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Camelback Cinema

Tommy The Cats filmische Sternstunden




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PUBLIC ENEMIES (Michael Mann, 2009)



Nach dem etwas enttäuschenden Miami Vice bot die Geschichte des legendären Bankräubers John Dillinger die idealen Voraussetzungen für ein spannendes Gangster-Epos. So dachte ich jedenfalls, doch nach der Sichtung bleibt ein fader Beigeschmack. Die Schießereien sind großartig inszeniert, da gibt's kein Vertun, nur gibt es zu viele davon. Insbesondere in der ersten Hälfte des Films verkommen die Dialogszenen dazwischen beinahe zum reinen Füllmaterial. Die Handlung läuft im Grunde genommen so ab: Dillinger bricht aus dem Gefängnis aus, Dillinger überfällt eine Bank, Dillinger liefert sich eine Schießerei mit der Polizei, Dillinger bricht aus dem Gefängnis aus, Dillinger überfällt noch 'ne Bank, etc. Spannend ist das nur bedingt, zumal bei der ganzen Ballerei die Figuren auf der Strecke bleiben. Dillingers Kumpanen sind nicht mehr als Abziehbilder, sogar er selbst bleibt erstaunlich blass. Und über seinen Gegenspieler, Melvin Purvis, erfährt man im Grunde genommen gar nichts. Ein weiterer Kritikpunkt ist der moderne Look des Films, der u. a. auf die Verwendung von Digitalkameras zurückzuführen ist und der nicht recht zu einem Film, der in den 30er Jahren spielt, passen will. Das hat mich seinerzeit schon bei Ali gestört (wobei dort keine Digitalkameras zum Einsatz kamen). So mag sich trotz der tollen Sets, Kostüme und Requisiten kein Weltwirtschaftskrisen-Flair einstellen. Wie das besser geht, zeigte beispielsweise Ron Howard mit Cinderella Man. Mann hingegen bietet dem Zuschauer eine seelenlose 140-minütige Hetzjagd, an deren Ende man erschöpft zurückbleibt. Ein hektisch geschnittener, oberflächlicher Hochglanz-Actionfilm, der aus seinem Desinteresse an den handelnden Personen keinen Hehl macht. Nachdem der Vorgänger mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, mache ich mir doch langsam Sorgen, ob Michael Mann verlernt hat, wie man richtig gute Filme macht. Public Enemies ist beileibe kein schlechter Film, als unterhaltsamer, anspruchsloser Gangsterstreifen taugt er allemal. Von filmischen Großtaten wie Collateral oder gar Heat ist er allerdings meilenweit entfernt.

Michael Mann



Filmtagebuch von...

Tommy The Cat
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