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Short Cuts





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Magical History Tour : Madame De.... (Max Ophüls) F/I 1953



Madame De.....


Eingefügtes Bild


Madame De... habe ich sehr lange vor mir hergeschoben. Schon letztes Jahr bekam ich den Film von meinem guten Freund und Bergman Mitstreiter empfohlen. Er passte bislang irgendwie nie rein in ein Filmprogramm, dass ich mehr und mehr auf lose Vernetzungen thematischer, genrehafter und geschichtlicher Natur aufgebaut habe. Vor einigen Monaten sah ich dann Liebelei und begegnete La Ronde erneut. Als es innerhalb der MHT 1953 schlug hatte ich wenig Zeit und wartete auf den Moment indem ich mich diesem Film gewachsen sah.
Nun denn, viel Erklärung für diesen Nachtrag und viel zu wenig Worte, die nun folgen um diesem Meisterwerk auch nur annähernd gerecht zu werden. Zuersteinmal : Ich bin schier erschrocken, wie grandios dieser Film ist. Ins Mark getroffen passt ebenso.

Viel ist über diesen Film geschrieben worden, dessen Vielschichtigkeit auch erst im Laufe der Jahre erkannt wurde. Mich wundert und freut es auch zugleich, dass über den Film bislang noch kein Eintrag hier geschrieben wurde.

Angesiedelt im Frankreich der Belle Epoque wird die Geschichte von Madame De... (Danielle Darieux) erzählt, die ihre Ohrringe verkauft um Schulden zu begleichen. Ihr Mann, ein Oberst, (Charles Boyer) ersteht die Ohrringe zurück und schenkt sie seiner Mätresse. Die verkauft sie beim Glücksspiel und werden vom italienischen Baron und Diplomaten Donati (Vittorio De Sica) gekauft, der sch schon bald in Madame De.. verliebt. Doch Liebe bedeutet hier unumstößlich Tragödie und so nimmt das Drama seinen Lauf.

Soviel in allerster Kürze zum Plot. Selbst wenn man noch nie einen Max Ophüls Film gesehen hat, so weiß man doch ungefähr, dass ein Markenzeichen seiner Filme, die nie stillstehende, entfesselte Kamera war.
Es ist eine Kamera, die so gut wie nie statisch ist. Von Beginn an ist sie in Bewegung, gleitet schwerelos dahin in minutenlangen Plansequenzen und verbindet sogar Raum und Zeit. Eine Kamera, die mit der Walzermelodie des Films eins wird, die Bewegung der Figuren immer wieder aufnimmt und deren Blicke lenkt, dabei ein Tempo entwickelt, dass einem fast schwindelig wird.
Schnitt ist hier bei Ophüls nicht nur einfach ein Schnitt, der eine neue Szene einleitet, sondern immer dramaturgisch begründet. Oft unsichtbar, wie er Räume verbindet und von einer langen Fahrt in die nächste übergeht. Selbst Schuss-Gegenschuss Sequenzen werden immer wieder durch neue Perspektiven aufgebrochen.
Immer wieder begleitet die Kamera Madame De in eleganter Bewegung, wie sie schon in der ersten Szene Schubladen und Schranktüren öffnet, nach einem Gegenstand, den sie versetzen kann, sucht und es ist dieses Objekt, die Ohrringe, die ihr stattlicher Eheman, der General, ihr zur Hochzeit schenkte, welches und das wird im Laufe des Films klar, sie selbst ist.
Madame De..., deren Name nie vollständig genannt wird, ist im Grunde ein Objekt, ein Interieur, die ihr kokettes Verhalten ablegt, sich für die Liebe entscheidet, kein dekoratives Accessoire, wie die Ohrringe sein will, daran Zugrunde geht und am Ende an gebrochenem Herzen stirbt.
Immer wieder filmt die Kamera sie eingerahmt durch Fenster, Türen oder Spiegel, die sie wie in einem Käfig erscheinen lassen. Dabei verläßt der Film allerdings nie seine leichte, schwebende Art, die auch, nebenbei, viel Humor besitzt. Doch ganz langsam, Schritt für Schritt, wie ein Uhrwerk, das zerspringt, bewegt der Film sich auf sein existenzielles Ende zu. Die bittere und tragische Falltiefe ist mit der schwerelosen Inszenierung wie in einem Netz verwoben.

"Ich liebe sie nicht. Ich liebe sie nicht. Ich liebe sie nicht." flüstert sie Donati mehrmals zur Verabschiedung entgegen. Begehren und Verweigerung. Liebe ist hier Obsession geworden und kein Spiel mehr, bei dem man gewinnen oder verlieren oder jemanden übertrumpfen kann.

Damit klopfe ich auch nur an einer Ebene des Films. Madame De... ist so vielschichtig und reich, dass man hier sich über jede einzelne Szene unterhalten kann. Ob es nun die großartigen Hauptfiguren und deren Darsteller sind, die Bedeutung der Diener und des Zufalls, das Verhältnis von Blicken, Türen, Fenstern, Treppen (immer wieder Treppen, auch Wendeltreppen als spiralförmige Metapher zum sich drehenden Tanz), Gegenstände und Räume, die durch diese fantastische Kamera durschritten werden als ob sie nie enden würden.

Ich bin hin und weg und schreibe soetwas selten aber ich kann nur jedem raten sich diesen Film anzusehen. Unglaublich !

10/10

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Dein Text macht echt Lust darauf, sich endlich mal mit Ophüls zu beschäftigen.

Weil du Treppen und Interieurs erwähnst... siehst du auch eine Verbindung zur Spiral Staircase?
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Dein Text macht echt Lust darauf, sich endlich mal mit Ophüls zu beschäftigen.
Mach das ! Auf jeden Fall ! Kenn von ihm auch nur die drei, hab aber noch ein wenig in Petto.

Zitat

Weil du Treppen und Interieurs erwähnst... siehst du auch eine Verbindung zur Spiral Staircase?
Gute Frage. Was die psychologische Ebene der zwei Filme anbelangt, obwohl sie total unterschiedlich sind, vielleicht. Bei Siodmak erhalten sie definitiv eine ganz andere psychologische Bedeutung als bei Ophüls. Bei Ophüls ist wirklich alles mit allem verbunden, was besonders wohl bei seinen letzten, großen, französischen Filmen raussticht. Pläsier muß ich mir da noch ansehen !
Als Einstieg ist wohl La Ronde ganz hübsch :)
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