINZELGÄNGER) (Michael Mann, USA 1981)


Meisterdieb Frank (James Caan) lässt sich auf einen Deal mit einem Syndikat ein, was er bald bereuen wird...

THIEF markiert den ersten ganz großen Wurf von Regisseur Michael Mann, der wie kein anderer das Crime Genre beherrscht, da er die Balance zwischen Charakterstudie, Action und Dramatik wie kein anderer beherrscht und dabei stets um größtmögliche Authenzität der kriminellen Handlungen bemüht ist. Wie seine Protagonisten ist er ein Perfektionist, dessen Werke die Höchstmarke des Genres darstellen, die kein anderer Filmemacher auch nur ansatzweise erreicht (natürlich aus rein subjektiver Sichtweise ;) ). Aus seinem Oeuvre ist THIEF für mich der Film mit der interessantesten Hauptfigur: der von James Caan charismatisch dargestellte Frank ist durch einen absoluten Willen gekennzeichnet, sich zu nehmen, was er will - seine Raubzüge unterstreichen dies auch auf Bildebene, doch selbst die Romanze, die er schon in Knastjahren geplant hat zieht er knallhart durch. Seine Herzdame (Tuesday Weld :love: ) mag sich zu Beginn noch wehren, doch in einer magischen Szene, die Mann in HEAT nicht zufällig erneut als solche wiederholt, überzeugt Frank sie durch seine offene, direkte Art, die ihn zwar nicht unbedingt als Sympathisant, doch auch hochachtungsvoll als Man(n)'s Man manifestiert. Ich kann nur für mich sprechen, aber abzüglich der kriminellen Energie hat Franks Art etwas ansteckendes, beneidenswertes. Besonders interessant ist Frank im Kanon der Mannschen Figuren, die zwar allesamt von einer Obsession getrieben sind, welche sich aber durch grundverschiedene Facetten ihres jeweiligen Charakters unterschiedlich auf deren Leben auswirkt. Dieses endet zwar meist im Scheitern, doch wo Neal McCauley aus HEAT noch an seinen großen Prinzipien scheitert, weil er sie nicht einhalten kann, zieht THIEF'S Frank seine Linie knallhart durch, wodurch er zwar kein Lebensglück finden kann, aber immerhin sich selbst treu geblieben ist und sich als Prinizpienwächter bewiesen hat, so dass ihm zumindest seine Selbstachtung bleibt.

Als Genrekino ist THIEF makellos. Formal brilliant treibt Mann den Plot zügig voran und balanciert ruhige wie aufregende Momente aus. Er erzeugt Anteilnahme am Lebensweg seines Protagonisten, führt die Einbrüche dokumentarisch penibel vor und inszeniert die besten Shoot Outs der Filmgeschichte. Chicago ist zwar nicht L. A., doch findet Mann auch in seiner Heimatstadt genügend markante Locations, die in jedem seiner Filme eine Hauptrolle einnehmen: City Skylines der Nacht, moderne Architektur und das Spiel mit künstlichem Licht auf verregneten Straßen lassen die Bilder, die seine Filme durchziehen, wie eine Aneinanderreihung an Kunstwerken wirken, die man sich eine nach der anderen einrahmen und ins Wohnzimmer hängen möchte. Ebenfalls markant der Synthie-Score, dem Mann durch die Jahre treu geblieben ist und der eine traumhafte Atmosphäre kreiert. Höhepunkt Craig Safans Gitarrenspiel während der letzten Züge des finalen Shoot Outs - wenn Frank unter diesen Klängen von Dannen zieht kullern die Freudentränen über einen bewegenden Abschluss eines der besten Filme aller Zeiten. Jawohl.

Make-or-Break-Scene: Frank macht deutlich, dass er es ernst meint als er seine gestohlenes Juwelengeld wieder beschafft. Eine beeindruckende Einführung eines starken Charakters und ein frühes Zeichen dafür, was von dieser Figur zu erwarten ist - die sich über alle Umstände hinwegsetzen wird.

MVT: James Caan ist sehr sehr gut und gibt vielleicht eine meiner absoluten Lieblingsfiguren der Filmgeschichte, doch ist es Michael Mann, der hauptverantwortlich ist für den Erfolg von THIEF - sein erster Kinofilm legte die Messatte für seine Zukunft als Regisseur enorm hoch und doch übertraf er diese sogar noch.

Score: 10/ 10 (# 4 meiner Top 100)

Final Thoughts: Ein perfekter Film.


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L. A. TAKEDOWN (SHOWDOWN IN L. A.) (Michael Mann, USA 1989)


Ambitionierter L. A. - Cop Vincent Hanna (Scott Plank) jagt die Truppe um Criminal-Mastermind Patrick McLaren (Alex McArthur) und findet in ihm einen Seelenverwandten...

Michael Mann's TV-Version seines späteren Meisterwerks HEAT ist zwar nur fast halb so lang, beinhaltet bis auf das Finale aber alle wesentlichen Elemente des Remakes. Viele Dialoge wurden später eins-zu-eins übernommen wie auch die Rollen nahezu identisch sind. Nun habe ich HEAT zuerst gesehen, der dazu noch meinen absoluten Filmfavoriten markiert. Da ist L: A. TAKEDOWN für mich neben den Parallelen zu HEAT nur dadurch interessant, wie Mann aus einem kleinen Budget und mit TV-Darstellern das Möglichste herausholen kann. Leider sehr sehr wenig. Zwar ist er sichtlich um Hochglanzästhetik bemüht, doch vermag das sein Kameramann und das Vollbildformat kaum einzulösen. Auch Dov Hoenig, immerhin ebenfalls für den Schnitt von HEAT verantwortlich, enttäuscht durch eine oftmals einfallslose Montage, die den Film deutlich als TV-Produktion ausweist. Ich hatte immer das Gefühl einem Remake von HEAT in der Tradition der türkischen Blockbuster-Rip Offs der 70er und 80er beizuwohnen. Am deutlichsten wird dieses Gefühl durch die durchweg schlechten Darsteller, die teilweise optisch auch kaum voneinander zu unterscheiden sind. Besonders der später von Al Pacino dargestellte Cop Hanna - hier Scott Plank, macht dem C-Schauspielertum alle Ehre. Umso erfreuter bin ich, dass Mann aus dem guten Script später dann doch das Beste (wörtlich zu nehmen :D ) gemacht hat und zudem um einige Charaktere, Dramatik, Substanz und auch Suspense erweitert hat.

Make-or-Break-Scene: Das Finale, da es die einzige nennenswerte Abweichung vom Remake ist.

MVT: Das Script, das aber unter der filmischen Umsetzung deutlich leidet.

Score: 4/ 10

Final Thoughts: Lieber HEAT schauen.


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INSIDE LLEWYN DAVIS (Joel & Etahn Coen, USA/ UK/ FRA 2013)


Über das Scheitern des Folk Singers Llewyn Davis (Oscar Isaac) in der Greenwich Village-Szene der 60er Jahre...

Die "Troubled Man"-Trilogie wird mit diesem Film zu einer Quadrilogie, denn mit Llewyn Davis verschreiben sich die Coens abermals einem fehlhaften Individuum, das zum Scheitern verurteilt ist. Wieder wird diese Figur zwar nicht sympathisch dargestellt, doch leidet man irgendwo mit ob der Hingabe dieser zu ihrer Passion. Ich persönlich habe mit Musikgeschichte geschweigedenn der hier porträtierten Musikszene nicht viel am Hut und war doch angetan von den zahlreichen Folk Songs, deren Melancholie den steinigen Weg Davis' gut ergänzten. So ist auch der Ton des Films sehr ruhig und reflexiv gehalten, jedoch nicht ohne den Coen-typischen schwarzen Humor sowie einigen Metaphern und plottechnischen Raffinessen. INSIDE LLEWYN DAVIS ist kein Film, der sich anbiedert und passt eben mehr zu den erwähnten Companion Pieces der Coenschen Filmografie. In diesem Kanon würde ich ihn als am schwächsten einstufen, doch wachsen die Coen-Filme mit der Zeit, was ich mir in diesem Falle auch vorstellen kann.

Make-or-Break-Scene: Keine einzelne Szene, sondern die ganzen Deja-Vus, die sich durch den plot ziehen.

MVT: Die Coens, die bei aller Schwermut genug Humor einflechten, wodurch der Film unterhaltsam bleibt.

Score: 7/ 10

Final Thoghts: Von einem schwächeren Coen-Film zu sprechen ist noch immer Jammern auf hohem Niveau. ;)


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AMERICAN HUSTLE (David O. Russell, USA 2013)


Zwei Con Artists (Christian Bale und Amy Adams) werden vom FBI (Bradley Cooper) zur Zusammenarbeit gezwungen, um einen korrupten Politiker (Jeremy Renner) hochzunehmen...

Neben 12 YEARS A SLAVE der Oscar-Favorit und ich weiß nicht warum. Als großes Darstellerkino angelegt hat mich der Film maßlos enttäuscht, da er seine Figuren als Karikaturen verpulvert. Das aufwändige Production Design (das Geschehen ist vorrangig in den 70ern angesiedelt) wirkt ebenfalls völlig over-the-top wodurch AMERICAN HUSTLE als eine Art Persiflage von modernen "period pieces" durchgeht, aber wohl nicht als solche gedacht war. Als ätzender Kommentar zur US-amerikanischer Politik taugte der Film ebensowenig, da der plot von den erwähnten extrem schrill gezeichneten Charakteren überstrahlt wird und deren Konfrontationen dadurch auch keine Glaubwürdigkeit inne wohnt. Mehr Starpower (in Nebenrollen u. a. Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Louis CK, Michael Pena) hatte letztes Jahr wohl kein Film aufzuweisen, doch dass dies kein Qualitätsmerkmal ist, beweist AMERICAN HUSTLE überdeutlich.

Make-or-Break-Scene: Jennifer Lawrence Psycho-Tanz zu "Live and let die" - bringt das Scheitern des Films auf den Punkt.

MVT: Christian Bale, der seiner Figur zumindest ein wenig Liebenswürdigkeit einhaucht und sich nicht völlig der Lächerlichkeit preisgibt.

Score: 4/ 10

Final Thoughts: Wenn Filme wie dieser Oscar-Nominierungen im zweistelligen Bereich sammeln, sagt das alles über den (Un)Sinn der Academy aus.


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ESCAPE PLAN (Mikael Hafström, USA 2013)


Ray Breslin (Stallone) arbeitet für den Knast-TÜV: er lässt sich geheim in Gefängnisse einschleusen, um zu beweisen, dass sie als solches nicht taugen. Denn er büchst zu einfach aus ihnen aus. Als ein Spezialauftrag eintrudelt, der ihn in eine Art Superknast führt, bekommt er dann doch seine Probleme. Mit ihm sitzt auch Herr Rottmayer, gespielt von: Arnold Schwarzenegger!!!

Vor 25 Jahren wäre ein Film mit Arnie und Sly eine Sensation gewesen. Im Jahre 2013 interessierte sich kaum noch jemand für die erste Zusammenarbeit der beiden Actionikonen. Dazu passt dann auch, dass man den Film im Gefängnisgenre ansiedelte, zur damaligen Zeit ein gern gesehener und viel genutzter Ort für Actionkracher. Hafströms Stil erhöht leider die Reminiszenzen an bessere Actionkinotage - wieso nicht einfach Mark L. Lester, Renny Harlin oder John McTiernan reaktivieren? Okay, bei letzterem wahrscheinlich etwas schwierig, aber so wäre vielleicht zumindest ein Nostalgiefest entstanden. Hafström verschreibt sich den Mechanismen des modernen Actionkinos und hält sein Publikum für strunzdumm, wie etliche Flashbacks zu kurz zurückliegenden Szenen beweisen. Doch am wichtigsten ist, wie Sly und Arnie harmonieren und wenigstens hier löst der Film teilweise das Versprechen seines Konzepts ein: die Chemie zwischen den beiden stimmt und sie vermöbeln sich sogar in einer Szene, wenn auch nicht mehr ganz so agil wie zu früheren Zeiten. Wer das größere Ego der beiden hat verdeutlicht ESCAPE PLAN nicht nur durch das "first billing" des Namen Stallone. Dieser spielt auch eindeutig die Hauptrolle und ist die handelnde Person des Films. Arnie gibt sich sehr passiv und hat durch seine Auszeit ggf. auch etwas an - wie es im Fußball so schön heißt - "Spritzigkeit" eingebüßt. Sein Bart passt da dann auch gut ins Bild. Umso schöner, dass er genau wie Sly leiden dürfen wie zu besten Tagen. Jeder kommt also dazu, sein Markenzeichen zu präsentieren: Sly mit seinen Fressenverrenkungen und Arnie mit seinem ösienglischen Gejaule, das in einer wunderbaren Szene, in der er auf deutsch (Synchro bei diesem Film also nicht nur wegen der "Danneberg"-Problematik sinnlos) Nietzsche zitiert, kulminiert. Ebenfalls ein netter Rückbezug auf das Actionkino der 80s ist die von Jim Caviezel völlig überhöht dargestellte Figur des sadistischen Gefängnisdirektors. Auch wenn der finale plot twist nicht wirklich überraschen konnte, bot er doch einen Weg, beiden Figuren einen netten Abgang zu bescheren und ihr Image zu erhalten. Gegen einen zweiten Versuch eines Sly-Arnie-Films hätte ich auch nichts einzuwenden.

Make-or-Break-Scene: Arnie spricht deutsch. Minutenlang. Es wurde mal Zeit. :D

MVT: Natürlich Schwarzenegger und Stallone, ohne deren Charisma ESCAPE PLAN in die Sektion "Direct-to-DVD" gehören würde.

Score: 6.5/ 10

Final Thoughts: Jetzt bitte den 90s-Action-B-Movie-Icons-Movie mit Seagal und JCVD drehen.


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THE MASTER (Paul Thomas Anderson, USA 2012)


Nach dem Kriegsdienst irrt Freddie (Joaquin Phoenix) durchs Leben und gerät an einen charismatischen Sektenführer (Philip Seymour Hoffman)...

Ein Film, zu dem ich zu keinem Zeitpunkt einen Zugang gefunden habe und mir PTA nach dem ebenfalls enttäuschenden THERE WILL BE BLOOD als Filmemacher etwas madig gemacht hat. Zu sperrig sind mir seine letzten Werke, deren Charaktere nicht greifbar sind und im Falle von Freddie auch einfach nur noch nerven. Zudem verpasst es PTA seinem Protagonisten irgendeine Enwicklung durchleben zu lassen. Er ist am Ende genau der nicht gesellschaftsfähige Säufer, der er zu Beginn war. Formal ist der Einstieg in den Film großartig und die Klänge von Jonny Greenwood erzeugen rasch eine bedrohliche Stimmung, die auch im Vorgängerfilm enstanden war. Phoenix' Spiel ist ebenfalls groß: Fäuste in den Seiten und stetig in gebeugter Haltung gibt er den Irren überzeugend. Da PTA seine Figur aber eben in dieser Haltung verharren lässt und die Hintergründe des Cause-Cults, dem Philip Seymour Hoffman vorsteht nicht interessieren und auch kein Kapital aus der Begegnung der beiden Charismatiker schlägt, fängt THE MASTER schnell an zu langweilen. Dass der Film über 2 Stunden lang ist, half da auch nicht gerade.

Make-or-Break-Scene: Der Einstieg fasziniert, doch verpasst es der Film dieses Versprechen auch einzulösen.

MVT: Die gesamte Darstellerriege, die PTA einmal mehr als erstklassigen Schauspielerregisseur manifestiert.

Score: 4/ 10

Final Thoughts: Respekt an die, die in diesem Film ein Meisterwerk erkennen wollen.


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PANIC ROOM (David Fincher, USA 2002)


Die erste Nacht im neuen Heim wird für Mutter (Jodie Foster) und Tochter (Kristen Stewart) zum Albtraum, werden sie doch direkt von einem Einbrechertrio heimgesucht. Schutzt bietet der "Panic Room" - nur blöd, dass sich darin genau das befindet, wofür die Eindringlinge angetanzt sind...

Gemeinhin wird PANIC ROOM als schwächerer bis schwächster Eintrag in David Finchers Filmografie eingestuft, was ich nicht nachvollziehen kann. Besser als THE GAME und BENJAMIN BUTTON ist er allemal und auch wenn er als reines Spannungskino angelegt ist, so überzeugt er als dieses vollauf. Im Grunde stellt PANIC ROOM eine interessante Variation des klassichen Heist Movies dar - die Täter versuchen in einen Tresor einzudringen, der zugleich als Schutzraum konstruiert ist und somit zu einem "Super-Safe" wird. Neben den praktischen Möglichkeiten werden somit schnell die psychologischen abgeklopft, wodurch der Film eine besondere Note erhält: Spannungen entstehen zwischen den Tätern, den Gefangenen und natürlich zwischen den beiden Lagern. Durchweg getragen von guten Darstellern, bei denen Forest Whitaker und Jodie Foster erwartungsgemäß herausragen. Die mondäne Nicole Kidman - ursprünglich für die Hauptrolle vorgesehen - hätte diesen Part nicht überzeugender ausfüllen können. Neben dem Terror, der durch die Einbruchsituation entsteht ergibt sich aus der Wahl einer rein femininen Opferriege darüber hinaus eine Art Kampf der Geschlechter, bei dem sich Fincher auf die Seite der Frauen stellt, da ihr Intellekt am Ende triumphieren wird. So kann man PANIC ROOM auch als Metapher zu einem Vergewaltigungsakt lesen, doch sollte man(n) auch auch nicht zu tief in den Film eindringen ( :immo: ). Wie bereits erwähnt ist er perfektes Unterhaltungskino gehüllt in der für Fincher schon erwarteten formalen Brillianz, die sich vor allem in eleganten Kamerafahrten zeigt.

Make-or-Break-Scene: Foster verlässt den Panic Room - trotz SloMo der größte Spannungsmoment.

MVT: Fincher - er zeigt sich als meisterhafter Filmemacher.

Score: 7.5/ 10

Final Thoughts: Actionkino für ihn und für sie.


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12 YEARS A SLAVE (Steve McQueen, USA/ UK 2013)


Die Leidensgeschichte des Solomon Northup, der gekidnappt sowie versklavt wird und erst nach 12 Jahren seine Freiheit wieder erlangt...

Dies ist eines der allgemein als wichtiger Film bezeichneten Werke, weil es einen historischen Missstand anprangert (und damit wird er sicherlich bei den Academy Awards absahnen). So auch dieser Film hier. Sklaverei ist unmenschlich und das zeigt McQueen in aller Deutlichkeit. Dabei verlässt er sich nicht darauf, dass der Zuschauer Zwangsarbeit und Gefangenenstatus als negativ bewertet, sondern lässt auch einige Sadisten auftauchen, die den Schwarzen das Leben wortwörtlich zur Hölle machen. Fast 2 Stunden lang werden die armen Seelen malträtiert, so dass man gewisse Parallelen zu Mel Gibsons Passionsgeschichte ziehen könnte. Allerdings vermeidet McQueen technische Spirenzchen à la SloMos und setzt auf Realismus. Die Hauptfigur, gleichzeitig Identifikationsfigur fürs Publikum erträgt ihr Schicksal passiv, so dass erst ein Zufall für die Erlösung sorgt. So verpasst es der Film, tiefer in die Figur und Thematik einzutauchen. Er zeigt Menschenhandel als das, was es ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Make-or-Break-Scene: Die x-te sadistische Eskapade des Fassbender-Charakters ermüdet statt zu schockieren. In ihrer Überzeichnung wirkt seine Figur zunehmend unglaubwürdig.

MVT: Schwierig. Die Ausstattung hat aber überzeugt.

Score: 5/ 10

Final Thoughts: Betroffenheitskino für diejenigen, die eine Geschichtslektion wünschen.