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Jede Menge Kohle (1981)

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Der Bergmann Katlewski hat eines Tages von allem den Kanal gestrichen voll. Von der sinnlosen Maloche im Pütt, von seinem kleinen Zechenhaus in Recklinghausen, vom Bankkredit, von seiner Ehefrau. Deshalb kommt er nach gefühlten zehn Tagen unter Tage in Dortmund wieder an die Oberfläche und und beschließt ein ganz neues Leben anzufangen.

Er lernt zufällig die Uli kennen und quartiert sich bei ihr, die zur Untermiete bei Steiger Hermann und dessen Frau Ilse in einem Mietshausbunker aus Beton wohnt, ein. Um an Geld für die Abstotterung des Kredits zu kommen und sich ein neues Leben aufzubauen, nimmt er Jobs als Lastwagenfahrer, Pförtner oder Kellner an, merkt aber schnell, dass er mit normaler Arbeit nicht ans Ziel kommt. Und jeder der seinem Vorhaben in die Quere kommt, kriegt von Katlewski entweder die volle Breitseite ätzenden Ruhrpottspottes vor den Latz geknallt oder den nimmt er kurzerhand mal aus.

Ich war regelrecht erschrocken, als ich jüngst durch die DVD-Abteilung eines großen Elektronikfachmarktes schlenderte (jenerwelche, der genauso wie der sechste Planet unseres Sonnensystems heißt) und dort die das Kinoplakat zierende Hülle von Adolf Winkelmanns Ruhrpott-Schlager erblickte. Seit seiner Kinoauswertung Anfang der 1980er, lief JEDE MENGE KOHLE zwar häufiger im WDR, aber dann immer nur im Schwenkvollbild-Format, was mit der Abtastung auf DVD nun zum Glück ein Ende gefunden hat.

Angesichts dieser sorgfältigen Aufarbeitung von JEDE MENGE KOHLE ist mir nochmal bewusst geworden, warum mich das mediale Brimborium bezüglich des Ruhrgebiets als europäische Kulturhauptstadt des Jahres 2010 von Anfang an so irritierte. Vor zwanzig, dreißig Jahren hätte man dem Erhalt von Fördertürmen, Grubenfeldern oder Kokereien keine Träne nachgeheult. Heuer sind sie Teil eines Konzeptes namens Industriekultur, das von Politik und feiner Gesellschaft als probates Mittel der Selbstbeweihräucherung erhalten und aufpoliert werden. Dieselben Herrschaften hätten sich gefälligst mal zu Schichtbeginn einfinden sollen, wenn Nieselregen solche Industriekultur mal ganz jämmerlich ausschauen lässt und auf die Gemüter der Bergleute drückt.

Davon erzählt JEDE MENGE KOHLE zwar kein bisschen etwas, aber er macht auf anschauliche Weise deutlich, wie seinerzeit die menschlichen Befindlichkeiten im subventionierten Kohlebergbau des Ruhrgebiets tickten und es sich lohnte, dagegen aufzubegehren. Schon alleine deshalb hätte JEDE MENGE KOHLE eine Wiederaufführung im Kino verdient. Aber das bleibt wohl Wunschdenken.

1 Kommentar(e) zu diesem Eintrag

Seite 1 von 1

Funxton 

19. Juni 2010, 11:43
Dabei gibt's die DVD schon ein paar Tage länger... :kork:
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